Wir hatten kürzlich, ihr werdet euch erinnern, aus Anlass des genauso traditionellen wie ansprechend aussehenden Echtzeitstrategie-Titels Grey Goo kurz über den Zustand des RTS-Genres ganz allgemein gesprochen. Die kurze Version: Es liegt in einem Dornröschen-Schlaf, aus dem es sich offenbar gerade wieder zaghaft erhebt. Und das tut es witzigerweise nicht in der Form, wie es eingeschlafen ist, sondern in einer vorherigen, prototypischen.

Ja, es ist die Ära der sich rückbesinnenden Strategietitel. Rückbesinnung zu einer Zeit, in der Basenbau noch kein Schimpfwort war, Einheitenlimit ein Fremdwort und Micromanagement einzelner Einheiten noch nicht so ausgeprägt, dass man sich fragen musste, ob man eigentlich gerade ein MOBA spielt. Das bereits erwähnte Grey Goo hat diese Philosophie für sich eingenommen, ebenso Act of Aggression, an dem gerade an anderer Stelle gewerkelt wird und das Strategiefreunde auch ganz dringend im Auge behalten sollten – zumindest jene, die dermaleinst dank und durch Command and Conquer: Generals auf der großen SAGE-Engine Welle schwammen.

Der altehrwürdige Name Blitzkrieg (Oh Gott, das klingt falsch! Es geht um die Spielreihe! DIE SPIELREIHE!) passt bestens in diese Renaissance, die man ja kaum besser vorantreiben kann, als eine Traditionsmarke wieder ins Leben zu rufen. Und Blitzkrieg 3 versucht gar nicht erst, den paar verbliebenen RTS-Reihen das Wasser abzugraben, was auch eine müßige Übung wäre. Stattdessen setzt es auf eine Mischung aus bewährten Mechaniken und einigen frischen Ansätzen.

Blitzkrieg 3 - Aus alt mach neu mach alt mach...

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Viele traditionelle ETS-Games gibt es nicht mehr - Blitzkrieg 3 will das ändern.
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Auch, wenn ich damit angefangen habe: Basenbau ist tatsächlich nicht Teil der Formel. Bei Blitzkrieg geht es, wie seit jeher, um den richtigen Einsatz seiner begrenzten Einheiten. Was aber durchaus traditionell und anders als bei den modernen Vertretern des Genres ist: Macromanagement ist deutlich der Fokus. Es geht um die Positionierung und den Einsatz der Einheiten, nie darum, fitzelig einzelne Fähigkeiten einzelner Soldaten oder Fahrzeuge zu benutzen. Es ist damit kein Company of Heroes, kein Men of War – deine einzelnen Leute haben zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, das ist auch schon die Essenz des ganzen. Überlassen wir panzerbrechende Schüsse und das Aufsammeln jeder einzelnen Patrone den Kollegen.

Blitzkrieg 3 wird drei Singleplayer-Kampagnen beinhalten, von denen allerdings in dieser frühen Phase noch nichts gezeigt werden konnte. Was schon bekannt ist: Während die Sowjet-Kampagne sich mit dem bewährten Vormarsch auf Berlin beschäftigen wird, wollte man den USA und Deutschland mal ein etwas anderes Szenario verpassen als es sonst üblich ist. Das heißt: kein Sturm und keine Verteidigung der Normandie, kein Market Garden. Stattdessen werden wir die USA bei ihrem Feldzug durch Italien begleiten und bei den Deutschen wird, ganz dem Spielnamen treu, der Vormarsch nach Frankreich dargestellt. Durchaus frische Ideen, man darf gespannt sein, was es in den jeweils sieben Missionen umfassenden Kampagnen zu sehen gibt.

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Es wird drei Singleplayer-Kampagnen geben, der Reiz soll jedoch im Multiplayer liegen.
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Was aber gezeigt wurde und offenbar auch das Herzstück von Blitzkrieg 3 werden soll, war der Multiplayer-Modus. Dieses basiert auf einer Dynamik von Verteidigen und Angreifen, genauer: Ein Spieler baut sich eine Festung mit einer Verteidigung auf und andere Spieler versuchen, diese Verteidigung mit ihrem Kontingent an Einheiten zu knacken, zu umgehen und die Karte zu erobern. Die Angreifer haben dabei ein Zeitlimit und neue Einheiten können sie ebenfalls nicht ohne weiteres anfordern. Eine insofern clevere Idee, als dass die Scharmützel damit quasi neue Missionen werden, anstatt das immer selbe Gewusel auf bekannten Karten.

