Noch im Februar hat Gearbox-Chef Randy Pitchford darauf gepocht, dass in seinem Studio definitiv kein Borderlands 3 in Entwicklung ist … und dann das: Borderlands - The Pre-Sequel kommt. Entsteht derzeit bei 2K Australia. Okay, gelogen hat Randy also nicht, die ganze Wahrheit klingt jedoch auch anders. Sei's drum: Es ist Borderlands! Fraglich nur, ob das neue Studio den Witz und das Spaßlevel erreichen kann, das Gearbox mit den ersten beiden Teilen vorgelegt hat. Die Latte liegt schließlich verdammt hoch.

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Gerüchteküche?

So einiges war ja schon vor der offiziellen Ankündigung über Borderlands: The Pre-Sequel durchgesickert. Vieles davon wurde auch umgehend als möglich und plausibel angenommen. Nur der herrlich bescheuerte Name war einigen zu bizarr. Doch gerade der ist eigentlich genial und sagt perfekt aus, worum's geht, meint Randy Pitchford. Recht hat er damit, denn Borderlands: The Pre-Sequel ist in der Fünf-Jahre-Lücke zwischen Borderlands 2 und Borderlands angesiedelt und erzählt hauptsächlich, wie's zum Aufstieg von Handsome Jack vom nerdigen Programmierer bei Hyperion zum Diktator mit Raumstation und Kristallpony kam. Und um gleich mal etwas Abwechslung in die Kulisse zu bringen, ist der Schauplatz des Geschehens diesmal auch nicht der Planet Pandora, sondern der stets in den bisherigen Borderlands-Teilen sichtbare Mond Elpis samt gigantischer Mondbasis.

Entsprechend all dessen wählt der Spieler diesmal auch nicht aus glückssüchtigen Kammer-, pardon, Vault-Jägern, sondern vier Typen, die dem machthungrigen Jack zum Aufstieg verhelfen – und denen man als Fan auch schon begegnet ist. Darunter etwa Wilhelm, Enforcer-Klasse. Er ist der erste Boss-Gegner in Borderlands 2 und macht einem als riesiger GUN-Load-Robo dort auch zu schaffen. Doch in The Pre-Sequel ist Jacks bester Mech-Krieger noch ein ganz normaler Kerl. Einer mit dicken Muskeln, der irgendwie an den Wolfman erinnert, aber zumindest ein Mensch. „Wenn du ihn spielst, neue Skills wählst, transformierst du ihn vom Mann zur Maschine“, wirft Pitchford ein.

Borderlands: The Pre-Sequel - Wer braucht schon Next-Gen, wenn man Claptrap haben kann?

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Also doch: Randy Pitchfords Aussage zum Trotz bekommen wir ein neues Borderlands.
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Dann ist da Claptrap, Fragtrap-Klasse. Die Claptrap, der man zu Beginn des ersten Spiels begegnet – nur eben mit Kriegsausrüstung, wenn man so will. „Bei ihr ist der Blick echt nah am Boden“, scherzt Randy Pitchford. Auch Lawbringer Nisha ist dabei, der man in Borderlands 2 als Sheriff von Lynchwood begegnet. Über sie hüllen sich 2K Australia und Gearbox noch weitestgehend in Schweigen. Und letztlich wäre da Athena, die Gladiatorin, die erstmals im DLC The Secret Armory of General Knoxx auftaucht. Und genau die durfte man zur Enthüllung in einer kurzen Spielvorführung auch in Action bestaunen.

Jetpaks, Ground-Pounds und Oz-Kits?

Gladiatorin Athena erinnerst etwas an Axton. Wie der Commando aus Borderlands 2 scheint auch die Gladiatorin eine recht einsteigerfreundliche Wahl – ein guter Mix aus Defensiv- und Offensiv-Fähigkeiten. Das zeigt sich schon am Vorausgewählten Action-Skill: Kinetic Aspis. Dabei handelt es sich um ein Energie-Schild, das Athena mit der linken Hand zücken kann. Doch hält's nicht nur Feindfeuer ab, sondern saugt auch dessen Kraft auf. Das Schild kann dann, gleich dem Adamantium-Schild von Captain America, auf die Feinde geschleudert werden, wo's mit dem doppelten der absorbierten Energie explodiert.

