Es gibt Spiele, vor denen hat euch Mutti früher immer gewarnt. Oder die gamona-Redaktion. Spiele, für die man vielleicht sein letztes Hemd, aber besser nicht sein sauer verdientes Geld ausgeben sollte. Dann gibt es Spiele, die sind zwar ziemlich gut, benötigen aber so viel harte Einarbeitungszeit, dass manch einer schnell das Handtuch wirft. Und es gibt Spiele wie »BioShock«: Die ziehen einen von der ersten Sekunde an in ihren Bann und saugen einen förmlich auf mit ihrer Atmosphäre.

Zusammen mit den Entwicklern durften wir die ersten zwei Level des bisher noch unter der Sparte »Geheimtipp« rangierenden Titels in aller Ausgiebigkeit anspielen. Und wollten am liebsten gar nicht mehr aufhören…

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You've come a long way…
Wir schreiben das Jahr 1994 - das Jahr, in dem Ego-Shooter noch »Doom-Clones« genannt wurden. In dem allmählich die CD-ROM sich anschickte, ihre Diskettenbrüder abzulösen. Und in dem 3D-Grafik langsam auch abseits von Flugsimulationen in die Spielewelt Einzug erhielt. 1994 - das Jahr, in dem »System Shock« erschien.

BioShock - Geheimtipp? Hoffentlich nicht mehr lange. Denn BioShock wird der Hammer!

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Schockierend: BioShock macht seinem Namen alle Ehre.
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Rückblickend betrachtet war »System Shock« seiner Konkurrenz um Jahre voraus. Während die meisten Shooter der damaligen Zeit ihre Spieler zumeist durch triste Dungeons, tumbe Zombiehorden und deren Blut waten ließen, sprühte »System Shock« geradezu vor Einfällen, die sämtliche Gameplay-Meilensteine der kommenden Jahre vorweg nahmen: Wie in »GTA« bot es mit seiner riesigen Raumstation eine offene Welt zum Erkunden an, wie in »Deus Ex« konnte man seine Aufgaben auf unterschiedlichste Weise durch Schießen, Schleichen oder Hacken lösen, und wie »Half-Life« schuf es seine einzigartige Atmosphäre nicht durch kurzlebige Effekte, sondern eine durchdachte Story.

Doch wie so häufig bei bahnbrechenden Ideen setzt sich die allgemeine Erkenntnis über ihre Genialität erst in der Rückschau durch. Trotz jubelnder Kritiker blieben die Absatzzahlen der Serie (Teil 2 erschien 1999) weit hinter den Erwartungen zurück. Doch damit soll nun Schluss sein: Viele der Entwickler von damals arbeiten an einem neuen Spiel, das für viele als das inoffizielle »System Shock 3« gehandelt wird. Und wieder jubeln alle Kritiker. Wird sich die Geschichte wiederholen? Ihr habt es in der Hand…

Packshot zu BioShockBioShockErschienen für PC, Xbox 360, PS3 und iOS (iPad / iPhone / iPod) kaufen: Jetzt kaufen:

Finding Nemo
Die Schwärze vor euren Augen lichtet sich allmählich und legt den Blick frei auf ein loderndes Flammenmeer. Gerade erst einen Flugzeugabsturz überstanden, seht ihr euch schon der nächsten Hölle gegenüber. Brennende Wrackteile setzen die Wellen um euch herum in Brand und drohen, euch in die tiefschwarzen Fluten des Ozeans hinab zu reißen. Mit letzter Kraft bahnt ihr euch einen Weg bis zum Fuße einer Treppe, die euch auf ein kleines Eiland geleitet. Dort, in die Felsen eingelassen, stoßt ihr alsbald auf eine Tauchglocke. Und einen umgelegten Schalter später befindet ihr euch tief unter dem Meeresspiegel… auf dem Weg nach Rapture.

Rapture ist der Name einer gigantischen Unterwasserstadt, die einst von idealistischen Weltverbesserern errichtet wurde - und heute von garstigen Kreaturen bevölkert wird. Irgendwas ist offenbar schiefgelaufen. Um was es sich dabei handelte und welche absonderlichen Geheimnisse die utopische Siedlung am Meeresgrund noch in sich birgt, gilt es im Verlauf des Spieles herauszufinden.

