Denkt man an „Omega Force“, denkt man an unzählige „Dynasty Warriors“- und „Samurai Warriors“-Titel. Und damit einhergehend leider auch an Grafikfehler, gruselige Synchros und fehlende Tiefe im Gameplay. Nun legen die Japaner Katana und fernöstliche Rüstung beiseite und schicken ihre Fans nach Europa ins 14. Jahrhundert. Ob „Bladestorm – Der Hundertjährige Krieg“ die altbekannten Schwächen der beiden Hack&Slay-Serien hinter sich lässt, verrät unser Test.

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Über den Hundertjährigen Krieg müssen wir Euch einleitend hoffentlich nichts mehr erzählen. Oder hat hier jemand in Geschichte nicht aufgepasst? Du da, in Reihe Drei: Zwischen welchen zwei Parteien entbrannte dieser gewaltige Konflikt? Nein, das Imperium und die Rebellen waren es nicht ... Reihe Fünf: Welche junge Heldin sorgte auf Seiten der Franzosen für einen Umschwung? Nun, auch Barbarella spielte in diesem Krieg noch keine Rolle ...

Bladestorm: The Hundred Years War - Über die Klinge gesprungen: Der Japan-Schnetzler begeht hundert Jahre alte Fehler.

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Im wilden Schlachtengetümmel muss man als Anführer die Ruhe bewahren.
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Also gut, aus aktuellem Anlass, hier ein kurzer Überblick über die Geschichte des Hundertjährigen Kriegs: Da die Franzosen 1328 nach dem Tod von Karl IV. keinen direkten Thronfolger haben, gibt es mächtig Radau. Denn plötzlich erheben auch die guten, alten Briten Anspruch auf die Herrschaft über das Land der famosen Küche. Die Folge ist ein ziemlich blutiger, brutaler und unübersichtlicher Krieg, der bis ins Jahr 1453 andauern sollte. Und eben weil das Ganze so brutal und blutig war, waren beide Seiten gezwungen, ihre Heere mit allerlei Söldnern aufzufüllen.

Ich war jung und brauchte das Geld

In die Haut eines dieser bezahlten Kämpfer schlüpft man als Spieler in „Bladestorm“. Bevor es aber losgeht, darf man Einfluss darauf nehmen, wie diese Haut denn aussehen soll. So lassen sich Geschlecht, Gesicht und Stimme des tapferen Kriegers oder auch der tapferen Kriegerin festlegen, bevor dieser oder diese sich am Tresen wiederfindet. Denn dort beginnt das Spiel schließlich, in einer Wirtschaft.

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Altbekannt: Unmengen an Combo- und Trefferpunkten steigen während der Kämpfe aus den Truppen hervor.
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Diese bildet durch das gesamte Spiel hindurch den Mittelpunkt der Spielerlaufbahn; nach jedem Einsatz kehrt man dorthin zurück, um zu rasten, zu planen oder zu plaudern. Beim ebenfalls in der Kneipe hockenden Händler lassen sich Ausrüstungsgegenstände verkaufen und kaufen, andere anwesende Söldner erzählen auf Knopfdruck Gerüchte und Tratsch, im Tagebuch erfährt man Wissenswertes über die Geschichte des Kriegs und der Menüpunkt „Aufträge“ liefert neue Jobs.

Um das alles zu erfahren, muss man sich – ganz typisch japanisch – durch Unmengen an Popup-Boxen klicken. Leicht zugängliche Spiele waren eben noch nie die Stärke der fernöstlichen Entwickler. Doch hat man das Tutorial, welches diesen Namen eigentlich nicht verdient, einmal überstanden, ist man endlich bereit für das erste Kampfgetümmel. Im Auftragsbuch durchforstet man die Angebote und wählt das viel versprechendste aus.

Die Fraktion ist dabei übrigens frei wählbar, zumeist springt man immer wieder zwischen Engländern und Franzosen hin und her und schenkt immer demjenigen seine Kampfkraft, der mehr Münzen bietet. Neben dem Einsatzort, der Bezahlung und der Fraktion wird schließlich noch der Schwierigkeitsgrad angezeigt. Zudem verraten kurze Texte die Hauptaufgabe der Operationen. Diese sind meist entsprechend dem Auftraggeber gegensätzlich. Suchen die Franzosen etwa jemand zur Verteidigung der Normandie, benötigen die Engländer dann für das gleiche Gebiet jemand zur Verstärkung der Angriffsstreitkräfte.

Wer bezahlt denn meine Überstunden?

Hat man sich schließlich für einen Einsatz entschieden, springt man, verabschiedet von ein paar warmen Worten des Wirts, zum Einsatzort. Bevor es dort aber endlich auf das Schlachtfeld geht, muss auf einer kleinen Karte der Einstiegspunkt in die Schlacht gewählt werden. Diese Auswahl ist zwar oftmals stark eingeschränkt, etwa weil man erst den Weg zum Ziel freikämpfen muss, trotzdem erhält man so etwas taktischen Spielraum.

