Es war einmal, vor langer, langer Zeit: ein Stern, der leuchtend über den Wolken flog und in einem Meer aus endloser Schönheit dahintrieb. Dann kollidierte dieser Stern mit dem Mond und fiel zur Erde. Dort, wo er unsere Heimat liebkoste, wuchs ein fantastischer Baum gen Himmel. Heimat für allerlei witzige und liebenswerte Kreaturen.

Warum es hier so schön ist

Was sich vielleicht wie die Gute-Nacht-Geschichte für Dreijährige anhört und bestenfalls in Kindermärchenbüchern zu finden wäre, ist tatsächlich die Hintergrundgeschichte zu Botanicula, dem neuesten Point-&-Click-Adventure von Amanita Design und Daedalic.

So putzig, wie es sich für die einen anhört, und so abgrundtief super-süß-abschreckend es den anderen erscheinen muss, bleibt das Spiel auch. Bezaubernd, sympathisch und völlig unschuldig. Wir begleiten fünf Freunde, die den letzten Samen ihres Heimatbaums beschützen und in die Erde einpflanzen wollen.

Doch dabei werden sie ständig gejagt. Denn ein böser Parasit, der bereits alle anderen zauberhaften Samen vernichtet hat, um an Stärke zu gewinnen, ist ihnen auf den Fersen, um sich auch die letzte erfrischende Mahlzeit zu holen.

Das kann Mr. Lantern nicht zulassen und so macht sich der kleine Kerl auf den Weg, das zu tun, was eben getan werden muss. Zu seiner Seite: eine Feder, ein Pilz, ein Mohnkopf und ein Zweig. Klingt abgedreht? Auf jeden Fall.

Botanicula - Eine wunderschöne Geisteskrankheit...

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Eine schöne Welt, die bedroht wird.
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Und noch viel abgedrehter sind die anderen Bewohner des Baums. Ausgestattet mit Kulleraugen, vertont mit merkwürdigen Quiekgeräuschen und bezaubernd gezeichnet, lassen sie den alten Baum zum Leben erwachen und zaubern ein Lächeln auf die Lippen derer, die geneigt sind, die Welt von Botanicula zu besuchen.

Packshot zu BotaniculaBotaniculaErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Ihr klickt euch durch verschiedene Bereiche des Baums und versucht, einen Weg zu finden, den letzten Samen zu verpflanzen. Gar nicht so einfach, denn irgendwie kommt immer etwas dazwischen. Und wenn man so klein und zerbrechlich ist wie unsere fünf Freunde, dann braucht man halt Köpfchen.

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Von wunderschön zu abgedreht, mit nur einem Klick.
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Immer wieder erscheinen Stellen im Spiel, wo die tapferen Helden der Natur nicht weiter können. Also läuft man die Welt ab, sammelt Gegenstände, kombiniert, erkundet und erfreut sich nebenbei der wunderschönen Umgebung, die lebendiger kaum sein könnte.

Überall ist etwas los. Und wenn mal nichts los ist, klickt ihr einfach auf ein Blatt, ein Insekt oder sonst etwas und schon passiert Unglaubliches, Abgedrehtes oder einfach nur Verstörendes. Manche Dinge helfen euch, eure Aufgabe zu erfüllen, andere Dinge sollen euch einfach nur erfreuen.

Obwohl Botanicula nur ein kleines Indie-Game ist, schafft es etwas, mit dem sich fast jedes andere Point-&-Click-Adventure schwer tut. Es versprüht einen unglaublich liebenswerten Charme und man hat gleichzeitig das Gefühl, die Geschichte der fünf Freunde zu beobachten, statt nur ein Spiel zu spielen.

Putzig und liebenswert. Der große Spaß für den kleinen Geldbeutel.Fazit lesen

Fast so, als würde man einen sehr abgedrehten Trickfilm gucken. Den man vielleicht für seine Kinder eingelegt hat, nur um dann zu merken, dass das für den eigenen Nachwuchs vielleicht doch nicht ganz das Richtige ist. Zu abgedreht. Zu verstörend. Oder liegt das daran, weil wir vergessen haben, wie es ist, die Welt mit Kinderaugen zu sehen?

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Die Lichteffekte können sich mehr als nur sehen lassen.
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Nachdem man dieses Spiel gespielt hat, auf jeden Fall nicht mehr. Hier gibt es überall etwas Neues zu entdecken. Man begegnet Charakteren, die man so nirgendwo anders gesehen hat. Man erforscht Orte, von denen wir noch nicht einmal gehört haben. Und man erlebt Geschichten, die so noch nie erzählt wurden.

