Das wird noch ein hübsches Hickhack geben. Genauso wie vor ein, zwei Jahren, als FromSoftware nicht überdrüssig wurde zu betonen, sie hätten bei Dark Souls 2 nicht an den Schrauben gedreht, die den beiden Vorgängern erst ihre einzigartige Form gaben. Mit Bloodborne wird sich dieses Aufschrei-Dementi-Wechselspiel wiederholen - mit einem Unterschied: diesmal könnten die Vorwürfe der Fans nicht ganz unbegründet sein.

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Bei FromSoftware hat sich seit Demon’s Souls einiges getan, das beweist die gamescom-Präsentation ihres neuen Babys nur noch einmal aufs Neue. Wo zwei schüchterne Japaner früher selbst nicht so genau wussten, was sie den anwesenden Redakteuren jetzt eigentlich sagen sollten, laufen die Vorstellungen spätestens seit Dark Souls 2 ungleich routinierter, ungleich selbstsicherer ab.

Heute muss auch niemandem mehr erklärt werden, was die Faszination an dutzendfachem Scheitern ist, warum der Verlust mehrerer Stunden Spielfortschritt eben zum morbiden Spaß dazugehört. Und da das PS4-exklusive Bloodborne kaum von der Souls-Formel abweicht, hatte es in Köln ein wenig den Anschein, als sei die Zeit stehengeblieben.

Bloodborne - Bringt das Blut der Dark-Souls-Fans in Wallung

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Das Spiel erscheint im ersten Quartal 2015.
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Blood Souls

Das liegt weniger an der routinierten Vortragsweise der Entwickler oder ihrer so typischen Gliederung, die bis auf die Präsentationsfolien exakt der von Dark-Souls-2-Vorschau Anfang des Jahres zu entsprechen schien. Es sind die bekannten Beschwichtigungsphrasen, das „Keine Sorge, es wird wieder ein Arschlochspiel, zerbrecht euch nicht die Köpfe darüber“, welches für ein Déjà-vu der unangenehmeren Art sorgt.

Das Schmücken mit fremden Federn ist fester Bestandteil der meisten Presseveranstaltungen - man hofft, ein Teil des Glanzes großer Titel würde somit auch auf den eigenen abstrahlen -, was wäre also naheliegender, als sich mit den eigenen zu schmücken?

Um diesen Stein kommen wir ohnehin nicht herum, also schieben wir ihn jetzt beiseite: Bloodborne ist keine lose Souls-Adaption vor anderer Kulisse. Es könnte ebenso offizieller Teil des Kanons sein, vielleicht ein Spin-off oder etwas dergleichen. Solltet ihr euch bislang also kein Bild des neuen FromSoftware-Spiels gemacht haben können, legt ein beliebiges Souls ein und stellt euch ein aufwendige Grafik-Mod dafür vor - that’s Bloodborne for you.

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Bloodborne stammt von FromSoftware; den Entwicklern von Demon Souls.
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Entsprechend häufig wurden die eigenen Titel als Vergleich herangezogen; „Souls“ war vermutlich das meist gesprochene Wort der Präsentation. Zugleich bemühte man sich jedoch um vorsichtige Abgrenzung; ja ja, das ist schon noch ein eigenständiges Spiel, zwar wie die Souls-Teile, aber doch ganz anders, ihr kennt das ja, fragt nicht so doof. Das permanente Bezugnehmen und gleichzeitige Abgrenzen war aber vielleicht nicht die beste Strategie.

Wenn Bloodborne irgendwann in den ersten Monaten 2015 für die PlayStation 4 erscheinen wird, steckt in dem Spiel selbstredend dennoch ausreichend Alleinstellungsmerkmale, doch ist bislang nicht ganz abzusehen, ob dies wirklich eine gute Nachricht für eure Souls-Ohren ist.

Wenn alles gut läuft, freuen wir uns auf ein moderneres Dark Souls vor anderer, toller Kulisse. Wenn alles schief läuft, zumindest noch auf ein ziemlich gutes Spiel.Ausblick lesen

Schon bei der Ankündigung von Dark Souls 2 sprach man von der Erschließung neuer Zielgruppen, ohne sich die alten Fans abspenstig zu machen, nur wich man damals recht zügig von diesem Kurs ab. Dass er jetzt erneut eingeschlagen wird, ist deshalb nicht unbedingt das beste Zeichen.

