Ich verstehe sehr gut, wenn Leute ihre Games-Trilogien schnuckelig aneinandergekuschelt auf derselben Plattform beieinander haben wollen, mir geht es auch so. Wenn zudem zwei der in diesem Fall drei Spiele bereits ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, dann wächst der Wunsch natürlich nur noch. Und die Qualität der erst feuchten, dann luftigen Bioshock-Reihe steht sowieso außer Frage. Und doch erwische ich mich dabei, wie ich immer wieder heimlich hoffe, es passiere bei einem HD-Remaster vielleicht mehr als nur das, was unbedingt nötig ist. Werde ich bei der Bioshock-Collection enttäuscht? Nun, ein wenig vielleicht.

Einerseits ist es wundervoll, diese großartigen Titel noch einmal und in schnieker aktueller Optik erleben zu dürfen. Und, lasst mich das gleich vorwegnehmen: In Sachen Grafik erlaubt sich die Bioshock-Collection, soweit ich das sichten konnte, keine Patzer. Doch auf der anderen Seite ersetzt halt keine bessere Textur, keine schärfere Auflösung und kein besseres Lichtverhältnis das erstmalige Erleben eines großartigen Spiels. Das Gefesseltsein, das Entdecken, das ungläubige Staunen beim Twist, das Zungenschnalzen über die Levinesque gemeißelte Story. Womit man den Spieler allenfalls beglücken könnte, wäre etwas Neues.

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Insofern werden sich alle von euch, denen es wie mir geht, sicherlich darüber freuen, dass dem ersten Bioshock ein Audiokommentar von Ken Levine beiliegt. Das kann zwar keine Entjungferung ersetzen, aber eine nette Dreingabe sind solche Kommentare immer und allemal. Das Problem daran ist nur: „Beigelegt“ trifft es nicht so ganz. Vielmehr muss man die Erklärungen des Designers und Autors als Collectibles im Spiel finden, ähnlich den üblichen Audio-Tagebüchern. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits find ich es toll, dass sie dem Spieler als Belohnung für Mühen gegeben werden und es ist eben auch die eine „spielerische“ Neuerung der Collection. Andererseits ist es mühsam, die Teile zu suchen und zu sammeln, wenn man einfach ein paar zusätzliche Informationen über ein Spiel will, das man ohnehin schon sehr gut kennt und einfach nur genießen will. Ich persönlich bin ein Freund von optional abspielbaren Audiokommentaren, sobald man die richtige Stelle erreicht, aber offenbar sieht man das bei 2K anders. Hinzu kommt, dass es leider nicht sehr viele Kommentare sind.

Bereits bei Bioshock 2, über das sich die meisten Leute einig sind, dass es eh nicht der Höhepunkt der Reihe ist, gibt es keine Kommentare mehr, was vielleicht auch daran liegt, dass das Spiel nicht hauptsächlich von Irrational Games stammt. Auch und gerade bei Bioshock Infinite hätte ich mir ebenfalls ein paar Anekdoten oder interessante Details zur Entwicklung gewünscht, hab aber keine entdeckt. Überhaupt sind die drei Spiele so ziemlich dasselbe wie anno dazumal, nur in hübsch. Und sicherlich könnt ihr euch mit dieser Information bereits ein weiteres Problem denken: Infinite ist noch nicht gar so alt und insofern ist das Original nach modernen Ansprüchen sowieso und immer noch hübsch. Habt ihr damals die PC-Version gespielt, werdet ihr, wenn es euch wie uns geht, kaum echte Unterschiede feststellen und insofern den Eindruck gewinnen, dasselbe Spiel noch einmal gekauft zu haben, wenn auch natürlich günstig in einem schönen Bundle.

BioShock: The Collection - Es gibt immer einen Leuchtturm – doch manchmal ist er hübscher als sonst

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Es mag in unseren Erinnerungen immer so hübsch gewesen sein, doch Rapture hat viel Liebe und Arbeit erfahren.
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Es ist unleugbar Bioshock 1, das am meisten von der ganzen Collection profitiert. Das liegt nicht nur am Audiokommentar, sondern auch an der deutlich angehobenen Grafik, die gestochen scharf und atmosphärischer denn je erstrahlt. Bessere Lichtverhältnisse helfen, das Versteckspiel und den klaustrophobischen Charme von Rapture besser zur Geltung zu bringen, Feuer- oder Elektroplasmide züngeln deutlich besser, wenn auch vielleicht nicht ganz so scharf, wie sie es in einem Current-Gen-Titel würden, und wenn ein Splicer auf Knutschdistanz ranspringt oder ein Big Daddy verärgert wurde, dann kann man sich, obwohl man das aus spielerischer Sicht wahrscheinlich nicht möchte, deren verschnörkelte Texturen ohne Naserümpfen aus der Nähe betrachten.