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Je nach Gegnertyp sollte man auch seine Truppengattung auswählen.
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Greife ich über die Flanke an, überrasche ich den Feind mit einem Frontalangriff oder schwäche ich zuerst die Nachschublinien des Gegners? Taktiker freuen sich über diesen Variantenreichtum. Einzig auf kleineren Karten macht man sich am besten gleich auf zum eigentlichen Ziel, wenn man an den dortigen Kampfhandlungen teilnehmen möchte. Denn ansonsten kann es passieren, dass der eigentliche Hauptkampf an einem vorbei geht.

Die eigentliche Action auf den grünen Wiesen Frankreichs sieht dann so aus: Zu Beginn startet man noch als Einzelkämpfer per pedes. Doch um einen herum sammeln sich in der Regel bereits verschiedene Truppengattungen, von denen man per A-Taste immer eine unter sein Kommando rufen kann. Dabei wird man selbst immer auch Teil dieser Art von Soldaten. Wählt man etwa die Kavallerie aus, sitzt man sofort auf einem Pferd, entscheidet man sich hingegen für die Bogenschützen, hält der Charakter wie seine Kameraden einen Bogen und Pfeile in Händen.

Das nennt man Schwächen-Outsourcing: Omega Force exportiert fast alle Mankos der Dynasty Warriors-Reihe in den Hundertjährigen Krieg.Fazit lesen

Neben dem neuen Outfit und den neuen Waffen erhält man zudem entsprechende Befehlsoptionen. Denn in „Bladestorm“ ist man in erster Linie am kommandieren und weniger als Heilsbringer an vorderster Front am metzeln. So schickt man mit der rechten Bumpertaste seine Einheiten zum Angriff; hält man die Taste also gedrückt, prügeln die Untergebenen auf alle Feinde in Reichweite ein – man selbst schließt sich den Kameraden dabei übrigens an.

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Zu Beginn der Einsätze wählt man erst einmal seine Untergebenen per Tastendruck aus.
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Da dies als Spielprinzip jedoch etwas langweilig wäre, hat man je nach Truppengattung mehrere Spezialangriffe parat. So können die Reiter zum Sturm durch die feindlichen Linien ansetzen, die Bogenschützen erledigen ganze Heere mit gezielten Schüssen und die gemeinen Fußtruppen können sich mit Schildblocks den Angriffen der Gegner widersetzen. Alle diese Fähigkeiten laden sich nach ihrer Benutzung erst wieder einige Sekunden lang auf, so dass man sie mit Bedacht einsetzen sollte.

Ebenfalls mit Bedacht sollte man schon zu Beginn die eigenen Einheiten wählen. So steigert man durch Levelaufstiege seine Fähigkeiten immer bezogen auf die Einheiten, mit denen man seine vorherigen Erfolge errungen hat. Schart man etwa immer Fußtruppen um sich herum, erhält man beim Aufstieg auch nur Punkte für die Fußtruppenfähigkeiten. Gerade in späteren Schlachten hat man es so schwer, wenn man dann plötzlich mit Einheiten antreten möchte, die man zuvor nie benutzt hat.

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Der gelungenen Weitsicht und der großen Anzahl dargestellter Truppen stehen schwache Texturen und mittelmäßige Animationen gegenüber.
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Und gerade das kann dann vonnöten sein. Denn neben den eigenen Fähigkeiten sollte man auch immer die Gegnertypen im Hinterkopf behalten, wenn man seine Heereswahl trifft. Denn einem Bataillon Speertruppen sollte man lieber nicht zu Pferd entgegen treten, ansonsten sind die eigenen Reihen so rasch gelichtet wie das Haar der ebenfalls im Spiel auftauchenden Jeanne d'Arc.

Insgesamt dauert es in aller Regel jedoch eine ganze Weile, bis das Schlachtfeld geleert ist. Denn die Menge der Einheiten, die Omega Force auf den Bildschirm zaubert, ist durchaus beeindruckend. Zwar trüben gelegentliche Ruckler das ansonsten tolle Getümmel, alles in allem wirken die Gemetzel jedoch ähnlich episch wie in Kino-Klassikern im Stile von „Braveheart“.

Leider können die Umgebungsgrafik und die Darstellung der einzelnen Soldaten da nicht ganz mithalten. Gerade die Festungen und kleinen Siedlungen sind mit ihrer Texturarmut einer Next-Gen-Konsole einfach nicht würdig. Ähnliches gilt für die undetaillierten und teils unsauber animierten Einheiten. Zudem sehen sich die meisten Gebiete dermaßen ähnlich, dass man einiges an Phantasie benötigt, um anhand der knappen und zumeist inhaltsleeren Storyfetzen das Gefühl zu entwickeln, man befände sich in einem epischen und dynamischen Krieg.

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Die Darstellung der Gebäude erreicht niemals das Niveau, das man von einem Next-Gen-Titel erwarten darf.
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Auch die Soundkulisse kann diesem Trend nur sehr begrenzt entgegenwirken. Zwar ist die musikalische Untermalung eigentlich sehr ordentlich, leider wiederholen sich die wenigen Stücke dafür andauernd. Und auch die Sprachausgabe ist zwar bei weitem nicht so misslungen wie in einigen Ausgaben von „Dynasty Warriors“, dennoch sorgen gelegentliche Ausfälle im Soundsystem und einige uninspirierte Sprecher hier für Punktverluste.