Wie gut, dass es die Amerikaner gibt. Sie beschützen selbstlos wehrlose Völker und helfen ihnen, ihre Vorstellungen von Demokratie zu verwirklichen - koste es, was es wolle. Schon während des Zweiten Weltkriegs haben die US-Boys der Welt vorgemacht, wie man Diktaturen in die Knie zwingt: mit legendären Spezialkommandos, ohne die der Krieg selbstverständlich ganz anders verlaufen wäre - zumindest in der erzählerischen Fantasie zahlreicher Hollywood-Schinken, in denen der Sturz des Faschismus nur den tapferen Opferlämmern aus Amiland zu verdanken ist. Soviel zum Thema moderne Legenden.

Keine Legende, sondern aktuelle Wirklichkeit hingegen ist »Blazing Angels« aus dem Hause Ubisoft, das uns auf der PS3 und der Wii die größten Schlachten des zweiten Weltkriegs als Mitglied einer US-Sonderstaffel aus fliegerischer Perspektive noch einmal nacherleben - und natürlich gewinnen - lässt. Schließlich sind wir ja die Guten. Wir haben uns die PS3-Version angeschaut und festgestellt, dass sich der Weltkriegsaction trotz des hinlänglich strapazierten Genres noch ein paar interessante Details abgewinnen lassen.

Blazing Angels - Squadrons of WWII - blazing_angels_ps3_hd.wmvEin weiteres Video

Wehrhafte Engel
Willkommen im Zweiten Weltkrieg! Als Captain der US-Luftwaffe durchlebt der Spieler alle Phasen des blutigen Gemetzels. Angefangen im Kessel von Dünkirchen über die Luftschlacht von England wird man schließlich Zeuge, wie die USA in Pearl Harbor ihren »Tag der ewigen Schande« erleben. Später dann wird man über Midway Zeuge, wie die Japaner vier ihrer Flugzeugträger verlieren, wir befreien Papua-Neuguinea und später Paris, um schließlich im großen Finale über Berlin die letzte Schlacht zu schlagen.

Blazing Angels - Squadrons of WWII - Neue Engel braucht das Land, um dem Bösen die Flügel zu stutzen...

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Historical Correctness wird hier nicht groß geschrieben...
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Historisch interessierte Naturen werden bei dieser Aufzählung vermutlich stutzig. Die Amerikaner in Dünkirchen oder bei der Luftschlacht um England? War das nicht vor dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbor, der bekanntlich erst am 7. Dezember 1941 zum Kriegseintritt der USA führte? Richtig geraten! Aber da es sich bei »Blazing Angels« um ein Spiel handelt, nimmt man es mit der Wahrheit nicht so genau - zumindest in diesem Punkt, denn ansonsten stimmen die Schauplätze der Auseinandersetzungen und auch deren Reihenfolge mit den tatsächlichen Geschehnissen jener Zeit überein.

Als Captain einer amerikanischen Fliegerstaffel - den namensgebenden Blazing Angels - nimmt man im Kampagnenmodus also bereits ab Mai 1940 aktiv am Kriegsgeschehen teil. Dabei gilt es unter anderem, feindliche Flugzeuge zu beharken, bevor diese ihre Bombenlast über dem Ziel abwerfen können, oder sich spannende Dogfights mit den bösen Buben der Gegenseite zu liefern. Auch die Vernichtung von Panzerkonvois gehört zum Repertoire der emsigen Amis, genau wie das Versenken der kaiserlich-japanischen Flugzeugträger und Luftunterstützung für vorrückende Bodentruppen.

Packshot zu Blazing Angels - Squadrons of WWIIBlazing Angels - Squadrons of WWIIErschienen für PC, XBox, Xbox 360, PS3 und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Je nachdem, welche Aufgabe man zu bewältigen hat, wählt man vor dem Einsatz sein Luftfahrzeug aus. Stehen anfangs nur altertümliche und langsame Maschinen wie die britische Hurricane zur Verfügung, erweitert man mit jeder absolvierten Mission seinen virtuellen Fluggerätepark. Insgesamt warten 52 Maschinen, darunter auch diverse deutsche Modelle, darauf, vom Spieler ausprobiert zu werden.

Lass Einen fliegen
Besonderes Augenmerk sollte man auf seine Staffelkameraden richten. Joe, Frank und Tom sind nicht nur nette Kerle, die ihre ganze Aufmerksamkeit dem Wohlergehen des Spielers widmen, sondern sie lassen sich auch diverse Befehle geben. Das Beste an den drei Wingmen ist jedoch, dass jeder von ihnen über unterschiedliche Eigenschaften verfügt. Während Joe als Mechaniker die angeschlagene Kiste auch in der Luft repariert, greift Feuerkopf Frank jeden Gegner wild an und verschafft einem auf diese Weise Luft, während Tom als Leibwächter dem Spieler nicht von der Seite weicht und ganze Heerscharen von Gegnern ablenkt und auf sich zieht. Soviel zur Grundeinstellung der Jungs.

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Flieg, Engelchen, flieg...
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Über das Steuerkreuz kann man den Burschen jedoch auch andere Anweisungen erteilen. Je nach Bedarf greift der Auserwählte dann das gleiche Ziel wie der Spieler an, verteidigt ihn oder drischt auf alles ein, was bei Drei nicht auf der nächsten virtuellen Wolke ist. Des weiteren lässt sich als vierte Möglichkeit die jeweilige Spezialfähigkeit des Kollegen aktivieren - vorausgesetzt, sie ist gerade verfügbar. Denn die Spezialbefehle sind einmalige Aktionen und benötigen eine gewisse Zeit, bis sie wieder erteilt werden können.

