„Wow. Wir haben mit unglaublich geringem Budget einen modernen Horrorklassiker geschaffen, der ein völlig neues Subgenre begründet hat. Was sollen wir nur als nächstes tun?“. – „Den gleichen Film noch mal! Den gleichen Film noch mal!“. – „Okay. Hier ist er: Blair Wicth 2! Ist uns nicht wirklich gut gelungen, aber was soll´s. Und? Was machen wir jetzt?“. – „Den gleichen Film noch mal! Den gleichen Film noch mal!“. – „Okay. Here we go: Blair Witch. Quasi eine Fortsetzung, die Teil 2 völlig ignoriert. Super, oder? Und was machen wir als nächstes!?“

Was haben wir uns gegruselt

Okay, das ist so natürlich nicht ganz richtig. Aber ich werde auch einen Teufel tun, nun darüber zu diskutieren, wie gut das Original wirklich war oder ob die Fortsetzung dem Hype damals gerecht geworden ist. Sagen wir einfach, jeder hat Filme, die er so oder so liebt und der Erfolg von „Blair Witch Project“ gibt den Machern beinahe alles recht der Welt. Aber ist das wirklich ein Grund, die gleiche Idee immer und immer wieder durch den Fleischwolf zu jagen, obwohl viele Nachahmer in den letzten Jahren den Wind aus diesem Segel genommen haben?

Mehr ist mit dieser Fortsetzung, die in ihrem Inneren eigentlich ein Remake darstellt, nicht geschehen. Es wurde lediglich alles in eine moderne Variante umgewandelt und der heutigen Zeit angepasst. Der Rest ist eine Mischung aus dem ersten Film und Ideen, die von seinen Plagiaten abgeguckt wurden. Plagiarismo Di Plagiarismo, wenn ihr versteht, worauf ich anspiele.

Blair Witch - Ding, dong, die Hex‘ ist tot

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Vom Charme des Originals ist nicht mehr viel übrig geblieben.
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Abermals zieht es eine Gruppe von jungen Erwachsenen in den düsteren Wald, der von so einigen grauenhaften Mythen und Geschichten umrankt ist. Dieses Mal nehmen sie die Tortur auf sich, um ein geliebtes Familienmitglied zu retten und nicht, weil man einfach mal sehen möchte, ob die Märchen auch einen wahren Kern haben. Besser wird es dadurch jedoch nicht. Die Figuren, die sich 2016 den Horror antun, sind genauso leichenblass wie fast alle Charaktere in Found-Footage-Filmen. Sie sind eindimensional, ihre Entscheidungen äußerst fragwürdig und die Motivation ihrer Darsteller auf Zimmertemperatur.

Ähnlich verhält es sich mit der Geschichte. Es dauert eine ganze Weile, bis der Film überhaupt Fahrt aufnimmt und wenn er es dann endlich tut, kann er sich nicht so recht für eine Richtung entscheiden. Dezenter Horror wie anno 1999 oder doch gleich richtig mit dem Dampfhammer auf den Nagel einschlagen wie beim Ende von „Grave Encounters“? „Ich trau mich nicht“ lautet die Devise und entsprechend kraftlos ist das Ergebnis.

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Die Hälfte des Horrors sind Neuumsetzungen des Originals und die andere Hälfte besteht aus Einlagen, die keinen Mehrwert für die Geschichte bieten. Sie werden nicht erklärt, sind meist einfach nur laut und schocken fast gar nicht. Was vor allem daran liegt, dass sie schwer zu greifen sind. Sich in eine Gruppe von Menschen hineinzuversetzen, die sich im Wald verirren und deren Situation zunehmend gefährlicher und mysteriöser wird, ist eine Sache. Einen umfallenden Baum zu fürchten, führt zu wenigstens minimalem Erklärungsbedarf, ansonsten bleibt der Gruselfaktor aus.

Blair Witch - Ding, dong, die Hex‘ ist tot

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Blair Witch macht nichts wirklich schlecht, aber eben auch nichts besonders gut.
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Das Universum der Hexe von Blair wird nicht ausgebaut, sondern lediglich wiederverwertet. Neue Informationen über den Fluch im Wald sind mehr als minimal und dienen lediglich dazu, spätere Szenen mit der Hexe verständlicher zu gestalten. Was also unterm Strich auf euch wartet, ist der gleiche Käse neu aufgewärmt und geringfügig aufpoliert. Wieder sind Menschen im Wald verloren. Dieses Mal aber durch pure Magie. Dieses Mal haben sie GPS-Sender und jede Menge High-Tech-Schnickschnack dabei. Was ihnen aber natürlich nicht hilft. Und wieder führt es die letzten Überlebenden zu dem kleinen Haus im Grünen. Wo natürlich alles sein Ende findet.

Von guten Effekten kann spärlich die Rede sein, da die hochauflösenden Aufnahmegeräte meist in dem Moment den Geist aufgeben, weggedreht werden oder zu flackern beginnen, wo wirklich etwas passiert. Gleichzeitig wird hier aber nur wenig der Fantasie des Zuschauers überlassen, da dieser seine Imaginationskraft ohne gute Erklärungen kaum nutzen kann. Es darf sich vorgestellt werden, warum was passiert. Aber die Mühe, das zu veranschaulichen oder gar sinnvoll in die Geschichte einzuweben, wird sich nicht gemacht.

Plagiarismo Di Plagiarismo. Nichts ist neu, nichts ist einfallsreich. Viel ist meh.Fazit lesen

Nur für kurze Momente entsteht echte Spannung, die aber schnell wieder verfliegt. Was wirklich lobend erwähnt werden darf, sind lediglich die Leistungen der Cutter und die kleinen, versteckten Anspielungen, die sich durch den ganzen Film ziehen und auf die der Kinogänger nicht gewaltsam gestoßen wird. Alles andere ist pures Found-Footage-Einerlei, wie es in den vergangenen Jahren zuhauf zu sehen war. Neu ist an diesem Streifen nicht viel. Eigentlich gar nichts, wenn man recht darüber nachdenkt. Neue Grundsteine für das Genre werden nicht gelegt und das Universum dieser Geschichte wird nicht ausgebaut.