Boiling Point (PC-Test)
von Sebastian Weidner

GTA trifft Far Cry: Im scheinbar idyllischen Bananenstaat Realia löst der Spieler für bis zu sieben Fraktionen actionreiche Missionen per Pedes und in allerlei Fahrzeugen. Die Handlungsfreiheit ist enorm, die Spielwelt riesig.

Wären da nur nicht viele kleine Gameplay-Ungereimtheiten…

Rüstiger Rentner rettet neugierige Tochter

Als der erfahrene Ex-Söldner Saul Myers erfährt, dass seine als Reporterin tätige Tochter im fiktiven Inselstaat Realia spurlos verschwunden ist, findet sein

Boiling Point: Road to Hell - Vehicle MovieEin weiteres Video

Boiling Point: Road to Hell - GTA meets Far Cry: enorme Handlungsfreiheit und riesige Spielwelt inklusive!

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geruhsames Rentner-Dasein ein jähes Ende. Flugs packt er seine sieben Sachen und steigt ins nächste Flugzeug, um als holder Retter in der Not reichlich Sympathiepunkte einzustreichen. Doch ganz so einfach ist die Aufgabe nicht. Schließlich ist Realia mit seinen 450 km² fast drei mal so groß wie Liechtenstein und die in sieben Fraktionen aufgeteilte Bevölkerung wird nur für Geld redselig. Dass das Verschwinden des hübschen Töchterleins zudem mit der örtlichen Mafia zu tun haben soll, macht die Sache auch nicht einfacher.

Worum geht`s denn eigentlich?
Boiling Point ist ein nichtlinearer Ego-Shooter mit rudimentären Rollenspiel-Elementen.

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Ein Shooter deshalb, weil der gute alte Saul im Spielverlauf mehr schießwütige Gegner und aggressive Tiere über den Jordan ballert, als andere Soldaten in ihrem ganzen Leben.

Von vereinzelten Rollenspiel-Elementen zu sprechen ist deshalb angebracht, weil ihr durch häufige Benutzung von Waffen deren Zielgenauigkeit steigert und mit jedem Dschungel-Spaziergang ausdauernder werdet. Wie in Diablo und Co. einzelne Charakterwerte selbst erhöhen dürft ihr allerdings nicht. Das macht das Programm ganz automatisch. Spezial-Fertigkeiten gibt es natürlich auch nicht. Deshalb legen wir bei den RPG-Elementen

Wert auf die Betonung "vereinzelt". Fehlt nur noch unsere Erklärung zur nichtlinearen Spielwelt. Und keine Angst: Mit nichtlinear meinen wir nicht etwa die unbedeutende Wahl, durch die Garage oder die Vordertüre Häuser zu betreten, sondern wahre Entscheidungsfreiheit. So dürfen wir ohne jedwede Einschränkung durch die riesige Spielwelt wandern.

Auch können wir uns je nach Lust und Laune einer oder mehrerer der sieben Fraktionen (Guerillas, Mafia, CIA, Zivilbevölkerung, Banditen, Indios und Regierung) anschließen, für diese Missionen erfüllen und in deren Ansehen aufsteigen. Doch machen wir uns mit der Wahl selbstverständlich auch Feinde. Kooperieren wir etwa mit den Guerillas oder der Mafia, so müssen wir uns von nun an vor regierungstreuen Polizisten und der CIA in Acht nehmen.

Immer was zu tun
Kommen wir zurück zu Mr. Myers eigentlicher Aufgabe: Die Rettung seiner Tochter. Wie korrupte Inselstaaten nun mal so sind, hat fast jeder Einwohner Infos zum Verschwinden der hübschen Journalistin parat, packt aber nur gegen das richtige Kleingeld aus. Und davon haben wir zumindest anfangs fast nichts. Also bleibt uns gar nichts anderes übrig, als Partei zu ergreifen und lukrative Einsätze zu erledigen.

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Die sind in Boiling Point größtenteils knackig kurz und zudem sehr abwechslungsreich. Mal müssen wir uns als Spion versuchen und dubiose Personen observieren oder Fotos knipsen, mal wichtige Dokumente aus Basen stibitzen, ein anderes mal Villen infiltrieren und gefährliche Gangster ausschalten. Einziger großer Nervfaktor:

Während die eigentlichen Aufgaben meist innerhalb von 5 Minuten zu lösen sind, müssen wir für so manchen Hin- und Rückweg gut und gerne die doppelte Zeit einplanen. Immerhin wird der Zielort unseres Auftrags auf der unverzichtbaren Karte metergenau eingezeichnet. Leidiges Suchen entfällt somit. Sind wir nach unserer beschwerlichen Reise schließlich wieder im Dorf bei unserem Auftraggeber angekommen, erhalten wir das versprochene Geld und dürfen uns peu à peu weitere Infos zum Verbleib der verschleppten Tochter erkaufen. Vorstellen könnt ihr euch das wie ein großes Puzzle, das ihr nach und nach zusammensetzt. Zusätzliche Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Oder fragt ihr euch nicht, was die CIA in eine scheinbar unbedeutende Bananenrepublik verschlägt?...

