Geht es um Borderlands, bin ich immer etwas zwiegespalten. Einerseits konnte mich 2009 einfach alles an diesem kleinen (großen!) Schätzchen begeistern, was es zu begeistern gab, anderseit konnte mich Borderlands 2 hingegen kaum noch locken. Zu ähnlich war die Cel-Shading Welt. Größer, aber dennoch kaum anders präsentierte sich der zweite Teil. Wie soll also ein Borderlands 2,5 werden, wenn schon ein Borderlands 2 kaum Neues bieten konnte? The Pre-Sequel muss zeigen, dass es kein DLC, sondern ein eigenständiges Spiel ist.

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Pandoraner auf Elpis

Der geschätzte Kollege Michael Förtsch hat eine ganz wunderbare Vorschau verfasst, in der ihr euch sehr detailliert über die vielen Qualitäten und inhatlichen Aspekte des Spiels informieren könnt. In aller Kürze: The Pre-Sequel wird zeitlich zwischen den beiden ersten Teilen spielen und die Hintergrundgeschichte von Handsome Jack erläutern.

Der selbstverliebte Widerling war nämlich nicht immer Bösewicht und Boss von Hyperion. Ganz im Gegenteil – im Pre-Sequel erleben wir, wie Jack eiskalt von ebendieser Firma gefeuert wird. Nun versucht er mit Hilfe des Spielers wieder an die Macht zu kommen. Passend dazu steuern wir also auch keinen edelmütigen Vault-Hunter sondern mehr oder minder „gute“ Gesellen, die dem Spieler in anderen Teilen der Serie unter anderem schon als Gegner gegenüberstanden.

Borderlands: The Pre-Sequel - Auf dem Mond brauche ich keine Schuhe...

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Die Aussicht auf Pandora ist wunderbar.
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Mit Sicherheit am sehnlichsten erwartet wird aber die spielbare Version eines Claptrap, der unter dem Namen „Fragtrap“ bereits seit geraumer Zeit in den Gerüchteküchen dieser Welt sein Unwesen treibt. Auch hier empfiehlt sich abermals die Lektüre der ersten Vorschau. Alle neuen Skills, Waffen usw. werden hier sehr genau dargestellt. Im Folgenden werde ich deshalb viel mehr auf das Spielgefühl an sich eingehen und die Frage beantworten, ob Borderlands: The Pre-Sequel auch für Spieler, die Handsome Jack für eine Klamottenmarke halten, einen Tipp wert ist.

Wir machen es uns einfach: Ja! The Pre-Sequel ändert nämlich nichts am gewohnten Borderlands-Erfolgsrezept, fügt aber sinnvolle Neuerungen hinzu, die das teils sehr einsilbige Gameplay an den richtigen Stellen witzig durcheinanderwürfeln.

„Werden sie Mondsoldat!“

Auf einem Anspielevent mit coolem Cosplay bei 2K in München durfte ich zusammen mit ein paar anderen Pressevertretern und Fans einen Blick auf die aktuelle Version des Pre-Sequels werfen. Spielerisch war sofort wieder alles beim Alten. Waffen von jeder Form und Farbe wurden auf Monster und gegnerisches Gesocks mit ebensolcher Vielfalt abgefeuert. Bunte Zahlen gaben mir ein flottes Feedback für den verpassten Schaden und aus jedem Gegner quoll ein endloser Schwall Loot, Erfahrung, Geld und was es sonst noch alles gibt.

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Wilhelms Roboterarm kann im Skillbaum ausgebaut werden.
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Eins stelle ich deswegen unabhängig fest: Borderlands ist ein geiles Spiel. Alles läuft wie am Schnürchen, nichts trübt den Ballerspaß mit Sammelsucht. Allerdings stellte sich bei mir, der bereits nach Teil 2 der Serie keine Lust mehr auf das monotone Spielgeschehen hatte, schnell Ernüchtern ein: zu vieles war mir zu ähnlich, zu wenig Neues hätte endlose Sessions auf dem Mond für mich gerechtfertigt. Die Demo in München mir dennoch deutlich mehr Spaß als mein damaliger Abstecher in Borderlands 2 gemacht. Das Mondabenteuer wirkt rundum frischer als bisher, weicht aber nie auch nur wenige Meter vom Serienstandard ab.

