Neulich im gamona-Büro: David: "Ned, hast du grad Brütal Legend gezockt?"

Ned: "Ja, hab ich."

David: "Ich habe lange keinen mehr so oft beim Spielen lachen hören, scheint ja echt Spaß zu machen, das Teil!"

Ned: "Das Teil ist der Hammer!"

Diese kurze Episode soll in etwa verdeutlichen, worum es bei Brütal Legend geht: um jede Menge Spaß - und METAL! Dabei sollte man doch eigentlich bei jedem Game Spaß haben - aber gut, das ist ein anderes Thema...

Brütal Legend - Trailer: Hammer Of Infinite Fate DLC17 weitere Videos

Brütal Legend stammt aus der Feder von Tim Schafer, der für Software-Perlen wie Psychonauts und Grim Fandango verantwortlich zeichnet. Dass der Mann abgefahrene Spielideen auch inhaltlich umsetzen kann, ist also spätestens seit diesen leider etwas untergegangenen Geniestreichen bekannt. Nun hat er quasi eine "Ode an den Metal", eine Liebesbekundung für hart rockende Musik, die wirklich noch mit der Hand gemacht und mit dem Herzen gelebt wird, erschaffen. Und die Hauptfigur mit keinem Geringerem als Jack Black besetzt.

Brütal Legend - Geniale Ode an die geilste Musik der Welt

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Eddie Riggs (Jack Black) ist nicht nur der beste Gitarrenroadie der Welt, er ist dazu auserkoren, den Heavy Metal zu retten!
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Dieser personifiziert einen gewissen Eddie Riggs, seines Zeichens Roadie einer überkandidelten New-Metal-Plastikband. Diese Art kommerzieller, seelenloser Mucke, macht den Heavy Metal kaputt, so die Meinung des eingefleischten Traditionalisten. Parallelen zur realen Welt sind natürlich nicht ganz zufällig gewählt. Anspielungen dieser Art gibt es in Brütal Legend an allen Ecken und Enden und zeigen, wie genau Schafers Team die Subkultur "Metal" studiert und analysiert hat.

Eddie ist der ultimative Roadie, der größte Experte in Sachen Gitarrentuning und Bühnenaufbau. Ein Bühnenunfall versetzt Eddie in eine Fantasy-Welt, in der der wahre Metal noch existent ist, jedoch von einem Wesen namens Lord Diviculus bedroht und unterjocht wird. Seine Mission ist klar: Die Ketten der Versklavung müssen gesprengt werden, und Eddie wird für die aufständischen Bewohner zu einer Art Messias.

Packshot zu Brütal LegendBrütal LegendErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Totenköpfe und langhaarige Penner

Das alles klingt vielleicht nicht sonderlich spannend. Es ist vor allem die fantastische Umsetzung, die die Faszination von Brütal Legend ausmacht. Wer nur ein bisschen Einblick in die Heavy-Metal-Szene hat, erkennt sofort, wie stimmig die Aufmachung und die Präsentation des Settings sind. Hier stimmt jeder Joke, Gaststars wie Lemmy Kilmister von Motörhead oder Ozzy Osbourne verleihen dem Titel zusätzliche Credibility, die gesamte Umgebung versprüht den groben Charme dieser Subkultur.

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Mit dem Hot Rod "Teufel" unterm Hinter erobert Eddie nicht nur die Welt, sondern auch die Herzen der Metal-Groupies.
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Berge aus Gitarrenverstärkern oder aus dem Boden sprießende Big-Block-V8-Motoren, glänzende Chromblöcke, Totenköpfe, Headbanger mit mächtigen Nacken, halb nackte Groupies, "langhaarige Penner" en masse und vor allem viele, viele coole Sprüche. Und natürlich: ein Soundtrack, der jede Menge "wahren" Metal enthält. True Metal, sozusagen. Über 100 Songs namhafter Bands wie Black Sabbath, Motörhead, Testament, Judas Priest, Running Wild, Megadeth oder Manowar bieten den perfekten akustischen Teppich für Dialoge wie:

Eddie: "Ich will den wahren Metal zurückhaben!"
Unbekannter: "Den aus den Siebzigern?"
Eddie: "Nein, früher als das. Die frühen 70er..."

Wer mit einem Dauergrinsen zocken will, kommt um diese Ode an den Metal nicht herum!Fazit lesen

Allein die Figur Eddie Riggs wird durch Jack Black famos in Szene gesetzt. Ein trockener Spruch jagt den Nächsten. Für manch einen bedeutet dies WTF-Momente oder schiere "Awesomeness". Für mich ist es einfach nur bezeichnend, wie detailgetreu dieser Charakter gezeichnet und porträtiert wird, wie punktgenau und glaubhaft die Figur mit Leben erfüllt wird.

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Im Nahkampf packt Eddie seine Axt aus und veranstaltet ein Blutbad unter seinen Feinden.
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Einen besseren, lebendigeren Protagonisten, der zudem noch hervorragend synchronisiert wurde, gab es schon lange nicht mehr. Ausgestattet mit einer unglaublichen Coolness, tollem Humor und jeder Menge Charme trägt Eddie den Spielablauf praktisch allein. Übrigens: Wer das Spiel lieber im "Original" zocken will, kann auf die optionale englische Sprachausgabe zurückgreifen.