Reichlich Pferdestärken
Eine 450 km² große Fläche auf eigenen Füßen zu durchqueren, könnte schwierig werden.Aus diesem Grund haben die Entwickler über 50 Fahrzeuge implementiert. Von Autos, über Boote und Hubschrauber bis hin zu ausgewachsenen Panzern findet sich alles, was das Herz eines PS-Junkies begehrt. Das nötige Kleingeld (oder diebische Fähigkeiten) vorausgesetzt, könnt ihr alle Boliden selbst steuern. Zuvor müsst ihr aber erst einen Trainingsparcours absolvieren und im Besitz des entsprechenden Handbuchs sein. Wie im richtigen Leben auch benötigen die Boliden Benzin und können kaputt gehen. Schaut vor ausgiebigen Abenteuertouren also am besten noch einmal an einer Tankstelle vorbei! Die Steuerung der Fahrzeuge ist größtenteils zufriedenstellend. Einzig fliegende Verkehrsmittel wie Flugzeuge, die vor allem für Touren ans andere Ende der Insel fast unumgänglich sind, erfordern etwas zu viel Fingerspitzengefühl für unseren Geschmack.

Technik von gestern?
Optisch macht Boiling Point einen zwiespältigen Eindruck. Während der Dschungel mit seinem dichten

Blattwerk viel her macht, die Weitsicht zu verblüffen weiß und schöne, aber unrealistische Lichteffekte für ein Redakteurs-Lächeln sorgen, treiben uns unscharfe Texturen, maue Animationen und teils klobige Objekte Tränen in die Augen.

Dass wir im gigantischen Spielareal auf nur knapp 20 unterschiedliche Charaktere-Modelle treffen und selbst wichtige Figuren wie der Bankdirektor und Bürgermeister eineiige Zwillinge sein könnten, ist zudem wirklich peinlich. In Sachen Sound sieht es nicht viel besser aus. Zu der sehr spärlichen, semiprofessionellen Sprachausgabe kommen schlechte Waffen- und Umgebungsgeräusche hinzu. Unseren mittelmäßigen Eindruck kann deshalb nur die gelungene Musik-Untermalung etwas relativieren.

Viel zu viele Insel-Baustellen
So viel Potential Boiling Point auch hat: An nahezu jeder Ecke merkt man dem Titel die zuletzt knapp gewordene Entwicklungszeit an. So ist die Insel zwar riesig, aber an vielen

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Stellen repetiv. Brücken, Dörfer, Lager, Straßenabschnitte und Tankstellen gleichen sich häufig wie ein Ei dem anderen. Der Dschungel wirkt wie im Baukastenprinzip zusammengesetzt. Die künstliche Intelligenz der Computergegner ist ebenfalls nicht ganz ausgereift. Weder umzingeln sie uns wie ihre Kollegen aus Far Cry, noch nehmen sie regelmäßig vernünftig Deckung. Dafür treffen sie ganz wunderbar und ziehen uns mit einem einzigen gezielten Schuss oft gleich die Hälfte unserer Hitpoints ab. "Schuld" daran hat das trefferzonen-basierte Schadenspunkte-System.Wird uns beispielsweise ins Bein geschossen, werden wir langsamer und wanken beträchtlich. Bis zum Quickload vergehen da meist nur noch Sekunden…

Weitere Gameplay-Ungereimtheiten nagen vor allem an der Atmosphäre. So gibt es zwar vom Spieler unabhängige Feuergefechte zwischen verfeindeten Parteien. Doch finden diese an den immer gleichen Stellen statt. Mindestens genauso doof: Kaum haben wir in einer Mission unter größten Anstrengungen eine ganze Militär-Basis leer geräumt, ist deren Besatzung nach nur einem Spieltag auf zauberhafte Weise wieder quicklebendig.

Hinzu kommt eine ganze Reihe von Bugs, die das Herzinfarkt-Risiko des Testers in ungeahnte Höhen schnellen ließ. Da verschwinden Autos, in deren Kofferraum wir quest-relevante Gegenstände deponiert hatten, der Sound setzt temporär aus und CPU-betriebene Autos walzen Einwohner platt.Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Riesige Spielwelt + Ungeheure spielerische Freiheit + Freie Fraktionen-Wahl + Vereinzelte Rollenspiel-Elemente + Schöner Dschungel + Abwechslungsreiche Aufträge

Contra:
- Viele Bugs - Hohe Hardwareanforderungen - Mittelmäßige Grafik - Mittelmäßiger Sound - Schlechte KI - Massig Gameplay-UngereimtheitenWird uns beispielsweise ins Bein geschossen, werden wir langsamer und wanken beträchtlich. Bis zum Quickload vergehen da meist nur noch Sekunden…

Weitere Gameplay-Ungereimtheiten nagen vor allem an der Atmosphäre. So gibt es zwar vom Spieler unabhängige Feuergefechte zwischen verfeindeten Parteien. Doch finden diese an den immer gleichen Stellen statt. Mindestens genauso doof: Kaum haben wir in einer Mission unter größten Anstrengungen eine ganze Militär-Basis leer geräumt, ist deren Besatzung nach nur einem Spieltag auf zauberhafte Weise wieder quicklebendig.

Hinzu kommt eine ganze Reihe von Bugs, die das Herzinfarkt-Risiko des Testers in ungeahnte Höhen schnellen ließ. Da verschwinden Autos, in deren Kofferraum wir quest-relevante Gegenstände deponiert hatten, der Sound setzt temporär aus und CPU-betriebene Autos walzen Einwohner platt.

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Riesige Spielwelt + Ungeheure spielerische Freiheit + Freie Fraktionen-Wahl + Vereinzelte Rollenspiel-Elemente + Schöner Dschungel + Abwechslungsreiche Aufträge

Contra:
- Viele Bugs - Hohe Hardwareanforderungen - Mittelmäßige Grafik - Mittelmäßiger Sound - Schlechte KI - Massig Gameplay-Ungereimtheiten