Breed (PC-Test)
(von René Grafe)

Es war einmal ein Spiel, das einfach gut war. Zumindest sagten das die Leute, die es programmierten. Alle Pressevertreter, die eine Vorabversion anspielen durften, vertraten die selbe Ansicht. So konnte eigentlich nichts mehr schief gehen, der Siegeszug von Breed konnte beginnen.

Doch dann kam der Tag als das fertige (?!) Produkt dem Spieler in die Hände fiel. Und der traute seinen Augen und Ohren kaum...

Willkommen in der Realität
Brat Designs war angetreten, Halo in den Schatten zu stellen und den eigenen Schößling auf den Thron zu setzen.

Breed - Breed USC Propaganda MovieEin weiteres Video

Aber irgendwo zwischen Vision, Wunschdenken und der harten Realität muss etwas schief gelaufen sein, denn Breed ist meilenweit davon entfernt, das langsam vor sich hin alternde Halo in das Spielemuseum zu verbannen. Doch fangen wir einfach ganz von vorn an

Tötet sie alle!
Bis zum Jahr 2610 müssen wir noch warten, bevor die Erde von einer feindlichen Alienrasse überrannt wird. So zumindest will es die Story von Breed. Und jeder, der eine Waffe von einem Wischtuch unterscheiden kann, hat nur auf diesen Tag gewartet! Denn die Ehre, die Erde von den bösen Breed zu säubern, will sich keiner nehmen lassen.

Mit Kampfgebrüll stürzen sich die Soldaten auf die dreisten Aliens, um sie dahin zu schicken, wo sie hergekommen sind. Aber wo kommen die Soldaten überhaupt her, die Erde ist doch schon verloren?

Tja, die Aliens waren einfach cleverer als die überheblichen Menschen. Hoch motiviert und planlos fielen die Menschen auf eine Falle der Breed

herein und zogen den neuesten Geniestreich menschlicher Wissenschaftlicher, die »Grunts«, von der Erde ab und rauschten mit zwei Raumschiffen in die eigenen Kolonien hinfort. Die dort ausgeführte Attacke der Aliens war jedoch nur ein taktisches Geplänkel. Ergebnis: Kolonien gerettet, Erde überrannt.

Das Raumschiff Darwin kehrt zurück, aber die Breed sind schon da! Höchste Zeit für die genetisch manipulierten Grunts, den Aliens so richtig in den Hintern zu treten. Und die United Space Corps, die Rekrutierungsbehörde des 27. Jahrhunderts, braucht jeden einzelnen Soldaten, der eine Freude daran hat, für Terra das Zeitliche zu segnen.

Negativer IQ
Der Eindruck täuscht nicht, Breed setzt auf Starship Troopers. Dieser Kinofilm, ein Paradebeispiel für verblendeten Patriotismus, dient als Vorlage für die Atmosphäre in Breed. Markige Sprüche wie »Ich mach euch alle fertig!« oder »Tu Deine verdammte Pflicht!« sollen den Spieler stets daran erinnern,

Breed - Der heiß erwartete Science Fiction Shooter im Test

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wie sinnvoll es doch ist, für eine gerechte Sache im Kugelhagel zu verenden. Glücklicherweise sind Sie nicht allein, mehrere Grunts stehen bei fast jeder der 18 Missionen unter Ihrem Kommando. Allerdings sind die Teamgefährten keine wirkliche Hilfe. Die grottenschlechte KI der nicht vom Spieler gesteuerten Soldaten verhindert, dass von diesen hilfreicher Beistand zu erwarten ist. Grunts haben sich viel mehr darauf spezialisiert, im eigenen MG-Feuer der Kameraden zu verenden, den anheimelnden Schutz der Gruppe zu verlassen, um in der nie versiegenden Übermacht der Aliens glorreich die letzten Röchler von sich zu geben oder in bildschirmfüllen-den, aber scheinbar dennoch unsichtbaren Seen zu ertrinken. Somit sind Sie auf sich allein gestellt, es sei denn, sie sind dazu fähig, in Sekundenabständen zwischen den Grunts hin- und herzuschalten, um präzise Kommandos zu geben. Das ist aber nur echten Tastenakrobaten vorbehalten oder Spielern, die sich mit der Schwierigkeitsstufe »Warmduscher« zufrieden geben können. Dort sind die Aliens eher als handzahme Stubentiger zu bezeichnen, die noch schlechter zielen können als KI-Grunts.

