Autor: Nedzad Hurabasic

Es stimmt schon: Das WWII-Szenario hängt den meisten Spielern wohl zum Halse raus und kann inhaltlich nichts Neues mehr bieten. Von daher stellt sich die Frage, warum es nun einen dritten Teil von "Call of Duty" gibt. Die Antwort ist einfach: Die Serie ist qualitativ derart hochstehend, dass die Fans dafür gerne ihre Euros ausgeben.

Nun übergab jedoch der bisherige Entwickler Infinity Ward den Stab an Treyarch - bisher lediglich für die Xbox Umsetzung "Call of Duty: The Big Red One" bekannt. Doch keine Angst: "Call of Duty 3" kann mühelos in die Fußstapfen seines Vorgängers treten.

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Ab in den Krieg!
Das Spiel versetzt uns abermals in die Kriegswirren von 1944, kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie. Das Schicksal eines einfachen Soldaten zählte schon damals nicht viel bis nichts (es sei denn, man heißt Ryan...), und daher sind wir auch in "Call of Duty 3" reiner Befehlsempfänger, der die Aufträge seiner Vorgesetzten Offiziere bedenkenlos ausführt. Die 14 Missionen des Spiels werden zwar durch eine lose Hintergrundgeschichte zusammengehalten. Wenn man ehrlich ist, sind die kleinen Geschichten rund um die verschiedenen Spielfiguren aus Polen, Kanada, England oder den USA lange nicht so spannend, wie das Gameplay selbst. Dieses wird in regelmäßigen Abständen unterbrochen, um den Spielern mit Zwischensequenzen kleine Storys zu erzählen. Die Charaktere bleiben aber eher flach und faszinieren nicht wirklich.

Call of Duty 3 - Die Pflicht ruft, und wir folgen gerne: Teil 3 schlägt ein wie eine Granate!

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Zuhören, wenn die Offiziere ihre Befehle geben!
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Ganz anders das Spielgeschehen, das mit rasanter, explosiver Action von vorne bis hinten zu überzeugen vermag. Grundsätzlich hat sich an der Steuerung und am Ablauf im Vergleich zu "Call of Duty 2" auf der Xbox 360 kaum etwas verändert. Wer den Vorgänger auf der Konsole gezockt hat, wird mit dem Handling sofort wieder zurechtkommen. Wie gewohnt ist das Ballern "aus der Hüfte" wenig erfolgsversprechend. Für effiziente Attacken (rechter Trigger) verwendet man das Zielkreuz der Waffen, was mit dem linken Trigger aktiviert wird.

Hübsch ist der Unschärfeeffekt, der beim Einblenden an den Seiten aktiviert wird. Auf diese Weise wird das Abknallen der Nazis zumindest auf normaler Schwierigkeitsstufe fast zum Kinderspiel, zumal die Feinde sich dann nicht sonderlich intelligent anstellen. Wer eine Herausforderung sucht, sollte daher auf Experten- oder Veteranenstufe loslegen.

Packshot zu Call of Duty 3Call of Duty 3Erschienen für XBox, Xbox 360, PS2, Wii und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Dasselbe Gameplay, neue Spannung!
Beibehalten wurde auch das Konzept, ohne Medikits auskommen zu müssen. Stattdessen erholt sich die Spielfigur wie schon in Teil 2 nach einigen Sekunden ohne Beschuss, wofür ihr euch an eine sichere Position zurückzieht. Ein wichtiges Hilfsmittel sind auch bei diesem Fronteinsatz die Granaten. Zwar scheint der Granatenhagel ein wenig abgeschwächt worden zu sein, trotzdem fliegen uns die gefährlichen Sprengsätze noch oft genug vor die Beine. Wer fix ist, hebt sie schnell auf und wirft sie zurück. Alternativ dient das nächstbeste Hindernis als Deckung.

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Wer so offen an der Front steht, wird nicht lange überleben!
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Apropos Deckung: Das vom Krieg geschundene Gelände des französischen Hinterlands bietet jede Menge Gelegenheiten, sich vor feindlichen Attacken in Sicherheit zu bringen. Doch Vorsicht: Viele Objekte sind zerstörbar, und so wird die eben noch Schutz bietende Kiste vom Geballer der Feinde schnell in Stücke geschossen und ihr steht mit heruntergelassenen Hosen da! "Call of Duty 3" schafft es geschickt, dieses taktische Mittel mit flüssig ablaufendem Missionsdesign zu verbinden und so stockende oder übertrieben strategisch orientierte Action zu vermeiden.

Wer "Call of Duty" bereits gespielt hat, weiß im Prinzip, wie die Missionen ablaufen: Offiziere geben den Befehl, bestimmte Punkte zu erreichen und zu sichern, schicken uns von A nach B nach C, befehlen uns, Kameraden Deckung zu geben, teilen uns für Rettungsmissionen und Geiselbefreiungen ein oder ordnen an, feindliche Geschütze in die Luft zu sprengen. All das wird Veteranen der Serie bekannt vorkommen und doch schaffen es die Entwickler, eine unheimlich dichte Atmosphäre zu schaffen und den Spieler zu fesseln.