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Fantastische Aussichten: Rapture in seiner vollen Pracht.
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Bereits die ersten Minuten von »BioShock« mit dem fulminant inszenierten Flugzeugabsturz reißen einen regelrecht vom Hocker und direkt ins Spiel hinein. Was dann auf der Reise nach Rapture geschieht, raubt einem gänzlich den Atem: In voller Unreal-Engine-3-Pracht erheben sich die majestischen Unterseegebäude mit ihren hohen Kuppeln gen Wasseroberfläche, durch die das sanfte Schimmern des Mondlichtes durch die Fluten bricht. Während ihr im Inneren der kleinen Tauchglocke wie in einer Reminiszenz an die Anfangssequenz von »Half-Life« dahin schwebt, kreuzen massige Wale euren Weg, an den Häuserfronten strahlen euch die grellbunten Lichter alter Neonreklamen entgegen.

Auf Batosphäre folgt Atmosphäre
Nach dieser kurzen meditativen Pause landet die Tauchkapsel an ihrem Bestimmungsort. Willkommen in Rapture! Durch das noch verschlossene Glasfenster erkennt ihr im fahlen Dämmerlicht einen der monströs entstellten Bewohner der unterseeischen Stadt. Eine zweite Person, dünn wie ein Skelett und übermenschlich schnell und gewand, taucht blitzartig auf, reißt den anderen in Stücke und beginnt mit schrillen Schreien, auf die hauchdünne Glaswand einzuschlagen, die euch als Einziges vor diesem Albtraum trennt.

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Atmosphäre pur: Kaum in Rapture angekommen werdet ihr Zeuge dieses Mordes.
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Hastig seht ihr euch um: Keine Waffe, kein Hinterausgang ist in Sicht, welche euch Hoffnung verheißen könnten. Der Schweiß strömt, Todesangst überkommt einen. Doch das Glas hält… vorerst. Denn plötzlich springt das unheimliche Wesen auf die Oberseite der Kapsel und versucht sich durch das Metall zu sägen. Immer noch kein Ausweg. Nur noch wenige Zentimeter trennen euch vor dem sicheren Tod. Dann… lässt das Monster plötzlich von euch ab und verschwindet in der Dunkelheit. Doch ihr könnt sicher sein: Das war nicht eure letzte Begegnung.

Die Anfangssequenz von »BioShock« ist an Atmosphäre kaum zu überbieten. Mit aller Gewalt reißen euch die Entwickler von Irrational Games in diese Welt, die zu designen sie so viel Liebe aufbrachten. Wer sich nur für einen Moment an dem malerischen 20er-Jahre-Design im Art-deco-Stil berauscht, wer nur einen kurzen Blick durch eines der zahlreichen Fenster auf die majestätische Unterwasserstadt erhascht, wer zum ersten Mal vor Schreck zusammenzuckt, wenn ein unheimliches Geräusch sich seinen Weg durch die dunklen Gänge von Rapture bahnt, dem wird unweigerlich gewahr: Dieses Spiel ist eines der außergewöhnlichsten der letzten Jahre.

All about Eve…
Außergewöhnlich sind auch die Waffen, mit denen ihr euch allmählich gegen die skurrilen Gegner in Rapture wappnet: Neben eher »konventionellen« Schießprügeln wie einem Revolver, einer Schrotflinte und einem Maschinengewehr dürft ihr auch auf ein Arsenal von Zauberspruch-ähnlichen Fähigkeiten zurückgreifen. Hierfür sorgen so genannte Plasmide, die euren Körper um übersinnliche Kräfte erweitern.

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Potzblitz: Die Plasmid-Fähigkeiten hauen nicht nur grafisch rein.
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Als eine der ersten Plasmid-Fähigkeiten eignet ihr euch beispielsweise einen Blitz-Angriff an - eine äußerst effektive Waffe, wenn man bedenkt, dass Rapture auf Wasser gebaut ist, welches bekanntlich Strom leitet. Auf diese Weise ergeben sich denkbar kreative Kampf-Taktiken: So könnt ihr einen Gegner etwa in eine Pfütze locken, um ihn dann gemütlich aus der Distanz zu grillen. Oder ihr lähmt mit einem Stromschlag seine Muskelfunktionen für einen kurzen Augenblick und bratet ihm in der Zwischenzeit eins mit der Rohrzange über.

