Wer sich bei Black Mirror II tapfer bis zum Ende durchgezittert hat, wird sich freuen. Genau dort, wo man sich bei Teil zwei zurücklehnt und den Abspann genießt, steigt man in Black Mirror III erneut ein. Kein Zeitsprung, keine narrativen Lücken. Der Vorspann füttert aber auch Neulinge mit ausreichend Informationen, um überhaupt zu begreifen, wer wir sind und was wir tun müssen.

Black Mirror 3 - Das letzte Kapitel?

Wir sind nämlich Darren Michaels oder vielleicht auch Adrian Gordon, der letzte verstorben geglaubte Erbe der Gordon-Linie. Nun, vielleicht wissen wir es gar nicht genau, doch schaffen wir es so auch viel besser, uns mit der Spielfigur zu identifizieren. Die ist sich nämlich so ziemlich das gesamte Spielgeschehen über ihrer nebulösen Identität nicht besonders sicher. Wem das an Charakterstärke noch nicht genügt, der kann sich über einen fiesen Fluch freuen, der Darren in regelmäßigen Abständen blutige Mordphantasien beschert. Klingt nach einem angenehmen Wochenende.

Black Mirror 3 - Schwer, düster, tödlich: Endlich werden alle Geheimnisse gelüftet

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Düster und beklemmend: So kennt man Black Mirror.
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Im Prolog erhalten wir einen Rückblick auf das Geschehen des zweiten Teils. Darren flüchtet durch den Wald und gelangt zum brennenden Black Mirror Castle, wo bereits die örtlichen Polizeibeamten Spalier stehen. Da er eine brennende Fackel in der Hand hält, liegen bestimmte Schlüsse nah. So nah, dass er kurzerhand in eine stinkende, muchtige Zelle verfrachtet wird.

Einige Zeit später wird die Kaution von einem anonymen Spender gestellt und Darren macht sich auf die Suche nach den wahren Brandstiftern und Mördern. Denn neben dem brennenden Sitz der Gordons sterben in letzter Zeit auch ungewöhnlich viele Personen, was unserem vermeintlichen Helden obendrein zur Last gelegt wird.

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Eine Karte verkürzt eure Laufwege angenehm.
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Dass der zwangsversetzte Inspector Spooner ständig dazwischenfunkt und Darrens Nachforschungen behindert, stört genauso wie die Tatsache, dass Darren nach und nach zu einem gewalttätigen Psychopathen mutiert. Es gilt also, das kleine Dörfchen Willow Creek zu erkunden, den skeptischen Bewohnern Informationen abzuringen, einen uralten Familienfluch zu beseitigen und natürlich die eigene Identität zu enträtseln.

Übung macht den Meister

Willow Creek ist, wie bereits in den beiden Vorgängern, bekannter Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Zur besseren Orientierung erhält Darren eine Wanderkarte, mit der er sich die Laufwege ein wenig verkürzen kann. Keine schlechte Hilfe. Die Rätsel und Aufgaben erfordern einige zurückgelegte Fußmeilen. Zum Beispiel sind einige Orte erst betretbar, nachdem wir andernorts eine Aufgabe erfüllt, einen bestimmten Gegenstand gefunden oder mit einer Person über ein spezielles Thema gesprochen haben.

Die Rätsel in Black Mirror III rangieren zwischen den Prädikaten „haarig“ und „zum Haareraufen“. Euch steht es jedoch frei, ob ihr die knackigen Minispiele überspringt oder ein richtiger Adventure-Spieler seid und sie löst. Das Repertoire reicht vom Reparieren eines Kopierers über das Zusammensetzen eines Skeletts bis hin zum schaltergespickten Labyrinth.

Dabei hält sich der Schwierigkeitsgrad fast konstant auf unmenschlich. Es sei zudem erwähnt, dass zum Finale hin Rätsel auftauchen werden, die man nicht umgehen kann. Daher ist es ratsam, sich an den vorherigen Aufgaben zu versuchen, um am Ende nicht schniefend zu resignieren.

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Auf dem Friedhof von Warmhill schlummern nicht nur die Toten.
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Selbst die „normalen“ Aufgaben, die Darren auf seinem Weg zur Aufklärung des Falls absolvieren muss, sind mitunter sehr komplex und die Lösung liegt nicht immer auf der Hand. Das Tagebuch hilft eher mäßig, da dort ausschließlich die Fortschritte festgehalten werden. Hinweise aber müssen aus den Gesprächen oder Beobachtungen herausgefiltert werden.

Düster und spannend: Genau die richtige Lektüre für finstere Winterabende.Ausblick lesen

Teilweise hilft dann nur noch stumpfes Herumprobieren. Entweder etwas aus dem Inventar kombinieren oder noch einmal alle erreichbaren Schauplätze abgrasen. Einmal geführte Gespräche sind nicht wiederholbar, und hat man Objekte untersucht, die für den Fortschritt irrelevant sind, erscheinen sie nicht mehr als Hotspots.

Alles eine Frage der Technik

Die Hotspots sind zum Teil unverzichtbar. War in der guten alten Blütezeit der Adventures noch nicht an eine solche Stützkrückenfunktion zu denken, verpasst man heuer häufig wichtige Gegenstände in den 2,5-D-Hintergründen. Mit der Leertaste werden sie ein- und wieder ausgeblendet und können so je nach Bedarf genutzt werden.

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Ansehnlich ist es auf jeden Fall, dieses Black Mirror III.
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Vom technischen Standpunkt hat sich zum Vorgänger kaum etwas geändert. Wen wundert’s: Die 2,5-D-Engine aus dem Vorgänger war absolut stimmungsvoll und dienlich. Black Mirror III hält den alten Kurs als Point-&-Click-Adventure aufrecht. Die Kameraeinstellungen sind festgezurrt und zeigen die malerischen Orte stets aus einer optimalen Perspektive. So wird verhindert, dass man ewig nach Spots suchen muss, die nur aus bestimmten Kameraeinstellungen sichtbar sind.

Die Zwischensequenzen sind ansehnlich inszeniert und fördern die teilweise herrlich gruselige Atmosphäre. Ein weiteres kleines Highlight ist die aufblitzende Dämonenfratze, wenn in einer bestimmten Szene Mordreds Geist Kontrolle über Darren übernimmt. Dann weiß man: Gleich wird es jemandem nicht so gut gehen. Gar nicht gut.

Sterbehilfe

In Black Mirror III existieren einige spezielle Momente, in denen Darren das Zeitliche segnen kann. Ein Telefonanruf bei der Wahrsagerin lässt euch übrigens die ungefähre Todesart erfahren. So ist an bestimmten Stellen Vorsicht geboten. Man kann aber natürlich auch ohne Anruf fröhlich in ein Kapitel starten und ist umso erschrockener, wenn einen das Schicksal ereilt. Mitunter sind schnelle Entscheidungen gefordert, damit Darren nicht den Löffel abgibt.

Black Mirror 3 - Schwer, düster, tödlich: Endlich werden alle Geheimnisse gelüftet

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Trennt die Spreu vom Weizen: das Rätseldesign.
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Wer allerdings alle Videos bienchenhaft sammeln möchte, auch die von Darrens Ableben, muss nicht nach einem unerwarteten Todesfall das Spiel in die Ecke pfeffern. Die Entwickler haben netterweise eine stützende Autosave-Funktion eingebaut, die das Spiel vor der letzten Entscheidung vorm Tod speichert.