Wenn der Spalta eines Ork Boyz sich in den Schädel eines kleineren Widersachers senkt, wenn ein graziler Elf einen rattigen Skaven ausweidet, wenn das Imperium der Menschen mit den Kräften des Chaos aneinandergerät – dann befinden wir uns zwangsläufig im Universum von Warhammer. Was nicht sofort zu erkennen ist: Diesmal geht es zurück aufs Feld der Ehre, den Rasen der Götter – aufs Pseudo-Football-Feld. Es ist Zeit für Blood Bowl!

Blood Bowl, für diejenigen, die es noch nie wahrgenommen haben, hievt eigentümlicherweise viele Elemente von Games Workshops kultiger Tabletop-Klopperei in eine rundenbasierte Schlacht, in der es neben Gemetzel auch noch ganz nebenbei darum geht, einen Ball über eine Wiese zu tragen und am Ende des Felds auf den Boden zu donnern. Dazu treffen sich die klassischen Völker, gründen Mannschaften, finden Sponsoren, werden notdürftig in Sportrüstungen gepackt und dann rundenbasiert aufeinander losgelassen. Falls das nicht durchscheint: Die ganze Aktion ist mit flapsigem Humor aufgezogen und nicht gar so grimm wie das Main Universe.

Macht aber gar nichts, wenn man nicht Humorallergiker ist. Eine Spur Satire über die Aufgebauschtheit professionellen Sports ist durchaus willkommen, und wenn das Medien- und Werbespektakel in eine mittelalterliche Fantasy-Welt verfrachtet wird, dann macht das zumindest im Fall von Blood Bowl eine Menge her. Es ist die Umkehr von Low Fantasy, wo unsere Welt mit fantastischen Elementen gewürzt wird – in Blood Bowl dringen professioneller Football, Konsum- und Mediengesellschaft in die Welt von Elfen und Zwergen vor.

Blood Bowl 2 - Mord! Touchdown! WAAAGH!!!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 30/321/32
Wo der hinhaut, wächst kein Gras mehr - wenn er nicht vor Dummheit vergisst, was er zu tun hatte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwar für viele Spieler nicht der Hauptreiz, aber durchaus lobenswert ist in Blood Bowl 2 die Kampagne, die den (Wieder)Aufstieg der Reikland Reavers dokumentiert. Die einstmals erfolgreiche Menschenmannschaft war in der Vergangenheit nahezu vollkommen ausgelöscht worden und muss sich nun peu à peu wieder nach oben arbeiten. Eine gute Gelegenheit für den Spieler, nacheinander alle verfügbaren Völker und ihre Eigenheiten kennenzulernen, außerdem kann man so Match für Match die Regeln und komplexeren Eigenschaften lernen, die nach und nach freigeschaltet werden.

Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man Blood Bowl noch nicht kennt: Die Flachheit und stumpfe Wiederholung der ersten Matches liegt daran, dass hier erst ein Bruchteil aller Möglichkeiten enthalten ist, um den Spieler noch nicht zu überfordern. Schon bald erhalten die Feldspieler unzählige Skills, positive wie negative, können Erfahrung sammeln und besser werden, Spieler können nicht nur zu Boden gerissen, sondern auch ausgeknockt, verletzt oder sogar getötet werden. Die Manöver und die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Fähigkeiten werden immer verschachtelter und auch die Vorbereitung auf Matches, mit Sanitätern, Cheerleadern und Assistenztrainern, wird ausgefeilter. Nicht mehr lang und es erinnert ein bisschen an Schach. Nur mit mehr Gewalt. Also an Battle Chess, quasi.

Packshot zu Blood Bowl 2Blood Bowl 2Release: PC: 4. Quartal 2014 kaufen: Jetzt kaufen:

Viel Persönlichkeit und Humor

Begleitet und vermittelt wird die Story durch die Kommentatoren Jim und Bob, respektive ein Vampir und ein Oger (und ehemaliger Starspieler), die ordentlich eingesprochen sind und nicht nur schöne Anekdoten und putzige Witzchen von sich geben, sondern auch in die Geschichte des Sports und der Reavers einführen. Passiert dann (mal wieder) etwas irrwitziges auf dem Feld, sind sie mit frechen Kommentaren dabei. Bob lässt sich auch mal dazu hinreissen, die Kommentatorenkabine zu verlassen und selbst auf dem Feld mitzumischen.

Blood Bowl 2 - Mord! Touchdown! WAAAGH!!!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Ob der Schiri wirklich unparteiisch ist, entscheidet manchmal ein Säckchen voller Münzen...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schade ist nur, dass die beiden das Problem aller Kommentatoren aller Sportspiele haben: Sie haben nicht annhähernd genug Zeilen spendiert bekommen, sodass sich ihre normalen Sätze in Matches sehr bald und sehr oft wiederholen. Darüber hinaus sind die Animationen der beiden, wie übrigens auch die der Spieler bei Kamerafahrten, weder vielfältig noch richtig lebendig. Und nein, das Argument, Jim sei untot, lassen wir nicht gelten.

