"Trotz nur zaghaften spielerischen Fortschritts macht Bioshock 2 richtig viel Spaß." - Sebastian Thor

Wie soll man ein Spiel übertreffen, das selbst zwei Jahre nach seiner Geburt jenseits von bombastisch und „What the Heck“ rangiert? Gar nicht. Bei aller Liebe: Bioshock 2 ist nur die zaghafte spielerische Weiterentwicklung von Ken Levines Monster – nicht aber die emotionale. Im Kern ist es nicht mutig genug, dem Big Daddy als zentraler Figur mehr kämpferisches und charakterliches Profil zu verpassen. Rapture ist in seiner Entwicklung und seinem sichtbaren architektonischen Verfall zu konservativ, als dass man diesen weiteren Ausschnitt der Stadt mit genau demselben herausstechenden Gemisch aus Neugier und Angst durchstreift. Nicht nur die Benutzeroberfläche von Verkaufsautomaten, Gatherer's Garden und Co. sorgt im ersten Moment für Déjà-vu-Mundwinkel, auch die Gegner und ihr Verhalten lassen über zwei Jahre nach dem Vorgänger Überraschungen vermissen.

Aber einen, den hat dieses Abenteuer am Schlafittchen gepackt: den Zuhörer und den Forscher. Bioshock 2 fordert mehr als jedes andere Spiel zur Eigenmotivation auf, verstrickt die Geschehnisse innerhalb der Stadt noch rätselhafter und lebt von der fleißigen Lektüre der Tonbänder, ohne die man nur einen Bruchteil dessen versteht, was letzten Endes zum Zerfall des Utopia geführt hat. Alleine in den letzten beiden Kapiteln gibt es so viele Ach-ja-Momente, dass die ewig gleichen Splicer-Fratzen zur unwichtigen Nebensache werden. Und noch einen hat diese Stadt bestens unterhalten: Den Tüftler, der Sicherheitssysteme hackt, Fallen legt, die Umgebung manipuliert und mit all den bekannten Plasmiden zur Sache kommt. Genau denjenigen also, der es nicht als Krawumms-Shooter spielt, sondern das morbide Spielbrett und seine Regeln vollends ausreizt.

Letzten Endes ist Bioshock 2 trotz bekannten Plasmid- und Waffenprogramms das Spiel, das ihr draus macht: erzählerisch aufrüttelnd und packend, spielerisch irgendwo zwischen gutem Shooter und einem Sandkasten für kreative Manipulationsfreaks. Ihr habt die Wahl!

Update! Jetzt online: Leider war es nicht möglich, den Multiplayer-Modus von Bioshock 2 vorab zu testen. Daher reichen wir alle Infos dazu in unserem Multiplayer-Test nach. Hier entlang. Auf die Wertung hatte der MP-Modus keinen Einfluss mehr.[/i]

BioShock 2 - Rapture erleben - in unserem Video Review19 weitere Videos

BioShock 2 ist für PC, PS3 und Xbox 360 erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.

Pro

  • Einige Plasmid-Überraschungen...
  • Mehr kleine Kampf-Gadgets wie Minigeschütze oder Fallennieten
  • Zahlreiche Tonika zur Charakterverbesserung
  • Viele Ecken zum Stöbern, Erkunden und Kramen
  • Detailverliebt gestaltete Unterwasserstadt
  • Minispiel beim Hacken kurzweiliger als im Vorgänger
  • Nützliche Gadgets zum Hacken aus der Ferne
  • Vita-Chambers von Anfang an deaktivierbar
  • Starke, liebevoll zusammengestellte Soundkulisse
  • Stimmungsgeladene Sprecher
  • Kraftvolle Bohrerattacke

Contra

  • Splicer-Fratzen wiederholen sich auf Dauer
  • Struktureller Verlauf der ersten drei Abschnitte gleichen Déjà-vu
  • Die meisten Plasmide bereits bekannt
  • Einbrüche der Framerate am Ende
  • Mitunter herbe Texturschwächen
  • Zu wenige Big-Daddy-typische Attacken
  • Spröde inszenierte Unterwasserabschnitte
  • … aber unterm Strich zu wenige

Grafik

2K Marin legte noch mehr Wert auf Einrichtung und gestalterische Kleinigkeiten in allen Ecken – sehr gut. Darunter leiden muss in erster Linie die Texturqualität, die in ihren schlechten Momenten unter der des Vorgängers liegt. Immer wieder erkennt man ein herbes Qualitätsgefälle zwischen zwei nebeneinanderliegenden Flächen. Dennoch ist Rapture ansehnlich und verlockend: Mit seinen tragisch an sich gebundenen Bewohnern, ihren Animationen, dem beängstigenden Licht-Schatten-Spiel und einer Überschwenglichkeit für die Verteilung von Objekten ist die Entdeckerlust hoch.

Sound

Egal ob Deutsch oder Englisch – die Sprecher stecken in ihren Rollen, sind kräftig und markant. Das große Highlight ist die Stadt selbst, die atmet und pulsiert: Hier keift ein Splicer, dort knarrt eine Tür unter einer surrenden Videokamera, da hinten jault eine geschundene Seele und irgendwo springt plötzlich das einsame Grammophon an, während ein Big Daddy donnernd durchs Bild trampelt – großartig!

Gameplay

2K Marin öffnet ein großes Spielbrett voller Wege und Pfade, das euch auf vielerlei Arten zur Sache kommen lässt: schießend, hackend, bis zu einem gewissen Grad sogar schleichend. Auch wenn sich die spielmechanischen Neuerungen unterm Strich in Grenzen halten, gibt es immer noch genug, wenn nicht sogar mehr Möglichkeiten, die Umgebung zu manipulieren und die Leveldesign-Finessen Raptures auszuloten. Richtig schade ist lediglich, dass das moralische Dilemma um die Rettung oder Ausbeutung der Little Sisters nicht ausgeweitet wurde.

Multiplayer

Bekannte Modi in Maps, die die Gegenden von Bioshock 1 recyclen. Kann man spielen, kann man aber auch lassen.