Ein Mehrspielershooter auf Basis der Unreal Engine 3 für nur 15 Euro als DLC – kann diese Rechnung aufgehen? Die Zombie Studios und Ignition Entertainment zeigen tatsächlich, nicht zuletzt dank einiger innovativer Ideen, dass Spielspaß nicht viel Geld kosten muss. Auf den Karten toben rasante Kämpfe, bei denen wir während des Tests kaum zum Luftholen kamen.

Blacklight: Tango Down - Launch Trailer3 weitere Videos

Die Entwickler nahmen während der Präsentationen im Vorfeld der Veröffentlichung den Mund ganz schön voll. Zum Schleuderpreis wolle man ein Spiel mit AAA-Anspruch abliefern, dabei sei der Vertriebsweg über reine Downloads der Schlüssel zum Tiefpreis. Die Feature-Liste mit Einzel- und Mehrspielermodus sowie der mächtigen Unreal Engine 3 war lang, doch hält sie auch, was uns versprochen wurde?

Blacklight: Tango Down - Ballern zum Schleuderpreis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 77/821/82
Die Karten bieten zahlreiche Deckungsmöglichkeiten. Diese zu erstürmen ist eine schwierige Aufgabe.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eine Hintergrundgeschichte gibt es zwar, den Spieler belästigt man damit allerdings lediglich im Hilfe-Menü. Hier erfahren wir, dass eine amerikanische Undercover-Einheit namens Blacklight Tango in einer abtrünnigen Sowjetrepublik gegen die Widerstandsgruppe The Order kämpft. Doch eine viel größere Bedrohung stellen, zumindest im Solo- und Koop-Modus die durchdrehenden Zivilisten dar, die von einer Seuche in aggressive Zombies verwandelt werden.

Bei soviel Einfallsreichtum darf man wohl von Glück reden, dass all diese Elemente im eigentlichen Spiel nur am Rande vorkommen. Die Auswahl der Spielmodi ist da schon besser gelungen. Neben Klassikern wie Deathmatch, Team Deathmatch und dem Erobern von Kommandostationen auf zwölf Karten stehen vier weitere Areale zur Verfügung, auf denen man alleine oder mit Freunden gegen computergesteuerte Gegner antritt, wobei die stark geskripteten Ereignisse meist vorhersehbar sind und die Koop-Karten schnell an Reiz verlieren.

Blacklight: Tango Down - Ballern zum Schleuderpreis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Schwein gehabt: Die Gimmicks an den Waffen verbessern tatsächlich unsere Fähigkeiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Levels, auf denen wir gegen die Mitspieler antreten, bieten hingegen reichlich Abwechslung und vor allem Engpässe und Deckungsmöglichkeiten, was hitzige Situationen provoziert. Stirbt ein Spieler, wird er wenige Sekunden später am Spawnpoint wiederbelebt, wobei diese sensible Zone von automatischen Geschützen bewacht wird.

Im Team-Deatchmatch wurde dieser Mechanismus allerdings nicht zu Ende gedacht. Schafft ein Team es rechtzeitig sich in Stellung zu bringen, können sämtliche Ausgänge aus der Spawnzone so mit Blei eingedeckt werden, dass niemand mehr lebendig heraus kommt. Ein Entrinnen aus einer derartigen Situation ist unmöglich, man kann lediglich die Zeit verstreichen lassen, bis die nächste Karte geladen wird.

Du kommst hier nicht raus!

Gilt es Checkpunkte einzunehmen, warten Minispiele auf den Spieler. Eine Tastenfolge wird eingeblendet und muss wiederholt werden, um die Kontrolle zu erlangen. Was simpel klingt, wird unter Beschuss zu einer ernstzunehmenden Herausforderung. Fängt man sich eine Bleivergiftung ein, geht es mit der Gesundheit rapide bergab. Bis zur Hälfte regeneriert sie sich im Nachhinein automatisch, alle weiteren Lebenspunkte bekommt man an Erste-Hilfe-Stationen zurück.

Blacklight: Tango Down - Ballern zum Schleuderpreis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 77/821/82
Simple Eroberungen gibt es in Tango: Blacklight Down nicht, stattdessen warten Minispiele unter Beschuss.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neben den Lebensspendern gibt es Munitionslager, an denen die knappen Reserven aufgefüllt werden können. Um diese ausfindig zu machen, lässt sich ein legaler Wall-Hack einsetzen. Der Visor erlaubt es dem Spieler für kurze Zeit durch Wände zu gucken und so Feinde, Freunde und wichtige Stationen der Karte ausfindig zu machen. So wird ganz nebenbei auch das Campen unterbunden – nur im Team Deathmatch klappt das halt nicht immer. Nach dem Einsatz braucht das High-Tech-Gimmick allerdings einige Zeit, bevor wir es erneut benutzen können.

