Das wurde ja auch Zeit: Nicht nur wird Bloodborne, immerhin eine Schöpfung aus dem Kopf des Souls-Vaters Miyazaki, schon seit geraumer Zeit extrem sehnsüchtig erwartet, wir hatten auch unsere lieben Mühen, unsere dreckigen Griffel an das Teil zu kriegen. jetzt aber ist es soweit und wir können gemeinsam mit euch ins Abenteuer starten. Das Test-Tagebuch wird mehrmals am Tag im Laufe der nächsten Tage veröffentlicht, also guckt immer mal wieder vorbei, um unseren sporadischen Fortschritt und unseren sich entwickelnden Wahnsinn im Auge zu behalten.

Da das Tagebuch nun schon eine gewisse Länge hat, habt ihr hier einen Link, mit dem ihr immer zu den neuesten Einträgen gelangt.

Neben Leo, der das Tagebuch hauptsächlich betreut, könnten sich auch andere Autoren zu Wort melden, die parallel an Bloodborne sitzen. Daher werden die einzelnen Einträge mit Namenskürzeln am Anfang versehen, damit ihr sie zuordnen könnt. Leo Schmidt ist (ls). Frederick Bahr ist (fb).

Freddy übrigens zeichnete sich seinerzeit für unsere Dark Souls 2 Komplettlösung verantwortlich, die bei euch sehr gut ankam. Daher eine tolle Nachricht: Er werkelt derzeit bereits heftigst an einer Bloodborne Komplettlösung für euch. Schaut rein, wenn ihr Begleitung oder Hilfe bei eurer Reise wollt oder um Geheimnisse und Spielelemente zu entdecken, die euch bislang vielleicht entgangen sind.

Eintrag #1, Mittwoch, 25.03.,10:50 Uhr: Beim Sterben ist jeder der Erste

(ls) Es ist geschafft. Nach einer wahren Odyssee, die damit endete, dass wir nun doch irgendwie an ein Exemplar von Miyazakis Absolut-kein-Souls-Spiel-außer-in-jeder-Hinsicht-Werk namens Bloodborne gelangt sind, drehte sich die Disc die ersten paar Stunden im Laufwerk. Die ersten Hürden sind genommen, die ersten Atemzüge getan und, big fucking surprise, die ersten Tode gestorben worden.

Die erste und offensichtliche Nachricht: Bloodborne ist ein Souls-Spiel, wenn ich denn jemals eines gesehen habe. Alles heißt ein bisschen anders, sieht ein wenig anders aus und abgesehen vom Altbekannten gibt es neue Elemente. Doch das Grundgerüst in all seiner Pracht und Schaurigkeit ist wieder das von Dark Souls, wieder das von Demons Souls. Wer jene Titel nicht riechen konnte, braucht hier gar nicht antanzen. Wer sie liebte, wird sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit abermals verlieben. Es bringt nichts, um diese Offensichtlichkeit herumzueiern. Beim Reiz der Souls-Spiele ging es den Fans nie um Details, sondern immer um die Erfahrung, und die kriegt man hier von Anfang an geliefert.

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Ich hab mich durch den traditionellen Alibi-Charaktereditor geschaukelt, habe mit wissendem Lächeln und leichtem Kopfschütteln akzeptiert, dass mir weder über Szenario noch Story noch Lore mehr als ein paar ebenso kryptische wie müde Fetzen hingeworfen werden und bin das erste Mal gestorben. Der eigene Charakter, bezeichnet als Jäger, erwacht im Angesicht einer vierbeinigen und agilen Bestie. Man hat keine Waffe. Es ist klar, man soll bei diesem Kampf sterben, garantiert ist es jedoch bereits Hobby vieler Souls-Egomanen, das Vieh einfach mit bloßen Fäusten zu Matsch zu boxen, und ich trau Bloodborne gleichermaßen zu, dass die Erfüllung dieser Herakles-Aufgabe entweder belohnt wird oder als Statement eben auch komplett unbelohnt bleibt. Ich kenn doch meine Souls-Spiele.