Zur Persönlichkeit des Spiels tragen sie dennoch viel bei, denn wie bei den beiden geht es auch ansonsten nicht zimperlich zu: Mal stürzt ein Kamera-Copter, gelenkt und angetrieben von einem in Pedale tretenden Goblin, aufs Feld, erschlägt einen Spieler und blockiert dann ein Areal als Feuergrube, in die Spieler von Kontrahenten hineingeschubst werden können. Mal sind die Erfrischungen der Spieler gespiked und versetzen sie in Raserei. Wird ein Spieler vom Spielfeldrand gekickt, landet er in den Fans, die ihn kurzweg krankenhausreif schlagen. Und Blood Bowl hat sogar seine eigenen Regeln für Schiedsrichterbestechung. Man hat einfach nicht gelebt, bis man gesehen hat, wie ein Goblin in schwarz und weiß zu einem am Boden liegenden Spieler spaziert und nochmal nachtritt, damit das arme Opfer komplett ausfällt.

Weniger für Sportfans, aber ein Schlachtfest von einem Taktikspiel – erstaunlich komplex und mit viel Spaß für lange Zeit.Fazit lesen

Taktiken und Prügeleien - alles machbar

All das überträgt sich dann auch in den „eigentlichen Hauptmodus“, in dem man sich eine eigene Mannschaft aus den acht Rassen (Vorbesteller erhalten zwei Völker zusätzlich) erstellt und dann entweder gegen die KI oder andere Spieler in Cups und Freundschaftsspielen führt. Hier gewinnt Blood Bowl 2 nochmal einen ordentlichen Schuss Komplexität, denn ob man Orks, Menschen , Waldelfen oder sonstwen spielt, macht einen gewaltigen Unterschied. Einige Völker sind stark, haben aber nachteile wie langsamere Spieler oder schlechtere Perks. Andere wiederum sind Allrounder. Und es gibt auch Völker wie die Skaven, mutierte Ratten, die im wesentlichen ein One-Trick-Pony sind: Eine ihrer Spielerarten, die Gutter Runner, sind so schnell, dass sie manchmal binnen eines Zuges einen Tocuhdown landen können. Leider sind sie schwach auf der Brust, und wenn sich zum Beispiel ein Chaos-Spieler ranhält, dann stehen die Nager bald mit deutlich weniger Leuten auf dem Platz.

Das ist cool, allerdings scheint die Balance nicht sehr ausgeglichen. Zwerge zum Beispiel überrollen durch ihre Hartnäckigkeit und Einheiten wie riesige Dampfwalzen in unseren Testversuchen jede Opposition, und welchen Nachteil genau Dunkelelfen haben sollen, haben wir auch nicht so recht rausfinden können. Die bereits jetzt sehr rege und aktive Community wird das Balancing sicherlich blangfristig besser durchschauen, aber einige Zweifel seien angemerkt.

Blood Bowl 2 - Blood Bowl 2 - First Match3 weitere Videos

Und da wir gerade bei Zweifeln sind. Es ist immer schwer, aus der Verliererperspektive so eine Sache fair und objektiv zu beurteilen, aber: Entweder, wir hatten bei jedem Spiel gegen den Computer einfach unheimliches Pech, oder das Studio Cyanide hat versucht, Schwächen in der KI durch manipulierte Würfe auszugleichen. Die schiere Anzahl an erfolgreichen Aktionen unserer Feinde und Fehlschlägen unsererseits machte jedenfalls etwas stutzig. In Blood Bowl hat quasi alles, selbst ein gepflegter Sprint übers Feld, eine Chance, danebenzugehen. Wenn dann die prozentuelle Verteilung von Erfolgen langfristig nicht zu stimmen scheint, frustriert das.

Aber mit etwas gesammelter Spielerfahrung relativiert sich das, und der Frust, zum Beispiel einen guten Spieler durch einen monströsen Tackle zu verlieren, weicht der Freude über die restlichen Möglichkeiten. Vor dem Spiel einen Starspieler anzuheuern, mit diesem im Feld aufzuräumen, dann mit Erfahrungspunkten die eigene Mannschaft zu verstärken und das eigene Stadion auszubauen, vielleicht sogar eine eigene Liga gründen, all das macht unleugbar Bock. Und kommt man dann zu den noch exotischeren Optionen, spielt Blood Bowl all seine Stärken aus. So kann man zum Beispiel später Spieler mutieren lassen. Ein Skave, der dank zwei Köpfen eine bessere Wahrnehmung hat, dank vier Armen besser werfen und fangen kann und der an ihm vorbeieilende Spieler mit seinem Schwanz zum Stolpern bringt, ist ein Anblick für die Götter.

Leider hatten wir in unserer getesteten Steam-Version ein paar technische Probleme. Kleinere Bugs tauchten auf, vor allem aber unerklärliche, zum Teil massive Ruckelorgien und teilweise auch minutenlanges Einfrieren machten einige Neustarts erforderlich. Wir wissen nicht, ob das eine Folge dessen war, dass wir eine Vorab-Review-Version hatten, drücken aber die Daumen, dass diese ärgerlichen Elemente in der Retail-Version behoben sind. Ansonsten würde hier nämlich ein ansosnten richtig schönes Taktik-Spiel kaputtgemacht werden.