Geheimtipps haben meistens die (für den Schöpfer) höchst unangenehme Eigenschaft, geheim zu bleiben. Da kann man noch so viele lobende Worte in den Äther jauchzen, von der Einzigartigkeit des Produktes schwärmen – wenn’s keinen Namen hat, geht es am Endverbraucher leider allzu oft vorbei.

Eher selten läuft es anders – wie im Fall von „BlazBlue: Calamity Trigger“. Das tolle Beat-’em-up gehört zu jenen Spieljuwelen, die wir im Februar 2010 mit exzellenten 89 Prozent adelten. Und irgendeiner scheint’s gelesen zu haben – denn nun, knapp zehn Monate später, steht der Nachfolger im Regal. Ob ihr das auch spielen solltet? Pssst… geheim!

BlazBlue: Continuum Shift - Doofer Name, geiles Spiel

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Bunt, knallig, typisch japanisch: Auch Continuum Shift ist nicht zu verkennen.
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Bevor jetzt die ersten Moralapostel auf die Barrikaden steigen: Bitte, meine Herren, beruhigen Sie sich. „BlazBlue: Continuum Shift“ ist natürlich nicht einfach nur ein vorschnell zusammengeflicktes Akkord-Update, wie man es dieser Tage leider allzu häufig vorgesetzt bekommt, sondern tatsächlich eine runde Sache. In Japan, der Geburtsstätte von BlazBlue und Heimathafen von Entwicklerlegende Arc System Works (Guilty Gear), war der Titel nämlich längst erhältlich, als wir uns hier noch über die Calamity-Trigger-Ankündigung freuten.

Der Vorgänger gehört unter Prügelfans nicht ohne Grund zur derzeitigen Genreelite. Gut, wirklich groß ist de Konkurrenz ja nicht, „Dead or Alive“ ist nahezu tot, „Soul Calibur“ verkriecht sich irgendwo, die „Virtua Fighter“ haben wir auch schon eine Weile nicht mehr gesehen, „Tekken“ und „Mortal Kombat“ enttäuschten zuletzt. Bleiben: „Street Fighter 4“ und dessen „Super“-Neuauflage.

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Keine Ahnung, was das sein soll, aber es ist bunt.
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Konkurrenz im 2-D-Segment gibt es quasi keine. Gäbe es sie doch, „BlazBlue“ würde wahrscheinlich trotzdem mit ihr den Boden aufwischen. Die Auszeichnung als Geheimtipp verdankt das Japano-Schmuckstück nämlich einem Kampfsystem, das in puncto Komplexität seinesgleichen sucht. Unzählige Angriffsvarianten, noch mehr Gegenattacken, Blocks, Specials, Drives und wie sie nicht alle heißen, all das verwandelt die Kampfarena für Profis in den siebten Himme… pardon, die siebte Kammer der Shaolin. Und in den Grauen für alle Anfänger.

Ohne Einarbeitungszeit geht hier nix. Das war in „Calamity Trigger“ so und gilt für „Continuum Shift“ mindestens ebenso nachhaltig. Anfänger müssen hier viel Geduld beweisen, vor allem online, wo im direkten Vergleich zur Weltelite ganz schnell die Luft brennt. Zumindest haben die Entwickler ein Einsehen und offerieren dieses Mal einen Tutorial-Modus. Jeder Move, jede Taktikvariante, jede noch so kleine Kombo lässt sich hier analysieren und einstudieren.

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... genau wie das hier.
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Und weil das alles bereits so perfekt aufeinander abgestimmt war, hat Arc System Works den Gesetzen der Logik folgend auch kaum etwas daran geändert. Ein paar Tweaks am Blocksystem und leicht veränderte Bedingungen zum Ausführen der spektakulären Astral-Heat-Attacken müssen da reichen. Der Rest war ohnehin viel zu gut, um daran herumzufummeln. Wesentlich mehr hat sich dafür am Balancing geändert.

Auch das war schon im Vorgänger brillant, Arc System Works hat hier aber einige Verbesserungsvorschläge der Fans erhört und umgesetzt. Im Detail beschränkt sich das auf Minimales: Arakune wurde etwas entschärft, Carl Clover etwas verbessert, einzelne Attacken hier und da angepasst. Nichts Großes, aber die Fans, sprich: Profis, werden es merken und sehr wahrscheinlich auch lieben lernen.