Langeweile kommt aber auch so zu keinem Zeitpunkt auf. Eddie rast meist mit seinem aufrüstbaren, chromblitzenden Heavy-Metal-Hot Rod namens "Teufel" durch das wilde Open-World-Szenario, dessen archaisch anmutende Gestaltung viele stilistisch perfekt passende Hingucker bietet: riesenhafte Schwerter, Eiserne Kreuze, titanenhafte Statuen, Stonehenge-Nachbildungen und vieles mehr.

Das ist optisch zwar beeindruckend, aber insgesamt nicht herausragend. Boden- und Objekttexturen wirken beispielsweise häufig matschig und nicht besonders hoch aufgelöst, was der Atmosphäre jedoch unterm Strich keinen Abbruch tut. Ihr entscheidet selbst, ob ihr einfach nur so drauflos heizt und die Welt erkundet, der Hauptstory folgt oder eine der unzähligen Nebenmissionen erledigt.

Metal Blütbad

Der Spielablauf teilt sich dabei grob in zwei Mechaniken: Auf der einen Seite spielt ihr Eddie als eine Hack n Slay-Figur, die entweder mit ihrer Doppelklingen-Streitaxt Tod und Verderben über die Feinde des Metal bringt oder die Gitarre "Clementine" für magische Attacken verwendet. Beide Artefakte können durch Erweiterungen aufgemotzt werden. Rüstet ihr die beiden unterschiedlichen Streitäxte auf, erhaltet ihr beispielsweise neue Angriffskombos, mit denen ihr euren Kontrahenten noch mehr Schaden zufügt. Brütal Legend ist allerdings kein Spiel für Weicheier (und daher ab 18 Jahren freigegeben): Gegner zerplatzen häufig in einem Schwall aus Blut und Extremitäten, Körperteile fliegen durch die Luft und so veranstaltet ihr meist ein ziemliches Blutbad.

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Diese Headbanger folgen Eddie auf Schritt und Tritt und bilden einen Moshpit zu seinem Schutz.
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Doch Eddie hat auch andere Möglichkeiten. Entwickler Double Fine Productions hat Strategiespiel-Elemente in Brütal Legend integriert, die bestens mit dem restlichen Spielablauf harmonieren. Zum einen könnt ihr euch Gefolgsleute rekrutieren, wann immer ihr Lust habt. Herumlungernde Headbanger schließen sich euch z.B. per Knopfdruck an und bilden einen Moshpit, um euch vor Widersachern zu schützen (LOL!). Auf so eine Idee muss man erstmal kommen!

Zum anderen wurden einige entscheidende Schlachten gegen Bossgegner als RTS-Scharmützel kreiert. Während ihr einigen Endgegnern mit Axt und Gitarre zu Leibe rückt, stürzen sich in den Strategieschlachten die beiden verfeindeten Armeen aufeinander. Doch keine Angst: Auch Strategie-Neulinge oder -Hasser werden hier nicht überfordert, alles spielt sich auf einem sehr zugänglichen Niveau ab.

Steht die Hauptbühne (die automatisch erbaut wird), beginnt die "Band-Battle" zunächst mit der Eroberung von Fangeysiren. Die darauf erbauten Merchandise-Stände versorgen euch mit wichtigen Rohstoffen und ermöglichen euch, Einheiten zu rekrutieren, mit denen ihr wiederum die feindlichen Geysire einnehmt oder ganz einfach gegnerische Kämpfer ausradiert. Auf beiden Seiten treffen kaum mehr als 50 Einheiten aufeinander, zudem sind die Schlachtfelder in der Regel sehr übersichtlich und kompakt gehalten.

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Mit dem Kopf durch die Wand: So macht headbangen Spaß!
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Ein hoher Anspruch steht nicht hinter diesem wenig abwechslungsreichen Strategieambiente, das gelegentlich beim Einheitenmanagement etwas hakelig daher kommt. Letztendlich geht es vor allem um spaßige und kurzweilige Gemetzel von kaum länger als 20-30 Minuten, bei denen auch eigene Tode keine Rolle spielen. Wird Eddie beim Fronteinsatz gekillt, ersteht er sofort an der eigenen Bühne wieder auf und das Gefecht geht ohne Unterbrechung oder Nachteile weiter. Diese RTS-Elemente bilden übrigens auch das Rückgrat des Multiplayer-Modus, in dem sich bis zu acht Spieler gegenseitig (in zwei Teams) einheizen.

Ein richtiges Metalspiel kommt natürlich nicht ohne Gitarrensoli aus, daher stehen Eddie noch einige Spezialfertigkeiten zur Verfügung, bei denen seine "Clementine" in Guitar-Hero-Manier zum Einsatz kommt. Anders als bei Guitar Hero drückt ihr hier jedoch nur einige wenige Tasten, um ein perfektes Solo zu spielen. So stärkt ihr mit einer kleinen Einlage die Moral eurer Truppen, lasst die Gesichter eurer Feinde schmelzen oder - nein, alles wollen wir noch nicht verraten...