Die letzte Kurve ist keine fahrerische Herausforderung, und wäre Blur ein normales Rennspiel, würde ich nun an erster Position liegend locker dem Sieg entgegenrasen. Doch meine Hände haben sich in das Pad gekrallt, als hinge mein Leben davon ab. Meine Sinne sind überangespannt, im Rückspiegel sondiere ich meine Verfolger, deren Scheinwerfer gefährlich aufblitzen. Plötzlich schießen um mich herum blaue Tornados aus dem Asphalt und mehrere rote Kugeln rasen von hinten heran, Warnlampen leuchten auf und kündigen den Einschlag an.

Verzweifelt umkurve ich die bläulichen Lichtblitze, rase gleichzeitig durch die Kurve und versuche die Lenkraketen in meinem Heck abzuschütteln. Doch einen Feind habe ich in dem Trubel übersehen und im Handumdrehen überschlägt sich mein Fahrzeug. Bevor ich mit zerschlagener Heckscheibe weiterfahren kann, hat mich die Meute bereits überholt und statt Erster werde ich Letzter.

Wer hat Mario Kart gesagt?

Mario Kart lässt grüßen, denkt ihr? Damit liegt ihr gar nicht mal so falsch, denn Entwickler Bizarre Creations werkelt derzeit an einem Fun-Racer, der mit der sportlichen Ernsthaftigkeit bisheriger Produktionen wie Project Gotham Racing in erster Linie die über 50 lizenzierten Original-Fahrzeuge gemeinsam hat.

Blur - When I feel heavy metal... Whoohoooo!

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Schon beim Start herrscht teilweise das nackte Chaos.
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Blurs Optik erinnert mit seinen nächtlichen Szenarien, Weichzeichnern und Neon-Farbsprengseln eher an Need for Speed: Underground oder Wipeout und deren mit weniger Details auskommenden Fahrzeugmodellen. Die möglichst authentische Darstellung der Boliden wie BMW, Camaro, Lotus Esprit steht sicherlich nicht an oberster Priorität. Das gleiche gilt nach den Eindrücken, die wir in der derzeit laufenden Multiplayer-Beta (Xbox 360) gesammelt haben, auch für die Rennstrecken.

Alle bisher zugänglichen Straßen-Parcours wie L.A., San Francisco, Hackney in England bis hin zu Barcelona und Tokio zeugen zwar von ausgeklügeltem Design mit oftmals mehreren Alternativrouten und Abzweigen und sind ihren realen Pendants nachempfunden. Der große Detailreichtum verzückt aber (noch?) nicht das Auge.

Blur - Progression Trailer5 weitere Videos

Es liegt jedoch auf der Hand, dass diese eingeschränkten Impressionen zum einen aufgrund des Beta-Status (Veröffentlichung ist für den 27. Mai angepeilt) und auch des Mehrspielermodus (wo meist Abstriche hinsichtlich der Optik hingenommen werden müssen) noch lange kein abschließendes Urteil über die grafische Finesse von Blur zulassen. Außerdem ist diese Komponente bei einem Fun-Racer ohnehin nicht so wichtig wie bei Rennsimulatoren á la Gran Turismo, Forza Motorsport oder eben PGR.

Packshot zu BlurBlurErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Bizarres neues Baby schleudert euch ohnehin so viele Eindrücke auf einmal entgegen, dass ihr kaum Zeit habt, euch auf die Landschaft zu konzentrieren. Bereits zu Beginn eines jeden Rennens regiert das Chaos, wenn im Skirmish-Modus bis zu 10 oder im Powered-Up-Racing bis zu 20 Speed-Junkies gleichzeitig los rasen und sich um den Platz an der Sonne balgen. Neben den bisher vier zugänglichen Renn-Events wird es später noch eine World Tour, 1vs1 oder auch Hardcore-Racing geben.

Beachtliche Spieltiefe

Die Wahl der Renn-Modi oder über 30 Tracks, für die ihr euch im Vorfeld entscheidet, beeinflusst die Auswahlmöglichkeit eures fahrbaren Untersatzes. Das beginnt bei Anfängerklassen und reicht bis hin zu reinrassigen Sportwagen, für die unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände oder auch Mods freigeschaltet werden können.

