Blood Will Tell (PS2-Test)
(von Nedzad Hurabasic)

Von den Japanern ist man ja einiges gewohnt. Skurrile, in unseren Augen groteske Dinge, spielen sich bisweilen in diesem Land ab. Ob Automaten für den Kauf gebrauchter Unterwäsche oder Fernsehshows wider den

"guten" Geschmack - Diese modernen Einrichtungen stehen dem traditionell geprägten Leben der Samurai gegenüber. Außerhalb Nippons haben viele Menschen aber vielleicht grade wegen dieses Gegensatzes ein Faible für asiatische Kultur entwickelt - vor allem Mangas

und Anime sind hierzulande schon seit Langem keine Unbekannten mehr und erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Auch den Stories, mit denen diese gespickt sind, merkt man an, dass sie einem völlig anderen Kulturkreis entspringen.

48 fehlende Körperteile
Das ist im Hack 'n Slay-Spiel »Blood Will Tell« von SEGA auch nicht anders - im Gegenteil: Der Held des Spiels, Hyakkimaru, Sohn eines Samurais, kommt aufgrund eines vermurksten Deals mit Dämonen mit gravierenden Behinderungen zur Welt - ihm fehlen 48 Organe, die ebenso viele Bestien als Tribut für den Handel eingefordert haben. Nur der Fluch der Dämonen hält das Kind am Leben. Frei erfunden ist diese Story nicht, die Geschichte basiert auf einem Manga des als Urvater dieses asiatischen Comicgenres geltenden Tezuka Osamu, zu dessen bekanntesten Werken wohl "Astro Boy" zählen dürfte. Nachdem Hyakkimaru's Vater erkennt, mit welchem Fluch sein

Sohn belegt worden ist, setzt er ihn dem reißenden Fluss aus und entledigt sich so seiner Schuldgefühle. Doch das kleine Bündel wird natürlich aufgefunden, der Arzt Jyukai flickt das blutende Etwas zusammen soweit es eben geht und erkennt rasch, dass Hyakki etwas ganz Besonderes ist und über spezielle Fähigkeiten verfügt - Telepathie zum Beispiel. Auf diese Weise kommuniziert das taubstumme Findelkind mit seinem Retter.

Mit 18 Jahren entschließt sich unser Held schließlich seinen Ziehvater zu verlassen und sich als Samurai auf die Suche nach den 48 Dämonen und damit seinen vermissten Körperteilen zu machen. Zuvor stattet der Arzt seinen Körper noch mit einigen Erweiterungen aus: Seine Arme lassen sich zu Schwertern umfunktionieren, in seinem rechten Arm ist ein Maschinengewehr eingebaut. Außerdem verfügt er über eine großkalibrige Kanone, die in sein rechtes Knie implantiert wurde. Darüber hinaus kann der Samurai natürlich auch noch mit einem

Blood Will Tell - Skurrile Story = außergewöhnliches Spiel?

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Katana, dem traditionellen Langschwert umgehen. Die beiden Schusswaffen verfügen nur über begrenzte Munition und können nur eingesetzt werden, wenn Hyakki im Arm-Schwert-Modus ist.

Auf der Suche ...
Wenn man nach dem Ende des langen, aber sehr stimmungsvollen Intro-Videos die Hintergrundgeschichte und das Ziel des Actionspiels erfahren hat, darf man endlich selbst zum Pad greifen, um den Helden durch das feudale Japan zu steuern. Zunächst wird man von einer schwarz-weißen Welt empfangen, denn erst, wenn man die Augen von Hyakkimaru zurückerobert

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hat, ist dieser in der Lage, die Welt auch in Farbe zu sehen. Das geschieht aber glücklicherweise recht bald und schon kann man das Geschnetzel mit farblicher Untermalung fortsetzen. Doch man muss nicht lange alleine durch diese mit Gefahren gespickte Welt schlendern. Schon nach kurzer Zeit rettet man einen Dreikäsehoch namens Dororo aus den Fängen von Bösewichtern. Dieser behauptet dreist, der beste Dieb der Welt zu sein und heftet sich zum Dank in der Folgezeit an unsere Fersen und wird so zu unserem Gefährten.

Der am Anfang des Spiels befindliche Prolog dient auch gleichzeitig als Tutorial, bei dem man alles über die wichtigsten Spiel- Story- und Steuerelemente erfährt. Dort lernt man auch den Umgang mit den verschiedenen Waffensystemen und die Beherrschung des "Schnittangriffs".

