Es war einmal ein einfaches Puzzlespiel, das mit einem simplen, aber genialen Spielprinzip über Jahre hinweg Scharen von Hobbyzockern mehr als nur ein wenig Zeit gekostet hat. Die Rede ist von "Puzzle Bubble" aus dem Hause Taito, das ab Mitte der Neunziger Jahre für zahlreiche Plattformen erschien.

Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln verschwand die bunte Reaktionspuzzelei jedoch nicht in der Versenkung und lebte danach nur noch in der nebulösen Erinnerung einiger weniger Geeks fort. Das Spiel tauchte vielmehr unter diversen Namen als Klon bis heute für diverse Plattformen auf. Unter dem Namen "Bust-a-Move" wurde die Kugelstoßerei jetzt für die Wii veröffentlicht. Wir haben uns das Programm genauer angesehen.

Kugellager

Einfaches Spiel, große Wirkung. "Puzzle Bubble" und Co. funktionieren stets nach demselben Prinzip: eine Mauer aus farbigen Kugeln rückt langsam von oben in Richtung unterer Bildrand. Mit Hilfe einer fest installierten, drehbaren "Kanone" schießt man von unten bunte Murmeln ab, die sich entweder an die vorhandenen Bälle anheften und so die Mauer verstärken, oder Teile davon ablösen, sobald sich drei gleichfarbige Kullern berühren. In die Mauer eingebaut sind zahlreiche Extras, die beim Abschuss beispielsweise alle Kugeln einer bestimmten Farbe erledigen oder durch eine kleine Explosion alle in ihrer Umgebung befindlichen zerlegen. Das Ziel ist, alle Murmeln der Mauer aufzulösen, bevor diese den unteren Rand erreicht haben.

Bust A Move - Mangelnde Abwechslung und ein zu geringer Schwierigkeitsgrad trüben den Puzzlespaß.

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Egal ob am PC, auf der Konsole oder womöglich als Minigame auf dem Handy – die bunte Blasenballerei wusste bislang in den meisten Fällen zu überzeugen. Denn die Jagd nach immer besseren Highscores verbunden mit steigendem Schwierigkeitsgrad hat einen hohen Suchtfaktor. Und genau das erhofften sich auch die Jungs von 505 Games, als sie ihre Version unter dem Namen "Bust-a-Move" für die Wii vorlegten.
Leider haben sie ihr Ziel nicht erreicht. Zwar bietet auch die Umsetzung für Nintendos Fuchtelkasten einigen Spaß, doch geht die Motivation mangels Abwechslung und einem sehr zögerlich steigenden Schwierigkeitsgrad je nach persönlicher Frustgrenze mehr oder weniger schnell baden.

Angesichts von 500 Levels braucht es nämlich eine ganze Weile, bis man tatsächlich das Gefühl hat, dass der Schwierigkeitsgrad ansteigt. Und das nervt auf Dauer, denn das immer gleiche Abräumen der Bildschirme gerät so schnell zur Routine. Immerhin kann man in den Optionen festlegen, wie viele Farben die Kugeln haben können. Anfänger wählen hier fünf, Profis und Zocker, die das Programm länger als eine Stunde gespielt haben, greifen gleich zur Höchstanzahl von acht.

Packshot zu Bust A MoveBust A MoveErschienen für DS und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Räumkommando

Gesteuert wird die Abräumerei auf verschiedene Weise. So kann man entweder mit einer Kombination aus Wii-Mote und Nunchuk zu Werke gehen, wobei man mit der Fernbedienung ein Zielkreuz auf dem Bildschirm dirigiert, das die Richtung der nächsten abgefeuerten Kugel anzeigt. Knifflige Naturen bevorzugen vielleicht die Variante mit senkrecht gehaltener Wii-Mote, bei der die Richtung durch das Schwenken des Knüppels nach links und rechts vorgegeben wird. Wer mag, kann auch zum Classic-Controller greifen und das Geschehen ausschließlich mit den Analogsticks kontrollieren. Das ist allerdings am Unspannendsten, weil man sich dann der Vorzüge durch die Wii-typische Fuchtelbedienung beraubt.

Bust A Move - Mangelnde Abwechslung und ein zu geringer Schwierigkeitsgrad trüben den Puzzlespaß.

