Autor: Matthias Grimm

Erst kürzlich am Stammtisch der Besserwisser. Besserwisser A: "Bei Spielen geht es nur um Eines: Es muss Spaß machen. Tolle Grafik und riesige Komplexität mögen schön und gut sein - letzten Endes sind sie aber völlig zweitrangig. Das beste Beispiel hierfür ist Tetris: Hässlich wie die Nacht und mega-simpel, aber eines der besten Spiele aller Zeiten!"

Besserwisser B: "Aber neulich hast du doch erst gesagt, sowas wie Hearts of Iron kann perfektes Gameplay bieten, wie es will, trotzdem würdest du es nicht mal mit dem Arsch angucken, so veraltet sähe das aus. Offenbar scheint dir die Grafik ja dennoch wichtig zu sein."

"Ähm, na gut. Aber wichtig ist trotzdem, dass das Spiel an sich gut ist. Nur wegen der Grafik würde ich kein Spiel der Welt kaufen, und sei es technisch auch noch so der Überflieger."

Bionicle Heroes - Launch TrailerEin weiteres Video

"Sicher? Warst du nicht erst neulich der Meinung, Gears of War sei keinen Deut anders als Quake 2 - aber allein die Grafik wär so geil, dass es zu deinem persönlichen Spiel des Jahres werden könnte?"

"Ja, aber auch nur, weil Quake 2 sowieso bis heute unübertroffen ist... Und überhaupt: Was willst du eigentlich? Tatsache ist doch: Wenn das Konzept oder das Gameplay eines Spiels nicht stimmt, dann kann die Grafik noch so gut sein, dann macht es keinen Spaß und dann will es keine Sau spielen. Oder nenn mir doch mal ein Spiel, das eigentlich völlig behämmert ist und auf das trotzdem jeder abfährt. Und komm mir jetzt nicht mit so 'nem Moorhuhn-Zeug - das spielen eh nur Bekloppte."

"Was ist denn mit Lego Star Wars? Das ist eines der genialsten Spiele der letzten Zeit - aber nicht, weil es als Spiel so genial wäre, sondern vor allem, weil die Kombination aus Star Wars und Lego so genial funktioniert. Das Spiel selber ist relativ belanglos..."

Bionicle Heroes - Was Lego Star Wars vor machte, macht Bionicle Heroes nach - genauso gut?

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"Nicht schlapp machen! Eins geht noch."
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"Meinst du? Zugegeben: Das Setting ist schon extrem geil und bringt mit Sicherheit den einen oder anderen Prozentpunkt. Aber das würde nicht ausreichen, stünde nicht ein passables Action-Adventure dahinter."

"Eben nicht. Nimmt man das Star Wars-Flair mit Lego-Charme weg, bleibt nur noch Ödnis übrig."

"Das kann ja jeder sagen, aber kannst du das auch beweisen?"

"In der Tat: Wirf einfach einen Blick auf Bionicle Heroes!"

Packshot zu Bionicle HeroesBionicle HeroesRelease: GBA: unbekannt
PS2: 22.1.2006
PC, Xbox 360: 22.11.2006
DS: 12.1.2007
Wii: 2. Quartal 2007
kaufen: Jetzt kaufen:

"Bionicle Heroes? Was ist das denn?"

"Das wird uns der Typ, der das hier schreibt, gleich sagen."

Des Kaisers neue Kleider
Unsere beiden Schlauberger haben es so weit so gut schon ganz richtig zusammengefasst: Mit »Lego Star Wars« und seinem Nachfolger gelang Traveller's Tales völlig überraschend ein kleines Meisterwerk. Nicht weil das Gameplay so originell, abwechslungsreich oder ausgeklügelt gewesen wäre - denn das war es keineswegs. Vielmehr weil es perfekt mit dem genial erdachten und exzellent ausgeschlachteten Lego-Star-Wars-Flair harmonierte.

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Ausgangspunkt einer jeden Mission: der Höllenschlund.
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Mit »Bionicle Heroes« schlägt der Entwickler nun in die vermeintlich selbe Kerbe, vergisst allerdings beim Ausholen, dass nicht jedes Franchise aus dem gleichen Holz geschnitzt ist. Dem entsprechend lässt sich der Spielinhalt der bionischen Helden zwar in fast identischen Worten zusammenfassen, als wolle man besagten Lego-Titel erklären, kommt aber dennoch zu einem nahezu gegensätzlichen Ergebnis, was den gefühlten Spaß dabei betrifft.

