Lange mussten Mystery-Freunde der Black-Mirror-Serie auf die Aufklärung einiger offener Fragen warten. Nun ist es aber so weit. Wir erfahren vielleicht am Ende mehr, als uns lieb ist. Taucht also ein mit uns in die wirre Welt des Darren Michaels, neuerdings auch bekannt als Adrian Gordon.

Black Mirror 3 beginnt, wo der Vorgänger endet. Klingt erst einmal logisch. Bevor wir das erste Mal in der Lage sind, Darren selbst zu steuern, wird erst einmal über die Vorgeschichte aufgeklärt. Immerhin soll es ja auch Spieler geben, die sich nicht an den beiden Vorgängern versucht haben.

Black Mirror 3 - Das letzte Kapitel?

Aller Anfang brennt lichterloh

Darren rennt wie ein Wahnsinniger durch den finsteren Willow-Creek-Wald, in seiner Hand eine knisternde Fackel. Gehetzt blickt er sich immer wieder um. Schließlich erreicht er sicher den Hof des mittlerweile lichterloh brennenden Black Mirror Castles, wo sich Feuerwehr und Polizei eingefunden haben.

Black Mirror 3 - Das Finale der Schauermär

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Das fragen wir uns auch. Was?
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Letztgenannte haben lange nach Darren gefahndet, und der Umstand, dass dieser mit einer brennenden Fackel beim brennenden Schloss auftaucht, macht seine Unschuldsbeteuerungen nicht gerade glaubhaft. Er wird abgeführt und das Spiel vollführt einen Zeitsprung um zwölf Stunden zurück. Inspektor Spooner und seine Leute entdecken hier gerade die verkohlte Leiche von Mrs. Valley. Nur ein weiterer Mord. Ein kleiner.

Ein weiterer Zeitsprung später, nun aber sechs Stunden nach vorn, also vom ersten Zeitsprung sechs Stunden zurück, sehen wir Spooner bei der Überprüfung der Alibis einiger Ortsansässiger. Schließlich wird die Zeit wieder zurechtgerückt und wir sehen Darren bei seiner behandelnden Therapeutin. Huch, das ging aber flott.

Packshot zu Black Mirror 3Black Mirror 3Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Hier ist er nämlich kurz nach seiner Verhaftung gelandet, um zu überprüfen, ob er geistesgestört ist oder zurechnungsfähig. Denn eines steht für alle Bewohner der Kleinstadt fest: Er ist schuldig.

Mysterien, ein Fluch, eine Familienvereinigung und jede Menge Tote. Die Tradition von Black Mirror wird konsequent fortgesetzt.Fazit lesen

Nachdem irgendjemand Darrens Kaution anonym bezahlt hat, können wir endlich unsere Pension in der hiesigen Zelle kündigen und dürfen anfangen zu spielen. Aber mal im Ernst: Hätten wir die Teile eins und zwei nicht gespielt, wüssten wir doch gar nicht, was unser großes Ziel ist. Die Bruchstücke setzen sich erst sehr viel später zusammen, während alte Black-Mirror-Kenner des Öfteren Aha-Erlebnisse verzeichnen können.

Fuck, jeder dritte Satz ist Fuck

Die Synchronsprecher hatten diesmal merklich Spaß bei der Arbeit. Selten erlebt man ein Spiel, in dem die Figuren so gut eingesprochen wurden. Das würde man sich doch mal bei einem Rollenspiel wünschen.

Darren, der anfänglich noch etwas verletzlich und eingeschüchtert rüberkommt, entwickelt sich im Laufe des Spielgeschehens zunehmend zu einem schizophrenen Soziopathen. Da er seit Black Mirror 2 unter dem Einfluss seines Vorfahren Mordred steht, erlebt er immer häufiger Mordfantasien und aggressives Verhalten.

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Darren ist Amerikaner. Merkt man, oder?
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Auch sonst scheint er sich im Laufe des Spiels an den Umstand zu gewöhnen, dass ihm alle Welt misstraut und er auf sich allein gestellt ist. „Fuck“ ist dabei seine Lieblingsfloskel, das Allheilmittel, wenn die Welt gegen einen ist. Wir haben nicht nachgezählt, wie oft er das sagt, doch nahezu jede dritte Gelegenheit nutzt er, um alle erdenklichen Facetten des F-Worts an den Mann zu bringen.

Auch die anderen Synchronsprecher wurden sorgfältig ausgewählt und passen perfekt zu ihren Charakteren. Inspektor Spooner zum Beispiel klingt wunderbar gehässig, wenn er Darrens Fragen fast ausschließlich mit bösartigen Antworten kommentiert. Constable Zak spricht wie ein ruhiger, gewissenhafter Polizist und bei Doktor Winterbottom hört man direkt die Bröckchen aus dem Raucherhusten heraus.

Anders verhält es sich aber mit dem Soundtrack. Bereits nach kurzer Zeit meint man, alle Stücke zu kennen. Allerdings nicht in der Art, dass man sie mitsummen möchte. Sicher ist die düstere Stimmung, die die Musik vermittelt, dem Thema mehr als angemessen, doch ist gerade jene teilweise fehl am Platz.

