Auch wenn es der Name verspricht: Höhenflüge hatten die „People Can Fly“ genannten Entwickler bislang nicht. Wie auch? Flunder-Shooter der Marke Painkiller sind quasi das, wofür der Na-jaaa-Stempel erfunden wurde. Nichts also, was bei irgendjemandem als „fettkrasser Mist“ hängen blieb. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Auftritt: Bulletstorm.

Mit den Epic-Games-Krawallmachern im Rücken und dem neuesten Unreal-Make-up-Topf in Griffweite will das bescheidene polnische Entwicklerstudio ganz oben mitmischen. Neee, nicht beim Skatturnier in der Dachkammer, sondern dort, wo sich die Gears of Wars, Call of Dutys und Battlefields dieser Welt grimmig ins Gesicht grunzen und darum zanken, wer mehr Booom, mehr Baaang und mehr „in die Fresse“ auffährt. Oh je? Nein, um oberflächliche Schauwerte soll es gar nicht gehen. Zumindest nicht vordergründig. Stattdessen stehen Spielwitz und Spaß an erster Stelle. Danach erst, ja, da kann man herumwundern, wie toll Bulletstorm aussieht.

Bulletstorm - Blutige Suppe mit Fleischeinlage

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Blut, schrecklich viel davon. Und das ist noch die harmloseste Szene.
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Worum geht’s? Um einen ganz armen Tropf namens Grayson Hunt, Friedensstifter und Spotlight-Hengst einer Einsatztruppe irgendwo im fernen 26. Jahrhundert, der von seinem Vorgesetzten die Aufgabe bekommt, einen stinkbösen General am besten um zwei, drei Ecken zu bringen. Dass die Chose gründlich schiefgeht und sich das an die Wand gepinselte Feindbild als gar nicht sooo böse herausstellt, konnte ja keiner wissen. Dass Grayson für sein Versagen geächtet und von den einstigen Chefs gejagt wird, dagegen schon. Ohne Verrat läuft heute wohl nichts mehr, vor allem kein Shooter.

„Gut“, denkt sich Grayson, „wer braucht schon menschliche Freunde, wenn er welche haben kann, die sich weder wehren noch vorlaut widersprechen?“ Er greift zur Flasche, stürzt sich in die aufregende Welt des Alkoholismus und eines lieben Tages jäh vom Himmel, als er hinterm Steuer die fliegende Schlachtmühle seines Erzfeindes rammt. Uff. Immerhin reicht die Erschütterung dafür aus, um beide Schiffe zu Fall zu bringen, dazu verdammt, auf dem Planeten Stygia bruchzulanden. Also nichts wie raus an die Luft, die gar nicht so frisch ist, sondern eher nach blauen Bohnen und No-Future-Mief stinkt. Igitt.

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Kakteen machen „pieks“ und sind vor allem dann zu gebrauchen, wenn man nicht selbst reingestoßen wird.
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Und das, obwohl ein flüchtiger Blick gar wunderschöne, farbenprächtige Bilder zeichnet: Die Sonne glüht kräftig durch vereinzelte Wolkenfelder und animierte Palmenblätter, von Dornenranken überwucherte Wolkenkratzer recken sich gen Himmel, Gräser und Farne schunkeln im Wind. Kurzum: eine verträumte Momentaufnahme einer detailverliebten Kulisse. Aber aus dem paradiesischen Fleck ist längst ein dystopisches Heckmeck geworden, ein Hexenkessel voller erbittert ums Überleben kämpfender Gangs und unheilvoll zum Leben erwachter Flora. Ein Ort also, an dem man keine zehn Sekunden bleiben möchte.

Ungefähr so lange dauert es auch, bis die erste fleischfressende Pflanze ihren hässlichen Schlund aufreißt und zeigt, was in ihr steckt: natürlich die abgelutschten Überreste armer Teufel, die nicht so schlau waren, ihnen geschickt auszuweichen. Wäre doch gelacht, wenn man diese monströsen Kreaturen nicht irgendwie aus der Reserve locken könnte, oder?

Wie möchten wir denn heute sterben?

