Buzz: Das Musik-Quiz (PS2 Review)
von Jörg Pitschmann

Musikalische Ratefüchse aufgepaßt: Wer meint, sich im Musikbusiness der letzten 50 Jahre auszukennen und auch sonst ein gutes Gespür für eingängige Melodien hat, der sollte sich Sonys spielerisches Kleinod "Buzz: Das Musik-Quiz" näher ansehen.

Denn die emsigen Japaner haben es mal wieder geschafft, der PS 2 ein ebenso abwechslungsreiches wie unterhaltsames Spiel zu spendieren, das trotz kleinerer Schwächen für viel gute Laune und umtriebige Hektik sorgt. Wir haben uns das Programm nebst zugehöriger Hardware-Controller besorgt und unser musikalisches Allgemeinwissen auf die Probe gestellt.

Immerhin kennen wir MTV, und auch mit dem Rest des Musikbusiness sind die meisten von uns auf Du und Du. Doch erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Zwar hatten wir richtig viel Spaß bei der Sache, aber wie sich herausstellte, versagte selbst Redaktionsfossil Pitschmann, der schon aufgrund seines Alters dafür prädestiniert ist, mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte aus persönlicher Anschauung heraus zu kennen, oft genug bei den Antworten. Und das lag nicht am mangelnden Reaktionsvermögen des alten Mannes, den "Buzzer" genannten Controller rechtzeitig zu betätigen. Aber lest selbst.

Rate mal mit Rosenthal
"Buzz" ist anders. Obwohl es auf den ersten Blick wie eine Quizshow im Privatfernsehen daherkommt, hat es mit jenen Ratespielchen, die uns vorzugsweise nachmittags von den Sendern geboten werden, nur wenig gemeinsam.

Zwar taucht auch hier ein profilneurotischer Moderator auf, der nicht nur als Namensgeber für die Show fungiert, sondern die Zuschauer und Teilnehmer durch mehr oder weniger verzichtbare Sprüchlein in Schwung bringen möchte. Doch im Gegensatz zu realen Quizshows mischt sich der virtuelle Laberkopf wenigstens nicht ins eigentliche Spiel ein, sondern kommentiert lediglich die abgegebenen Antworten. Was das Programm aber in erster Linie von echten Rateshows unterscheidet, ist der Spaßfaktor beim geselligen Zocken. Mehr dazu an späterer Stelle.

Wer "Buzz" zum ersten Mal spielt, fühlt sich wahrscheinlich ein wenig an den genialen PC-Klassiker "You don't know Jack" erinnert. Dass sich ein Vergleich zwischen den beiden Rateprogrammen eigentlich verbietet, zeigt sich jedoch recht schnell. Erstens beschäftigt sich "Buzz" ausschließlich mit Musik, und zweitens ist eine Quizrunde in mehrere recht unterschiedliche Spielchen eingeteilt.

Buzz: Das Musik-Quiz - Dumme Sprüche, heiße Gäste. Mit dem Buzzer auf den virtuellen Quiz-Thron?

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Außerdem fehlt es dem vorliegenden Titel am zum Teil recht bösartigen Humor des PC-Ratefuchses, denn sowohl die Fragen als auch die Antwortmöglichkeiten sind durchweg ernsthaft formuliert. Die Fragen werden übrigens stets von Buzz' Assistentin Rose kommentiert, die in ihrer Art entfernt an Maren Gilzer erinnert. Nur eben mit Sprechen. Und augenscheinlich ein wenig Intelligenz. Schade ist übrigens an der Stelle, dass das Spiel komplett im Comicstil gehalten ist, denn erfahrungsgemäß sind Quizassistentinnen auch immer was fürs Auge. Aber schließlich sollen sich die - männlichen - Spieler ja auch auf die Beantwortung der Fragen konzentrieren. Und da würde eine grafische Schönheit à la Kasumi oder Hitomi den Spielfluß wohl nur unnötig stören.