Taktik ist alles

Auch ein Vorteil: Selbst, wenn man nicht am Rechner ist und spielt, so bleibt die selbst erstellte Basis online und wird von anderen Spielern angegriffen. Loggt man sich dann nach Feierabend, Schulschluss oder wasauchimmer wieder ein, sieht man den Fortschritt, wie sich die eigene Festung geschlagen hat und kann dann weiter basteln und tweaken. Zu diesem Zweck gibt es auch einen Modus, in dem man die eigene Basis zu Übungszwecken angreift.

Die Entwickler denken, dass man, da man ja die Schwächen der eigenen Basis kennt, verdammt gut in der Defensive ist, wenn man beim Übungsangriff scheitert. Ich bin da nicht so sicher – Betriebsblindheit und fehlende Distanz zur eigenen Arbeit machen oft einen Strich durch die Rechnung, warum sollte es hier anders sein? Als Angreifer hat man übrigens auch eine begrenzte Anzahl von Spezialangriffen – Artillerie und Luftschläge von außerhalb der Karte, solche Elemente – die nicht auf Cooldowns, sondern auf einem Munitionssystem basieren und wohlüberlegt eingesetzt sein wollen. Dafür fräsen sie dann allerdings auch mächtig in die Gegend und fühlen sich sehr satt an.

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Micromanagement wird nicht groß geschrieben, Taktik hingegen sehr.
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Bereits beeindruckend, wenn auch bei einer Präsentation unüberschaubar, ist die Fülle an Einheiten für jede der Fraktionen. Es wird ein Level-System für das Spielerkonto geben, sodass jeder Spieler mit Einheiten aus der Frühphase des Zweiten Weltkriegs beginnt und sich im Laufe der Zeit bis zu den schwereren und fortgeschritteneren Fahrzeugen, Panzern und ähnlichem vorarbeitet. Das wird übrigens kein spielentscheidener Faktor – das Matchmaking in Blitzkrieg 3 passiert nur zwischen Spielern auf vergleichbaren Stufen.

Traditionell, aber nicht einfallslos - Blitzkrieg 3 verspricht viel und obwohl es bis zum Release noch dauert, stimmt das bislang Gesehene sehr optimistisch.Ausblick lesen

Das ist auch der Grund, warum das eine Element, das nach außen hin etwas fragwürdig klingt, nicht gar so schlimm werden dürfte: Während man auf Microtransactions, Pay-to-Win und dergleichen verzichtet, gibt es für Freunde des Multiplayer durchaus die Option, für zusätzliches Echtgeld ein Premium-Konto zu erwerben. Das hat als einzigen Effekt, dass man schneller levelt, und soll somit eine Option für Vielbeschäftigte sein, in kürzerer Zeit trotzdem Fortschritt zu sehen. Solange dafür nicht künstlich die benötigte Zeit für „normalen“ Fortschritt auf ein störendes Maß heruntergeschraubt wurde, sollte das kein Problem darstellen – ob es aber so ist, wird abzuwarten bleiben.

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Aus der Unity-Engine werden ein guter Look und tolle Atmosphäre herausgeholt.
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Schließlich lohnt sich auch noch zu erwähnen, dass das Spiel momentan schon richtig Schmackes und eine fühlbare Wucht hat. Aus der benutzten Unity-Engine werden jetzt schon gleichermaßen lebendige Wettereffekte, detaillierte Einheiten, kräftige Umgebungen und derlei mehr gezaubert. Die Explosion eines Panzer III erfreut ebenso wie die anschließend gen Himmel steigende Rauchsäule, ein wuseliges Knäuel aus deutschen Soldaten, die sich akzentfrei und in Panik Befehle zubrüllen, lässt Druck und Stimmung aufkommen, und wenn der (nicht ganz) ahnungslose Gegner auf eine bestens befestigte Verteidigungsstellung mit Panzerabwehrkanonen zurollt, dann freut man sich auf das kommende Spektakel fast so sehr wie auf den zu erwartenden Sieg.