Piraten sind schwer angesagt. Johnny Depp sei Dank träumt die halbe Welt von einer steilen Karriere als Outlaw in der Karibik. Spielerisch hat sich der Freibeuter-Hype allerdings bislang nicht von seiner besten Seite gezeigt.

Erinnert sei hier nur an die Versoftung von »Fluch der Karibik 2«, die nicht gerade berauschend daherkam. Auf der Welle der allgemeinen See- und Totenkopf-Euphorie schwimmt auch 10Tacles »Black Buccaneer« mit - und erleidet ebenfalls Schiffbruch. Wir sagen Euch, warum.

Flucht aus der Karibik
An der Story liegt es eigentlich nicht. Denn die erzählt eine durchaus spannende, wenn auch nicht gerade vor Originalität strotzende Geschichte um einen verfluchten Piratenschatz. Der liegt seit langer Zeit verborgen auf einer geheimnisvollen und gefährlichen Insel. Immer wieder haben sich Abenteurer daran versucht, die Reichtümer zu bergen, überlebt hat es keiner von ihnen. Das ändert sich, als der Glücksritter Francis Blade eines schönen Tages auf dem Eiland strandet. Kaum dass er einen Fuß auf den sonnigen Strand gesetzt hat, macht er sich auch schon auf die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz.

Black Buccaneer - Piratenhüpferei ohne Tiefgang: Eine gute Story macht eben noch kein unterhaltsames Spiel.

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An genau dieser Stelle übernimmt der Spieler und steuert den dunkelhaarigen Jungspund bei dessen Erkundung der Insel. Neben dem Schatz warten übrigens noch diverse Schiffsteile darauf, gefunden zu werden. Damit kann man ein am Strand befindliches Wrack wieder flott machen und von der Insel abhauen. Denn was nützt einem die dickste Kohle in der Tasche, wenn man sie nicht ausgeben kann, weil man auf einem gottverdammten Eiland festsitzt? Also sucht man fröhlich nach Klunkern und Equipment und setzt sich nebenbei gegen aufdringliche Affen und dämliche Piraten zur Wehr. So weit, so gut.

Sprung in der Schüssel
Um es kurz zu machen: »Black Buccaneer« möchte gern ein vollwertiges Action-Adventure sein, kommt aber meist als klassisches Jump-and-Run daher, dessen Kampfeinlagen an die an die Prince-of-Persia-Reihe erinnern, ohne freilich dessen Qualitäten zu erreichen. Bevor uns jetzt die Freunde gepflegter Hüpfspiele à la Rayman oder Super Mario an die Kehle gehen: natürlich haben wir nichts gegen gute Jump-and-Run-Games.

Doch leider reduziert sich hier die an sich nette Hintergrundgeschichte auf öde Sprungsequenzen, bei denen der gute Francis immer und immer wieder von einem Punkt zum nächsten hüpfen muss. Von Abwechslung fehlt dabei leider jede Spur. Das bringt den Spielspaß arg ins Straucheln, zumal sich die zu lösenden Aufgaben in aller Regel auf das Erreichen der nächsten Plattform reduzieren. Ach ja: Manchmal darf man sogar eine Kiste verschieben, um an den nächsten Ort zu gelangen. Gerne wird auch mal ein Schalter umgelegt, um einen bislang versperrten Weg passierbar zu machen. Das mag einfache Gemüter für eine Weile erfreuen, anspruchsvollere Zocker hingegen, die aufgrund der Story mehr erwarten, werden mit den Augen rollen.

Packshot zu Black BuccaneerBlack BuccaneerErschienen für XBox, PC und PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Mach Dich zum Affen
Immerhin bietet das Kampfsystem ein wenig Abwechslung, denn das ist einfach zu beherrschen und bietet zahlreiche Angriffs- und Verteidigungsvarianten. Hervorzuheben ist dabei besonders die Pistolenattacke, bei der man durch einen Druck auf die L1-Taste einen Gegner einloggt und dann mit dem Quadratbutton schießt. Da es sich allerdings zeitgemäß um einen Vorderlader handelt, dauert es eine Weile, bis der nächste Schuss abgegeben werden kann. Insofern sollte man nur auf weiter entfernte Gegner schießen oder - fies, fies - von oben herunterrotzen. Leider wird der Ladevorgang nicht durch eine Animation der Spielfigur angezeigt, sondern nur durch ein Pistolensymbol am oberen Bildschirmrand, das sich langsam grün färbt.

Black Buccaneer - Piratenhüpferei ohne Tiefgang: Eine gute Story macht eben noch kein unterhaltsames Spiel.

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Außerdem lernt unser Hobbyschatzsucher im Laufe der Handlung zahlreiche Kombos, mit deren Hilfe er seinen Kampfstil weiterentwickelt. Allerdings kommt man nicht oft in die Verlegenheit, die Kampfkünste taktisch wirkungsvoll einzusetzen, da die Gegner ausgesprochen doof agieren. Lediglich ihr Wumms nimmt bei höheren Leveln zu, so dass sich schnelle Schlagabfolgen und Kombos empfehlen, damit sie nicht zum Zuhauen kommen.

