Was haben Massenvernichtungswaffen im Irak und die seit Ewigkeiten herumgeisternden Gerüchte um geheime Aliens in der berühmt-berüchtigten US-Militärbasis Area 51 gemeinsam? Die Frage ist leicht beantwortet: Blacksite. Die Entwickler des Shooters schlagen darin die Brücke zwischen einem Einsatz der US-Armee auf der Suche nach Chemiewaffen und plötzlich auftauchenden Alien-Artefakten sowie genetisch manipulierten Soldaten.

Doch die pseudo-sozialkritisch angehauchte Story ist bei Weitem nicht der einzige Schwachpunkt dieses Szenarios, das euch in eine Melange aus realer Welt und Science-Fiction-Elementen verwickelt. Gravierender sind deutliche technische Schwächen, fehlende Intensität der Feuergefechte und noch einiges mehr, über das wir euch in unserem Frontbericht aufklären möchten.

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Wo bin ich?

Das Leben als Anführer einer Spezialeinheit der US-Armee kann ganz schön stressig sein. Im einen Moment befindet man sich noch im hart umkämpften Krisengebiet Irak, plötzlich schicken euch die Entwickler des Actionspiels Blacksite ohne nennenswerten Übergang für die darauf folgende Mission nach Hintertupfingen. Genauer gesagt Rachel, Nevada. Solche Designschwächen findet man in diesem Spiel ziemlich häufig. Dabei schleust es euch in streng linearen Schlauchlevels durch die lediglich sechs Kapitel, die man in ebenso vielen Stunden absolvieren kann.

BlackSite - Schwarzer Tag für Shooter-Fans: BlackSite enttäuscht auf ganzer Linie.

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Vorsicht: Explosiv!
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Eklatante Schwächen weisen beispielsweise auch die KI-Gegner auf, die nicht nur kaum ein Hindernis für halbwegs erfahrene Gamepad-Zocker sind, sie stellen sich teilweise auch selten dämlich an. So ist es teilweise problemlos möglich an ihnen vorbei zu rennen, ohne dass sie Notiz von unserem Helden nehmen. Oft reagieren sie erst, nachdem man ihnen in den entblößten Rücken schießt. Diese "Reborn"-Soldaten sehen also ziemlich gefährlich aus, entpuppen sich jedoch sehr schnell als Stammtischhelden und haben von Taktik noch nie etwas gehört. Meist hocken sie zudem dicht beieinander, sodass man recht locker mit einer Granate einen ganzen Ansturm erledigt.

Intelligenz - Nein Danke!

Aber auch eure eigenen Kameraden sind nicht gerade ausgemachte Intelligenzbestien. Häufig stehen diese "Pappkameraden" im Weg rum und blockieren Durchgänge und behindern auf diese Weise das Weitergehen. Zwar seid ihr in der Lage euren fast ständig präsenten Begleitern mit nur einem Tastendruck rudimentäre Befehle zu erteilen, Auswirkungen auf das Gameplay hat das jedoch praktisch keine. Ob ihr sie nun anweist auf bestimmte Feinde zu feuern oder eine spezifische Position einzunehmen, ist meist irrelevant.

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Eure treuen Begleiter sind fast immer an eurer Seite.
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Dasselbe gilt für den Faktor "Moral": Theoretisch agieren eure Kameraden bei hoher Moral effektiver als mit niedriger, in der Praxis ist davon jedoch nichts zu bemerken. Die meisten Gegner räumt ihr stattdessen in der Regel eigenhändig aus dem Weg. Eure Teamkameraden sind daher nur vor sich hin brabbelnde Staffage, oft genug gucken sie auch einfach nur die Wände an und geben sich völlig uninteressiert am Geschehen.

Blacksite ist eine Enttäuschung – auf ganzer Linie.Fazit lesen

Und trotzdem benötigt ihr die Dienste der Begleiter in regelmäßigen Abständen, wenn es nämlich darum geht, Türen zu öffnen oder verschlossene Durchgänge aufzusprengen. Aber auch das hat seine negativen Seiten. Solltet ihr nämlich früher an den vielen geskripteten Orten ankommen als eure wenig hilfreichen Freunde, werden unter Umständen die optischen Marker nicht angezeigt und man irrt in der Gegend rum, um die richtige Tür zu finden.

Das dazwischen liegende Gameplay ist davon abgesehen durchaus solide, bietet aber nicht mehr als 08/15-Shooter-Einerlei. Die Entwickler versuchen mit verschiedenen Fahrzeugsequenzen und Hubschrauber-Einsätzen Abwechslung in die Action zu bringen, was aber nur leidlich gelingt. Viel mehr als Draufhalten muss man nämlich bei kaum einem Gegner, taktisches Vorgehen ist nicht gefragt. Sieht man einmal von einigen größeren "Boss-Gegnern" ab, wobei auch diese immer mit einfachsten Mitteln zu bezwingen sind.

Ziemlich dürftig

Apropos "Mittel": Die Waffenauswahl bei Blacksite ist im Vergleich zu anderen herkömmlichen Actionspielen recht dürftig. Viel mehr als ein halbes Dutzend Schießprügel dürft ihr nicht erwarten, größtenteils handelt es sich dabei sogar um allseits bekannte Standardgewehre - Exoten sind Mangelware. Fast könnte man meinen, die geringe Waffenvielfalt spiegelte sich auch in der detailarmen Umgebung wider, doch das ist nur teilweise der Fall.

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Dieses Ungetüm sieht bedrohlicher aus, als es ist.
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Gelegentlich blitzt sogar die Klasse des technischen Unterbaus von Blacksite auf, schließlich handelt es sich dabei um die Unreal Engine 3. Doch anstatt eure Blicke durchgehend mit Augenschmaus zu verzücken, werden nur gelegentlich nette Effekte und einige schöne Landschaften präsentiert. Oft - viel zu oft - bietet sich dröger Levelaufbau, mit völlig vermatschten Texturen, bei denen Details nicht mal unter der Lupe auffallen würden. Immerhin kann man dem Spiel zugute halten, dass die Umgebung teilweise zerstörbar ist und dadurch die Schusswechsel etwas dynamischer erscheinen. Nervig ist allerdings auch das schwammige Aiming, das ein korrektes Anvisieren der Widersacher nur selten zulässt.

Trotz der mystischen Hintergrundgeschichte gelingt es Blacksite nur selten so etwas wie eine spannende Atmosphäre, eine Bedrohungslage oder gar Intensität auszustrahlen. Dafür ist die Spielerfahrung viel zu stringent und schießbudenartig. Von der Klasse eines Call of Duty 4 ist man hier in allen Belangen meilenweit entfernt. Abträglich sind zudem technische Fehler, wie beispielsweise die häufig heftig einbrechende Framrate, sehr lange Ladezeiten und teilweise sogar völlige Bildaussetzer - und Fehler, bei denen man das Geschehen am Bildschirm überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann.

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Dieser Koloss hat es durchaus in den Tentakeln, ist aber auch einer der wenigen Höhepunkte des Spiels.
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Von einem Koop-Modus darf man bei Blacksite als geneigter Fan nur träumen, aber immerhin wurde noch ein Multiplayer-Modus implementiert, der Standards wie Deathmatch und Capture the Flag mitbringt und darüber hinaus sogar noch eine Spezialität spendiert: Dabei tritt man als Mensch gegen Reborn-Soldaten an; nach und nach werden die Menschen "assimiliert" bis nur noch einer übrig bleibt.