Und warum ist das alles unbekanntes Terrain? Weil es völlig abgedreht ist. Dieses Spiel, von seinen kauzigen Bewohnern über die gruseligen Gegenspieler bis hin zu dem magischen Ort, an dem man all diese Kreaturen trifft, ist gleichermaßen zwei Dinge: süß wie Zucker und verstörend wie Senf in einem Dickmann.

Warum es hier so merkwürdig ist

Vielleicht ist Botanicula an manchen Stellen zu abgedreht. Man möchte ein Spiel ja auch genießen und nicht ständig wie Mr. Spock eine Augenbraue nach oben ziehen und sich fragen, ob man das letzte vernuftgesteuerte Wesen auf diesem herrlichen Planeten ist.

Dass in dieser Welt alle verrückt sind und teilweise sogar völlig durchgeknallt, ist ja absolut in Ordnung. Aber hinzu kommen solche Momente, in denen man sich nur noch fragt: "Was zur Hölle spiele ich hier eigentlich?!"

Ein kleines Insekt, das irre lachend ein totes Insekt à la Dr. Frankenstein wiederbelebt und danach fröhlich mit ihm Ball spielt: liebenswert. Eine kleine Gruppe Baumbewohner, die immer verschreckt in die entgegengesetzte Richtung rennt, wenn unsere Helden in das Bild laufen: niedlich. Ein kleiner Meteor, der im Inneren eines Baumes schwebt, aus dessen Krater die Extremitäten von einem Alien gucken, der bei Berührung rotiert und in alle vier Himmelsrichtungen pinkelt: grenzwertig.

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Bitte... was!?
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Aber so ist das Spiel nun mal. Und genau so verhält es sich auch mit den Rätseln. Ab und zu ergibt alles absolut Sinn und man benötigt nur ein wenig Gehirnschmalz und Zeit, um ein Rätsel zu lösen. An anderen Stellen steht man aber wie der Depp vor dem Baum und stößt sich zum hundertsten Mal die Birne wund.

Manche Rätsel sind halt so abgedreht wie ihre Welt. Und das ist auch der einzige Grund, warum Botanicula mit acht Stunden Spielzeit protzen kann. Weil man zwei Stunden davon wie blöd hin und her rennt und sich fragt, was zur Hölle die eigentlich von einem wollen. Nur damit man es irgendwann, mehr durch Zufall als durch Logik, herausfindet und mit völlig genervter Miene wild auf die Maus einhämmert, um endlich weitergehen zu können.

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Dummes Grinsen in 3... 2... 1...
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Komischerweise passiert es öfter, als man möchte (zumindest in so einer Situation), dass man endlich den neuen Bereich betritt und schon wieder ein dümmliches Grinsen im Gesicht trägt. Das verwandelt sich dann aber schnell wieder in eine Maske des Entsetzens und irgendwann in ein genervtes Abbild von einer Person. Die drei Stadien von Botanicula: kindliche Freude, echte Verwirrung und im Anschluss blinder Hass. Danach noch einmal von vorn.

Die Grafik macht dafür einiges wieder wett. Mühsam handgezeichnete Welten und putzige Kreaturen. Alles sieht superfreundlich aus, und man möchte einfach nur jedes Lebewesen in diesem fantastischen Baum knuddeln. Sogar die bösen, bösen Gegner wirken putzig. Würdet ihr Elmyra Duff von den Tiny Toons auf diese Welt loslassen, wären alle binnen weniger Sekunden tot, da sie sie geknuddelt hätte, bis ihnen die Luft ausgeht.

Passend dazu sind die Vertonungen. Niedlich und irgendwie süß. Doch nicht für lange Zeit, denn es gibt nur ungefähr drei oder vier gefühlte/gehörte Audioclips. Und die wiederholen sich dementsprechend sehr schnell. Was aber kein Problem sein dürfte. Denn wer gerne und oft Point-&-Click-Adventures spielt, hat das Spiel sowieso in vier Stunden durch.

Botanicula - Teaser "Mr. Feather"6 weitere Videos

Anfangs könnte man noch denken, diese kurze Spielzeit wird vielleicht dadurch gestreckt, dass jeder der fünf Freunde eine andere Fähigkeit besitzt, die hier und dort hilft, ein Rätsel zu lösen. Aber Pusteblume, äh, -kuchen. Im Grunde stellt man sich einfach vor das Hindernis, wartet, bis man gebeten wird, einen der kleinen Kerle auszuwählen, und dann probiert man mal jeden durch, bis es klappt.

Solche Szenen gibt es sowieso nur eine Handvoll und sind damit kaum der Rede wert. Was aber auf jeden Fall erwähnt werden sollte, ist der große Einfallsreichtum der Programmierer. Denn wenn auch die Rätsel und sogar die wunderschöne Lichtanimation irgendwann langweilig werden... Die knuddelige Welt der Insekten von Botanicula wird es irgendwie nie.