Packshot zu Borderlands: The Pre-SequelBorderlands: The Pre-SequelErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Dazu gibt es selbstredend witzige Zusatz-Skills, wobei jedoch nur der Phalanx-Talentbaum gezeigt wurde: Die Fähigkeit Vanguard lässt Coop-Mitspieler bei gezückter Aspis weniger Schaden nehmen und sorgt für Heilung. Invictus vergrößert das Energieschild. Mit Prismatic Aspis absorbiert das Schild auch Elementar-Angriffe. Prepare for Glory lockt Gegner an. Krousis sorgt für explosive Nahkampfattacken mit der Aspis und einiges mehr. Alles ausgewählt? Dann ins eigentliche Spiel!

Schon die ersten Sekunden zeigen: Jep, das hier ist Borderlands! Lebensleiste, Karte, Menü, Munitionsanzeige – fast alles scheint Eins-zu-Eins aus dem Vorgänger übernommen. Auch der metallene Raum, in dem die Demo beginnt, könnte aus irgendeinem der Vorgängerteile stammen. Erst als die erste Kiste gelootet wird, zeigt sich ein Unterschied: neben der üblichen Munition und Knarren taucht auch ein Oz-Kit auf.

Die Teile geben Elementar-Widerstands-Boni, Slam-Power – dazu gleich mehr – und beinhalten Sauerstoffvorräte. Schließlich lässt sich auf dem Mond schlecht atmen. Die nächsten Neuerungen an der zweiten Kiste: dort warten nun unter den Myriaden an automatisch generierten Waffen nun auch Knarren mit Kryo- und Laser-Elementarschaden. In diesem Fall ein Tediore-Sturmgewehr, dessen Frost-Geschosse Gegner verlangsamen und sie letztlich zu Eissäulen erstarren lassen. Daneben eine Energiespritze von Torgue, die einen zuckenden und brummenden Laserstrahl entfesselt, der … na, was wohl. „2K Australia war vollkommen frei darin, ihre eigenen Ideen reinzupacken“, sagt Randy Pitchford dazu. „Sie haben gemacht, was sie für cool hielten. Und das ist cool!“

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Borderlands bleibt - dem ersten Anschein nach - Borderlands. Gute Sache.
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Mit Wilhelm als Koop-Kompanion geht’s nach dem Kisten-Looten dann durch ein Energie-Barriere hinaus in die Mondlandschaft. Was ein Anblick: Riesige, karge Felsberge ragen in den Sternenhimmel an dem dick und aufgeblasen Pandora hängt, hinter der sich einige gleißende Sonnenstrahlen hervorschmuggeln. Rechts davon hingegen schwimmt die gigantische, aber unfertige Hyperion-Station wie ein allsehendes Auge am Firmament.

Der erste Blick ist vielversprechend: Die Ballerorgie bietet mehr vom Gleichen, gemixt mit coolen neuen Ideen und einer frischen Umgebung. Könnte was werden.Ausblick lesen

Alles schick, aber Pflanzen? Natur? Farbe? Nicht in Sicht. Stattdessen eben eine typische Mondlandschaft – alles überzogen mit einem kühlen Blaustich. Allerdings versprechen Randy Pitchford und die Macher bei 2K Australia, dass auch ein Planetentrabant durchaus abwechslungsreiche Umgebungen bieten kann.

Der Mond schaut aber nicht nur anders aus als Pandora, sondern fällt auch durch eine andere Kleinigkeit auf: die niedrigere Gravitation. Statt einen gemächlichen Spazierschritt hinzulegen, hoppeln Athena und Wilhelm über die staubige Oberfläche wie einst Neil Armstrong und Buzz Aldrin. Kleine Hüpfer werden hier zu hohen Sprüngen, die einige Meter in die Höhe katapultieren. Aus der kann man in Kämpfen nun mit wuchtigen Ground-Pound-Attacken herabschießen, die Gegner hinfort schleudern und mit dem richtigen Oz-Pack betäuben oder auch kreisrund Elementarschaden spritzen.

