Brothers in Arms: Earned in Blood (PC-Test)
von Nedzad Hurabasic

Schon gut ein halbes Jahr nachdem die Spieleschmiede Gearbox den vielbeachteten WW-II-Shooter »Brothers in Arms: Road to Hill 30« (BiA) veröffentlichte, gibt es nun schon Nachschlag. Der zweite Teil

mit dem Titel »Brothers in Arms Earned in Blood« soll das taktisch geprägte Actionspiel, das in Anlehnung an die Fernseh-Miniserie "Band of Brothers" entstanden ist, verfeinern und die Probleme des Vorgängers ausmerzen. In insgesamt 42 neuen Missionen wird das Naziregime in Frankreich bekämpft.

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Rückblick
Für all diejenigen, die BiA nicht gespielt haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Als Sergeant Matt Baker sprang der Spieler kurz vor dem D-Day als Teil der 101. Luftlandedivision der US-Army, der so genannten "Easy Kompanie", hinter den Linien der Nazis im besetzten Frankreich ab, um die Landung der alliierten Truppen an der Küste der Normandie vorzubereiten und zu unterstützen.

Dabei hatten und haben sich die Entwickler zum Ziel gesetzt, ein möglichst wirklichkeitsgetreues Szenario und realistisches Gameplay zu entwerfen, das sich deutlich von Shootern wie etwa Call of Duty unterscheiden soll, wo sich die Gamer per Dauerfeuer durch die feindlichen Truppen mähen.

Diesmal schlüpfen wir aber nicht erneut in die Haut von Matt Baker, sondern erleben die Kriegserfahrungen von Sergeant Joe "Red" Hartsock. BiA-Veteranen wird dieser Name bekannt vorkommen - kein Wunder, war dies doch eine der

KI-Figuren des ersten Teils, die Baker kaum von der Seite wichen. Baker war gestern, nun darf Hartsock nach seiner Beförderung seine Führungsqualitäten als Corporal des 2. Zuges unter Beweis stellen. Die Handlung von Earned in Blood orientiert sich an den Geschehnissen des Vorgängers. Allerdings erlebt ihr die Story dieses Mal aus der Sicht von Hartstock.

Der Sergeant schildert seine Geschichte in Rückblenden einem vorgesetzten Offizier. Gepeinigt berichtet er in verschiedenen Video-Cutszenen über das Leben und den Tod etlicher Kameraden und seine Sicht der damaligen Kriegserlebnisse. Im nächsten Augenblick wird er selbst zum Mittelpunkt des Geschehens. Jetzt seid ihr dran!

Auf ins Gefecht
Der erste kurze Abschnitt des Spiels bereitet keinerlei Schwierigkeiten, wird doch darin die Steuerung der Soldaten in ihren Grundzügen erklärt. Im Vergleich zu BiA hat sich eigentlich nichts geändert, nach wie vor laufen

Brothers in Arms: Earned in Blood - Im Blute meines Angesichts

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wir in Ego-Perspektive durch die virtuellen Schlachtfelder Frankreichs und übernehmen nebenbei die Kontrolle über eine mehr oder weniger große Einheit KI-gesteuerter GIs. Wieder mit dabei ist die Funktion "Situationsansicht", die uns eine taktische Übersicht über das Schlachtfeld liefern soll. Die Entwickler haben glücklicherweise Verbesserungen im Detail vorgenommen, sodass die Perspektive deutlich besser einstellbar ist und die Ansicht damit endlich auch einen sinnvollen Überblick über den Stand des Gefechts anbietet.

Packshot zu Brothers in Arms: Earned in BloodBrothers in Arms: Earned in BloodErschienen für PC, XBox und PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Darüber hinaus hat sich am Spielprinzip nicht viel geändert. Dem Realitätsanspruch des Spiels ist geschuldet, dass es beispielsweise nach wie vor keine Medi-Packs gibt. Wer angeschlagen ist, muss bis zum Ende des Kapitels durchhalten. Frische Munition gibt es nur bei Teamkameraden oder von gefallenen Feinden. Irritierend ist dabei, dass die Leichen getöteter Feinde verschwinden, was dem Realitätsanspruch eigentlich widerspricht. Freies Speichern des Spielstandes ist nicht möglich, dafür sind die Autospeicherpunkte fair verteilt. Im Vorgänger teilweise problematisch war die Schussgenauigkeit. Auch in »Earned in Blood« lässt diese teilweise zu wünschen übrig. Hier wäre etwas weniger Realitätsnähe durchaus sinnvoll gewesen.

"Wir müssen über die Flanken" Das zentrale Spielprinzip von BiA ist nach wie vor das taktische Vorgehen des eigenen Trupps. Wer ohne Plan vorstürmt, wird von den Feinden gnadenlos ins Kreuzfeuer genommen und geht unter. Wir müssen den Feind unter Beschuss nehmen und ihn so davon abhalten, selbst zu agieren. Um zu erkennen, wie sehr die Wehrmachtssoldaten von dem Beschuss beeindruckt sind, geben kleine Kreise über ihren Positionen Aufschluss darüber.