Dabei wird das Gameplay mit einigen "interaktiven", teilweise geskriptet ablaufenden Spielereien erweitert: Plötzliche Nahkämpfe mit feindlichen Soldaten oder das Anbringen von Sprengladungen werden nun mit einer speziellen Steuerungsmethode ausgeführt. Das ist zwar nett gemeint, bringt das Spiel aber nicht wirklich weiter und nervt nach dem dritten Mal eher. Als störend erweisen sich auch manchmal kleinere Fehler des Spiels. So bleibt die Spielfigur gelegentlich an Kisten oder anderen Objekten hängen und bewegt sich partout nicht weiter. Zudem schweben einige Soldaten manchmal plötzlich in der Luft, was aber nur sehr selten zu beobachten war.

Panzerfahrer, stillgestanden!
Neben diesen normalen Missionen dürfen Spieler auch einige Male an das Steuer eines Jeeps oder Panzers steigen, Artillerie anfordern, um Tanks zu zerstören, oder Mörsergranaten abschießen. Gerade die Jeepmissionen sind im Vergleich zum Vorgänger eher unspektakulär, dafür aber insgesamt sehr kurz ausgefallen - was im Übrigen auf fast alle Missionen und das gesamte Spiel zutrifft. Selbst durchschnittliche Spieler sollten keine Probleme haben, in deutlich unter zehn Stunden Paris zu befreien.

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Verdammter Nebel! Ist das ein Nazi oder ein G.I.?
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Dafür verantwortlich ist das bis auf wenige Ausnahmen sehr lineare Gameplay. In kurzen Abständen versorgen euch eure Vorgesetzten mit neuen Aufträgen, die sofort ins Missionsbuch eingetragen werden. Sterne auf der Minimap verdeutlichen zudem den Standort der Mission - wie schon aus den vorherigen Episoden bekannt. Alternative Lösungswege gibt es so gut wie nie. Selten dürft ihr euch entscheiden, welche Route ihr einschlagen möchtet. Auswirkungen auf den Ausgang der Geschichte hat das aber nicht.

Phänomenale Präsentation!
"Call of Duty 3" überzeugt dafür wieder einmal mit seiner Präsentation. Phänomenal, was uns die Entwickler da entgegenwerfen: Krachende Explosionen, eingebettet in tolle Effekte, Mauern werden vor euch weggesprengt, Soldaten fliegen durch die Luft, von überall her wird das Feuer eröffnet, das Blei schwirrt uns knapp am Kopf vorbei, und die Ohren pfeifen, während die Sicht plötzlich getrübt wird. Auch die Texturen wirken nochmals schärfer und detailreicher, lediglich Innenräume wirken etwas phantasielos und baukastenförmig. Auf der anderen Seite verfügt das Spiel über eine enorme Sichtweite. Und das bei einer fast immer konstant hohen Framerate, bei der es nur sehr selten zu kurzen Rucklern kommt. Es geschieht so viel gleichzeitig, dass man gar nicht alles auf einmal erfassen kann - wie im wirklichen Krieg.

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In einigen Missionen dürfen wir auch diesen Sherman-Panzer steuern. Buuuum!
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Hervorragend ist auch erneut die akustische Untermalung - nein, das wäre noch untertrieben. Schließlich sind die satten Soundeffekte, das Gewehrgeballer, die anfliegenden Flugzeuge oder Granateinschläge, das Rufen und Schreien der Soldaten, das Rasseln der Panzerketten für den authentisch wirkenden "Spaß" zu großen Teilen mitverantwortlich und häufig im Vordergrund des Geschehens. Nicht unterschlagen werden soll der orchestrale Soundtrack von Joel Goldsmith (u.a. "Stargate: SG-1"), der dem Ganzen noch das I-Tüpfelchen aufsetzt. Fantastisch!

Aufgebohrter Multiplayer!
"Call of Duty 3" bringt einen überarbeiteten und deutlich aufgebohrten Mehrspieler-Modus mit, der die ohnehin schon große Fanbasis begeistern dürfte. Statt acht dürfen nun bis zu 24 Spieler an den Gefechten teilnehmen. Auf neun Maps dürft ihr in insgesamt sechs Modi in den Krieg ziehen. Neben dem Klassiker "Capture the Flag" oder "Schlacht" und "Teamschlacht" gibt es nun auch die Varianten "Krieg" und "CTF - eine Flagge".

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In engen Straßenschluchten muss jedes Haus einzeln erobert werden.
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Für noch mehr Spannung und Motivation sorgen die sieben verfügbaren Soldatenklassen (leichter und schwerer Soldat, Sanitäter, Späher usw.), die für jeden Einsatz Punkte abkassieren. Mit jedem gewonnenen Rang werden eure Fähigkeiten verbessert, und ihr dürft verschiedene Spezialfähigkeiten anwenden sowie mehr Munition mitschleppen. Angereichert wird der Mehrspielermodus durch die Verfügbarkeit von Panzern und anderen Vehikeln. Gerade die neuen Modi und die erhöhte Spieleranzahl machen den Multiplayer-Modus noch spannender und auf Xbox Live zu einer verdammt spaßigen Angelegenheit!