Bloodborne - From Softwares neues Spiel auf E3-Screenshots

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Bloodborne - From Softwares neues Spiel auf E3-Screenshots

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Während der knapp einstündigen Präsentation war das höchstens zwischen den Zeilen herauslesbar. Zu gut war man vorbereitet, zu genau wusste man, welche Informationen auf der Agenda standen. „Gameplay“ stand überall in dicken Lettern und das war es dann auch, was man uns zeigte.

Die größte spielerische (Neu-) Ankündigung war ein kleiner Kniff mit großen Konsequenzen. Anders als in den Souls-Spielen wird es in Bloodborne möglich sein, verlorene Energie sofort zurückzuerlangen, wenn es dem Spieler gelingt, den Angreifer innerhalb eines sehr engen Zeitrahmens ebenfalls Schaden zuzufügen. Dass damit ein enormes Risiko eines weiteren Treffers auf die eigene Kauleiste besteht, ist kein Zufall und vielmehr Reiz dieser sehr interessanten Funktion.

Zeit für ausreichendes Austarieren dieses Elements hatten die Entwickler für die gamescom-Demo jedoch nicht, die natürlich nur deshalb leichter gemacht wurde, um Spieler nicht zu verschrecken - ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass man sich solche Sorgen früher bei einem der Souls-Spiele gemacht hätte. Mit einem Konter war in Bloodborne nicht nur ein kleiner Teil der eigenen Energieleiste wiederhergestellt, sondern mit etwas Glück beinahe die gesamte Gesundheit binnen dreier Gegenschläge wieder auf Vordermann gebracht. Und irgendwo hört man Estus Flakons leise schluchzen…

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Gruseln, schnetzeln, gruseln...
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Mehr Action- als Rollenspiel

Es ist immer auch eine Frage der Ausrüstung, wie sinnvoll ein gezielter Gegenangriff ist. Wer einen schweren Zweihänder führt, hat wenig Chancen auf einen schnellen Konter, kann diesen aber (wie die meisten Waffen) mit einem Handgriff umformieren. Von verschiedenen Spielstilen und einem dynamischeren Kampfablauf als früher sprach FromSoftware, während sich auf dem aufgebauten Monitor gerade eine kleine Klinge in ein Langschwert verwandelte.

Überhaupt soll der Kampf ein offenerer werden, euch hinsichtlich neuer Methoden deutlich stärker am Schlafittchen packen und sich per se organischer anfühlen. Wer einen Gegner erst mit einem Ölfläschchen bewirft, bevor er ihn in anschließend Brand steckt, macht sich das Leben eine gute Ecke leichter. Die Welt von Bloodborne orientiert sich noch immer an den vagen Andeutungen seiner geistigen Vorväter, erzählt seine Geschichte in den Details seiner Umgebung statt mit künstlichen Zwischensequenzen, will zugleich aber nachvollziehbarer werden.

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Dark-Souls-Vergleiche werdet ihr noch ohne Ende zu hören bekommen.
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Kombinierbare Objekte sind nur ein Schritt in diese Richtung, einen weiteren versprach man uns hinsichtlich des Gegnerverhalten. Viele Schwachstellen seien mit etwas Kombinationsgabe logisch zu erschließen, wie das konkret aussieht, konnte zumindest mir aber weder ein FromSoftware-Mitarbeiter noch die spielbare Demo sagen. Hier hilft nur eine Portion Gottvertrauen.

Wobei ihr ohnehin eher der optimistisch veranlagte Schlag Mensch sein solltet, wenn ihr in Bloodborne das nächste Dark Souls seht. Wir reden hier nicht darüber, ob diese Geschichte gut enden wird; die Japaner haben ihr Können mehr als einmal aufblitzen lassen. Fraglich ist eher, in welche Richtung man will, denn bislang sieht das alles eher nach einem Dark Souls Light statt einem legitimen Thronfolger aus.

Über das „unique online concept war selbst auf Nachfrage kein konkretes Wort zu hören, beim Nachhaken nach dem Rollenspielaspekt in diesem Spiel, das etwas zu aufreizend in Richtung Hack-and-Slay schielt, folgt nur ein undeutliches „Es wird anders als früher.“

Hoffentlich wird es das nicht.