Dieser ist eine Spezialattacke, bei dessen Einsatz man während des Kampfes eine vorgegebene Tastenkombination eingeben muss, bevor die Zeit dafür abgelaufen ist. Bei Erfolg erhält man zusätzliche Gegenstände und Boni. Darüber hinaus stehen einem natürlich auch einige Combo-Attacken und der so genannte Seelen-Angriff zur Verfügung. Um diesen auszuführen, muss man allerdings genug Energie tanken, indem man Monster metzelt.

Die Action wird immer wieder durch kurze aber auch längere Cutszenen unterbrochen, um die Story weiter zu erzählen - teilweise auch mit Rückblicken auf das Geschehen vor Hayakkis Geburt. Diese Filmeinspielungen sind atmosphärisch gekonnt gestaltet und bieten die nötige Abwechslung zum sonst doch etwas eintönigen Heldeneinerlei. Abwechslung bietet aber auch der Sidekick Dororo, dessen Steuerung man gelegentlich übernimmt und dem man seineVerhaltenparameter vorgeben kann. Bei einigen Missionen schlüpft man in die Rolle des kleinen Taugenichts und hat z. B. die Aufgabe, sich in Herrenhäuser zu schleichen und Informationen über Widersacher zu beschaffen. Die Steuerung des kleinen Steinewerfers ist dabei stark an die des Titelhelden angelehnt, sodass man hier glücklicherweise nicht ständig umdenken muss. Dororo muss dabei im Gegensatz zu Hyakki öfter kleine Rätsel lösen sowie Jump 'n Run-Passagen meistern, diese sind aber meist sehr simpel gehalten.

Pad-Akrobatik
Schwer wird es meist nur, weil man oft dazu gezwungen ist, das Geschehen aus einer festgelegten Kameraperspektive zu absolvieren und deshalb der Überblick nicht immer optimal ist. Unfreiwillig springt man so ein ums andere Mal in den Abgrund und muss von vorne beginnen - oder man rennt durch Gänge, die man nicht einsehen kann, und steht unvermittelt vor einer

Horde von Bestien, was mit der Zeit einer Geduldsprobe nahe kommen kann. Diese Problematik überträgt sich teilweise auch auf die Hauptfigur, da man ständig damit beschäftigt ist, den Helden mithilfe des linken Sticks und der L1-Taste neu auszurichten und die Monster vor die Schwerter zu bekommen.

Die Beherrschung des Helden ist davon abgesehen aber recht einfach, lediglich zwei Tasten sind für die Kampfsteuerung vorgesehen (lässt man einmal die beiden Feuermodi außer acht) - die Möglichkeit, Combos einzusetzen, ist daher auch recht limitiert. Schlimm ist das aber nicht, man schnetzelt sich auch so ziemlich problemlos durch die meisten Damönenhorden hindurch.

Der Schwierigkeitsgrad hält sich dabei in Grenzen, zumal die Speicherpunkte ziemlich fair angelegt sind. Die Anzahl von nur drei möglichen Speicherplätzen fällt allerdings unter die zu kritisierenden Gameplay-Funktionen.

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Insgesamt gibt es knapp über 100 verschiedene Gegner, darunter natürlich die 48 Bossmonster und 60 weitere einfache Dämonenarten, wovon aber nur die Oberbösewichter eine wirkliche Herausforderung darstellen. Die "normalen" Monster agieren zu vorhersehbar, um unseren Helden in die Bredouille zu bringen. Eng kann es eigentlich nur werden, wenn plötzlich Feinde in Horden auftreten oder aus dem Nichts herbei teleportiert werden. Die Bosse wiederum schwanken im Schwierigkeitsgrad zwischen einfach und extrem hart.Wichtig ist hier, sich das Verhalten und die Fähigkeiten der Oberbösewichte anzusehen, und dann eine entsprechende Strategie zu entwickeln. Mit jedem Sieg über einen Chefdämonen erhält man nicht nur ein vermisstes Körperteil zurück, auch die eigenen Fähigkeiten und Attribute werden aufgemotzt.

Das hat aber allenfalls kosmetischen Einfluss, direkte Auswirkungen hat das erst später, wenn man beispielweise durch die Zurückeroberung seines linken Beins die Fähigkeit zum Sprint erlangt.