Ebenfalls lustig ist die Idee, dass Francis schon zu Beginn ein Totenkopfartefakt findet. Das gute Stück verfügt über Voodoo-Kräfte, die ihn kurzzeitig in den furchteinflößenden, namensgebenden Black Buccaneer verwandeln - eine Mischung aus Gorilla, Gene Simmons und dem Undertaker, der über deutlich stärkere Angriffe verfügt als sein schmalbrüstiges Alter Ego. Die Verwandlung zum aufgeblasenen Affen vollzieht man durch gleichzeitigen Druck auf die R3- und L3-Taste, sobald sich genug Loa angesammelt hat. Dieser Ausdruck bezeichnet eigentlich eine Gottheit in der Voodoo-Religion, ist hier aber mit Mana gleichzusetzen. Hat man das Loa verbraucht, ist es Essig mit dem Black Buccaneer, und man wird wieder zu Francis. Insofern empfiehlt es sich, mit seinem Loa sparsam zu haushalten.

Daneben sammelt unser Möchtegern-Pirat weitere Voodoo-Fähigkeiten, die ebenfalls Loa erfordern. So lässt er Untote für sich kämpfen oder verhext Gegner, die sich dann gegenseitig aufs Maul hauen.

Sackhüpfen
Leider macht ein akzeptables Kampfsystem noch kein gutes Spiel. Es kann bestenfalls dazu beitragen, ein ansonsten unterdurchschnittliches Programm auf Mittelmaß zu heben. Denn nicht nur inhaltlich verpufft »Black Buccaneer« schnell, auch die technische Umsetzung weist einige Fehler auf. So springt Francis wieder und wieder ins Leere, weil man infolge der mädchenhaften Kameraführung Entfernungen nicht genau abschätzen kann. Außerdem ist das Hüpfen echte Millimeterarbeit, die vielleicht Schönheitschirurgen präzise von den manikürten Händen gehen mag, kummergewohnten Zockergemütern hingegen nicht. Denn die Stärke des Sprungs wird durch den Anlauf geändert.

Black Buccaneer - Piratenhüpferei ohne Tiefgang: Eine gute Story macht eben noch kein unterhaltsames Spiel.

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Da Francis aber oft auf kleinen Mauervorsprüngen oder Säulen balanciert, ist die Sache mit dem Anlauf problematisch. Dann hilft nur gefühlvolles Drücken der Sprungtaste, sobald sein Fuß die Kante erreicht hat. Zu frühes oder spätes Klicken führt unweigerlich zum Sturz in die Tiefe. Je nachdem, wie tief er landet, heißt es, die Kletter- und Hüpfarie wiederholen oder aber dem Gott der Wiederbelebung (den gibt's hier wirklich) ein paar Gaben zu opfern, um nicht am letzten gespeicherten Spielstand beginnen zu müssen. Immerhin gibt's ein kleines Trostpflaster am Rande: nähert man sich einem Abgrund bis auf wenige Millimeter, fängt Freund Francis an zu straucheln und balanciert an der Kante. Steuert man dann sofort gegen, kann man den Absturz verhindern. Das ist nützlich, wenn man sich mal wieder in der Entfernung verschätzt hat und noch gerade so festen Boden unter den Füßen hat. Wem das bekannt vorkommt: Ihr liegt richtig. Lara Croft hat man ein derartiges »Sicherungssystem« schon in »Tomb Raider: Legend« spendiert.

Ein weiterer Schwachpunkt des Schwarzen Buccaneers ist die mangelnde Übersicht. Die Kamera ist zwar frei beweglich und kann beliebig um Francis herum rotieren, doch an engen Levelabschnitten ist die Sicht derart eingeschränkt, dass auch heftiges Herumkurbeln mit dem Stick nicht hilft. Steht Francis beispielsweise in einem schmalen Graben, folgt ihm die Kamera in die Tiefe, und man sieht sich von allen Seiten von Felsen umgeben. Die einblendbare Minimap ist in solchen Fällen ebenfalls alles andere als hilfreich, denn sie zeigt die Architektur der Levels zweidimensional. Da sich aber weiterführende Gänge oder wichtige Nischen oft in sehr unterschiedlicher Höhe befinden, ist die platte Übersicht eher verwirrend. Wie so etwas besser gelöst werden kann, hat beispielsweise schon vor mehr als zehn Jahren das selige »Decent« unter Beweis gestellt. Ohne die seinerzeit implementierte räumliche Übersichtskarte wäre man damals wohl hoffnungslos in dem auf mehreren Ebenen angeordneten Ganggewirr untergegangen.

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Immerhin sieht wenigstens die Grafik nicht so aus, als hätte man die auch schon vor zehn Jahren besser hingekriegt. »Black Buccaneer« präsentiert sich auf der in Würden ergrauten PS2 mit karibisch-schönen Farben, wenn auch sehr flächig und nicht über die Maßen detailreich. Dennoch fühlt man sich optisch auf der paradiesisch anmutenden Schatzinsel wohl. Wenn da nur nicht dieses Spiel wäre... Musikalisch wird Durchschnittskost geboten, die das Geschehen auf dem Monitor ordentlich untermalt, allerdings nicht sonderlich im Ohr hängen bleibt. Die Soundkulisse ist sparsam und nervt ein wenig durch immer gleiche Geräusche. Wer in einem absoluten Piratenfieber ist, ohne Jack Sparrow (Anmerk. d. Chefred.: CAPTAIN Jack Sparrow!) und Co. nicht mehr leben kann und sich auch nicht von einem öden Spiel abschrecken lässt, darf einen Blick riskieren. Alle anderen kaufen sich für das Geld lieber die Sammleredition von »Fluch der Karibik«.