Brothers in Arms: Road to Hill 30 (PC-Test)
(von Nedzad Hurabasic)

Während vor einigen Wochen die gefeierte Mini-TV-Serie "Band of Brothers" in Deutschland Premiere feierte (dreieinhalb Jahre nach dem US-Debüt), rührte Entwickler Gearbox die Werbetrommel für

seinen Weltkriegsshooter »Brothers in Arms Road to Hill 30« (BiA). Sowohl TV-Serie als auch Actionspiel thematisieren die ersten Tage nach der Landung der alliierten Truppen in der Normandie im Juni 1944. Steven Spielberg und Tom Hanks sorgten dafür, dass die

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TV- Umsetzung trotz oder gerade aufgrund der authentischen Darstellung ein erschreckend realistisches Bild des zweiten Weltkriegs wiedergeben. Gearbox wollte dem nacheifern und ein möglichst realitätsgetreues Spiel ins Rennen schicken. Ob die Spieleschmiede erfolgreich war? Wir sagen es euch!

Die Landung
In der Nacht zum 4. Juni 1944 werden Fallschirmjäger im Hinterland der französischen Kanalküste abgesetzt, um die Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie vorzubereiten. Doch ungünstige Witterungsbedingungen und feindliches Abwehrfeuer sind dafür verantwortlich, dass ein großer Teil der Truppen ihr angepeiltes Zielgebiet verfehlt - oft um dutzende Kilometer. Als Teil der 101. Luftlandedivision der US-Army, der so genannten "Easy Kompanie", steigt man als Fallschirmjäger namens Sergeant Matt Baker ins Spiel ein und erlebt, wie das eigene Flugzeug beim Beschuss schwer

beschädigt wird und man sich weitab seiner Kameraden inmitten des Feindgebietes wiederfindet. Unbewaffnet und umgeben von deutschen Soldaten schlägt man sich erstmal zu den eigenen Leuten durch und erlebt den kurzen Prolog, auf dessen Ausgang man keinen Einfluss hat, obwohl man schon durch den ersten Schützengraben stoplert. Die Einführung ist nämlich - wie sich viel später herausstellt - eine Rückblende, und man wird sie kurz vor dem Ende des Spiels noch einmal erleben.

Bevor es aber soweit ist, steht uns zunächst ein steiniger Weg bevor. Auf der Suche nach der eigenen US-Einheit trifft man zunächst auf Captain Hartstock, der ihnen von nun an nicht mehr von der Seite weichen wird. Selbst wenn er in einer Mission fallen sollte, ist er in der nächsten wieder mit von der Partie - genau wie (fast) alle anderen KI-Kameraden auch. Warum BiA als Taktik-Shooter bezeichnet wird, wird schnell klar: Sobald wir mit einigen Kameraden auf Wehrmachtssoldaten treffen, friert

Brothers in Arms Road to Hill 30 - Epische Story, verschenktes Potenzial

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das Bild ein und wir werden interaktiv in die Benutzung der so genannten "Situations-Ansicht" eingeführt. Diese soll uns das Kommandieren der eigenen Gruppe(n) erleichtern, indem das Spiel immer dann pausiert wird, wenn man dieses taktische Mittel aufruft (Taste "V"). Allerdings erweist sich sehr schnell, dass es ein nutzloses Werkzeug ist, weil man sich selbst im Zentrum der Kameraansicht befindet und diese nur sehr ungünstige Winkel für das Schlachtfeld erlaubt.

Packshot zu Brothers in Arms Road to Hill 30Brothers in Arms Road to Hill 30Release: PC, PS2, XBox: 10.3.2005
Wii: 1. Quartal 2008
kaufen: ab 44,99€

In der Spielpraxis wird man es, wenn überhaupt, nur selten einsetzen.Taktikische Grundausbildung
Viel nützlicher ist allerdings eines der Hauptfeatures des Spiels, das aus einer innovativen Anzeige der Feinde besteht. Sobald ein deutscher Soldat in die Reichweite der eigenen Leute gerät, erscheint ein kleiner Kreis über seinem Kopf.