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Außerdem - wer sagt denn, dass "Buzz" nur für männliche Zocker interessant ist? Bei einer Vorführung des Spiels, zu der uns Sony eingeladen hatte, waren jedenfalls zwei sehr attraktive Damen anwesend, die gegen uns antraten. Und natürlich war auch allein ihre Anwesenheit dafür verantwortlich, dass wir gnadenlos versagt haben und letzter wurden…

Erfolgsdruck
Die Spielregeln von "Buzz" sind schnell erklärt: zu Beginn wählt man zwischen Single- und Multiplayer-Modus aus. Ja, richtig gehört, es gibt tatsächlich auch für einsame Solisten die Möglichkeit, am Musikquiz teilzunehmen.Inwiefern die mageren zwei Spielmodi und die kurze Zeitvorgabe allerdings Spaß bringen, sei einmal dahingestellt. Denn "Buzz" ist ein echtes Gesellschaftsspiel, sogar die Gebrauchsanweisung empfiehlt die gesellige Runde mit mehreren Teilnehmern. Die Singlevariante verläuft in nur zwei Runden: dem so genannten »Punktesammler«, bei dem man möglichst viele Sekunden Zeit erspielen muss sowie dem Modus "Heißer Stuhl", bei dem man erst dann Punkte gutgeschrieben bekommt, wenn man das obere Ende einer Fragenleiter erklommen hat. Währenddessen läuft die Zeit ab, die man sich in der ersten Runde erspielt hat. Je weniger Sekunden man sich also erspielt hat, desto schwieriger wird es, die Spitze der Leiter zu erklimmen, denn nach Ablauf der Zeit heißt es unweigerlich "Game over".

Das war's dann auch schon, denn alles in allem dauert so ein Singlequickie nicht länger als zehn Minuten. Im Mehrspielermodus hat man deutlich mehr spielerische Möglichkeiten. Auch die Spieldauer kann man hier selbst bestimmen.

Je nachdem, wie lange eine Partie dauern soll, werden pro Runde mehr oder weniger Fragen gestellt und verschiedene Spielmodi eingebaut. Je länger man sich also Zeit nimmt, desto abwechslungsreicher wird das Spiel. Doch bevor es losgeht, sucht sich jeder Mitspieler eine Figur aus, bestimmt deren Aussehen und das Geräusch, das beim Betätigen des Buzzers ertönt. Die akustische Kulisse reicht dabei von Miauen und diverse andere Tierstimmen über Hupen, Rasseln und so weiter bis hin zu lautem Rülpsen. Mit anderen Worten: es geht während des Spiels nicht nur lautstark zwischen den Teilnehmern zur Sache, sondern es ertönen auch zum Teil recht merkwürdige Geräusche. Der Spielatmosphäre tut das natürlich keinen Abbruch, sondern es unterstreicht den Funcharakter des Titels.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist natürlich der Buzzer, ein eigens für das Programm entworfener Controller, der in einer Hand gehalten wird und über vier farbige Knöpfe sowie einen leuchtenden roten Button auf der Oberseite verfügt.

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Zu jeder gestellten Frage gibt es vier Antwortmöglichkeiten, die jeweils einer der Farben zugeordnet sind. Je nachdem, in welchem Spielmodus man sich gerade befindet, ist entweder ein schneller Druck auf den roten Knopf gefordert, bevor man antworten darf, oder man drückt direkt den richtigen Farbbutton. Bei Erfolg gibt's Punkte aufs virtuelle Konto, falsche Antworten werden mit Punktabzug, höhnischem Gelächter der Mitbewerber und dummen Sprüchen des virtuellen Quizmasters quittiert. Interessant sind die verschiedenen unterschiedlichen Fragerunden. Beim »Punktesammler« geht es darum, durch möglichst viele richtige Antworten ein dickes Pölsterchen von Punkten anzusammeln.

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Logisch. Spannender ist "Der schnellste Finger", denn hierbei erhält man mehr Punkte, desto schneller man den Buzzer drückt und dann die korrekte Antwort klickt. Lustig ist auch das "Bombenspiel", bei dem eine scharfe Bombe dem jeweils nächsten Kandidaten weitergereicht wird, sofern man die richtige Antwort gibt. Das Problem: irgendwann detoniert sie, egal ob man gerade den richtigen Button gedrückt hat oder nicht, und dann gibt's Punktabzug. Daneben gibt es noch weitere Lustigkeiten, wie zum Beispiel "Schnapp", wobei man den Buzzer betätigen muss, sobald zu einem eingeblendeten Satz eine übereinstimmende Aussage auf dem Bildschirm erscheint und weitere Modi, die allerdings nur dann gespielt werden können, wenn man sich für eine längere Spieldauer entscheidet.Wir empfehlen deshalb dringend, viel Zeit mitzubringen und die Zeit für die Fragerunden entsprechend auszuwählen. Am Ende einer Runde zeigt die Kamera übrigens die Teilnehmer an ihren Pulten. Je nachdem, welchen Button man dann drückt, kann man den eigenen Charakter entweder himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt sein lassen. Das hat zwar spielerisch absolut keine Auswirkungen, ist aber recht nett anzuschauen.

