Das ist kein amüsanter Artikel. Ich werde keine Witze machen, denn uns bei gamona ist nicht zum Lachen zumute. Während ich hier an meinem PC sitze und tippe, tut mein Brustkorb weh, denn ich denke an Shepard. An Kaidan (selbst, wenn viele ihn nicht mochten, ich schon), an Alistair und Morrigan. An Zevran. An das verdammte KotoR, das viele von uns tage- und wochenlang gespielt haben, gefangen in einer der besten und immersivsten Star-Wars-Welten überhaupt. Diese Spiele stehen für “tiefgehende Geschichten, unvergessliche Charaktere und enorme Welten”, diese Spiele haben dafür gesorgt, dass BioWare mein ganz persönlicher Stein in der Brandung wurde. Ein Studio, das Stories gut erzählte.

Es erscheint fair, dass ich mich nun ein bisschen so fühle, wie am Ende von Mass Effect 3. Ein bisschen so, als hätten die rEAper.. eh, Reaper tatsächlich gewonnen.

Falls ihr euch nicht mehr erinnert. So waren Spiele einmal, vor langer Zeit:

Mass Effect 2 - Launch Trailer DeutschEin weiteres Video

Ein langsamer Tod

… ist der schlimmste Tod von allen. BioWare wurde 2007 von EA übernommen; der Gründer des Studios, Greg Zeschuk, verließ die Firma und EA gesellte sich als Publisher zu allen späteren Produktionen. Sie begannen ihre Zusammenarbeit bereits kurz nach Fertigstellung von Mass Effect 1, BioWare als Entwickler und EA als Herausgeber des damaligen Spiels. Das ist zehn Jahre her. Und inzwischen ist viel passiert.

Es ist wie das Ende einer langen Freundschaft

BioWare war für mich und viele andere eines der besten Entwicklerstudios dieser Zeit. Ich habe die Mass-Effect-Reihe erst nach Dragon Age entdeckt, zu einer Zeit, als bereits alle drei Teile auf dem Markt waren. “Es ist kein Shooter, Marina. Es gibt eine gute Story und ist eigentlich wie Dragon Age, nur mit Sci-Fi”, hat man mir damals gesagt, und nunja, ich mag Sci-Fi. Ich spielte alle drei Teile nacheinander in zwei Wochen durch. Mass Effect war ab da an meine absolute Lieblings-Spielereihe. Was ich nicht wusste: Schon da begann mein geliebtes Studio langsam zu verfallen.

Manche sagen, es nahm bereits mit Mass Effect 3 seinen Lauf, dem nicht ganz so beliebten Ende der Reihe. Dem Multiplayer, der neben einem fertigen Produkt und einer guten Story nun auch Mikrotransaktionen und Lootboxen einführte. Was, damals schon, 2012? Aber auch BioWare hat das Rad nicht neu erfunden, erzählt zumindest Jesse Houston in einem Interview mit RollingStone: Erwerbbare Items gab es bereits zu Zeiten von The Elder Scrolls 4: Oblivion und was den Multiplayer von Mass Effect 3 betrifft, so habe sich BioWare die Taktik von FIFAs Ultimate Team abgeschaut. So ein Zufall.

gamona-Redakteurin Vanessa: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber momentan habe ich den Glauben etwas verloren, dass noch einmal ein Titel kommt, der mich so fesselt wie die Mass-Effect-Trilogie der alten Tage. Aber hey, wenn Bioware das richtige Ende wählt, vielleicht können wir dann alle noch einmal aufatmen. So wie Shephard, nachdem man schon glaubte, sie für immer verloren zu haben."

Schließlich gibt es aber viele ME-Spieler, die den Multiplayer vom dritten Teil mochten; ein flächendeckendes Gemurmel breitete sich erst ab Dragon Age: Inquisition aus, dem dritten Teil der Fantasy-Seifenoper. Nur, dass es weniger Seifenoper war, weniger große Gefühle und enge Freundschaften als große Maps mit so vielen Hol-und-Sammelaufträgen, das ich als Spieler schier verrückt wurde. Inquisition war nicht unbedingt schlecht, sagen einige. Aber es war kein Dragon Age mehr. Ich persönlich mochte Inquisition, aber ich wollte es auch mögen und egal, wie ich es drehe und wende: Es war keineswegs mehr so gut, wie die vorigen Teile. Es brachte mich nicht zum weinen, wie Dragon Age: Origins ; das bis jetzt einzige Computerspiel, das mich soweit gebracht hat. Egal.