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Egal, für welche Variante man sich entscheidet – technisch funktioniert die Sache einwandfrei. Nur bleibt angesichts der schon angesprochenen fehlenden Abwechslung der Spaßfaktor nach einer Weile auf der Strecke. Daran können auch die unterschiedlichen Spielmodi nichts ändern, die wohl eher aus kosmetischen Gründen eingebaut wurden, denn sie stellen keine ernst zu nehmende Alternative zum klassischen Puzzlemodus dar. So besteht beispielsweise im "Endlos"-Part der einzige Unterschied zur normalen Daddelei darin, dass der Level nicht abgeräumt werden kann, sondern von oben immer neue Kugelreihen auftauchen. Öder geht es kaum.

Auch der "Schieß"-Modus, der sich im Übrigen als Minispiel auch während der normalen Kugelei alle zehn Levels einschleicht, verspricht weit mehr, als er hält. Denn hierbei geht es lediglich darum, herabfallende einzelne Kugeln mit einem Zielkreuz in der gleichen Farbe zu markieren und abzuschießen. Das ist ungefähr so spannend wie die Lektüre eines Rentenbescheids und wird nicht dadurch lustiger, dass man dieses autistische Treiben auch gegeneinander spielen kann.

Gruppenkuschelei

Womit wir beim Multiplayer-Part angelangt wären, bei dem sich "Bust-a-Move" damit rühmt, acht Zocker gleichzeitig an die Wii zu locken. Dazu ist es allerdings notwendig, eine Kombination aus Wii-Motes und Classic-Controllern an den Start zu bringen. Das Spiel selbst unterscheidet sich nicht vom Singlemodus. Stattdessen erhält jeder Teilnehmer sein Kanönchen und muss Kugel um Kugel abfeuern, um die heranrückende Wand aufzulösen.

Bust A Move - Mangelnde Abwechslung und ein zu geringer Schwierigkeitsgrad trüben den Puzzlespaß.

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Wer die meisten Punkte macht, gewinnt. Am spannendsten dürfte bei dieser modernen Form von bewegungssensitiver Gruppentherapie die Frage sein, wie viel Platz jeder Einzelne bei acht Kombattanten vor eine Glotze noch hat. Denn was vor einem 50-Zoll-Flachbildschirm noch einigermaßen klappen mag, verkommt vor einem herkömmlichen Röhrenfernseher vermutlich schnell zu einer Massen-Zuck-Aktion, die eher an das exstatische Schütteln bulimisch anmutender Zwangsraver auf einer Loveparade erinnern dürfte als an gemeinsames Zocken.

Netter, simpler Animé-Puzzlespaß mit bunten Kugeln und Kanonen – doch "nett" ist der kleine Bruder von "scheiße".Fazit lesen

Abgesehen davon würde vermutlich infolge von Platzmangel die Zahl verletzungsbedingter Krankenhausbesuche mit wieder eingenähten Augen oder vollvergipsten Armen sprunghaft ansteigen.

Buntspecht

Immerhin präsentiert sich "Bust-a-Move" in einem niedlichen Animéstil und weiß mit leuchtenden Farben und regenbogengrellen Effekten zu verwöhnen. Selbst in hektischen Momenten bricht die Framerate nicht ein, und auch die Steuerung reagiert praktisch ohne Verzögerung. Angesichts der nicht gerade aufwendigen Grafik ist dies allerdings wohl eher eine Selbstverständlichkeit. Hübsch aussehen tut es dennoch.

Bust A Move - Mangelnde Abwechslung und ein zu geringer Schwierigkeitsgrad trüben den Puzzlespaß.

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Pikachus Brüderchen (re. unten) freut sich über echte Spieleperlen.
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Musikalisch ist das Spiel eine echte Strafe. Zumindest nach einigen Minuten, wenn sich die eigentlich netten Klänge zum gefühlt einhundertsten Male wiederholen. Glücklicherweise kann die Begleitmucke in den Optionen abgeschaltet werden. Was bleibt, sind handelsübliche Beep- und Trötgeräusche, wie sie in Spielen dieser Art alltäglich sind. Das stört nicht weiter, sodass man bequem andere Dinge tun kann, während jemand im gleichen Raum "Bust-a-Move" zockt - wie zum Beispiel diesen Artikel schreiben.