Die Spider-Splicer-Exemplare hängen katatonisch-bizarr von der Decke, starren mit ihren wahnsinnigen Augen in den Raum. Hinzu kommen die bekannten Houdini Splicer und gegen Ende sogar Big Daddys der Alpha-Serie. Ich bin ehrlich aus allen Wolken gefallen, als plötzlich eines dieser Monstren um die Ecke RANNTE und mich am Schlafittchen packte – das war ein großartiger Moment. Vor allem auch, weil sie furchteinflößend auftreten und es bei jedem Schritt hart krachen lassen. Sie sind ähnlicher Bauart wie die Big Sisters, die immer dann auftreten, wenn man zu viele ihrer kleinen Geschwister stört. Aber bevor sie wirklich zutreten, sich von Wänden abstoßen und einen Kampf auf Leben und Tod provozieren, kreischen sie. Mehrmals und darüber hinaus dermaßen ohrenbetäubend, dass die Angst zum unmittelbaren Couch-Nachbarn wird. Besonders dann, wenn man sieht, wie sie einen verwirrten Splicer aufspießen und durch die Luft schleudern.
Einer der neuen Gegnertypen, der kräftig zuschlägt: der Brute Splicer.Trotz weniger wirklich eindrucksvoller Neuerungen im Gegner-Ensemble hat 2K Marin es geschafft, diese Auseinandersetzungen packend zu inszenieren. Wer nur läuft und aus allen Rohren feuert, hat so gut wie verloren. In diesen Duellen ist es wichtiger als jemals zuvor, die Umgebung zu manipulieren, Fallen zu legen, auf Öllachen, Kameras und Pfützen zu achten, die mit etwas Kreativität zur Todesfalle werden können. Letztendlich ist es trotzdem schön, ein dickes Waffenarsenal auf der Schulter zu wissen: Minigun, Shotgun, Harpune und Co. sind vertraut, allesamt natürlich wieder an Power-to-the-People-Stationen aufrüstbar und die letzte Rettung, wenn nichts mehr funkt, nichts mehr blitzt.
Apropos: Wie schnell springt der technische Funke in Rapture über? Sehr schnell, denn von Anfang an ist man gefangen in einer Stadt, die dem Untergang näher steht als das Monster, das Ken Levine und sein Team von Irrational Games damals erschaffen haben. Deutlicher als im Vorgänger zeichnen sich die Geschwüre ab, die Fenster und Wände mit Rissen durchziehen, während das Wasser eintritt und ganze Abschnitte der Stadt verschlingt. Noch immer sind es unheimlich schöne Ausblicke auf die Skyline des von Fischen umschwirrten Metropolis, dessen Reste wie ein versunkenes Königreich von den schrecklichen Ereignissen künden.
Design siegt über Technik - und das allerorten.Aber beim näheren Blick fallen sie auf, die Ecken und Kanten, die nach zwei Jahren den technischen Frischezustand der Unreal-Engine infrage stellen. Einige Texturen von Möbeln, Armaturen und Rohren sind sogar schwächer als im ersten Teil – ein Zugeständnis an die Gestaltung, die überschwenglicher als zuvor schreit: „Hier gibt es was zu sehen, was zu entdecken“. Jeder Stein, jeder Schreibtisch und jede Kiste hat ihren Platz und spielt eine bestimmte Rolle auf dieser Bühne namens Rapture. Wenn der Blick dem feinen Licht-Schatten-Spiel folgt, während plötzlich ein Grammophon anspringt und „How much is that doggie in the window?" von Patti Page spielt, dann wiegt auch der fehlende Fortschritt nicht mehr schwer. Dann siegt Gestaltung über Technik. Und dann erkennt man das sichtbare Rapture als das, was es auch zwei Jahre später noch ist: ein Kunstwerk.
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