Ähnliche Möglichkeiten eröffnet der Feuerball-»Zauber«: Mit seiner und der Hilfe verwaister Benzinkanister lassen sich wahre Flammenmeere unter den Feinden anrichten. Dann sollte allerdings kein Wasserbassin in der Nähe sein, in dem sich eine rasche Brandlöschung durchführen lässt. Besonders hinterhältige Spieler setzen dies jedoch wiederum als Taktik ein - denn ihr wisst ja jetzt wie Wasser und Blitze zusammen reagieren…

Einmal Gene Tonic, bitte!
Wiederum von »Half-Life 2« ließ man sich für die Telekinese-Fähigkeit inspirieren, die wie eine Zwillingsschwester der Gravity-Gun wirkt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Hindernisse aus dem Weg räumen und umher liegende Gegenstände im hohen Bogen auf heranstürmende Gegner schleudern. Um solche Kraftakte zu leisten, benötigt ihr eine Substanz namens Eve, die zum Glück zahlreich in den Gängen von Rapture zu finden ist - genauso wie Medipacks und Munition, die sich besiegten Gegnern entnehmen oder an Automaten mit dem entsprechenden Kleingeld kaufen lassen.

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Mit unheimlichen Schatteneffekte schwelgt BioShock in Atmosphäre.
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Neben den beschriebenen, eher aggressiven Eigenschaften könnt ihr euren Charakter außerdem mit zusätzlichen passiven Fähigkeiten ausstatten. Hierzu genügt ein kleines Nippen an einem »Gene Tonic«, einem genverändernden Cocktail, und schon verfügt ihr über eine erhöhte Lebensenergie oder saugt den Lerninhalt eines Semesters Ingenieurwissenschaft mit einem Mal in euch auf.

Was das bringen soll - außer einem plötzlichen Hunger auf Differentialgleichungen? Nun, wer (wie jeder Student) gerne andere die Drecksarbeit für sich erledigen lässt, der kann sich in die Sicherheitssysteme der Stadt hacken und sich mit kleinen, schwirrenden Kampfdrohnen umgeben, die fortan todesmutig ihren Mann für euch stehen. Hierfür müsst ihr allerdings zuvor ein »Pipe Mania«-ähnliches Knobelspiel lösen, das umso leichter zu bewältigen ist, je ausgeprägter eure Ingenieurs-Kenntnisse ausfallen.

Call me Daddy, Baby…
Während die ersten beiden Level des Spiels weitestgehend linear verlaufen, soll den Spieler im späteren Verlauf eine offene, KI-simulierte Welt erwarten - einen Umstand, den wir leider nicht bestätigen können, da diese Abschnitte noch nicht spielbar waren. »Die Linearität am Anfang ist pure Absicht«, verraten uns die Entwickler. »Wir wollen den Spieler zunächst behutsam an die Hand nehmen und ihm die Welt von Rapture vorstellen, bevor wir ihn seinen eigenen Pfad wählen lassen.«

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Die Big Daddys beschützen ihre Little Sisters.
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Was unter diesem »eigenen Pfad« zu verstehen ist, davon bekommen wir eine wage Vorstellung am Ende des zweiten Levels: Hier treffen wir erstmals auf einen Big Daddy, einen jener Riesenroboter, die die kleinen aber ganz und gar nicht unschuldigen Little Sisters auf ihrer Suche nach dem »Adam« beschützen. Adam wiederum ist jenes rätselhafte Genmaterial, um das sich in der Story von »BioShock« alles dreht, das euch eure Kräfte verleiht, seine Nutzer in den Wahnsinn treibt und Tote wieder zum Leben erweckt - auch euch, solltet ihr einmal den Bildschirmtod sterben.

Big Daddys sind übrigens nicht böse: Lasst ihr sie in Ruhe, dann ignorieren sie euch ebenso. Doch kommt ihr ihnen auf der Jagd nach Adam in die Quere, entbrennt ein Nerven aufreibender Kampf - an dessen Ende eine schicksalsschwere Entscheidung steht. Denn dann seht ihr euch der hilflosen Little Sister gegenüber und müsst wählen: Rettet ihr dem Mädchen das Leben, indem ihr von eurem kostbaren Adam abgebt? Oder beraubt ihr sie ihres Symbionten, um eure Kräfte zu stärken, und liefert sie damit dem sicheren Tod aus? Haben wir schon erwähnt, welch außergewöhnliches Spiel »BioShock« werden wird…