Man landet in einer Zwischenwelt, eine Art Hub, offensichtlich angelehnt an den Nexus aus Demons Souls. Hier kriegt man die ersten Waffen übergebraten, kann sich überfordernd viele Tipps durchlesen und sich anschließend mittels Wegstein wieder zurückteleportieren. Ich habe, weil ich offenbar dumm bin, natürlich nicht die unerträglich coole Klappaxt/Sense genommen, die im Vorfeld jeder Trailer-Gucker angegeifert hat. Stattdessen schwinge ich jetzt einen Spazierstock, der sich in eine Kettenpeitsche verwandeln kann. Cool. Links trage ich eine Blunderbuss, eine altertümliche Schrotflinte. Wenn ich damit einem Feind aus nächster Nähe ins Gesicht schieße, strauchelt er und ich kann ihn mit einem gescripteten und extra animierten Angriff schwer verwunden. Interessante Mechanik, aber ich hab sie noch nicht ganz durchschaut. Ich glaube, sie funktioniert wie ein Kontersystem.

Beim Glauben bleibt es denn aber auch vorerst, den wie gewöhnlich kriegt Bloodborne, wie seine Vorgänger, das Maul nicht auf. Mal gucken, ob ich alles irgendwie ohne die Hilfe des Internets verstehe. Die Chancen stehen schlecht.

Abgesehen von derlei gab es etwas Bestaunen und Begucken der Welt, Einatmen der Atmosphäre. Davon mehr beim nächsten Eintrag – ich will es noch ein bisschen auf mich wirken lassen.

Eintrag #2, Mittwoch, 25.03.,14:55 Uhr: Gloria Victoria

(ls) Viktorianisch angehauchte Szenarien sind ja nun in den letzten Jahren wieder auf dem Vormarsch – Assassin's Creed Victory, The Order 1886, Van Helsing, Dishonored – aber wie erwartet gibt Bloodborne dem ganzen einen eigenen Twist, der gar nicht so wenig an die gotische Atmsphäre der Vorgänger erinnert. Immer noch schmeckt man eher Berserk als Sherlock Holmes durch, das Leere, pointiert Verängstigende an der Welt erzeugt einen merklich anderen Sog als es ein üblicher Steampunk-Titel tun würde. Man erwartet immer noch eher einen schwarzen Ritter oder einen Drachen um die Ecke als Jack the Ripper, wobei letzterer auch irgendwo im Hinterkopf spukt.

Im Mondlicht glänzendes Kopfsteinpflaster, gelbe Gaslaternen und havarierte Kutschen jedenfalls prägen bislang den Look der Kulisse, und wenn ein geistig verwirrter Mann mit Schlapphut, Fackel und Mistgabel auf den Jäger losgeht, dann erzeugt das vielleicht ein wenig mehr Horror und eine Spur weniger Melancholie, als es in den verfallenen Ruinen der Souls-Reihe der Fall war. Dort hatte der Zahn der Zeit gewirkt, hatte die Natur sich vieles zurückgeholt und verzweifelte, dämonische Existenzen waren in einer statischen Blase gefangen, Jahrhunderte auf gar nichts wartend, nur unterbrochen von einem sporadischen Abenteurer.

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Jäger oder Gejagter? Leo ist noch dabei, es herauszufinden.
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Die Jagd, so der Name des mysteriösen Events, in das man bei Bloodborne geworfen wird, wirkt aktueller, akut, quasi dringlich. Man fühlt sich weniger wie der Erforscher eines bereits untergegangenen Reiches und eher wie einer der Teilnehmer bei einem Spießrutenlauf – einem, der gerade beim Niedergang einer Welt passiert. Mag sein, dass sich das noch ändert.

Packshot zu BloodborneBloodborneErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Darüber hinaus bin ich nicht wesentlich schlauer als zuvor, aber durchaus gespannt. Wer ist mein Jäger? Er (bzw. in meinem Fall: sie. Ihr Name ist Larna.) scheint aus einem anderen Land zu kommen, zumindest suggeriert das der Beschreibungstext meiner Kleidung. Ein Satz, wie er nur aus einem Souls-Spiel stammen kann. Aber was ist die Jagd? Warum nehme ich teil? Weshalb habe ich zu Anfang eine mysteriöse Infusion bekommen? Und überhaupt, warum ist diese Welt so besessen von Blut? Alles, was früher nach Seelen stank, hat nun mit Blut zu tun. Es ist Erfahrung. Es ist Währung. Es ist Lebensenergie. Welche morbide Faszination steckt dahinter?

