Nach langer Dürrezeit schlagen mit Black Desert und Blade & Soul beinahe zeitgleich zwei MMOs aus Asien auf, die auf den ersten Blick sehr viel gemeinsam haben. Auf den zweiten allerdings schon nicht mehr, denn während Black Desert in Richtung Sandbox tandiert, ist Blade & Soul durch und durch ein Themepark-MMO. Doch wer nun glaubt, damit sei schon alles gesagt, sollte unbedingt weiterlesen.

“Schon wieder Quests, schon wieder Level-Pfade, schon wieder kleine Mädchen und muskelbepackte Kerle, schon wieder ein Themepark-MMO aus Asien.” Das ist es in etwa, was man in diesen Tagen mehrheitlich in Forenbeiträgen und unter Artikeln liest, in denen von NCSofts nahendem Martial-Arts-MMO Blade & Soul die Rede ist.

Der unerkannte Charme

Und tatsächlich fällt es angesichts der fast zeitgleichen Veröffentlichung von Black Desert mit all seinen Sandbox-Facetten schwer, sich auf das dreieinhalb Jahre alte Blade & Soul zu freuen, ihm vielleicht sogar den Vorzug zu geben. Ein Fehler möglicherweise, denn hinter den ziemlich gewöhnlich erscheinenden Gewändern und Schwertern scheint eine außergewöhnlich charmante Seele auf die Spieler zu warten.

Dreieinhalb Jahre alt ist Blade & Soul übrigens deshalb, weil sich NCSoft West in den vergangenen Jahren lieber auf ihre eigenen Titel eingeschossen hatte. Man hatte einfach keinen Bedarf, sich neben Guild Wars 2 und WildStar eine Konkurrenz aus eigenem Hause zu schaffen. Und dass Blade & Soul zumindest für letzteren Titel ausgesprochen gefährlich werden kann, liegt auf der Hand.

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Liebe auf den zweiten Blick?

Vom ersten Spielgefühl her handelt es sich bei Blade & Soul nämlich um nichts anderes als um den unliebsamen Einheitsbrei der letzten MMO-Dekade. Man schlägt sich auf vorgegebenen Pfaden durch die Welt, begleitet und geführt durch Quests und kleine Filmsequenzen. Anders als bei Black Desert wirkt die Welt wie in unzählige kleine Instanzen zerstückelt. Erkundungen auf eigene Faust sind ebenso sinnlos wie unmöglich, eckt man doch überall an unsichtbaren Wänden an.

Die Grafik geht in Ordnung, spiegelt allerdings ebenfalls das Alter von Blade & Soul wieder und kann vor allem im Vergleich zu Black Desert kaum noch mithalten. Auf echte Sandbox-Features hat NCSoft komplett verzichtet. Anders als die Konkurrenz hat Blade & Soul kein dynamisches Wirtschaftssystem, das tiefgreifend mit Crafting und der Geographie verbingen wäre, keine üppigen Berufsfunktionen und keine Belagerungen samt territorialer Kontrolle.

» Die Konkurrenz: Lest hier unsere aktuelle Black-Desert-Vorschau

Ein Spiel für Funk und Fernsehen

Und doch ist NCSofts Titel schon in Asien äußerst populär, wird über einschlägige Kanäle übertragen und hat sich seit Release eine beachtliche Community aufgebaut, die bei allen MMO-Göttern schwört, dass kein anderer Titel Blade & Soul das Wasser reichen kann. Doch was genau ist es, das dieses Spiel, aller Mankos zum Trotze, so beliebt macht? Schauen wir mal auf die Unterschiede zu gängigen Titeln.

Da wäre schon einmal das Offensichtliche: Die Erscheinung eines Charakters in Blade & Soul hat wenig damit zu tun, wie stark der jeweilige Kämpfer tatsächlich ist. Die Ausrüstung ist weitgehend kosmetischer Natur und wird erst durch entsprechende Aufwertungen zur Kampfmontur. Wer herumläuft wie ein Bettelmönch, muss nicht schwach sein und könnte einem möglicherweise eine Lektion fürs Leben erteilen.

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Gladiatorenkämpfe inklusive

Zudem man in der Arena ohnehin keine individuellen Stats hat. Dort spielt die Ausrüstung keine Rolle und man ist einem übergeordneten Balancing unterworfen - ganz ähnlich wie bei Guild Wars 2. Entsprechend beliebt sind die Arena-Kämpfe in Blade & Soul: Mann gegen Mann oder im Team zu je drei Spielern.

Etwas anders sieht das im fraktionsbasierten PvP in der freien Welt aus. Dort befinden sich zwei Seiten permanent im Krieg miteinander und wer die Uniform einer Seite anlegt, ist entsprechend mittendrin im Kampf, in dem es weniger um Weltanschauungen oder Ländereien geht als um Prestige. Das bekommt man, wenn man ein Mitglied der gegnerischen Seite ausschaltet.

Aus Aion gelernt?

Diese Prestige-Punkte trägt man bei sich, bis man sie im Kampf verliert oder gegen Belohnungen eintauscht. Wer Aion gespielt hat, kann sich eine grobe Vorstellung davon machen, wie das System funktioniert - oder auch nicht, weil es im Verdacht steht, besonders prestigeträchtige Spieler bisweilen eher am PvP zu hindern als sie dazu zu animieren.

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In den Gebieten, in denen sich die beiden Fraktionen prügeln, lassen sich obendrein bestimmte Teleporter freischalten, deren komplette Funktionen wir wohl nach Release noch erschließen müssen. Der Vorteil von Blade & Soul gegenüber offenen PvP-Welten: Man kann sich dem Krieg nach Belieben anschließen oder ihm fernbleiben, wenn einem nicht danach ist.

Für eher friedliebende Naturen ist das gemeinhin eine wesentliche Bedingung, damit sie überhaupt in Erwägung ziehen, ein tendenzielles PvP-MMO anzurühren - wenngleich sie sich dabei um die bisweilen ziemlich motivierenden Adrenalinschübe bringen, die mit spontanen Auseinandersetzungen zwischen Spielern einhergehen können.

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