Man sollte also die Fähigkeiten der Kameraden wohlüberlegt nutzen, denn angesichts der manchmal himmelschreienden Feindübermacht ist taktisches Vorgehen vonnöten. Hinzu kommt ein oftmals sehr knapp bemessener Zeitrahmen, der über Erfolg oder Versagen bestimmt. Immerhin existieren in jeder Mission mehrere Speicherpunkte, so dass man als Versager nicht gezwungen ist, die gesamte Aufgabe von vorne zu beginnen.

Luftnummern
Spielerisch kann »Blazing Angels« im Kampagnenmodus überzeugen und glänzt mit abwechslungsreichen Missionen und historischen Flugzeugen, die man im Laufe der Handlung freischießen kann. Je nach Missionsart wählt man aus der Palette von kleinen, wendigen Jägern über Torpedoflugzeuge bis hin zu schweren Bombern das jeweils richtige militärische Gerät aus.

Besonders gelungen ist dabei die Steuerung der Propellermaschinen. Je nachdem, mit welchem Flugzeugtyp man gerade zu Werke geht, steuern sich die Kisten unterschiedlich exakt oder träge - allerdings nur in einem sehr vereinfachten Rahmen, denn um eine echte Simulation handelt es sich bei »Blazing Angels« nicht. Der Arcadeaspekt überwiegt klar.

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Die Effekte können sich sehen lassen.
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Die Mühlen lassen sich aus Cockpit- oder Verfolgersicht fliegen, was sich jederzeit über die Select-Taste einstellen lässt. Damit einher geht auch eine grundlegende Änderung der Lenkung. Denn während man in der Außenansicht mit den Sticks lenkt und beschleunigt oder abbremst, erledigt man dies in der Egoperspektive durch Schwenken, Drehen und Neigen des Controllers - vorausgesetzt, man benutzt eine der originalen PS3-Bananen, die über die entsprechenden Sensoren verfügen.

In dem Falle dient der rechte Stick zur Rotation um die eigene Achse, während man sich mit dem linken umschauen kann - sofern man denn Zeit hat für einen derartigen Luxus. Da die Cockpitperspektive jedoch infolge der eingeschränkten Sicht auf das Kampfgeschehen weitaus schwieriger zu meistern ist, empfiehlt sich im Normalfall die Außenansicht.

Schließt man dagegen seine alten PS2-Teile über einen Adapter an, geht in der Ich-Ansicht gar nichts, da die Lenkung der Propellermöhren dann nicht funktioniert. Insofern bleibt nur die - ohnehin praktischere - Verfolgerperspektive übrig.
Auch die Atmosphäre ist weitgehend stimmig umgesetzt. Aus den Lautsprechern schallen die Kommentare der Wingmen, aber auch die höhnischen Bemerkungen der Gegner sind zu hören. Je nach Flugzeugtyp und Lautstärke ist das heimische Wohnzimmer von einem nervösen Surren oder einem tiefen Brummen erfüllt, und auch Bombeneinschläge werden mit einem satten Knall quittiert.

Weniger erfreulich dagegen ist die fehlende Dolby-Surround-Unterstützung - »Blazing Angels« kommt lediglich in einem braven Stereoton daher. Das ist in Zeiten von PS3 und multimedialem Overkill auch bei Konsolengames ärgerlich, denn es wirkt sich auf die ansonsten gelungene Spielatmosphäre aus.

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Orangerot, der Rest ist bald tot...
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Ebenfalls ärgerlich ist die mangelnde Übersichtsfunktion. Eine zuschaltbare Karte der jeweiligen Map fehlt leider. Zwar ist am unteren rechten Bildschirmrand ein kleiner Radarschirm eingeblendet, doch der zeigt nur die nächstgelegenen Gegner und Freunde an. Die Begrenzung des Kampfgebietes hingegen fehlt völlig. Auf diese Weise passiert es häufig, dass man sich im Eifer des Getümmels außerhalb des Schlachtgeschehens wiederfindet. In diesem Fall fliegt man ohne Rücksicht auf das etwaige Kampfgeschehen eine unfreiwillige Kurve, die das eigene Flugzeug ins Krisengebiet zurückbefördert. Das ist besonders bei taktischen Dogfights mehr als ärgerlich, da auf der kleinen Radarmap die Levelbegrenzungen nicht eingezeichnet sind.

Der Himmel über Berlin
Neben der Kampagne kann man sowohl im Single- als auch im Multiplayermodus aus diversen weiteren Spielarten auswählen. Im »Duell der Asse« liefert man sich ein klassisches Showdown-Gefecht mit einem gegnerischen Piloten, die »Mini-Kampagne« lässt einen direkt in ein Bomben- oder Luftkampfszenario einsteigen, und »Arcade« steht für das Abballern von immer neuen Angriffswellen feindlicher Flieger. Die Einzelspiele sind für eine Weile auch recht unterhaltsam, reichen aber mangels Abwechslung bei weitem nicht an die Kampagne heran. Um die einzelnen Modi anwählen zu können, muss man erst Teile der Kampagne erfolgreich abgeschlossen haben.

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In weiter Ferne so nah...
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Auch mehrspielerisch ist eine ganze Menge drin. Offline liefert man sich entweder über Splitscreen heiße Instant-Gefechte mit einem Kumpel oder hechelt gemeinsam die Kampagne durch, was sehr viel Spaß macht. Onlinezocker finden sich hingegen in Gruppen zusammen und blasen sich auf vielfältige Art und Weise in Teams oder Jeder gegen Jeden vom virtuellen Himmel. Besonders die Luftkämpfe über den Städten sorgen dabei für Laune, denn hier sind zeitweise mehr Flugzeuge am Himmel zu sehen, als Lindsay Lohan Liebhaber hatte.