Warten wir's ab.

Eintrag #3, Donnerstag, 26.03.,0:45 Uhr: Heute ist nicht alle Tage

(ls) Mitternacht kam und ging. Ich habe nicht ununterbrochen und stur vor Bloodborne gesessen, aber meine Versuche gegen den ersten Boss, das sogenannte Cleric Beast, nähern sich doch so langsam dem zweistelligen Bereich an. Ich hätte heute/gestern/whatever gerne mit einem befriedigenderen Statement abgeschlossen, für jetzt bin ich aber an meiner Grenze, und der finale Eintrag, bevor ich mich ins Bett begebe, lautet: Bloodborne hat mich geschlagen... für den Moment.

So ist es ja aber immer. Mehr noch als bei anderen Games kenne ich es aus der Souls-Reihe, dass ein (zu) oft angegangener Boss nach einer Ruhepause zügig, manchmal sogar beim ersten Versuch bezwungen wurde. Ich halte es auch beim Cleric Beast für sehr denkbar. Es ist bezwingbar. Ich hatte es schon auf weniger als die Hälfte seines Lebens geprügelt. Andererseits war es bei anderen Versuchen nicht einmal angekratzt, bevor ich das Zeitliche segnete...

Sei's drum, nach dem Aufwachen mehr. Auf jeden Fall habe ich mittlerweile mehr von der Spielmechanik kennengelernt, und kenne die Passage bis zum Boss, wie das bei diesen Titeln so ist, mittlerweile ziemlich gut. Der Rest muss einfach warten. Die peinlichen Gesundheitshinweise, man solle nicht übermüdet oder zu lange zocken, haben eben doch einen wahren Kern. Ich tanke jetzt Energie und lasse mich vormittags wieder verdreschen.

Eintrag #4, Donnerstag, 26.03.,12:00 Uhr: Ich bin schuld, ich bin nicht schuld...

(fb) Ein durchzechter Abend mit Bloodborne und eurer Komplettlösung macht sich langsam aber sicher bemerkbar. Miyazakis Beast Souls findet auch in der gamona-Redaktion seine ersten Opfer und das ist verdammt gut so.

Genau wie Leo habe auch ich mich gestern mit der Kleriker-Bestie abgemüht und gut und gerne zehn Versuche mehr gebraucht als mir lieb wären. Schlussendlich lag der riesige Hirsch-Wolf-Mensch-Verschnitt zwar erschlagen auf dem Boden, warum das aber so ein Krampf war, kann ich selber nicht genau sagen. Vielleicht war ich zu knauserig mit meinen Blutphiolen, aber man muss ja schließlich auch vorausdenken. Eventuell habe ich einfach die falsche Startwaffe gewählt und hätte mich doch lieber die Jägeraxt greifen sollen, als ich noch die Chance dazu hatte. Sicherlich ist es mir als altem Dark-Souls-Hasen einfach schwergefallen, den offensiveren Spielstil mit dem angelernten Abtasten der Bossgegner in Einklang zu bringen. Auch Bloodborne zeigt einem als Spieler wieder die eigenen Grenzen auf, verlangt von euch, immer wieder dazuzulernen und über euch hinauszuwachsen.

Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Schuld diesmal nicht ganz bei mir lag. Mit immer wieder kurz abfallenden Frame-Rates hat man sich als Souls-Spieler so langsam arrangiert, trotzdem etwas ärgerlich, dass selbst der Sprung auf die New-Gen daran nichts rütteln kann. Als teils fatal empfand ich allerdings die sperrige Kameraführung, die speziell in der Auseinandersetzung mit der Kleriker-Bestie maßlos überfordert und ohne Zweifel für den einen oder anderen Bildschirmtod mitverantwortlich war.

Es bleibt abzuwarten, wie sehr diese Problematik auch in nachfolgende Bosskämpfe weitergetragen wird. Frust und Souls, das passt so gar nicht zusammen und es wäre verhängnisvoll, wenn sich Bloodborne in dieser Hinsicht von den geistigen Vorgängern unterscheidet.

Eintrag #5, Donnerstag, 26.03.,15:30 Uhr: Die echte Jagd beginnt... hier?