Dann kam Mass Effect Andromeda. Es gibt etliche Artikel im Internet über die vermeintlichen Gründe, warum das Spiel unfertig auf den Markt kam; warum es gleichsam große Ambitionen zeigte und doch nicht schaffte, sie zu erreichen. Warum es sich nicht mehr nach Mass Effect anfühlte (und diese etlichen Hol-und-Sammelquests, man) – sie sagten, die Arbeitsbedingungen wären schlecht gewesen oder zu viele gute Mitarbeiter wären bereits gegangen oder arbeiteten schon seit Jahren an Anthem (dessen Produktion scheinbar schon 2014 begonnen hat).

In einem exklusiven Interview mit WayPoint Radio spricht BioWare-Entwickler Manveer Heir unter anderem über EAs Pläne der Monetarisierung von Spielen und ich denke nicht, dass ihr überrascht sein werdet, “EA setzt seinen Fokus definitiv auf mehr Open-World-Spiele und der Grund dafür ist, dass man sie besser monetarisieren kann. (…) Doch warum interessiert EA das? Der Grund sind Mikrotransaktionen: Kartenpakete wie im Multiplayer von Mass Effect. Genau deshalb haben wir auch Ausrüstungskarten in Mass Effect 3 eingebaut: Wie sonst schafft man es, Spieler immer wieder abzuholen, anstatt sie ein Spiel einfach 'nur' 60 bis 100 Stunden spielen zu lassen?” (Gamestar, 2017)

Das Lustige ist eigentlich, dass ich selbst bei Andromeda nicht wahrhaben wollte, BioWare hätte sich verändert. Ich habe Andromeda nicht gehasst – ich finde auch keineswegs, es sei ein hassenswertes Spiel, aber es war noch weniger Mass Effect, als Inquisition Dragon Age war. Es berührte mich nicht. Ich habe es bis heute noch nicht einmal durchgespielt, einfach weil es mir langweilig wurde.

gamona-Redakteurin Lina: "Bei Andromeda gab es eine Stelle, an der ich tatsächlich geweint habe. Es war die Nachricht von Liara, die ich mit der Zeit freigeschaltet habe und die mir verraten hat, was nach meiner Abreise auf der Milchstraße passiert ist. Traurig daran ist, dass die einzige Sequenz im Spiel, die mich emotional so berührt hat, sich auf die Vorgänger bezog. Das war für mich der Moment, an dem mir klar wurde, dass es sich bei Bioware ähnlich verhält - es lässt einfach nach."

Erst jetzt, erst, als es plötzlich hieß, Dragon Age 4 sei in Entwicklung (News), nach einem Reboot in der Produktion – es wurde also noch einmal völlig neu aufgesetzt – und BioWares Schicksal hänge am seidenen Faden von Anthem, wird mir klar: Das alles könnte BioWares Ende werden. Und ich muss mich fragen: Auf welches Spiele soll ich mich denn dann noch freuen? TES 6 kommt ja ohnehin erst in zehn Jahren, wenn wir Glück haben.

Ist Anthem ein BioWare-Spiel?

Auch meine – ganz persönliche – Meinung zu Anthem hat sich rapide geändert. Als das Spiel vor einem Dreivierteljahr angekündigt wurde, war ich noch gespannt. Immerhin soll das eigentliche Mass-Effect-Studio an diesem Spiel werkeln, die Menschen, die uns die ersten zwei, drei Teile geschenkt haben.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass Anthem kein Mass Effect werden wird (ich bin ein Spätzünder, ich weiß). Auf gewisse Weise verüble ich es diesem Spiel, ‘mein’ Studio niederzuknüppeln; denn ganz egal, wie erfolgreich es sein sollte – das BioWare, das ich einmal kannte, wird es wahrscheinlich nicht überleben.

Anthem ist die Essenz dessen, was EA möchte; ein womöglich sehr guter Online-Shooter, der auf irgendeine Art Mikrotransaktionen und Lootboxen beinhalten wird. Ich fresse einen Besen, sollte es nicht so sein. Story? Ich bin nicht sicher, ob es überhaupt eine geben wird; im Trailer habe ich noch nicht viel von ihr entdeckt.

Schließlich gibt es auch in anderen Spielen gute, emotionale Stories. Ein paar habe ich hier aufgezählt:

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Nun, ich weiß nicht, was ich noch zu all dem sagen soll, außer, dass es mich verdammt traurig macht. Es heißt ‘Die einzige Konstante im Leben ist Veränderung’, aber scheiß’ auf Veränderung. BioWare war gut. Und ich wünsche dem Studio von ganzem Herzen eine Genesung, wenngleich ich nicht erkenne, wo diese jetzt noch ansetzen könnte.