Packshot zu BreedBreedErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Dabei haben diese wirklich einmalige Fähigkeiten, die sinnvoll eingesetzt einen schnellen Sieg ermöglichen würden. Der Sniper besitzt ein schickes Scharfschützengewehr, ist dafür aber kaum gepanzert. Der Mediziner flitzt zwischen den Grunts hin und her und bringt auf Anforderung medizinischen Beistand. Der Heavygunner ist eher als laufende Festung zu bezeichnen, die Panzerung ist dick und die Wumme gigantisch. Weiterhin tummelt sich noch der Engineer auf dem Schlachtfeld, welcher die Breed-Technologie manipulieren kann und auch sonst recht fix mit dem Schraubenschlüssel den eigenen Fuhrpark flott macht. Die stinknormalen Soldaten, die eigentlichen Grunts, können nichts richtig, aber dafür sind sie weder langsam noch unterbewaffnet.Mitdenken verboten
Die Missionen laufen zu oft nach dem selben Schema ab, was der Motivation weiterzuspielen nicht gerade zuträglich ist. In der Regel fallen sie aus einem Landungsschiff, während die Landezone bereits von frenetisch jubelnden Aliens bevölkert wird. Diese werden innerhalb von Sekunden niedergemetzelt. Anschließend geht's zum ersten Wegpunkt. Unterwegs stürmen die Breed in Horden auf die Grunts ein, Serious Sam lässt grüßen. Da die Gruppe zu diesem Zeitpunkt bereits dezimiert sein dürfte, eilen Sie allein durch die großen Außenlevels und suchen Informationen oder verteidigen eine Stellung gegen die Aliens.

Erfahrene Spieler oder auch Menschen, die in der Lage sind, eine Karte zu studieren, kommen nur anfangs auf die Idee, abzukürzen. Die Missionen sind so mißerabel programmiert, dass Sie das Mitdenken einfach unterlassen sollten. Taktik ist unwichtig, es geht nur darum, die vorgegebenen

Breed - Der heiß erwartete Science Fiction Shooter im Test

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Wegpunkte auf der Standartroute abzuklappern. Ansonsten werden die Scriptereignisse nicht ausgelöst, was die Mission unlösbar macht. Somit ist es geboten, im Display des HUD immer nur auf das rote Symbol für den nächsten Wegpunkt zu starren. Ein weiterer Glanzpunkt folgt in größeren Einsätzen, die mehrere Missionen in einem Gebiet beinhalten. Haben es die Grunts geschafft, die nervigen Artilleriegeschütze auszuschalten oder sonstige feindliche Stellungen zu eliminieren, sind diese zum Start der neuen Mission wieder vollständig aufgebaut. Eigentlich ist es zu traurig, darüber nachzudenken, aber wozu sollten Sie sich durch die feindlichenLinien quälen, wenn die ein paar Minuten später schon wieder kampfbereit sind? Der Realismus steht bei Science Fiction zwar nicht gerade im Vordergrund, aber es gibt Gesetzmäßigkeiten, die auch im Jahr 2600 gelten sollten.

Tödlicher Fuhrpark
Ein Lichtblick in Breed sind die Fahrzeuge, welche sich steuern lassen. Zwar stehen diese leider nicht immer zur Verfügung, aber in Breed ist man schon über irgendeine Erhöhung des Spielspaßes erfreut. Zur Auswahl steht z.B. ein dicker Panzer, welcher eine große Auswahl an Waffen besitzt. Der Waffenturm lässt sich separat drehen und so können MG, Raketen oder Plasmakanone sinnvoll eingesetzt werden. Selbst dicke Breeds wie die Warrior, können damit blitzschnell weggeblasen werden und auch die schnellen feindlichen Jäger holt der Panzer mittels zielsuchender Raketen in Einzelteile zerlegt vom Himmel.

