Zum gefühlten 3685sten Mal findet man sich als Gamer im Zweiten Weltkrieg wieder, diesmal in den Niederlanden als Teil der „Operation Market Garden“. Wie die Vorgänger hält sich auch „Hell´s Highway“ stilistisch an Filme wie „Der Soldat James Ryan“ oder die TV-Serie „Brothers in Arms“ – pathetische Handlung inklusive. Die Unreal 3-Grafikengine und neue Gameplay-Elemente sollen dabei für frischen Wind im harten Kriegsalltag von Matthew Baker und Co. sorgen.

Brothers in Arms Hell's Highway - Geheimnisse Hinter den Kulissen19 weitere Videos

Mit der „Operation Market Garden“ schickt euch Gearbox Software diesmal in die bis dahin größte Luftlandeoperation überhaupt, die zwischen dem 17. und dem 27. September 1944 stattfand. Durch die Umgehung des deutschen Westwalls beabsichtigten die Alliierten mit einem raschen Vorstoß ins Deutsche Reich ein schnelles Kriegsende. Jedoch durchkreuzte der unerwartet starke Widerstand der Deutschen die Pläne der Alliierten, so dass sich diese mit hohen Verlusten bei Mensch und Material zurückziehen mussten.

Brothers in Arms Hell's Highway - Mit Pomp und Pathos unterwegs im Land der Tulpen

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Wiedersehen macht Freude: Matt Baker ist wieder zentraler Held des Spiels.
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Vor diesem historischen Hintergrund wird die Geschichte von Matthew Baker und seinen Mannen von der 101. Airborne Division erzählt. Erstklassig inszenierte Zwischensequenzen in Spielgrafik zeugen von der Verzweiflung, Freundschaft und dem Wahnsinn des Krieges. Auf dem Weg gewinnen die Charaktere an Tiefe und es gelingt Gearbox Software darüber hinaus die Übergänge zwischen Storyabschnitten und dem Spielgeschehen nahtlos zu gestalten.

Trotz der beeindruckenden Inszenierung bleibt der historische Hintergrund leider bloß Kulisse. Nur selten kommt das Gefühl rüber, etwas Entscheidendes beigetragen zu haben und sobald man sich auf dem Schlachtfeld befindet, werden die Kameraden wie „Red“ und Co. wieder zu Symbolen degradiert. Außerdem dürfte vor allem bei „Brothers in Arms“-Neulingen die Geschichte aufgrund des Erzählstils mit den zahlreichen Bezügen zum Vorgänger für Verwirrung sorgen. Sind die Vorgänger und somit die Charaktere jedoch bekannt, wird man sich in der Truppe schnell heimisch fühlen.

Festnageln, Flankieren, Eliminieren!

Die Steuerung hingegen verlangt nicht nach einem „Brothers in Arms“-Veteranen: durch die gelungene, intuitive Steuerung findet sich der Spieler schnell zurecht. Praktische Anzeigen über den Köpfen feindlicher sowie freundlicher Kombattanten geben Aufschluss über deren Zustand und die Karte schafft die nötige Übersicht über das Kampfgeschehen, so dass man als Kommandant schnell über die einfach zu erteilenden Befehle entscheiden kann.

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Hin und wieder dürft ihr euch an das Geschütz eines Panzers setzen.
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Die Steuerung lässt kaum Wünsche offen, auch das neue Coversystem wurde gekonnt implementiert. Einzig der Handgranatenwurf verkommt oft zum Glücksspiel, vor allem in den Innenlevels. Die alte „Brothers in Arms“-Devise findet auch bei „Hell´s Highway“ Bestätigung: Sperrfeuer, Flankieren, Töten. Das Spielprinzip wiederholt sich zwar immer wieder, wird aber durch Solo-Abschnitte und (zu) leichte Panzerfahrten immer wieder aufgelockert. Neu dabei ist auch die Bazooka-Squad, mit deren Hilfe feindliche Deckungen oder Panzer effektiv gesprengt werden können.

Ein Anti-Kriegsspiel - ohne Anti, dafür mit viel Krieg. Schön inszeniert, dramaturgisch aber zu holprig, verpasst "Hells Highway" den Sprung aufs Genretreppchen.Fazit lesen

Überhaupt sind Holzzäune und Fässer nicht mehr kugelsicher – der Spieler wird gezwungen sich zu bewegen, Dynamik entsteht. Obwohl die Schauplätze im dritten Teil deutlich abwechslungsreicher ausgefallen sind, sucht man die Innovation im Missionsdesign vergebens; hier dominieren 0815-Einsätze, die man als virtueller Soldat schon zigfach anderswo erledigt hat.