(ls) "Prey slaughtered". Das sagt der Bildschirm, wenn man einen Boss endlich überwunden hat. Hat mich lange genug gekostet, es herauszufinden, aber die Bestie liegt tot da, Larna ist von oben bis unten besudelt und ich bin erleichtert. Schon öfter ging mir jetzt durch den Kopf, ob ich vielleicht doch eine andere Waffe als meinen stylischen Gehstock hätte am Anfang wählen sollen, aber ich liebe ihn einfach zu sehr. Ich nenne ihn Holger. Holger hat gute Arbeit geleistet.

Ich mochte die Mechanik bei dem Biest. Wenn man ihm direkt und mit Schmackes auf den Kopf schlägt, kann man einen geskripteten und mächtigen Angriff starten. Ich habe gelesen, die Dinger heißen "Eingeweideangriff" und bin einmal mehr glücklich mit meiner Entscheidung, auf Englisch zu spielen. Jedenfalls mag ich, dass man Kleinigkeiten in der Mechanik geändert hat, die Angriffe fühlten sich sehr befriedigend an.

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Erfolgserlebnisse und Anlass zum heulen gehen in dem Spiel oft Hand in Hand für mich.
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Apropos "Befriedigung", es ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, über genau dieses Thema kurz zu sprechen. Wisst ihr, bevor ich mit Souls jemals anfing, redeten die Leute vom ungeheuren Belohnungsgefühl, von der überwältigenden Befriedigung, wenn man nach mehreren Anläufen einen Boss besiegt. Das Problem ist, dass das bei mir noch nie so recht geklappt hat. Ich verspüre Erleichterung.

Ich vergleiche es immer mit dem Ziehen eines faulen Zahns - tolles Gefühl, aber eigentlich wäre doch schöner gewesen, wenn man sich vorher gar nicht erst gequält hätte. So auch beim Cleric Beast. Ich schäume nicht über vor Freude. Ich bin einfach froh, dass es vorbei ist, und wenn ich das dumme Vieh in hundert Jahren nochmal bekämpfe, ist es immer noch zu früh. Ich musste wirklich staunen, als Freddy im letzten Beitrag schrieb, dass Frust und Souls so gar nicht zusammenpassen. In meiner Wahrnehmung sind die Souls-Spiele so untrennbar mit Frust verknüpft, mehr als die meisten anderen Spielreihen, dass mir wahrscheinlich unmöglich erscheint, dass es anderen nicht auch so geht. Ist es nur bei mir so? Gibt es unter euch nicht auch Fans, die dennoch arg gefrustet werden von diesen Spielen?

Sei es drum, die Hürde ist genommen, der Rest wird ein Spaziergang. Mit einer Ladung Blut auf dem Konto, einem neuen Checkpoint und einem Abzeichen, das nicht als erstes Item einen mysteriösen "Ludwig" in der Beschreibung erwähnt, gehe ich den Weg weiter. Ich glaube, als nächstes geht es in Richtung der sogenannten Healing Church?

Eintrag #6, Freitag, 27.03., 0:48 Uhr: Meine Hand tut weh

(ls) Warum, fragt ihr? Nun, ich habe eine ziemlich stabile Lehne an meinem Computerstuhl, auf die ich gerade mehrfach und mit Wucht eingeprügelt habe. Jetzt habe ich zwar auch keinen Fortschritt erzielt, aber mir wenigstens die Flosse verstaucht oder derlei. Frustrierender als ein Boss, gegen den man keinen Stich sieht? Ein Boss, den man routiniert auf 10% seines Lebens runterkriegt und der einen dann ohne Probleme weglasert. Ich hasse diesen Bastard.

In unserer Kommentarsektion tut sich einiges. Zunächst einmal schulde ich Nossi Dank für ein paar frühe Hinweise, unter Anderem zum Kontersystem, das ich mittlerweile ganz okay drauf habe. Außerdem gibt es Gespräche wie "Warum fällt es Dir schwer, bei mir war es first try" usf., an denen ich mich prinzipiell nicht beteilige - es ist, wie es ist, ob es an mangelndem Skill, leicht verändertem Kampfsystem oder sonstwas liegt, ist keine interessante Frage.