Seinem Kompagnon Dororo kann man mit vier verschiedenen Befehlen grobe Handlungsoptionen vorgeben. Entweder, man lässt ihn offensiv mitkämpfen, ordnet die Suche nach Objekten und versteckten Monstern an oder lässt ihn lediglich Objekte aufheben und defensiv kämpfen. Schließlich kann man ihn noch zu sich rufen, wenn er sich zu weit von uns entfernt hat. Stirbt Dororo, verliert er nur die bis dahin gesammeltenObjekte, weitere Auswirkungen hat das nicht, da er über unendlich viele Leben verfügt. Wer das Spiel gerne mit einem Kumpel spielen möchte, kann dies auch tun: Im Zweispieler-Modus kann ein Spieler die Steuerung von Dororo übernehmen. Aufgaben, die nur für einen Spielcharakter vorgesehen sind, kann man allerdings weiterhin nur allein bewältigen, was immer wieder zu unfreiwilligen Pausen führt. Deshalb kann man diese Funktion auch nur eingeschränkt als Zweispieler-tauglich ansehen. Schade ist, denn hier wäre deutlich mehr möglich gewesen.

Öde Landschaften
Die Navigation durch die meist menschenleeren Gebiete gestaltet sich denkbar einfach, man muss lediglich den auf der Mini-Map blinkenden Pfeilen folgen, um seine Ziele zu erreichen. Meist kann man von diesen Pfaden ohnehin nicht abweichen, sodass sich eine lineare Spielführung ergibt und man sich nicht verlaufen kann. Insgesamt wirkt die Landschaft aber sehr eintönig,

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teilweise fast unfertig, das Spielgeschehen konzentriert sich völlig auf das Dahinmetzeln der Damönenbrut. Bis auf die verschiedenen Bestien bekommt man fast keine anderen Lebewesen zu sehen, andere Menschen sind scheinbar Mangelware.

Bis auf wenige Ausnahmen ist auch die Interaktion mit Objekten nicht möglich. Schon nach relativ kurzer Zeit hat man daher das Gefühl, alles gesehen zu haben. Teilweise muss man einige Gebiete auch mehrfach durchstreifen, was bei der kargen Gestaltung nicht unbedingt den Spielspaß fördert.

Grafisch bietet das Spiel nichts Sensationelles, bis auf die schön aufgemachten Einspielfilmchen wird uns sogar nur solide Hausmannskost geboten.

Der Sound des Spiels eröffnet ebenso keine neuen Klangdimensionen, der Soundtrack bietet nur wenig Abwechslung, ist aber dafür stellenweise durchaus hörenswert. Allein die (englische) Vertonung kann vollends überzeugen und ist wirklich gelungen. Deutsche Spieler müssen allerdings mit Untertiteln vorlieb nehmen, eine Synchronisation hat nicht stattgefunden.Blood Will Tell Tipps & Tricks zum Spiel

- Steuerung mit Stick & L1-Tasten üben, Ausweichmanöver trainieren - Dororo sollte man im Suchmodus mitlaufen lassen, gelegentlich findet er versteckte Pfade und Objekte. - Seelenangriffe sollte man sich für härtere Gegner bzw. Monsterhorden aufsparen - Die meisten Monster lassen sich leicht überrumpeln, wenn man sie von hinten angreift. - Munition für die Schusswaffen ist meist knapp, nicht an normale Dämonen verschwenden - Einige versteckte Wege kann man entdecken, wenn man Bäume fällt, Felsen zerstört, Grabsteine in Stücke haut oder andere Hindernisse aus dem Weg räumt - Wenn man sich freigeschaltete Videosequenzen ansieht, bekommt man Hinweise auf übersehene Boss-Monster

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ Stimmungsvolle, wenn auch skurrile, Story + einfaches Hack 'n Slay-Gameplay

Contra:

- wenig Abwechslung - unzureichende Kameraperspektiven - eintönige OptikBlood Will Tell Tipps & Tricks zum Spiel

- Steuerung mit Stick & L1-Tasten üben, Ausweichmanöver trainieren - Dororo sollte man im Suchmodus mitlaufen lassen, gelegentlich findet er versteckte Pfade und Objekte. - Seelenangriffe sollte man sich für härtere Gegner bzw. Monsterhorden aufsparen - Die meisten Monster lassen sich leicht überrumpeln, wenn man sie von hinten angreift. - Munition für die Schusswaffen ist meist knapp, nicht an normale Dämonen verschwenden - Einige versteckte Wege kann man entdecken, wenn man Bäume fällt, Felsen zerstört, Grabsteine in Stücke haut oder andere Hindernisse aus dem Weg räumt - Wenn man sich freigeschaltete Videosequenzen ansieht, bekommt man Hinweise auf übersehene Boss-Monster

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ Stimmungsvolle, wenn auch skurrile, Story + einfaches Hack 'n Slay-Gameplay

Contra:

- wenig Abwechslung - unzureichende Kameraperspektiven - eintönige Optik