Habt ihr keine Lust mehr auf die üblichen 08/15-Militärshooter? Wollt ihr keine Rambo-Aktionen, dafür aber durchdachte Gefechte? Sucht ihr ein Spiel, das flott ist, aber nicht so hektisch wie Call of Duty? Lechzt ihr nach taktischen Schlachten ohne die übergroßen Maps von Bad Company 2?

Online eine richtige Herausforderung

Das britische Studio Splash Damage, unter anderem bekannt für Enemy Territory: Quake Wars, stellte von Beginn an klar, dass Brink kein herkömmlicher First-Person-Shooter werden sollte. Die Ansprüche, aber auch die Erwartungshaltung sind entsprechend hoch. Eine der maßgeblichen Funktionen, mit denen man im Bereich „eigenständig“ punkten will, ist der fließende Übergang von Einzelspieler-, Koop-, und Mehrspielermodus.

Brink - Frisch aus dem Koopierwerk: Evolutionäres Shooter-Erlebnis

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Jede Klasse, jeder Körperbau, alles hat seine Vor- und Nachteile und beeinflusst das Spielgeschehen.
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Zwischen all diesen zentralen Spielbereichen existiert in der zweigeteilten Kampagne keine willkürliche Trennung. Egal, ob ihr euch als Rebell für die Flucht von der ARK entscheidet oder das künstliche Biotop retten wollt: Entweder bestreitet ihr als Vertreter der Sicherheitskräfte oder aufseiten der Aufständischen einen einsamen Kampf, werft euch mit bis zu sieben Mitstreitern in die Schlacht gegen KI-Kombattanten oder wagt Gefechte mit bis zu 16 Spielern gleichzeitig.

Packshot zu BrinkBrinkErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Der Wechsel zwischen diesen Modi ist in der getesteten Xbox-360-Fassung tatsächlich äußerst flexibel, mit wenigen Klicks erlaubt ihr den Zugang zu euren Matches allen Spielern oder nur Freunden, schaltet ausgewählte Mitspieler für Voice-Chat frei oder öffnet den Kooperativmodus exklusiv für eure Seite. Wer die Wahl hat, sollte aber definitiv menschliche Kontrahenten und Kameraden bevorzugen, weil die Scharmützel dann abwechslungsreicher, spannender, taktischer, herausfordernder und nicht zuletzt befriedigender ausfallen.

Das soll nicht heißen, die KI-Soldaten würden einen schlechten Job verrichten - im Großen und Ganzen stellen sie gute und treffsichere Gegner dar, die ihre Aufgaben solide erfüllen. Gelegentlich sind sie jedoch zu passiv, irren planlos in der Gegend herum oder reagieren auf Beschuss viel zu spät.

Es menschelt

Mit (mehr oder weniger) intelligenten menschlichen Mitspielern zu agieren, ist nicht nur deshalb spannender und effizienter, weil ihr einen Online-Bonus von 20 Prozent für Erfahrungspunkte erhaltet. Brink ist nämlich viel mehr als ein simpler Run-and-Gun-Shooter. So gibt es die vier Klassen Sanitäter, Soldat, Agent und Techniker, die nicht nur ihre unzähligen Spezialfertigkeiten in die Waagschale werfen. Neben den für den Missionsabschluss wichtigen Hauptzielen erledigt jeder dieser Archetypen noch zusätzliche, fakultative Aufträge.

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Nur im Team hat man eine Chance auf Erfolg.
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Während Techniker sich als Panzerknacker betätigen und einen Datacode beschaffen, halten ihnen Soldaten den Rücken frei, Sanitäter eskortieren VIPs zum Zielpunkt und Agenten infiltrieren die feindlichen Stützpunkte. Wird eine von aufeinanderfolgenden Hauptaufgaben innerhalb des jeweiligen Zeitlimits abgeschlossen, geht es mit der nächsten weiter - oder man scheitert.

Im Erfolgsfall wird die Schlacht mit neuen Missionen fortgesetzt, dann sollen Brücken gesprengt (von Soldaten), müssen automatische Bots funktionstüchtig gehalten (Techniker), Pfeiler in die Luft gejagt oder wichtige Dokumente ins rettende Boot geschafft werden.

Wer auch nur einen Hauch von Interesse an teamorientierten Ballerspielen hat, kommt an Brink nicht vorbei.Fazit lesen

Die Vielfältigkeit der Aufträge erfordert eine ausgewogene Verteilung der Teilnehmer auf die vier Klassen - fehlt ein Typ, wird der Erfolg der Mission aufs Spiel gesetzt. Glücklicherweise macht es uns Brink sehr einfach, die Ausrichtung nach dem Respawn an einem Kontrollpunkt fix zu wechseln oder die Bewaffnung zu ändern und damit situativ auf neue strategische Rahmenbedingungen zu reagieren. Die Länge der Missionen variiert zwischen wenigen und insgesamt 30 Minuten - abhängig von der Hartnäckigkeit der Konkurrenz und eigenem Skill.