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Tatsächlich: dieses Borderlands erscheint nicht für Next-Gen-Konsolen. Laut Randy Pitchford, da sich hier einfach noch die meisten Fans der Serie befinden.
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Echt sprunghaft

Für einige Minuten wird die Umgebung bestaunt, dann meldet sich Jack über das Com-System. Eine nahegelegene Kommunikationsstation stört das Sicherheitssystem der Raumstation. „Geh rein, schalt es aus. Denn allmählich wird’s hier oben echt interessant, Kiddo, aber das nicht im positiven Sinne“, befiehlt Jack. Zwischen Athena, Wilhelm und der Station spannt sich allerdings ein dicker Lava-Krater. In Borderlands 2 wäre hier ein Sprung ins Verderben angesagt. Im Pre-Sequel hingegen heißt's Anlauf, Sprung … und dann Schub mit dem Jetpack!

Tatsächlich tragen die Recken einen kleinen Raketengrütel, der für extra-weite Doppelsprünge sorgt, aber auch vom Sauerstoffvorrat zehrt. Auf der anderen Seite wird dann zunächst eine Sauerstoff-Generator aktiviert, der eine kleine Luftblase in der Umgebung erzeugt und alles wieder auflädt. Dann heißt's: rein in die Com-Station! Und das bedeutet typische Borderlands-Chaos-Ballerei.

Beim Frontalangriff werden zuerst einige Brandgranten auf eine Gruppe rumlungernder Scavenger-Wachposten geschleudert, die in ihren Raumanzügen etwas an anorektische NASA-Astronauten denken lassen. Doch statt nur einem „Bumm!“ und jeder Menge Feuer schleudert die Explosion auch gleich mal drei der schmächtigen Kerls in den Weltraum. Im Hauptkomplex der Funkanlage wird aus dem Geplänkel schnell eine wirre und Borderlands-ige Dauerfeuerorgie. Horden von Weltraum-Fassungen der Outlaws und neue Typen wie die Raketenrucksack-bestückten Lunatics kreischen auf Athena und Wilhelm ein.

Granaten explodieren. Blei rauscht durch die Gegend. Flüche töten. Vor allem in solchen Situationen Luft nützt das Energie-Schild Aspis. Unter den einschlagenden Kugeln lädt es sich surrend auf und wird dann in gerader Linie auf die Angreifer gefeuert. Ziemlich wirksam. Mit dem Skill Wrath of the Goddess ist's dem Schild später sogar möglich, automatisch mehrere Gegner selbst anzuvisieren und diese nacheinander abzufrühstücken. Kommt da noch jemanden die New-York-Szene aus Marvel's The Avengers in den Sinn? Gut!

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Auch in „The Pre-Sequel“ wird es wieder Fahrzeuge geben. In der Demo konnte man allerdings nur kurz einen Blick auf ein Schwebe-Motorrad namens Stingray erhaschen.
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Bloß nicht stehenbleiben

Wie immer in Borderlands heißt es auch im Pre-Sequel: in Bewegung bleiben! Mit den meterweiten Sprüngen, Giganto-Hüpfern und Ground-Pounds lockt dabei nun eine noch größere Dynamik. Treffer können den Spieler jetzt quer durch die Arenen schleudern. Aber ebenso lässt sich sanft gleitend ein ganzes Magazin aus der Luft auf die Gegner entladen, die dann quer durch die Kulissen splittern. Vor allem im Kampf gegen kleine Zwischen-Bosse wie einem Bad Ass Outlow, der in seinem Kosmonautenanzug mit zwei Flutlichtscheinwerfern auf den Schultern herrlich bizarr ausschaut, scheinen die Kämpfe so noch abgefahrener.

Hier lassen Gearbox und 2K Australia auch einen kurzen Blick auf Claptrap werfen, der als zweiter Koop-Partner in die Schlacht kommt. Und verdammt, ja: das schaut schon wahnsinnig aus, wenn eine Claptrap mit Brandgeschoss-MG herum feuert, rumspringt, umher segelt und anbei noch Horden von Outlaws und Zergen-Scavengern den Arsch verbrennt. Die wenigen Minuten machen also durchaus Laune. Auch, da sie mit einem kurzen Blick auf einen der Bosse, Red Belly, enden: ein gewamsten Typ mit Bleicheimer auf dem Kopf, der Athena prompt durch ein Fenster ins All katapultiert.

All das lässt bei Borderlands: The Pre-Sequel auf mehr als eine halb-herzige Auskopplung hoffen. Auch scheint es zumindest auf den ersten Blick, als könne 2K Australia dem abgefahren Stil von Gearbox gut nahekommen. Bleibt zu hoffen, dass auch der Rest noch passt.