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All zu lang solltet ihr nicht in Deckung bleiben - manche Zäune und Wände zerbröseln mit der Zeit.
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Die KI der eigenen Mitstreiter zeigt während den Kämpfen nur selten Schwächen. Es kommt zwar manchmal vor, dass die eigenen Squads auf der falschen Seite einer Mauer in Deckung gehen oder wie blöd gegen eine Wand starren, anstatt sich um den Panzer vor ihnen zu kümmern – das sind aber Ausnahmen. Im Großen und Ganzen klappt das Zusammenspiel mit den eigenen Soldaten tadellos und das Spielprinzip - Festnageln, Flankieren, Eliminieren – funktioniert.

Mehr Bildung für Nazis!

Auf Seiten der Wehrmacht kommen teils eklatante KI-Schwächen zu Tage – so zeigen die Gegner bei Handgranaten gar keine Reaktion und warten lieber auf ihren Exitus. Schwerwiegendere Konsequenzen für den Spielspass hat jedoch das stereotype Verhalten der Wehrmacht: Schnell habt ihr dieses durchschaut und man wird fast nie überrascht. Die Gegner konzentrieren sich ausschließlich auf die Defensive, verharren permanent auf der gleichen Position und verzichtet auf offensive Aktionen.

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Brothers in Arms sieht schick aus - meistens.
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Trotz Unreal 3-Engine ist „Hell´s Highway“ kein Grafikbrett geworden, zeigt doch die an sich ansehnliche Optik oft Schwächen: matschige Texturen und Clipping-Fehler stören und manche Level-Begrenzung inklusive Texturübergang scheint einem Shooter von 2001 entnommen. Wunderschön anzusehen sind dagegen die Zwischensequenzen - der eingesetzte Unschärfeeffekt unterstützt dabei die filmische Inszenierung, wirkt aber teils aufgesetzt.

Trotz manch Grafikfehler präsentiert sich der Feldzug durch Holland auf gehobenem Niveau und bietet reichlich Atmosphäre. Die vielfältigen Schauplätze sind schön inszeniert, vor allem die superbe Beleuchtung sorgt immer wieder für Stimmung. In der Nacht bei prasselndem Regen, Donner und Blitz auf Panzerjagd zu gehen macht richtig Laune. Immerzu passiert irgendwas: Flugzeuge bekämpfen sich in der Luft, die Artillerie beschießt nahe gelegene Dörfer und im Hintergrund ist Flak-Feuer zu sehen – das sorgt für Atmosphäre.

„Ich bin leer, gib mir Deckung“

Doch wie bei so vielen Elementen macht „Hell´s Highway“ auch in Sachen Atmosphäre vieles richtig und einiges falsch: Die sich wiederholenden Sprüche der deutschen Gegner nerven und die eigenen Mitstreiter fallen ebenfalls mit schlechten Kommentaren wie „Ich bin leer, gib mir Deckung“ negativ auf. Fragile Holzzäune, die sogar Panzer-MG-Beschuss standhalten, tragen auch wenig zu einem realen Kriegserlebnis bei.

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Leider laufen die deutschen Dialoge nie Lippensynchron ab.
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Zu Atmosphäre-Einbußen trägt ebenso die deutsche Synchronisation bei, die teils durch unpassende oder komische Sprüche und lippen-unsynchroner Sprachakrobatik glänzt. Hier ist man mit der englischen Version sicherlich besser bedient, auch wenn die deutschen Stimmen an sich gut passen würden. Die restliche Soundkulisse ist hingegen hervorragend gelungen, die Soundeffekte während den Kämpfen sind bombastisch und die schlichten Streicherklänge in den Zwischensequenzen herausragend.

Des Weiteren unterscheidet sich die deutsche Fassung auch bezüglich der Gewaltdarstellung: So fehlt die Action-Kamera ganz. Mit dieser wurden bestimmte Situationen - wenn zum Beispiel eine Granate auf eine Stellung deutscher Soldaten geworfen wird oder ein Kopfschuss ansteht - angezoomt und extrem stilisiert in Zeitlupe gezeigt. Auf herumfliegende Körperteile, halb weggeschossene Schädel und sogar auf die Darstellung von Blut wurde ganz verzichtet.

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Die Gegner-KI lässt teils zu wünschen übrig.
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Wie das mit dem „kriegsnahen Spielerlebnis“ einhergehen soll, wird nur der Erfinder des „sauberen Krieges“ wissen. Der Multiplayer-Modus ist eher als nette Dreingabe zu sehen. Auf sechs Karten messen sich bis zu 20 Spieler in lediglich einem Modus. Positiv fällt dabei die Einteilung in Squads auf, mit das Teamwork verbessert werden soll. Dabei ist die Fähigkeit des Gruppenführers, Order zu erteilen, selten von Nutzen, da kaum Einer diese befolgt.