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Jetzt wird es aber höchste Zeit, Ausweichmanöver einzuleiten!
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Ähnlich wie in Rollenspielen oder aktuellen Onlineshootern sammelt ihr in jedem Rennen durch erfolgreiche Aktionen wie Drifts, Waffeneinsatz oder Ausweichmanöver Erfahrungspunkte (Fans). Auf diese Weise passt ihr den Wagen an euren Fahrstil an, bzw. wählt die passende Kombination aus Modifikationspaketen und Fahrzeugen und individualisiert eurer Spielerfahrung somit. Wählt ein Konkurrent beispielsweise einen etwas schwerfälligen, aber bei Karambolagen durchsetzungsstarken SUV, kontert ihr möglicherweise mit einem wendigeren Modell derselben Fahrzeugklasse. Gut ist, dass sich die lizenzierten Boliden auch tatsächlich im Handling spürbar voneinander unterscheiden.

Wie Mario Kart, aber mit mehr Spieltiefe.Ausblick lesen

Trotz der großen Vielfalt und Spieltiefe versprechenden Features in diesem Bereich kommt jedoch die wahre Würze erst durch den Einsatz der Power-Ups während der Rennen ins Spiel. Diese sammelt ihr unterwegs auf, wenn sie euch nicht ein Konkurrent direkt vor eurer Nase wegschnappt. Der Respawn der Symbole geht jedoch glücklicherweise sehr flott vonstatten, sodass man eher aus eigenem Unvermögen an den Goodies vorbeirast oder schlittert.

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Mit einem Shunt wird das vorausfahrende Fahrzeug aus dem Weg geräumt.
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Grundsätzlich könnt ihr bis zu drei der Gimmicks gleichzeitig in petto haben und etwa per Button frei über deren Reihenfolge entscheiden. Ihr Einsatz will jedoch gut überlegt sein, denn die taktische Komponente spielt eine sehr große Rolle. Ein zu früh rausgeballertes Schild etwa fehlt euch im entscheidenden Moment möglicherweise. Mit dem richtigen Timing und etwas Glück kann man jedoch auch ohne rein defensive Power-Ups jedem Angriff ausweichen oder ihn parieren.

Mächtige Power-Ups

Neben EMP-Blitzangriffen und einer Art Homing-Missile (Shunt) sorgen Nahkampf-Schubsattacken (Barge), Minen oder Energie-Bolts für Schäden an den Widersachern, diese können sich jedoch per Nitro aus dem Staub machen oder ein Heil-Gadget einsetzen. Shunts bekämpft ihr beispielsweise mit Bolts und macht euch dabei zunutze, dass einige Power-Ups nicht nur in Fahrtrichtung einsetzbar sind, sondern sich zudem rückwärts abfeuern lassen.

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Der Kampf um die mächtigen Power-Ups befeuert das Spielgeschehen und sorgt für zusätzliche Spannungsmomente.
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Freischaltbare Mods versorgen euch mit weiteren Fertigkeiten, beispielsweise erhaltet ihr dann gleich beim Start ein zufälliges Power-Up, teilt mehr Schaden aus oder wandelt Angriffe in Heilenergie um. Zusätzliche Erfahrungspunkte sammelt ihr durch Herausforderungen, die mehr oder weniger nebenbei absolviert werden. Jede eurer Aktionen wird erfasst und so schreitet ihr in jedem der diversen Bereiche voran und erhaltet Gutschriften sowie zusätzliche Boni für Erweiterungen, modifizierte Power-Ups und Mods.

Neue Wege will Blur mithilfe des Social Network Interfaces erschließen. Das hübsche Spiel-Interface erlaubt nicht nur, sich mit Freunden, Widersachern und Fans zu vernetzen, sondern auch die Erstellung eigener Custom Groups, in denen jeder seine eigenen Mehrspieler-Modi entwerfen und mit anderen teilen kann. Darüber hinaus ist eine direkte Twitter-Schnittstelle enthalten, mit denen Ergebnisse sofort ins Netz hinausposaunt werden. Wer überhaupt nicht auf Online-Rennen steht, wird im Splitscreen-Modus mit bis zu vier Spielern auf einer Glotze zocken dürfen. Doch das durften wir bisher genau so wenig ausprobieren wie den Singleplayer-Modus.