Autor: Sebastian Weidner

Wie die Zeit vergeht! Stolze acht Jahre ist es nun schon her, dass "Caesar III" das Licht der Händlerregale erblickte. Zwischenzeitlich ist im Aufbaustrategie-Sektor viel passiert. Zahlreiche Genrevertreter haben die Krone an sich gerissen und wieder verloren.

Höchste Zeit also, dass sich der Altmeister zurück meldet und die ANNOs und Siedler dieser Welt zum Titelkampf herausfordert. Wir haben "Caesar IV" auf Spielspaß-Herz und Technik-Nieren getestet und sagen euch, ob sich der neuerliche Ausflug ins antike Rom lohnt.

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Anpacken, los geht's!
"Caesar IV" ist ein Aufbaustrategiespiel in Reinkultur und bester Serientradition. Will heißen: Ihr bekommt alles, was ein technisch moderner, spielerisch gelungener Genrevertreter bieten sollte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Innovationen müsst ihr mit der Lupe suchen. Dafür funktioniert die Spielmechanik genau so, wie sie soll.

Caesar 4 - Brot, Spiele, Luxusgüter – eure Untertanen in Caesar IV sind anspruchsvoller als Paris Hilton! Fluch oder Segen?

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Unsere prächtige Siedlung im Rundumblick. Hier lebt es sich gerne!
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Zu Beginn eurer Städteplaner-Karriere entscheidet ihr euch für eines von fünf Szenarien oder für die Kampagnen. Derer gibt es drei. Diese reichen von den Anfängen der römischen Hochkultur über die Expansion im Mittelmeerraum bis zur Hochzeit des Reichs. Vor Beginn der Missionen müsst ihr euch entscheiden, ob ihr friedlicher Natur seid und allein durch wirtschaftliches Geschick gewinnen wollt oder additiv Schlachten mit Aufsässigen schlagen möchtet. Ein Kinderspiel erwartet euch allerdings weder bei den kriegerischen noch bei den friedlichen Missionen.

Schon früh in der zweiten Kampagne müsst ihr knallhart kalkulieren und eure Städte minutiös planen, um den Sieg einzufahren. Fehler solltet ihr dabei möglichst keine machen - die werden nämlich schnell bestraft. Genreeinsteiger wird das trotz dreier Schwierigkeitsstufen im späteren Verlauf überfordern. Aufbauexperten und Fans der Reihe frohlocken hingegen und bedanken sich inbrünstig bei Zeus.

Packshot zu Caesar 4Caesar 4Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Der Beginn einer "Caesar IV"-Partie gestaltet sich immer gleich: Stets baut ihr Straßen, setzt Häuser in die hübsche Landschaft, stellt die Wasserversorgung sicher und erschließt Nahrungsquellen. Um die Mission erfolgreich zu beenden, bedarf es aber viel mehr. Die Vorgaben Roms müssen in Form bestimmter Bevölkerungszahlen sowie Punktwerten in den Bereichen Wohlstand, Kultur, Ansehen und Sicherheit erfüllt werden.

Was es damit auf sich hat? Ganz einfach: Haltet ihr euren Staatshaushalt im schwarzen Zahlenbereich, mehrt ihr den Wohlstand. Erfüllt ihr auch noch voller Inbrunst Caesars hohe Ressourcenforderungen, so steigt auch die Ansehen-Wertung ins Unermessliche und alle sind überglücklich.

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Prall gefüllte Vorratslager: So haben wir das gerne, und Rom wird's uns danken.
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Den kulturellen Anspruch erhöht ihr traditionsgemäß mit dem Bau medizinischer Einrichtungen, z.B. Krankenhäuser und Tempel. Kümmert ihr euch gewissenhaft um Bildungsinstitutionen wie Schulen und befriedigt den Drang eurer Untertanen nach Unterhaltung, darunter Theater-, Arena- und Kolosseum-Aufführungen, ist euch ein hoher Kulturwert sicher. Apropos sicher: Eure Einwohner wollen sich geborgen fühlen in ihrer Stadt. Ihr solltet also stets ausreichend viele Präfekten ansiedeln, sowie die Stadtmauern und Verteidigungseinrichtungen ausbauen. Setzt ihr all das um, steht einer blühenden Metropole eigentlich nichts mehr im Weg.