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Hat Bloodborne und haben die Souls-Spiele eine Story? Unsere User sind sich nicht einig.
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Eine sehr wohl interessante Frage ist die nach der Story von Bloodborne und, per Erweiterung, derjenigen der Souls-Spiele ganz allgemein. Der User DarkSoul hat die Frage aufgeworfen, warum Bloodborne so gut bewertet wird, und obwohl ich mich dieser Frage bislang weder widmen kann noch möchte, kam dadurch der Punkt der Story auf. DarkSoul sagt, das Spiel habe keine, wie auch die Vorgänger. Andere, wie Kratianos, Tyrant676 und Zwergenking, sagen, das Spiel habe sehr wohl eine, wie auch die Vorgänger, sie sei nur versteckt in Itembeschreibungen, Andeutungen, NPC-Interaktionen usf.

Ich kann es bei Bloodborne nicht über den Punkt hinaus beurteilen, an dem ich bin. Was Souls angeht, kann ich es aber - und bislang zumindest erscheint mir, dass Bloodborne in der Hinsicht sehr ähnlich, vielleicht sogar gleich strukturiert ist. Natürlich hat die "Es gibt eine Story"-Gruppe recht, dass in den Items, ihren Beschreibungen, in den NPC-Monologen, sogar in der Architektur und der inneren Logik der Welt und an anderen Orten wahnsinnig viel steckt, das es zu entdecken gibt, das die Reise mit Leben und Fleisch auf den Rippen füllt und das einen großen, maßgeblichen Teil der Faszination Souls ausmacht.

Aber, und das ist die Kernfeststellung an der ganzen Sache: Das ist nicht Story. Das ist Lore, Setting, Szenario, Hintergrundgeschichte, Vorgeschichte, Zusatzinfo, Mythologie der Welt. Wichtige Informationen, ohne Frage, aber eben nicht das, was sich während der Reise des Spielers durch Lordran, Drangleic oder im jetzigen Fall Yharnam ereignet. Nicht die Handlung. Eben nicht die Story.

Die wirkliche Story - nicht das Hintergrundwissen, nicht die zusätzlichen und optionalen Puzzlestücke, nicht das, was der Story zusätzliche Bedeutung gibt, sondern wirklich die reine Story - von Dark Souls zum Beispiel geht so: Eine Figur erwacht in einer Zelle, bricht aus und landet in einem offenbar untergegangenen Königreich, das von Monstern und derlei bevölkert wird. Aus keinem bestimmten Grund läutet die Figur zwei Glocken und erweckt damit eine Schlange, die den Auftrag erteilt, vier Seelen und eine Schale zu sammeln. Hat man das gemacht, kann man durch ein Tor gehen und einen alten Mann erschlagen, woraufhin man die Wahl hat, seinen Platz als Antriebsquelle des Zeitalters einzunehmen oder den Zyklus zu durchbrechen. Und selbst bei dieser Schilderung ist streng genommen schon Interpretation dabei.

Das ist nicht viel Story, und wenn man DarkSoul dann noch den Luxus stilistischer Übertreibung schenkt, ist seine Aussage, das sei keine Story, kein Sakrileg. Und vor allem: Nach dieser Sichtweise, mit diesem angelegten Kriterium, passiert bislang in Bloodborne wirklich nichts, was ich guten Gewissens als Story bezeichnen könnte. Ich fasse zusammen: Eine Figur erwacht nach einer mysteriösen Blutinfusion von einem Fremden in einer Stadt voller Irrer und Bestien und beginnt aus keinem bestimmten Grund, sie zu töten. That's it. Ich kann nicht sagen, ob das weiterhin so bleiben wird, aber wenn ja, dann gebe ich DarkSoul recht, dass das keine erwähnenswerte Story ist - wie bei den Vorgängern. Dass das eine Sache wiederum ist, die man den Spielen ankreiden muss oder sollte, behaupte ich nicht. Nicht jedes Spiel brauchte eine Story, und Souls hat bislang auch immer seine Welt und sein Szenario gereicht, warum also nicht hier?

Ob auch ich bei einer Wertung von 93 lande, halte ich für fraglich, obwohl ich gewaltigen Spaß habe. Aber es ist zu früh für derlei Urteile.