Auffällig ist natürlich auch das flüssige Zeugs, inmitten dessen sich Rapture befindet, hier, wie hieß es noch... Wasser! Na klar. Lag mir auf der Zunge. In Bioshock gibt es so viel Wasser, dass man es schon manchmal vergisst, doch wenn ein Leck eine der Verbindungsröhren überflutet, dann sprudelt und schwappt dort deutlich hübscheres, glitzernderes Nass, als es noch vor mittlerweile immerhin neun Jahren der Fall war, als Bioshock erschien. Allerdings sieht man hier, wie auch an ein paar anderen Stellen, dass die Zeit sich eben auch durch ein HD-Remaster nicht zurückdrehen lässt. So ist etwa die Gischt des aufgeregten H2O sehr sichtbar einfach die mehrfache Doppelung desselben Effekts nebeneinander. Kein Fauxpas, sondern schlichtweg die Realität: Durch Make-Up wird ein Spiel von 2007 nicht einfach zu einem von 2016. Es steckt kein Tadel hierin.

Packshot zu BioShock: The CollectionBioShock: The CollectionRelease: PC, PS4, Xbox One: 16.9.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Ganz das Nämliche, nur mit etwas anderen Stellschrauben, lässt sich auch über Bioshock 2 sagen, wie ja auch schon damals jeder über 2K Marins Nachfolger gesagt hat: Ist dasselbe in grün, bloß mit Altruismus statt Objektivismus, und schon alleine deshalb nicht so gut, fesselnd und mit deutlich weniger innerer Logik. Aber hey, immerhin konnte man als Subject Delta schonmal gleichzeitig ein Plasmid und eine Waffe benutzen.

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Willkommen beim Quiz "Ist das aus der Collection oder die alte Version von Infinite?" Die Antwort? Weder noch! Es ist aus einem ganz anderen Spiel, "Knetmännchen Kamasutra", glaube ich.
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Das ist vielleicht der größte Nachteil an der ganzen Collection, wenn man ihn denn gewichtig bewerten will: Die ersten beiden Spiele, vor allem Bioshock 1, hätten wirklich etwas Modernisierung vertragen, einige Anpassungen des Gameplays. So etwas ist sicherlich nicht leicht, wenn überhaupt, umzusetzen. Und doch erwische ich mich dabei, wie ich beim viel zu langwierigen Röhren-Hackspiel nach wie vor die Augen rolle, wie mich jeder Wechsel zwischen Tommy Gun und Plasmid innerlich ein bisschen tötet, und wenn ich mit der Dreieck-Taste springen muss und meine Buttons nicht neu belegen kann, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass das gegen die Genfer Konventionen verstößt. Und das Autosave-System, das nur alle Jubeljahre mal speichert, wenn es ihm gefällt, und insofern so große Lücken hinterlässt, dass es für einen modernen Gamer quasi nicht mehr tragbar ist, wirkt auch weniger charmant als vielmehr nervtötend. Dass man nicht alle diese Änderungen hätte umsetzen können – okay, fein, akzeptiert. Aber nicht mal die Sache mit den Tasten? Kommt schon. Ich weiß, Bioshock ist kein Twitch-Shooter und ich muss nicht bunny-hoppen, aber... Dreieck. Einfach Dreieck.

Sei es drum, es ist immer noch eine Sammlung von sauguten, mittlerweile auch geschlossen sauhübschen Spielen, die man für einen Preis von 40 bis 50 Euro erwerben kann. Sollte man? Nun: Garantiert, wenn man die Reihe noch nicht gespielt hat und nachholen will. Vielleicht, wenn die Nostalgie groß ist und man alle Spiele beinander auf einer modernen Plattform haben will. Aber auf keinen Fall, wenn man etwas Neues erwartet. Mit diesem Wunsch ist man bei der Bioshock-Collection, wie bei fast allen HD-Remasters, völlig aufgeschmissen.