Bugs gibt es natürlich auch beim Einsatz mit dem Tank. Seen sollten

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Sie auf jeden Fall meiden, denn bereits wenn nur die Ketten des Panzers im Wasser stehen, drohen Sie jämmerlich zu ertrinken. Natürlich hängt das vom jeweiligen Level ab und wieder ist ein Stoßgebet an den Patch-Gott fällig. An Halo erinnert fühlt man sich sehr selten, aber der Humvee vermag das wenigstens ansatzweise zu vermitteln. Ein Kollege, der noch nicht in die ewigen Jagdgründe verschwunden ist, kann das Schnellfeuergewehr bedienen und Sie steuern das leider nur sehr schwach gepanzerte Vehikel. Dafür ist der Humvee recht schnell unterwegs, fast schon so fix wie der Jeep. Dieser kann dafür nur in Fahrtrichtung feuern und explodiert

selbst bei leichtem Beschuss. Auf den Luftkampf ausgerichtet ist der Jäger, welcher Bomben, Raketen und ein MG an Bord hat. Die Steuerung dieses Gefährts ist auf Grund der hohen Geschwindigkeit nicht ganz einfach, immerhin müssen die anvisierten Ziele wenigstens für kurze Zeit im Fadenkreuz verharren. Als fliegende und wehrlose Zielscheibe fungiert der Grunt, wenn der Raketenrucksack in Betrieb genommen wird. Dennoch ist dieses Zubehör sinnvoll, denn der gebotene Überblick ist in verzwickten Arealen nützlich.

Durchwachsene Präsentation
Apropos Überblick: Der zeigt gerade

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in den Außenlevels, dass sich die Entwickler Mühe gegeben haben. Die Areale sind recht abwechslungsreich und die Landschaft kommt grafisch gut an. So hetzen Sie Ihre Grunts auf karibischen Inseln, in der Wüste oder im tiefsten Winter durch die Pixelwelt. Das Wasser glitzert fesch in der Sonne und die gegnerischen Breed bewegen sich realistisch animiert, auch wenn das durch die Gegend rollen (um Schüssen oder optischen Täuschungen auszuweichen) unfreiwillig komisch wirkt.

Schwächen zeigt Breed in den Innenlevels, hier haben sich die Entwickler leider an Halo orientiert. Wenigstens ist die Anzahl dieser Spielregionen nicht so hoch wie im Konkurrent von Microsoft, denn die Gestaltung der endlosen Räume und Flure ist in beiden Spielen todlangweilig.

Der Sound und gerade die Sprach-ausgabe haben eigentlich die Aufga-be, die Atmosphäre von »Starship Troopers« zu vermittelten. Leider gelingt das nur bruchstückhaft, denn auch hier gibt es Unmengen von Bugs. Die Aliens, die bereits reglos am Boden liegen, schreien immer noch und viel zu oft dreht der gesteuerte Charakter sich panisch hin und her, weil die Lautsprecher einschlagende Granaten ausgeben. Allerdings ist weit und breit nichts zu sehen, was zur Folge hat, dass Sie Ihren Ohren in Breed nicht trauen sollten.Die Musik wiederholt sich leider viel zu schnell, ein paar mehr rockige Stücke hätten es schon sein können.

Gebrochene Versprechen
Ein Vergleich zwischen dem, was kommen sollte und dem, was wirklich ist, schmerzt bei Breed besonders. Im Mehrspielermodus fehlen die vollmundig angekündigten Modi wie King of the Hill oder Coop. Nur im simplen Deathmatch können Sie sich mit menschl. Gegnern beharken, im Jahr 2004 eindeutig zu wenig.

Ein Blick auf die Homepage von Breed zeigt bereits, dass die Presse auf der ganzen Linie enttäuscht ist. Die Lobeshymnen auf Breed stammen aus dem Jahr 2003 und beziehen sich auf Vorabversionen. Zur bereits seit einem Monat (bis heute ohne Patch !!!) verfügbaren Verkaufsversion werden keine Pressestimmen präsentiert, die Gründe dafür liegen auf der Hand.Die Musik wiederholt sich leider viel zu schnell, ein paar mehr rockige Stücke hätten es schon sein können.

Gebrochene Versprechen
Ein Vergleich zwischen dem, was kommen sollte und dem, was wirklich ist, schmerzt bei Breed besonders. Im Mehrspielermodus fehlen die vollmundig angekündigten Modi wie King of the Hill oder Coop. Nur im simplen Deathmatch können Sie sich mit menschl. Gegnern beharken, im Jahr 2004 eindeutig zu wenig.

Ein Blick auf die Homepage von Breed zeigt bereits, dass die Presse auf der ganzen Linie enttäuscht ist. Die Lobeshymnen auf Breed stammen aus dem Jahr 2003 und beziehen sich auf Vorabversionen. Zur bereits seit einem Monat (bis heute ohne Patch !!!) verfügbaren Verkaufsversion werden keine Pressestimmen präsentiert, die Gründe dafür liegen auf der Hand.