Meine Hand hat zu Schmerzen aufgehört. Zurück an die Arbeit.

Eintrag #7, Freitag, 27.03., 15:09 Uhr: Die rote Brosche

(ls) Sie weint. Sie weint und schluchzt immer wieder "Mami, Mami". Souls-Spiele tragen selten dick auf, und auch hier ist die kleine Geschichte um eine zerrüttete Familie eher subtil erzählt. Ihre Mutter sollte ich finden. Ich fand sie. Sie starb durch die Hand des wahnsinnig gewordenen Vaters, die rote Brosche noch auf ihrer Brust. Der Vater? Starb durch meine. Die Spieluhr, die das Mädchen mir gab, half mir dabei, indem sie ihr Biest von einem Vater kurzzeitig lähmte. Ich hasse mich für Dinge, die getan werden müssen. Die Brosche musste ich nicht zwingend zurückgeben, ich hätte sie für eine Belohnung zerstören können. Ich gab sie zurück.

Bloodborne bleibt weiterhin überzeugend. Das aggressivere Kampfsystem, das der direkte Grund für die erhöhte Zahl an Heilitems ist, funktioniert, wenn die Eingewöhnung abgeschlossen ist. Offensives Kontern statt blocken, Mobilität lässt sich im Gegensatz zu früher nun quasi gar nicht mehr kompensieren oder relativieren, man muss den Monstern ins Gesicht springen, damit man eine Chance hat, hinterher noch selbst eines zu haben.

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Sicherheit ist eine Illusion.
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Die Stimmung ist meisterhaft, die Welt diesmal nicht nur stilistisch, sondern sogar grafisch-technisch schön. Der viktorianische Van-Helsing-Stil mit Steampunk-Einschlag zieht mich in seinen Bann, vielleicht auch, weil die Souls-eigene Trostlosigkeit, Melancholie und Wehmütigkeit aus dem Szenario eine Facette herauskitzelt, die man so selten sieht.

Die Updates werden von nun an zwangsläufig weniger. Fortschritt muss erzielt werden, und nicht jeder Schritt der Reise ist von nun an gleichermaßen aufschlussreich, jedenfalls nicht auf eine Weise, die sich in Textform präsentieren lässt. Natürlich werden Freddy und ich dennoch regelmäßig updaten, aber von nun an geht es weniger darum, mit dem Spiel die erste, zaghafte Berührung zu haben. Die rosarote Brille ist abgesetzt, von nun an wird es tiefer. Man könnte auch sagen: The real Bloodborne begins here. Wir hören uns in Bälde mit dem nächsten Bericht von der Front.

Eintrag #8, Samstag, 28.03., 14:32 Uhr: Bloodborne - ist es zu schwach, bist du zu stark

(ls) Ihr habt mich bislang größtenteils dabei erlebt, wie ich über den Schwierigkeitsgrad von Bloodborne fluche wie ein Droschkenkutscher, wie ich euch von den Höhepunkten und Bossen erzähle. Lasst mich also an dieser Stelle ein paar Worte über die "normalen" Gegner und die kämpferische Reise durch die Umgebung erzählen.

Eine der großen Stärken von Souls ist ja, dass man eben nicht durch die Welt schlafwandelt, sondern auch bei den kleinen Gefechten methodisch vorgeht, sich etwas Zeit nimmt, weil ein unglücklich fuchtelnder Feind schonmal bedeuten kann, dass man ungewöhnlich schnell ins Gras beisst. Tatsächlich hat auch Bloodborne diese Momente - aber es sind doch bedeutend weniger als früher.

Mit Erstaunen beobachte ich mich dabei, wie ich ohne große Furcht oder Scheu auf neue Feinde zugehe und sie souverän und mit Schmackes auf Eis lege. Wie meine Angst vor der Welt einem Gefühl von Selbstvertrauen weicht. Wie ich selbst in einem neuen Gebiet, das ich noch nicht kenne, professionell, ruhig und kalkulierend vorgehe, damit recht gut vorankomme und ganz plötzlich den nächsten Checkpoint erreicht habe, ohne auch nur einmal gestorben zu sein - trotz neuer Gegnerarten, von denen auch schonmal welche sauschnell oder haushoch sein können.