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Das Parcours-System ermöglicht eine hohe Bewegungsfreiheit und macht den Weg frei für zahlreiche Alternativrouten.
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Ein weiteres bedeutendes Element stellt das SMART-System dar, das euch eine deutlich größere Bewegungsfreiheit erlaubt als in vergleichbaren Spielen. Gerade die leichteren zwei von drei Körpertypen hangeln sich in schönster Parcours-Manier über Geländer, überwinden steile Wände und Absperrungen und erreichen auf diese Weise Alternativrouten, mit denen sie dem Feind locker in den Rücken fallen können. Oder sich flugs aus dem Staub machen, um ein Objekt in Sicherheit zu bringen.

Gerade beim Anpeilen von taktischen Wegpunkten ist Geschwindigkeit von hoher Bedeutung, weil erst recht in Online-Gefechten umstrittene Hotspots schnell zur uneinnehmbaren Festung werden. Hier zeigt sich auch eine Schwäche des brink'schen Spieldesigns, denn die angreifenden Teams benötigen in diesen Situationen oft überproportional viel Zeit, um ihre Ziele zu absolvieren, und tun sich mit den vielen „Camping“-Möglichkeiten der Verteidiger schwer. Schließlich ist allen Spielern durch visuelle Tipps bekannt, wo sich das aktuelle Ziel befindet und wo eventuelle Gegenstände abgeliefert werden sollen.

Immer und immer wieder

Trotzdem, oder gerade deshalb, entfaltet Brink einen immens hohen Wiederspielwert. Man spielt nicht nur simpel eine Mission durch und das war’s - man geht sie in verschiedenen Rollen und aus unterschiedlichen Perspektiven an. Mal seid ihr als Sani für Rebellen oder Sicherheitskräfte unterwegs, sorgt als Agent in wechselnden Ausrichtungen für Verwirrung, erledigt Nebenaufträge, die ihr vorher außer Acht gelassen habt, kümmert euch endlich um die „richtigen“ Missionsziele, macht das alles allein, kooperativ oder im Versus-Modus.

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Der mächtige Charakter-Editor ermöglicht angeblich über 1 Billiarde einzigartiger Kombinationen.
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In Sachen Präsentation und Look geht Brink ebenfalls einen recht eigenständigen Weg, der comichafte Stil kann hinsichtlich der Brachialität und Intensität aber nicht mit den bekannten Platzhirschen mithalten. Doch gerade das Figurendesign mit seinen unglaublich vielfältigen und äußerst detaillierten Gestaltungsmöglichkeiten (angeblich erlaubt der Charakter-Editor laut Splash Damage den Bau von 100 Billiarden! - genauer 102.247.681.536.000.000 - einzigartigen Figuren) bietet massiv Raum, um eigene Vorstellungen umzusetzen.

Entfaltungsmöglichkeiten gibt es auch im Bereich Charakterentwicklung, denn die erworbenen Erfahrungspunkte werden in Spezialfertigkeiten umgemünzt, die euren Fähigkeiten in allgemeinen Punkten wie Widerstandsfähigkeit, aber auch in allen vier Kämpferfunktionen verbessern.

Ähnliches gilt für das Waffensystem, wo ihr etliche Upgrades für das umfangreiche, aber etwas zu einseitig auf Sturmgewehre fokussierte Arsenal freischaltet. Apropos Knarren: Das Waffengefühl ist zunächst immer noch ein wenig gewöhnungsbedürftig - gerade das teils lasche Trefferfeedback und die bei vielen Schießprügeln geringe Durchschlagskraft benötigen Einspielzeit.

Brink - Viertes Trainingsvideo: Das SMART-System18 weitere Videos

Insgesamt sind Dinge wie Zielaufschaltung jedoch auch deshalb absolut gelungen, weil sich die Steuerung bis ins Detail an persönliche Vorlieben anpassen lässt. Alternativ greift ihr einfach zu einer der diversen Voreinstellungen, die etwa das Setting von „Call of Duty“ nachahmen.

Das offene Spieldesign mit seinen wechselnden, aufeinander aufbauenden Zielen erfordert recht üppige Kartengrößen, die euch viele Freiheiten lassen. Der Nachteil: Beim Respawn müsst ihr häufig lange Wege zurücklegen, bis ihr wieder am Einsatzort angelangt. Im Gegenzug dafür kommt es aber auch praktisch nie zum unbeliebten Spawn-Camping, was ja nicht zu verachten ist.

Um an wirklich alle Goodies heranzukommen, müsst ihr übrigens auch die „Zusatzaufgaben“ erfolgreich abschließen, die außerhalb der Kampagne neben dem „freien Spiel“ auf euch warten. In einer Art Trainingscamp absolviert ihr unterschiedliche Herausforderungen, die so oder so ähnlich auch in den Kampagnenmissionen abgefordert werden. Eine Anmerkung noch zum Schluss: Während unseres Tests kam es zu etwa einem halben Dutzend, nicht reproduzierbaren „Freezes“ der Xbox-360-Konsole. Laut Publisher Bethesda geht man von einem Einzelfall aus. Die anderen Versionen liefen tadellos.