Römisches Dreierlei
Okay, ganz so trivial, wie wir den Aufbaualltag in der Theorie durchexerziert haben, ist er in der Praxis natürlich nicht. Schließlich müsst ihr gleich drei komplett unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zufrieden stellen. Das gemeine Volk, die Arbeiter- und Handwerkerschicht, wird dargestellt von den Plebejern, die in einfachen Insulae hausen.

Zu den Aufgaben der Burschen gehören der Ab- und Anbau von Ressourcen und Nahrungsmitteln, die Instandhaltung aller Gebäude oder das Löschen von Bränden. Die Ansprüche der Plebejer sind vergleichsweise gering. Fließend Wasser, Getreide und einige Haushaltswaren wie Geschirr genügen, um sie vollends zufrieden zu stellen.

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Ein Boot mit teuren Handelswaren auf dem Weg in unsere florierende Stadt.
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Ganz anders die Equites, sozusagen die Mittelschicht in "Caesar IV". Diese leben in Domi, dem römischen Pendant zum deutschen Reihenhaus. Mit gewöhnlichen Handwerksberufen haben sie nichts am Hut. Vielmehr stellen sie die Dienstleister des Römischen Reiches. Ob Gesundheits-, Unterhaltungs- oder Religionseinrichtungen: Die Equites managen alles! Dafür sind die Denker und Lenker auch deutlich anspruchsvoller als die Plebejer. Neben Brot wollen sie Gemüse verspeisen und Luxuswaren wie Schmuck oder Möbel einkaufen können. Diese Luxuswaren wiederum werden hergestellt von - dreimal dürft ihr raten - den Plebejern.

Die Dritten im Bunde, die Patrizier, fallen in die Kategorie "stinkreich und verwöhnt bis zum Abwinken". Statt zu arbeiten lassen sie sich in ihren protzigen Villen verwöhnen und futtern neben Brot und Gemüse den ganzen Tag teures Fleisch. Luxusartikel sind für diese Genossen Normalität. Deshalb müssen Exotenwaren wie Weihrauch, Elfenbein, Parfüm, Papyrus oder Bernstein her.

Diese exklusiven Güter könnt ihr nicht immer selbst anbauen, sondern müsst sie mitunter für teures Geld importieren. Das lohnt sich aber! Denn nur Patrizier zahlen Steuern - und das saftig. So würden wir uns das auch in der Realität wünschen! Neben Steuern ist der Handel mit anderen römischen Provinzen eure zweite, fast noch wichtigere Einkommensart. So könnt ihr überflüssige Waren für gutes Geld an andere Provinzen verkaufen, im gleichen Zuge aber auch dringend benötige Ressourcen erhalten.

Weck den Manager in dir!
Sind eure Untertanen mit eurer Herrschaft zufrieden, bauen sie eigenständig ihre Häuser aus. So können mehr Menschen einziehen. Patrizier-Villen zahlen zudem höhere Steuern.Doch wehe, eure Bevölkerung wird aufgrund zu hoher Arbeitslosigkeit oder fehlender Waren unglücklich! Dann bilden sich Mobs auf den Straßen, Penner und Bettler machen eure Stadt unsicher, und Randalierer setzen Regierungsgebäude in Brand. Schlimmstenfalls wandert eure Bevölkerung gar komplett aus.