Hurra, ich bin im Fernsehen!
Einen gesonderten Blick verdient übrigens der Quizmaster-Modus, der im Menüpunkt Extras angewählt werden kann. Der Clou: man spielt dabei nicht gegen einen virtuellen Showmaster, sondern ein menschlicher Mitstreiter übernimmt das Amt des Spielleiters, wobei weder die Fragen, noch die Antworten vorgegeben sind. Es ist vielmehr möglich, aus allen nur erdenklichen Themenkomplexen Fragen auszuwählen und sie den anderen Teilnehmern an den Kopf zu werfen. Einziges Kriterium: es muß vier Antwortmöglichkeiten geben.

Praktisch funktioniert das ganze, indem man einen Analogcontroller an die PS 2 anschließt, den der Showmaster bedient. Der Kandidat, der nach Verkündung der Frage als erster innerhalb der vorgegebenen Zeit seinen Buzzer drückt, darf einen Antwortversuch wagen. Bei Erfolg drückt der Quizmeister die Dreieck-Taste, falsche Antworten werden mit der X-Taste quittiert. Auf dem Bildschirm erscheinen dazu die passenden Geräusche.

Einige recht interessante Fragen werden übrigens in der Anleitung gleich mitgeliefert, weitere kann man sich auf der Webseite zum Spiel herunterladen, oder man plündert einfach Vatis "Trivial-Pursuit"-Kartenvorrat. Wo auch immer man seine Fragen ausgräbt, ein Blick auf diesen Spielmodus ist in jedem Falle sehr lohnenswert. Aber bitte nicht schummeln und nur falsche Antworten vorgeben. Sonst setzt's Haue von den Mitstreitern.

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Und wer von der Quizzerei gar nicht genug bekommen kann: Sony hat bereits weitere Titel zu "Buzz" angekündigt, die sich allerdings nicht mehr mit Musik beschäftigen werden. Man darf also gespannt sein, was da in den nächsten Monaten noch auf uns zukommt. Neugierigen Naturen sei der Abspann des Spiels empfohlen, denn dort werden in bester Jackie-Chan-Manier neben der Laufschrift ein paar Outtakes gezeigt, gefolgt von einer kleinen Programmwerbung des Quizmeisters, der auf die geplanten Titel sowie deren Erscheinungstermin hinweist.

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Tonstörung
Was bislang nach Fun ohne Ende klingt, hat leider auch kleinere Macken, die das Spielvergnügen an manchen Stellen ausbremsen. Wie eingangs schon erwähnt, sind die Fragen nicht von Pappe. Zwar kann man vor Beginn auswählen, ob man sich eher der neueren oder der älteren Musik widmen möchte, oder man wählt den gesamten Fragenkatalog aus. Doch selbst Kenner der Musikgeschichte geraten bei manchen Fragen ernsthaft ins Trudeln. Denn die Titel werden samt und sonders nur wenige Sekunden lang angespielt, so dass oftmals eine Identifizierung des Stücks kaum möglich ist. Außerdem handelt es sich nicht um Originalaufnahmen, sondern um neu produzierte nachgespielte Versionen.Das sorgt, je nach Qualität des Tonschnipsels, für mehr oder weniger Frust. Fairerweise muß allerdings betont werden, dass die gecoverten Stücke zumeist in akzeptablen Versionen vorliegen - wenn man denn die Originale zum Vergleich kennt.

Wirklich ärgerlich ist dagegen, dass es leider nicht die Möglichkeit gibt, den gehörten Ausschnitt nochmals abzuspielen. Stattdessen läuft nach dem Abbruch des Tonbeispiels unerbittlich die Uhr, und so drückt man manches Mal Antworten auf gut Glück oder erwischt in der Hektik den falschen Button. Und das Spiel verzeiht nichts. Wenn man schon auf eine Wiederholfunktion verzichtet, wäre es zweifellos besser gewesen, längere Musikausschnitte zu gewähren. Außerdem wiederholen sich die Fragen recht bald. Zwar gibt es einen Pool von mehreren hundert, doch je nachdem, wie intensiv man spielt, stößt man recht schnell auf Déjà-Vu-Erlebnisse.

Trotz der genannten Nachteile ist "Buzz! Das Musik-Quiz" beileibe kein schlechtes Programm. Jeder stolze PS-2-Besitzer, der sich für frische Spielideen interessiert und vor allen Dingen das launige Zocken in Gesellschaft bevorzugt, sollte unbedingt einen Blick darauf riskieren. Denn, wie heißt es so schön, entscheidend ist nicht der Sieg, sondern der Weg dorthin. Und der ist bei "Buzz" mit lautstarker Fröhlichkeit gepflastert.