Ausgangspunkt einer jeden Partie ist wiederum eine Portalwelt, ähnlich Dexters Diner oder der Mos Eisley Cantina in den Vorgängern, von wo aus man die einzelnen Level betritt, sofern diese freigespielt wurden. Zwischen den Missionen kehrt man dorthin zurück, um mit den erbeuteten Punkten, sprich: Legosteinen, neue Ausrüstungsgegenstände, Kleidungsstücke oder Fähigkeiten für seine Charaktere zu kaufen.

Neue Helden bräuchte das Land
Während der Levels geht es dann vor allen Dingen um Eines: Ballern bis der Abzugsfinger Blasen bekommt. Das ist in den meisten Fällen ziemlich einfach und ebenso monoton. Vor allem auch, weil ihr zum Erbeuten der kostbaren Legosteine nicht nur auf alles schießen müsst, was sich bewegt, sondern auch auf den ganzen übrigen Plunder. Stundenlang auf eine Blume nach der anderen, jede Säule und jeden Stein zu bretzeln, motiviert schon nach wenigen Minuten nicht mehr.

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Mit Effekten spart Bionicle Heroes wahrlich nicht.
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Aufgelockert wird das Einerlei durch Rätsel, die diesen Namen nur leidlich verdienen: So trefft ihr hin und wieder auf bestimmte Stellen, bei denen ihr euch in einen der verschiedenen Bionicle Heroes transformiern müsst, um beispielsweise einen Schalter umzulegen, eine bestimmte Fähigkeit wie die Feuerresistenz einzusetzen oder in unerreichte Höhen klettern zu können. Meist genügt es dann, den Charakter zu wechseln, was ihr nur könnt, wenn ihr zuvor die entsprechenden Helden-Masken eingesammelt oder im Shop gekauft habt. Auch das kennt man in nur leicht variierter Form aus den Lego-Spielen.

Gelegentlich kommt es vor, dass ihr zunächst in den Supermodus wechseln müsst, um bestimmte Aktionen durchzuführen. Das gab es in »Lego Star Wars« noch nicht. Sonderlich spektakulär ist aber auch dieses Feature nicht. Denn auch dieses wird in erster Linie durch Monotonie erkauft: durch das eintönige »grinden« von Legosteinen nämlich. Sind genug beisammen, werdet ihr zum Superhelden und verfügt nun über gesteigerte Feuerpower und einzigartige Sonderfähigkeiten. Peter Parker hat als Spider-Man sicherlich mehr Spaß.

Spiel gut auf LSD!
Trotz seines eher als »minimalistisch« zu bezeichnenden Grafikstils gefiel »Lego Star Wars« auch von seiner technischen Seite mit tollen Reflexionseffekten und gelungenen Animationen. Auch bei »Bionicle Heroes« fällt als Erstes der protzige Look auf, der uns ob seiner verschwenderischen Pracht sogleich ein "Wow" entlocken lässt. Wohin man auch schaut, fast alles im Spiel ist mit einem unwirklichen HDR-Glüheffekt versehen, der dem Ausdruck »Grafikblender« völlig neue Dimensionen verleiht. Doch so schnell wie man besagtes "Wow" ausgesprochen hat, verfliegt die anfängliche Begeisterung wieder. Dass weniger manchmal mehr ist, hatte noch nie solche Gültigkeit wie hier.

Bionicle Heroes - Was Lego Star Wars vor machte, macht Bionicle Heroes nach - genauso gut?

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"I am the God of Hellfire..."
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Stellt man nämlich die beiden Spiele mit der Lego-Marke unmittelbar nebeneinander, versteht man sofort den Unterschied zwischen einer Grafik, die lediglich die Power ihrer technischen Möglichkeiten auskostet, und einer, die wirklich einfallsreich und liebevoll gestaltet ist. Immerhin: Bei dieser Farbenpracht könnt ihr euch den Weg zum LSD-Dealer eures Vertrauens in Zukunft sparen. Auch der Sound unterstützt den vorherrschend monotonen Eindruck des Spiels mit allen Regeln der Kunst: Zwar existieren einige situationsabhängige Musikstücke, doch hängen diese so schnell in ihrer kurzen Loop fest, dass sich alsbald der Griff zum Lautstärkeregler als einziger Ausweg anbietet.

(P.S. »Spiel gut« ist übrigens die deutsche Übersetzung für das dänische »Lego«.)