An ihm kann man nicht nur erkennen, wo sich feindliche Soldaten befinden (was aufgrund der Tarnuniformen und der etwas eintönigen grün-braunen Landschaften eine nicht zu unterschätzende Hilfe ist), sondern auch deren Kampfmoral ablesen. Deckt man die Deutschen mit Sperrfeuer ein, verändert sich der anfänglich rote Kreis langsam und wird schließlich grau, was bedeutet, dass sie weniger aktiv sind und seltener zurückfeuern werden. Stichwort Sperrfeuer: Es ist eigentlich das wichtigste Element des Spiels, da praktisch alle Kampftaktiken darauf beruhen.

Man setzt den Feind mit einer Gruppe unter Feuer, während man ihm mit dem Rest der Einheit von der Seite in

die Flanke fällt und ausradiert. So folgen nicht nur die Handlung und die Wegfindung einem vom Hersteller vorgegebenen Weg, sondern auch das taktische Vorgehen auf dem Schlachtfeld ist größtenteils linear und absehbar.

Die eigene Kampfgruppe füllt sich im Laufe des Spiels mit weiteren KI-Kameraden, erst nach etwa der Hälfte des Spiels erreicht sie die Stärke von sieben Mann. Teilweise hat man zusätzlich das Kommando über einen Panzer. Ist die Gruppe vervollständigt, kann die Sperrfeuer/Flankieren-Taktik vollends perfektioniert werden. Eine Gruppe wird der Befehl gegeben, den Feind zu beschießen, während man das Angriffsteam, dass mit automatischen Waffen ausgestattet ist, dem Feind entgegenschickt. Glücklicherweise geht das einfacher als es sich anhört, lediglich die rechte Maustaste (es gibt keine alternativen Feuermodi) benötigt man zur absolut gelungenen taktischen Grundsteuerung seiner Einheit.Fährt man mit dem Mauszeiger über deutsche Soldaten, kann man beispielsweise per Rechtsklick entscheiden, ob das Ziel lediglich unter Feuer genommen werden oder auch direkt angegriffen werden soll. Alternativ kann man seine Teams natürlich auch in Deckung befehlen, was aber aufgrund einiger Fehler in der Wegfindung nicht immer optimal funktioniert.

Wenn die Fallschirmjäger keinen Platz finden, um sich hinter der Mauer zu platzieren, hocken sie sich einfach davor - und setzen sich so direkt feindlichem Feuer aus. Mit der Shift-Taste kann man einfach zwischen den eigenen Teams auswählen und so schnell auf neue Situationen reagieren. Das macht anfänglich sehr viel Spaß, nutzt sich aber aufgrund des doch arg limitierten Gameplays sehr schnell ab.

Im Sperrfeuer der Kritik
Solange ein Panzer der eigenen Einheit angehört, kann man diesen auch befehligen und sogar das MG benutzen, das auf seiner Oberseite

befestigt ist. Aber auch mit gepanzerter Unterstützung ändert sich nichts am Spielprinzip. Irgendein Hindernis, das man umgehen muss, liegt immer auf dem Weg, auch die Szenarien ähneln sich vom Ablauf und Aufbau zu sehr. Damit nicht genug, auch die sich ständig wiederholenden Sprüche der KI-Soldaten gehen einem mit der Zeit gehörig auf den Wecker: "Wir werden alle sterben"!, "Flankiert sie!", "Ich habe keine Munition mehr!" oder "Vergesst nicht, sie nach Zigaretten abzusuchen!" hört man ständig und kann es bald nicht mehr hören.