Damit wir nicht vergessen, was das Spiel von uns erwartet, bekommen wir immer den Satz "Wir müssen über die Flanken" zu hören. Damit wollen sie uns darauf hinweisen, dass wir die Feinde mit einem Teil des Trupps unter Beschuss nehmen, sie mit dem Rest umgehen und ihnen dann in den Rücken bzw. in die Seite fallen sollen, um sie auszuschalten. Im Verlauf des Spiels erhalten wir oft genug die Gelegenheit diese Taktik anzuwenden - Angriff über die Flanke sind meist er erfolgreichste Weg im Kampf gegen den Feind. Auch das mag realistisch sein - trotzdem hätten die Entwickler noch die eine oder andere Alternative vorsehen können.

Nur die Schlauen überleben Neu ist das deutlich verbesserte Verhalten der KI-Feinde, die nicht nur klüger agieren, sondern auch deutlich präziser Feuern. Sobald sie bemerken, dass ihnen Gefahr von der Flanke droht, wechseln sie ihre Position und veranlassen damit wiederum den Spieler, auf diese neue Situation zu reagieren. Wer das nicht rechtzeitig realisiert, gerät in Gefahr, von der Flanke aus angegriffen zu werden. So kann aus einem Vorteil unvermittelt ein Nachteil werden, wenn in der Hitze der Schlacht übersehen wird, dass sich die Nazis in den Rücken der eigenen Soldaten geschlichen haben und plötzlich der halbe Trupp tot am Boden liegt.

Zwar können die Level zur Not auch im Alleingang beendet werden, allerdings zieht das Abzüge bei der Missionsauswertung nach sich. Und dann ist's Essig mit den dort zur Verleihung anstehenden Medaillen Extras.

Unverständlich bleibt, warum die eigenen Kameraden nicht ebenfalls so clever agieren wie unsere Widersacher. Denn die Jungs an unserer Seite haben leider nicht immer den vollen Durchblick. So kommt es in manchen Fällen vor, dass vorhandene Deckung nicht immer in vollem Umfang genutzt wird. Positiv, wenn auch nicht unbedingt realitätsgetreu: Für das "Flanken" stehen fast überall entsprechende Hilfsmittel (sprich: Deckung) zur Verfügung, die den seitlichen Vorstoß der eigenen Truppen erleichtern. Apropos Deckung beziehungsweise Umgebung: Diese kann leider nicht zerstört werden. Schade, denn so wäre man gezwungen, sich im Laufe eines Gefechts neue Deckung zusuchen, was dem Spiel zusätzliche taktische Tiefe verliehen hätte. Auch wenn die Deckung nicht zerstörbar ist, der Einsatz von Granaten ist dennoch empfehlenswert. Der Umgang mit den Knallerbsen will aber gelernt sein, da sich das Zielen etwas diffizil gestaltet.

Nach ca. 12 Stunden und über 10 Kapiteln ist der Spaß im Einzelspieler-Modus vorbei. In einigen Abschnitten steht übrigens ein Schützenpanzers den harten Jungs zur Seite. Wie im Vorgängerspiel kann der Spieler dabei auch die Kontrolle über das MG des Panzers übernehmen und seine Anweisungen vom Dach des Stahlkolosses geben. Wer nach dem Solovergnügen so richtig mit den Brüdern warm geworden ist, darf sich nahezu unbegrenzte Zeit im Multiplayer-Modus mit menschlichen oder KI-gesteuerten Gegnern messen.

Gegenüber dem Vorgänger haben die Entwickler haben dem Mehrspieler-Modus einige Neuerungen spendiert. Vor allem die "Gefechte" (der so genannte Skirmish-Mode) wissen zuüberzeugen. Sie bestehen aus mehreren, inhaltlich nicht miteinander verbundenen Missionen, bei denen der Spieler eine Reihe von verschiedenen Aufgaben bewältigen muss; wahlweise solo oder kooperativ. Zu diesen Missionen gehören z. B. das Erstürmen oder Verteidigen von Bunkerstellungen oder das Ausschalten aller feindlichen Soldaten. Insgesamt gibt es 10 unterschiedliche Karten und mehrere Einstellungsmöglichkeiten wie Gefechtsart (Ziel, Angriff, Verteidigung, Tour), Präzision und taktisches Geschick der Gegner usw.

Grafisch sind gegenüber dem Vorgänger (leider) nur wenige Verbesserungen vorgenommen worden. Die meist ländliche und kleinstädtische Umgebung ist zwar durchaus glaubhaft umgesetzt, es fehlt aber an Details und die Texturen wirken auch bei hoher Auflösung etwas matschig. Einen nennenswerten Soundtrack besitzt das Spiel nicht, lediglich in den Auswahlmenüs wird eine Melodie abgespielt, während der Kampagne bekommt der Spieler aber nur den Gefechtslärm zu hören. Dieser dröhnt kriegsgerecht aus den Boxen, auch wenn die einige Gewehre recht ähnlich klingen. Die Sprüchen der KI-Kameraden sind perfekt und stilgerecht reproduziert und lassen diesbezüglich keinen Grund zur Beanstandung - nur etwas mehr hätten es sein dürfen.Pro & Crontra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ verbesserte Intelligenz der KI-Soldaten + taktische Winkelzüge im Team + neuer Skirmish-ModePro & Crontra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ verbesserte Intelligenz der KI-Soldaten + taktische Winkelzüge im Team + neuer Skirmish-Mode