Gegen unerwünschte Beobachter helfen EMP-Granaten. Im Gegensatz zu ihren tödlich splitternden Geschwistern erzeugen sie ein Störfeld aus wirren Zeichenfolgen oder bei einer Detonation in der unmittelbaren Nähe sogar einen kurzfristigen Bluescreen. Wie bei Rauchgranaten können weder Freunde noch Feinde durch diesen Sichtschutz hindurchgucken.

Blacklight: Tango Down - Ballern zum Schleuderpreis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Kyrillische Buchstaben sind allgegenwärtig und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, wo wir uns befinden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Durchschießen lassen sich die Störfelder hingegen ohne Probleme. Das Arsenal aus SMGs, Sturmgewehren, Schrotflinten und Scharfschützengewehren sowie Pistolen ist allerdings auf den ersten Blick etwas unausgewogen. Die SMGs wirken zu mächtig, die Scharfschützengewehre zu schmächtig und die Sturmvariante fegt mit der Mischung aus Feuerkraft und Zielgenauigkeit jeden Feind hinweg. Die Wahl der Waffen und der Panzerung beeinflusst zudem auch die Bewegungsgeschwindigkeit.

Für ein DLC-Spiel leistet Blacklight: Tango Down qualitative Pionierarbeit. Vom Umfang bis zur Action eine klare Empfehlung für Schnäppchenjäger und Scharfschützen.Fazit lesen

Erledigt man Feinde oder assistiert bei letalem Beschuss, erhält man Erfahrungspunkte. So steigt man Level um Level auf und schaltet automatisch Erweiterungen für die Waffen sowie Panzerung für den Spieler frei. In der Folge lassen sich die Bleispritzen frei konfigurieren, wobei die Wirkung vieler Items nicht beschrieben wird. Neue Visiervorrichtungen sind in der Regel selbsterklärend, ein frischer Anstrich oder Anhängsel wie Glücksschweinchen, die die Werte ebenfalls steigern, wirken teilweise abstrakt.

Sammelalbum für Waffennarren

Dabei sind Smilys, Schweine und Schädel allesamt schön anzusehen. Auch die Gestaltung der Spielwelt und der Charaktere lässt kaum Wünsche offen. Leider gibt es nur städtische Umgebungen zu erkunden, wobei die Levels sich zwar teilweise deutlich voneinander unterscheiden, etwas mehr Abwechslung in Form ausgedehnter Parkanlagen mit reichlich Grünzeug wäre aber trotzdem willkommen gewesen.

Auch in Sachen Akustik bietet Blacklight: Tango Down ordentliche Qualität, der elektrolastige Soundtrack passt hervorragend zum Ambiente und auch sonst wird die Atmosphäre glaubwürdig eingefangen. Ratternde Feuerstöße und explodierende Granaten bringen den nötigen Druck auf die Membranen.

Blacklight: Tango Down - Ballern zum Schleuderpreis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 77/821/82
Eines der Highlights des Spieles: der Visor, mit dem wir kurzzeitig durch Wände gucken können.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Leider ist die Technik in einem Punkt nicht ganz so vorteilhaft, ausgerechnet am Matchmaking krankt Blacklight etwas. Es dauert eine ganze Weile, bis man einem Spiel beitreten kann, und eine komfortable Listenansicht verschiedener Server vermissen wir komplett. Stattdessen werden Spiele eines gewissen Typus gesucht, denen man dann automatisiert beitritt. Mit Freunden spielt man gezielt lediglich auf selbst erstellten Servern.

In diesem Punkt ist die Konkurrenz Blacklight überlegen. Im Gegensatz zu Battlefield 1943 oder dem teureren Bad Company 2 ist die Umwelt komplett kugelsicher. Deckung lässt sich folgerichtig nicht wegsprengen. Auch ansonsten spielt Physik in dem Spiel keine große Rolle, was aber auch nicht störend ins Gewicht fällt. Die Stärken von Blacklight liegen eher in der Auswahl der Karten und der Spielmodi sowie den rasanten Gefechten.