Und genau hier fängt der Spaß an. Oder besser gesagt: das Kampfsystem, das unheimlich vielschichtig und schadenfreudig ausfallen soll. In der Tat sind die ersten Szenen, die wir in der Präsentation sehen, keine schlechten – und vor allem keine, die einen 08/15-Anstrich zur Schau stellen. Im Gegenteil: Es sieht echt witzig aus, wenn man einen menschlichen Gegner ins Maul einer genüsslich schmatzenden Monsterpflanze befördert. Schmerzhaft auch der Anblick, als einer der Typen nach einem kräftigen Tritt in einen Zwei-Meter-Kaktus saust und an geschätzten hundert Körperstellen aufgespießt wird, zumal Blutfontänen bei jeder Aktion übertrieben heraussuppen. Gespart wird hier mit Sicherheit nicht.

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Wer sich zu nahe an die Monsterpflanzen wagt, wird schnell verschlungen.
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Zwar kann man Bulletstorm wie einen x-beliebigen Shooter spielen und eine Salve nach der anderen aus dem Lauf pressen, aber dann hätten sich die Entwickler ihr fuchsiges „Skillshot“-System ja auch gleich sparen können. Das nämlich belohnt euch für jeden Abschuss mit Punkten und folgt nur einem Motto: je brutaler und ausgefallener, desto besser. Spätestens hier beschleicht mich das Gefühl, Deutschland wird das Spiel nicht mit offenen Armen empfangen.

Beispielsweise lassen stinknormale, ohne großes Drumherum durchgezogene Abschüsse das Punktekonto nur leise klingeln (10), Kopfschüsse dagegen wesentlich lauter (50). Fieser und schmerzhafter: Schießt einem der Kerle in die Stelle, wo alle Männer mit vorgehaltener Hand wie Chorknaben schreien, und treibt dem in sich zusammensackenden Häufchen Elend eine Kugel oder einen Stiefel in den Schädel – „Mercy-Kill“ sagen die Entwickler. Dass das noch die bodenständigen Aktionen auf einer in die Höhe schießenden Gewaltskala sind, zeigen die folgenden Szenen.

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Wenn's nur der Mundgeruch wäre...
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Grayson schwingt fleißig eine Art Energiepeitsche, die Gegner in einen schwebenden Schockzustand versetzt. Telekinese-artig driftet einer von ihnen in Zeitlupe durch die Luft und fängt sich einen kernigen Kick ein, bevor er in einen Kaktus treibt und grausam zerfleischt wird. Wem das noch nicht langt, der legt einen Schuss aus dem Raketenwerfer nach – sicher ist eben sicher. Nützlich obendrein, dass fast überall gelblich glühende Kugeln herumliegen, die nach einem Tritt locker zwanzig Meter weit fliegen und bei Beschuss explodieren.

Schöne Kulisse, dumme Sprüche, viel Spielwitz und rote Suppe an allen Ecken – könnte richtig gut werden.Ausblick lesen

„Afterburner“, schiebt sich als Schriftzug ins Bild, als Grayson einem brennenden Gegner die letzte Kugel ins Hirn jagt. Oder „4th of July“, als er dem nächsten Dämlack eine Ladung aus der Nagelkanone in den Körper drückt, ihn anschließend mit der Peitsche heranzieht, wieder von sich wegtritt und im Flug erschießt – hundert Punkte!

„Schief gewickelt“ bekommt in Bulletstorm außerdem eine ganz neue Bedeutung. Der große Star der Waffenkiste sind Wickelgranaten, zwei durch ein Seil verbundene Sprengkörper, die sich… na? Genau, die sich um das gewünschte Objekt schlingen und zu besonders grobem Unfug anstiften. Etwa dazu, zwei Feinde zum unzertrennlichen Paar zu machen, das anschließend eine besonders explosive Hochzeit feiert. Das Ziel der Entwickler ist klar umrissen: eine endlose Wechselwirkung von Kicks, Peitschenhieben, Schüssen und Explosionen, schier unerschöpfliche Möglichkeiten des kreativen Hinrichtens.

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Für besonders blutige Kills gibt es Extrapunkte.
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„The shit I've seen down there would turn your asshole purple“, flachst Graysons weibliche Kollegin, die ihm in der Präsentation feuernd und mit einem Dummspruchstakkato zur Seite steht. Eine Minute später wird klar, was sie meint: eine in der Decke festgewucherte Riesenpflanze, stinksauer, keifend, in einer Tour Schleim spuckend. Strammes Dauerfeuer schwächt sie immerhin, aber erst die Energiepeitsche, die Stück für Stück ihre Innereien belückt, macht endgültig Tabula rasa; die obligatorische Über-Explosion zieht einen dicken Schlussstrich unter die Präsentation.