Sehr gewöhnungsbedürftig, aber wohl dem Realitätsanspruch der Entwickler geschuldet, ist die Tatsache, dass man ohne Fadenkreuz zurechtkommen muss. Wer ein ganzes Magazin verballert ohne den feindlichen Soldaten auch nur anzukratzen, wird sich über solche spielerischen Unzulänglichkeiten aber zu Recht ärgern. Oft hilft nur, in die Sniperansicht zu wechseln und auf diese Weise die nötige Präzision zu erhalten.

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Im Gegensatz zum Realitätsanspruch steht aber leider, dass sich weder die Umgebung noch Gegenstände zerstören lassen. Selbst ein vernichteter Panzer brennt nur kurz und sieht ansonsten fast aus wie neu. Ganz zu schweigen von Gebäuden, die selbst unter härtestem Beschuss keinen Schaden nehmen. So geht ein großer Teil der mit der Story aufgebauten Stimmung wieder den Bach runter, da das Ganze irgendwie nicht zusammenpassen will. Während der Missionen kann man nicht zwischendurch per Quicksave abspeichern. Wenn man das vorgegebene Ziel nicht erreicht, muss man den Level erneut angehen. Allerdings gibt es immer wieder fair verteilte Auto-Saves, sodass ein Scheitern nicht zu endlosen Wiederholungen führt und das fehlende Speicherfeature durchaus gekonnt kompensiert wird. Dafür kann es aber passieren, dass man plötzlich ohne Teamkameraden da steht, falls diese zuvor ebenfalls gefallen sind. Den Rest der Mission muss man dann wohl oder übel alleine spielen, was sich nicht immer einfach gestaltet. Ob das ein Bug oder Feature ist, weiss wohl nur Entwickler Gearbox.

MP-Waffenbrüder
Der Multiplayer-Modus von BiA orientiert sich am taktisch geprägten

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Storymodus, nachdem man die mit ca. 10-12 Stunden Spielzeit recht kurze Einzelspielerkampagne bewältigt hat. Leider kann man nicht in gemeinsamen Teams antreten, sondern steht sich als Anführer von eigenen KI-Trupps gegenüber. Spielerisch hat man dieselben Möglichkeiten wie im Solo-Modus, zur Auswahl stehen Aufgaben wie z. B. das Auffinden von kriegswichtigen Dokumenten oder die Sprengung von Brücken. Mehr als vier Spieler gleichzeitig können an den durchaus spannenden Kämpfen allerdings nicht teilnehmen.

Grafisches Einerlei
Auch grafisch bietet BiA leider nichts, was den Shooter aus der

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Mittelmäßigkeit hervorheben würde. Zu ähnlich wirkt das Design vieler Szenarien, zu wenig Details, an denen sich das Auge erfreuen kann. Das grün-braun-graue Einerlei der Level wirkt lieblos und langweilig und ist eigentlich für ein Spiel, um das soviel Brimborium gemacht wurde, enttäuschend. Dem eher schwachen Niveau passt sich auch das soundtechnische Ambiente an: Viele Gewehre klingen gleich, gerade wenn es zu längeren Scharmützeln kommt, hat man das Gefühl, einem andauernden Knattern zu lauschen statt einem realistischen Feuergefecht. Dafür sind aber die Charaktere sauber vertont, zumeist. Leider sind diese bis auf wenige Ausnahmen nur in den animierten Zwischensequenzen im Einsatz und oft nicht lippensynchron.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ Sehr gutes Taktiksystem + Epische Hintergrundstory

Contra:

- zu wenig Abwechslung - Grafik langweilig, zu wenig Details - Geringe Spieldauer - langweiliges Gameplay

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Dafür sind aber die Charaktere sauber vertont, zumeist. Leider sind diese bis auf wenige Ausnahmen nur in den animierten Zwischensequenzen im Einsatz und oft nicht lippensynchron.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ Sehr gutes Taktiksystem + Epische Hintergrundstory

Contra:

- zu wenig Abwechslung - Grafik langweilig, zu wenig Details - Geringe Spieldauer - langweiliges Gameplay