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Hilfe, wo ist der Präfekt? Die Hütte brennt, unsere Einwohner werden panisch.
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Damit es nicht so weit kommt, solltet ihr regelmäßig eure Berater konsultieren. Die bereits aus den Vorgängern bekannten, neunmalklugen Gestalten zeigen euch die Probleme der Siedlung genauestens auf. So werdet ihr frühzeitig über steigende Arbeitslosigkeit informiert, bekommt mitgeteilt, wenn Vergnügungseinrichtungen fehlen oder dass Rom eure Loyalität aufgrund ausbleibender Rohstofflieferungen in Frage stellt. Der Chef-Berater bündelt die Feedbacks in kurzer Form. Das dient der Übersichtlichkeit enorm. Sich stundenlang durch alle Berater-Bildschirme zu klicken, bleibt euch somit erspart.

Um die einblendbaren Spezialkarten kommt ihr allerdings nicht herum. Denn nur mit diesen Layern der regulären Weltkarte könnt ihr überprüfen, ob eure Wasserversorgung die komplette Stadt umschließt, wie es mit der Attraktivität der Siedlung bestimmt ist und wie hoch der Bildungs- und Religionsgrad ist. Die Maps sorgen so zwar für dringend benötigte Transparenz im Spielablauf. Doch auf Dauer nervt das ständige Aufrufen der schmucklosen Karten merklich. Uns hätte eine eindeutigere, optische Darstellung der Problemfelder, ähnlich wie in "Anno 1701", deutlich besser gefallen.

Tolle Grafik: Fluch und Segen zugleich
Wenn ihr "Caesar IV" zum ersten Mal startet, fühlt ihr euch zweifelsohne in die nächste Generation der Aufbauspiele versetzt. Die wunderbar detaillierte Grafik genügt höchsten Ansprüchen. Liebevoll gestaltete Gebäude, prachtvolle Texturen und tolle, dynamische Tag-/Nacht-Wechsel bringen das Herz jedes Aufbaustrategen zum Glühen.

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Erfolg macht stolz: unsere schicke Villa samt prächtiger Grünanlage.
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Da verschmerzen wir die zum Teil abgehackten Animationen und die Detailarmut der Spielfiguren gerne. Die wunderschöne Optik hat in Form enorm hoher Hardware-Anforderungen allerdings einen stolzen Preis. Selbst auf absoluten Hochleistungsmaschinen ist das Spielgeschehen nie völlig ruckelfrei.Der wenige Zeilen zuvor beschriebene Eindruck des "Next Gen-Aufbauspiels" verfliegt leider so schnell, wie er gekommen ist. Denn bereits wenige Minuten nach Start wird klar, dass "Caesar IV" im Prinzip nur ein aufgemotztes "Caesar III" ist. An der Steuerung etwa hat sich seit dem letzten Teil so gut wie nichts geändert. Nach wie vor müsst ihr für die Gebäudeauswahl viel zu viele Unterkategorien aufrufen. Dass die Bauten zudem nur als trockene Textauflistungen auftauchen, erfüllt den gemeinen Redakteur auch nicht gerade mit Freude.

Überhaupt konnten wir uns nie so recht mit der Steuerung anfreunden. Das Scrollen in der Spielwelt ist schwammig, die Kamerabedienung nicht intuitiv genug. Und dass ihr echte Genreneuerungen und Innovationen mit der Lupe suchen müsst, trägt natürlich weiter dazu bei, dass wir den Titel nicht gerade als den neuen Messias feiern.

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Krieeeeeg! Unsere Kämpfer formieren sich für anstehende Scharmützel mit Barbaren.
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Aber bitte versteht uns nicht falsch - "Caesar IV" ist beileibe kein schlechtes Spiel. Ganz im Gegenteil: Für darbende Aufbaufans, enttäuschte "Die Siedler II: Die nächste Generation"-Zocker und Liebhaber der Reihe führt in Anbetracht der mauen Genre-Konkurrenz zumindest bis zum Release von "Anno 1701" kaum ein Weg am römischen 3D-Primus vorbei. Für alle anderen aber schon …