Einerseits ist das natürlich cool, andererseits nimmt es etwas vom bekannten und wohligen Souls-Terror. Es ist, wie es ist, aber interessant ist die Frage "Warum?". Vielleicht ist es einfach nur gerade ein Knick in der Schwierigkeitskurve. Immerhin hab ich vor nicht allzulanger Zeit einen kompakten Hand-Flammenwerfer erhalten und röste damit auch neue Feinde in Rekordzeit, und die neu eigeführten Gegnertypen sind vielleicht nur die Vorboten baldiger und neu einsetzender Überforderung.

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Herausforderung, ja, doch ich fühle mich wirklich wie ein Jäger, nicht wie ein Opfer.
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Vielleicht bin ich auch besser geworden. Besser durch meine vorherigen Erfahrungen mit der Souls-Reihe, besser, weil ich mittlerweile doch einige Stunden in Bloodborne verbracht habe und gewisse Elemente, wie das offensivere Kampfsystem und das Schusswaffen-Kontersystem endlich geklickt haben. Ich denke, es ist möglich.

Die unangenehmere Möglichkeit wäre, dass Bloodborne vielleicht insgesamt eine Spur leichter und, sagen wir es offen, zu leicht im Vergleich zu den Vorgängern geraten ist. Dass man z.B. beim Versuch, die In-Your-Face-Kämpfe mit Heilitems auszubalancieren etwas zu großzügig war mit den 20 Heiltränken, die man mitführen kann, zumindest für den Anfang. Dass die Trickwaffen, so gut und befriedigend sie sich anfühlen, vielleicht zu vielseitig sind. Dass die Upgrades für diese Waffen, die man ohne Scheu rein- und rausslotten kann, was ohnehin nicht so gut zur Reihe passt, einem zuviele Optionen geben.

Auf Souls passte das, was sich kürzlich Darkest Dungeon aufs Banner geschrieben hatte: Es geht darum, aus einer schlimmen Situation das Beste zu machen. Wenn der Trend anhält, dass ich durch die eigentliche Welt ohne große Probleme komme, dann werd ich mir diese Frage beantworten müssen, was nun der Fall ist: Entweder, ich bin besser darin geworden, aus den schlimmen Situationen alles rauszuholen, oder die Situationen sind weniger schlimm als früher. Drücken wir die Daumen.

Eintrag #9, Dienstag, 31.03., 10:51 Uhr: Blut vs. Souls - das große Duell

(ls) Wie angekündigt und erwartet werden Updates seltener in Frequenz. Versteht mich nicht falsch, jeder Meter ist natürlich ein Erlebnis, aber nicht zwangsläufig eines, das man als Außenstehender wertschätzen kann. So ist Souls nunmal.

Ich sage immer "Souls", vernachlässige dabei aber, dass Bloodborne ja strenggenommen etwas separiert ist. Natürlich habe ich anfangs gesagt, dass Bloodborne ohne jede Frage ein Souls-Spiel ist und danach einen beträchtlichen Teil des Tagebuchs darauf verwendet, euch Erfahrungen zu bescheiben, die so oder so ähnlich auch in den Vorgängern hätten passieren können.

Vielleicht ist das aber ein guter Zeitpunkt, doch einmal die Unterschiede zusammenzutragen. Denn auch, wenn ich bei meiner Ansicht bleibe, dass Fans prinzipiell entzückt und Souls-Feinde prinzipiell abgeschreckt von Bloodborne bleiben werden, so hat sich das Spiel im Vergleich zu früher doch ein bisschen gewandelt, zumindest dem Eindruck nach. Lasst mich kurz zusammenfassen, inwiefern.

1. Ästhetik. So offensichtlich wie nachvollziehbar und nicht zwangsläufig schlecht. Weniger gotisch (wenn auch weiß Gott nicht un-gotisch), dafür eher stereotyp britische Schauerromantik, wie sie zu Zeiten von Stevenson, Shelley oder Stoker passiert wäre, vermischt mit dem eigentümlich melancholischen Twist, den kaum einer so gut hinkriegt wie Miyazaki.