Das vielleicht beste Argument für Borderlands: The Pre-Sequel: es spielt auf dem dem Mond. 2K Australia lässt sich nicht lumpen und baut eines der coolsten Features aller Trabanten (Wiki Trabanten) mit ein: die geringe Schwerkraft auf „Elpis,“ so der Name des Mondes von Pandora, ermöglicht jedem fähigen Wesen unglaublich hohe Sprünge. Das bedeutet von Beginn an eine große Vielzahl neuer Möglichkeiten, die ganz natürlich eingebaut werden können.

Mondgehüpfe: sehr gut. Waffenspaß: sehr gut. Gegner: sehr böse. Innovationen: sehr wenige.Ausblick lesen

In der Demo, die zum größten Teil auf der Oberfläche spielte, waren einige davon sehen. Den Anfang machen die deutlich dynamischeren Kämpfe. Nicht nur wir können auf einmal meterhoch springen, per Jetpack ein Stückchen gleiten, währenddessen ballern und das ganze mit einer Arschbombe auf unsere Gegner beenden - auch unsere Gegner beherrschen die Sprünge. Zwar können Scavenger und Co längst nicht so anmutig wie wir durch den luftleeren Raum gleiten, doch auch deren Bewegung ist nun deutlich freier.

Ich war überrascht, wie anspruchsvoll Kämpfe gegen KI-Soldaten werden, wenn diese sich auf einmal nicht mehr in berechenbaren Bahnen bewegen, sondern schießend durch die Luft gleiten. Man vergisst oft, sich den richtigen Landeplatz auszusuchen und endet inmitten einer anderen Feindhorde. Das bringt viel Taktik, Hektik und somit mehr Spaß mit sich. Das Jetpack muss übrigens mit dem selben O2 befeuert werden, das wir auch atmen. Aufladungen gibt’s nur in speziellen Blasen oder Gebäuden mit künstlicher Atmosphäre.

Dark Side of the Moon

Dynamischere Kämpfe sind schön und gut, aber schaffen es dir Entwickler auch, das Mondgehüpfe für cleveres Leveldesign zu verwenden? Jein. Es gibt sie – coole Plattformer-Passagen, die das Schwerkraft-Feature gut ausnutzen und Jump-and-Run-Elemente aufkommen lassen. Viele dieser Szenen wirken aber eher aufgesetzt und nicht notwendig.

Bei den Kämpfen sieht das leider kaum anders aus. In den Mondebenen konnte ich nur selten einen Aussichtspunkt ergattern, der mich mit einem Vorteil über die dicken berittenen Bodeneinheiten belohnte. Auf den Stationen sah das dann schon ganz anders aus. Hier locken grüne Sprungplattformen mit extra hohen Sprüngen, die uns auf höhere Level der Strukturen katapultieren. Unsere Gegner sind ebenfalls fähig, sich über die verschiedenen Ebenen zu bewegen – das kann richtig spannende und unerwartete Situationen erzeugen. Ganz oben und außer Reichweite der Fußtruppen angekommen ist allerdings auch niemand sicher, denn hier lauern fliegenden Einheiten, die uns mit ihren Raketen gerne mal Richtung Boden schubsen.

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Sieht aus wie Borderlands, ist auch Borderlands.
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Ach, die Borderlands und ihre Böden. Ich bin niemand, der Dschungel, Eiswüsten, Canyons und Lavameere in nur einem Spiel braucht, aber etwas Abwechslung tut nie weh. Ob The Pre-Sequel das schafft ist mehr als fraglich. In den bisherigen Teilen der Serie gelang den Designern eine gute Balance. Es war sofort klar, dass Pandora kein Planet zum Erdbeerenpflücken ist, dennoch gab es immer genügend neue optischen Eindrücke, die der Spielwelt Leben einhauchten. Landschaft und Architektur wechselten je nach Ort und Anwohner, die Gebiete waren greifbar und blieben im Kopf.