Weniger ist manchmal… weniger

Sonstige Neuerungen? Ebenfalls eher im Detail: Die ohnehin schon todschicken Hintergründe wurden zusätzlich aufgehübscht, wirken nun kräftiger und erstrahlen dank HDR-Einsatzes in atmosphärischem Licht. Leider gibt es nur wenige komplett neue Stages. Zumindest erkennt man einige der alten im neuen Grafikkorsett kaum wieder. Auch die Kämpfer selbst wurden noch einmal angefasst – allerdings nur in der Charakterübersicht. Am Sprite-Look hat sich indes nichts getan.

Perfekt ausbalancierte Profiprügelei, der für eine Fortsetzung leider die großen Neuerungen abgehen.Fazit lesen

Unser Ruf nach mehr Modi wurde zumindest ansatzweise erhört, denn neben dem Tutorial gibt es noch drei Spielvarianten. Wobei der Beginner-Modus eigentlich eher als Spieloption verstanden werden kann: Mit aktiviertem Anfänger führt man so schon durch simpelstes Buttonmashing komplizierte Kombos aus. Der Lerneffekt tendiert zwar gegen null, der Spaß thront dafür auf Maximum. Fraglich allerdings, ob es wirklich absolute Beat-’em-up-Neulinge gibt, die sich ausgerechnet „BlazBlue“ kaufen.

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Ein Rausch der Farben. Wer mehr erkennt, möge bitte Bescheid geben.
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Ebenfalls neu, jedoch altbekannt: der Herausforderungsmodus. Prügelspieler kennen das: Pro Stage wartet ein neues, beinhartes Ziel darauf, erfüllt zu werden. Nicht mehr, nicht weniger. Anspruchsvoller spielt sich da schon der Legion-Mode, den BlazBlu-Haudegen bereits aus der PSP-Variante von „Calamity Trigger“ kennen dürften. Hier mischt sich taktisches Vorgehen mit Tag-Team-Schlachten. Macht kurzzeitig Laune, ohne allzu lange zu motivieren.

Erfreulicherweise macht der Story-Modus in „Continuum Shift“ gefühlt zwei Schritte nach vorn: Zwar gibt es weiterhin nur vorgezeichnete Bilder und Charakterportraits zu sehen, die man mühsam durchklicken muss, aber die Geschichte ist weit weniger wirr und nicht so uninteressant wie im Vorgänger. Ohne Klischees geht’s freilich trotzdem nicht: Sobald sich zwei Protagonisten irgendwo begegnen, gibt’s Streit, die Kampfarena fährt ins Bild – und ab dafür.

Ja, Mensch. Bei so viel Lob, gibt’s da überhaupt noch etwas zu meckern? Ja, gibt es. Leider. Zumindest wenn man den direkten Vergleich zur „Super“-Neuauflage von „Street Fighter 4“ zieht. Mit zehn neuen Kämpfern, neuen Modi, Ultramoves, Stages, Bonus-Rounds und so weiter kann man den Capcom-Rivalen nur als Umfangmonster beschreiben. „Continuum Shift“ hat auch neue Kämpfer. Und zwar magere zwei!

BlazBlue: Continuum Shift - Bunter TrailerEin weiteres Video

Nun soll es ja Leute geben (uns!), denen schon die Charakterriege in „Calamity Trigger“ mit zwölf Recken zu mager ausfiel. In der Theorie bietet „Continuum Shift“ zwar noch weitere Charaktere, wer jedoch mehr Helden will, muss per DLC nachkaufen. Der große Vorteil an dieser sehr überschaubaren Charakterriege sind das hervorragende Balancing und die hohe Diversität der Protagonisten, die sich tatsächlich alle anders spielen. Mit Hazama und Tsubaki setzt Arc System Works dieses Prinzip fort. Zwei Neuzugänge mögen sehr wenig erscheinen, aber wenn sie die so gut ins bestehende Raster einfügen, kann man nur schwerlich meckern. Vielleicht ein bisschen. Oder zwei…