Ein Beispiel: Darren geht einen Waldweg entlang und die Musik lässt Schlimmes erahnen. Dann urplötzlich erreicht die Musik den Höhepunkt. Bildlich: als würde der Dirigent eines unglaublichen Orchesters die Faust gen Himmel recken, sodass alle Instrumente, bis auf die Trommel, die höchsten Töne anspielen. Dabei passiert im Spiel allerdings gar nichts. Kein bisschen.

Malerische Landschaften und viel Liebe zum Detail

Für aktuelle Verhältnisse hätte ich mir gerne realitätsgetreuere Gesichter gewünscht. Können sich selbst Shooter, in denen man Gesichter nur Sekundenbruchteile sieht, bevor man sie zerschießt, wirklichkeitsgetreue Mimik leisten, ist man sehr frustriert, in einem text- und emotionslastigen Adventure davon nichts zu sehen.

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Hinter der Dunkelheit verbergen sich etliche Details.
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Was man allerdings bei den Charakteren gespart hat, wurde umso mehr in die Hintergründe investiert. Die sind so unglaublich liebevoll gestaltet, dass man bei näherer Betrachtung fast den düsteren Schleier, der über all dem hängt, vergessen könnte.

Da ähnelt kein Stein dem anderen. In nahezu jedem Bildschirm lassen sich kleine feine Animationen entdecken, die alles einfach lebendiger – ja, glaubhafter machen. Spinnweben an der Lampe, die ab und zu durch einen Lufthauch in Bewegung geraten, eine Wolke aus Eiskristallen, die sich in die Höhe zwirbelt, wenn man die Kühltruhe öffnet, oder die zahlreichen Wasser- und Feuereffekte - alles Zeichen dafür, dass sich die Entwickler Gedanken gemacht haben, eine echte kleine Welt zu erschaffen.

Auch nett: die Charaktere, die zwar nicht relevant für das Spielgeschehen sind, aber dem Ganzen mehr Tiefe schenken, können zur Performance-Steigerung über das Optionsmenü ausgeschaltet werden.

Rätsel und andere tödliche Schikanen

Bedenkt man, dass für die meisten Adventure-Spieler der Anspruch der Rätsel ausschlaggebend für den Kauf eines Spiels ist, müsste Black Mirror 3 wohl ein Kassenschlager werden. Denn hier gibt es richtige Kopfnüsse.

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Wenn Darren sich gerade mal nicht vorstellt, jemanden zu töten...
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Wirken die Rätsel anfangs noch unlogisch, erkennt man erst, nachdem man es dann erfolgreich gelöst hat, wie genial die Logik dahinter doch ist. Hat man dann allerdings den Dreh raus, ist der Wiederspielwert verflogen, und es bleibt höchstens die Bewunderung zurück, dass sich jemand so ein vertracktes Rätsel ausgedacht hat.

Wie bei den meisten Adventures lassen sich die Minispiele nach einiger Zeit per Knopfdruck überspringen. Doch seien wir mal ehrlich, dann gehört man wohl nicht zur oben erwähnten Sorte von Spielern. Außerdem: Es liegt in der Natur eines Spiels, im Vorankommen an Schwierigkeit zuzunehmen, und spätestens kurz vor Ende gibt es ein Rätsel, das nicht übersprungen werden kann. Das trennt dann die Spreu vom Weizen.

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...hat er anhaltende Sehnsucht nach dem Sterben.
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Für alle, die sich gern bis aufs Äußere reinsteigern wollen: Unter dem Menüpunkt "Extras" lassen sich Bilder, Videos und Minispiele abrufen, sofern man diese vorher freigeschaltet hat.

Alle Videos erhält man allerdings nur, wenn man auch alle Sterbeszenen live erlebt hat. Dass man einige davon schon mal verfehlen kann, kommt bei den besten Spielern vor. Beim erstmaligen Durchspielen sind wir nur an einer einzigen Stelle gestorben, dafür aber gefühlte tausendmal.

Auf der Suche nach Gelegenheiten zum Sterben hilft uns eine Telefonwahrsagerin. Deren Visitenkarte lässt sich zu nahezu jedem Zeitpunkt in der Telefonzelle vor der Polizeistation finden. Rufen wir sie dann über ein Telefon an, verrät sie uns in jedem Kapitel, wie wir den Löffel abgeben werden. Natürlich ein wenig mystischer ausgedrückt, doch befindet man sich in der Situation, wird man an ihre Worte zurückdenken.

Nimmt man sich vor, absichtlich ins Radieschenbeet einzutauchen, hat das Spiel eine nette Autosave-Funktion eingebaut, die das Spiel vor dem Sterben abspeichert. Das führt zu einer geringeren Frustrationsschwelle, falls man mal wieder vergessen hat, das Spiel abzuspeichern, und eröffnet einem die Möglichkeit, das tödliche Hindernis mit einer neuen Strategie anzugehen. Natürlich MUSS man nicht sterben, um das Spiel erfolgreich zu absolvieren.