Diese Leistung muss auf einem Mond, der an sich ja mehr grau und grau ist, erst einmal vollbracht werden. Allerdings wird The Pre-Sequel natürlich nicht nur auf der Mondoberfläche spielen, weshalb diese Kritik unter Vorbehalt abgegeben wird. Ich hoffe, die Hyperion-Raumstation und eventuelle andere Schauplätze können hier noch etwas Abwechslung schaffen, denn Borderlands ist vieles, nur nicht eintönig.

Männer? Wir haben nur Kraggons im Mond.

Ganz und gar nicht eintönig wird es in unserer Waffenkammer aussehen. Abermals sammeln wir in jedem Level unzählige Waffen, die sich in vielen Aspekten unterscheiden. Die Suche nach der besten Knarre dürfte viele Stunden verschlingen. Neu sind im Pre-Sequel Laserwaffen und Cryo-Kanonen, die unsere Feinde einfrieren können. Dieses Schicksal kann uns auch selbst ereilen, wobei wir dann zumindest nicht wie angewurzelt stehen bleiben, sondern nur noch deutlich träger vom Fleck kommen – womit wir trotzdem die perfekte Schießbudenfigur für Feinde abgeben.

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Die eisigen Kraggons sind fiese Gegner, lassen sich aber wunderbar zu Eiswürfeln verarbeiten.
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Diese kommen im aktuellen Spiel auch wieder in vielen Formen und Farben. Die tierischen Mondbewohner namens Kraggons übernehmen die Rolle der Skags und greifen uns blitzschnell aus jedem Winkel an. Zum Glück können die Viecher nicht springen, dafür allerdings in Eiskugelform durch die Gegend rasen. Haben wir einen riesigen berittenen Gegner besiegt, platzen zwei dieser Biester aus dem nichts und setzen direkt nach.

Die Kämpfe sind also immer noch extrem hektisch und erfordern viel Aufmerksamkeit. Fett gepanzerte Gegner und die erwähnten Flugschiffe ergänzen das klassische Gesocks trefflich und schaffen so die nötige taktische Tiefe. Am Ende er der Demo wartet sogar nochmal ein wortwörtlich richtig cooler Gegner auf uns. Außen Eis, Innen Lava – der riesige Kraggon darf leider nicht besiegt werden, macht aber Lust auf die finale Version des Spiels.

Um die Endgegner zu erreichen, braucht's allerdings vorher einen Level, der im Optimalfall gefüllt mit Quests jeder Art ist. Davon gab es in der Demo verständlicherweise wenig zu sehen, aber auch das Missionsdesign konnte mitnichten durch Kreativität überzeugen. Mehr als „Laufe nach A und drücke X“ konnte ich bisher nicht sehen. Zwar bauen die neuen Hüpfelemente hier etwas Abwechslung ein, wirklich fordern kann das halb-neue Design aber nicht. Die Missionen auf dem Mond sollten mehr Nutzen von den neuen Mechaniken machen, anstatt nur alte Borderlands-Schemata zu wiederholen, denn das wäre dem coolen Setting gegenüber nicht angemessen.

Handsome Jack, altes Schlitzohr

Schon jetzt überdurchschnittlich cool sind die lustige Dialoge, die im Hintergrund zwischen den verschiedenen Protagonisten ablaufen. Jack und seine Kollegen wie auch seine Feinde sind extrem unterhaltsam und schaffen eine gute Atmosphäre, die auch Einsteigern gleich den Humor der Franchise näherbringen.

Als sich mitten im Einsatz jemand aus Hyperions Führungsebene wundert, wieso ein kleines Kind mit im Funk-Kanal steckt, erklärt Jack dies simpel mit: „Das ist der zehnjährige Junge, den wir mit der Rettung dieser Station beauftragt haben.“ „SIE SIND GEFEUERT, JACK!“ Storytelling macht selten mehr Spaß. Auch unsere Gegenspieler bleiben der Serientradition treu und foppen uns regelmäßig mit lustigen und zum Spielgeschehen passenden Sprüchen. So schafft man mit kleinen Mitteln große Atmosphäre.

Borderlands: The Pre-Sequel - Cooles Cosplay in München

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