2. Vielfalt und Qualität der Details. Bislang überflutet Bloodborne den Spieler weder mit derartig vielen Items noch mit derartig vielen Feindesvariationen wie die Vorgänger. Ein irrer Priester ist ein irrer Priester ist ein irrer Priester, ob er nun einen Stab, eine Sense, ein hölzernes Kruzifix oder sonstwas schwingt. Auch die schiere Unmenge an Waffen, über die man sonst so stolpert, wurde zurückgenommen zugunsten der Trickwaffen, die dafür besser durchdacht und vielfältiger sind. Die Wikis zum Spiel listen bislang ebenfalls nicht gerade üppig viel Ausrüstung und derlei. Ich kann nicht leugnen, dass mir die Entdeckerfreude beim Durchlesen der Itembeschreibungen und Ausprobieren fehlt, aber es gibt schlimmeres.

3. Schwierigkeitsgrad. Nach mehrfacher Rücksprache mit anderen Spielern sind wir uns alle einig: Bloodborne ist, zumindest in seinen Anfängen, leichter und insofern etwas zugänglicher als Dark und erst recht Demons Souls. Nicht so leicht, dass man nicht aufpassen müsste oder nicht sterben würde, und man hat auch wieder so seine Lieblingsstellen, an denen man überrascht wird und länger festhängt, aber die völlige Überforderung und Entnervung tritt nicht ein. Ich... ich weiß, dass mir das viele Leute ankreiden werden, aber ich finde es insgesamt ganz angenehm. Gut, von den 20 Heiltränken hätten sie mir gut und gerne auch die Hälfte wegnehmen dürfen, um die Dinge etwas spannender zu machen. Aber mehr Leute ins Boot zu holen, indem man sich anfangs zumindest etwas zurückhält, halte ich nicht prinzipiell für eine schlechte Sache. Ich war in der Hinsicht nie ein Souls-Snob, der darin seinen elitären Privatzirkel verletzt sähe oder so, und Spaß habe ich derzeit mit dem Teil noch und nöcher.

Zurück zum Versuch, den nächsten Boss plattzuhauen.

Eintrag #10, Mittwoch, 01.04., 11:26 Uhr: Hochmut kommt vor dem Fall

Das war ja klar: Nachdem ich jüngst noch rumgetönt hatte, Bloodborne sei, vor allem im Vergleich zu Souls, einfach zu leicht, ist es jetzt passiert: Ich häng fest. Schon seit einer Weile und so richtig. Mit dem altvertrauten "Wie werde ich das jemals schaffen?"-Gefühl, dessen eventuelle Überwindung dafür sorgen wird, dass sich der einzigartige Souls-Reiz überhaupt erst entfaltet.

Im Zuge dessen guckt man sich dann doch mal online um, wer denn was zu Bloodborne zu sagen hat. Neben unserer Lösung gibt es Kollegen, die wertvolle Dinge entdecken - sehr spannend zum Beispiel, wie die Leute Bosse leicht unterschiedlich angehen, andere Taktiken und Tricks bevorzugen. Gleichermaßen spannend und belustigend ist auch, wie sich beide größeren Wikis zu Bloodborne mit greifbaren und definitiven Informationen abmühen, wie denn nun zum Beispiel genau Insight, das Äquivalent zu Humanity im Vorgänger, funktioniere.

Bloodborne-Test-Tagebuch - Martyrium und Fegefeuer - Das neue Souls im Langzeittest

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Frust. FRUST.
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Die große Frage bleibt aber natürlich: Was tun? Dadurch, dass ich glücklicherweise keinen ganz zu großen Zeitdruck habe, bleibt mir die Luxus-Variante: einfach weiterprobieren, bis es klappt. Mit Hartnäckigkeit kriegt man jedes Spiel durch, selbst Big Rigs: Over The Road Racing. Ein weiterer großer Faktor und eine vielfach bewährte Methode ist der Sleeper-Effekt.

Lässt man das Spiel oder selbst die betroffene Stelle eine Weile ruhen und geht frisch ran, dann ist oftmals ganz von selbst der Knoten geplatzt und die entsprechende Hürde wird auf Anhieb oder doch sehr schnell gemeistert. Andere Methoden, sich zum Beispiel am Vorhandenen dumm und dämlich zu farmen, sind ebenfalls denkbar, aber nicht wünschenswert.

Ich pack das, irgendwie. Wünscht mir Glück.