Für Capcom ist 2009 ein Jahr der großen Wiedersehen. Neben neuen Teilen von Street Fighter und Resident Evil schickt der Publisher auch einen weiteren Helden aus der Jugend betagterer Zocker in den Kampf um die Spielergunst: Bionic Commando ließ Ende der achtziger Jahre Münze um Münze in den Schlund gieriger Arcade-Automaten verschwinden. Wer nicht sein ganzes Geld für die Dampfhammer-Action auf den Kopf hauen wollte, schaffte sich das Game auf dem NES an – und die Konsole gleich mit.

Das war immerhin günstiger, als den Wert eines heutigen Mittelklassecomputers in ein Spielhallenerlebnis der explosiven Art zu investieren. Wenn sich auch die Technik seit 1988 stark weiterentwickelt hat, so hat eine Diskussion nichts an ihrer Hitzigkeit verloren: Bionic Commando hatte auch von 20 Jahren schon seine Probleme mit Jugendschutz, Zensur und besorgten Medienkritikern. Damals wurde der Titel sogar in den Gewaltliberalen USA entschärft und um seine Nazi-Thematik erleichtert. Schwimmen hat der Titelheld in all den Jahren allerdings immer noch nicht gelernt.

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Rückkehr wider Willen

Die Lorbeeren teilten sich bei Erscheinen der Bionic Commando-Urform noch die beiden Haudegen Joseph „Super Joe“ Gibson und Nathan Spencer, genannt RAD. Nachdem sie in einer tollkühnen Aktion die Verbrecherorganisation Albatross zerschlugen, begann ihre Karriere beim Militär. Für die Rettung des Staates gab „Rad“ seinen linken Arm, der durch ein Bionik-Implantat ersetzt wurde. Spencer konnte es mit diesem Gadget als Einzelkämpfer mit einer ganzen Armee aufnehmen.

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Bevor das Abenteuer beginnen kann, sucht unser Held erst einmal seine Körperteile zusammen.
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Gibson wurde der Vorgesetzte von Spencer und schickte ihn auf eine Mission, in der er das erste Mal die Befehle Gibsons in Frage stellte. Gibson schaffte es nicht, Spencer vor der Regierung zu retten, als die Bionik als eine Gefahr für die Öffentlichkeit hochstilisiert wurde. Wegen Befehlsverweigerung mit fatalen Folgen wurde Nathan vor ein Militärgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Am Tag der Vollstreckung wird er aber von „Super Joe“ begnadigt und wieder in den Dienst gestellt.

Der Anlass dafür ist ein trauriger, denn eine Terrorvereinigung hat die Metropole Ascension City atomisiert. Zahl der Überlebenden: Null. Das ist die Stunde, in der Helden wie „Rad“ wieder gebraucht werden. Mit seinem bionischem Arm hat er als einziger verbleibender Kämpfer der Bionic Commandos das Zeug, den Terrorbuben das Handwerk zu legen. Seine Suche nach den Drahtziehern beginnt er dementsprechend in den Ruinen Ascension Citys. Dort haben die Verbrecher noch immer ihre Posten bezogen – Grund genug, den Akt der Vergeltung genau hier zu starten.

Packshot zu Bionic CommandoBionic CommandoErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Künstlicher Arm, authentische Action

Bevor er sich aber in das Schlachtfeld, das vor wenigen Stunden noch eine lebhafte Metropole war, stürzen kann, muss er noch sein bionisches Kampfimplantat suchen. Das nahm man ihm bei seinem Gang in die Todeszelle vorsichtshalber ab. Die Spieler werden schnell merken, dass das eine weise Entscheidung war, denn in einem verwüsteten Bürogebäude wird Spencer schnell wieder fündig und kann erneut mit verstärkter Kraft seinem Rehabilitierungseinsatz entgegen sehen. Gleichzeitig wird es wohl auch sein spektakulärster Fall sein.

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Was ist nur aus der Nachbarschaft geworden? Spencer schwingt sich durch Ruinen.
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Das Ausmaß der Zerstörung lässt keinen Bereich unberührt. Wenn Spencer aus einem Wandloch im Bürogebäude schaut, sieht er nichts weiter als Trümmer und Geröll. Ein normal begabter Soldat käme nicht weit, für „Rad“ ist das mit seinem künstlichen Arm kein Problem. Noch hat er aber seine Erinnerung nicht wieder erlangt und muss sich mit den Grundfunktionen des technischen Wunderwerks vergnügen.

Diese sind aber für den Anfang völlig ausreichend: Über unwegsames Gelände schwingt er mit der Teleskopfunktion hinweg, Gegner kann er aus der Ferne greifen und sich dann mit vorgestreckter Faust zu ihm ziehen und ihm einen technischen Knockout verpassen. Den Rest erledigt er mit Waffengewalt. Pistolen, Automatikwaffen, Scharfschützengewehre oder Raketenwerfer verrichten hier zuverlässig ihren Dienst. Später benutzt er auch die Umwelt, um sich größerer Gegnerscharen zu entledigen.

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Technik trifft Natur: Spencer teilt auch im Idyll mächtig aus.
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Trümmer, herumliegende Autos oder ganze Stahlträger eignen sich ganz besonders als Wurfgeschosse, wenn die Munition mal knapp ist. Glücklicherweise werden Gegner automatisch anvisiert. Im Handgemenge geht sonst mitunter der Überblick verloren, da ist die Anzeige eine erhebliche Erleichterung. Mit seinem Gadget-Greifer kann sich Spencer an höher gelegenen Punkten festkrallen und hochziehen. Natürlich kann er sich auf diese Weise auch ein oder zwei Etagen tiefer abseilen.

So schön kann die Rückkehr brachialer Actionhelden aussehen: Bionic Commando gibt sich technisch attraktiv und bietet Action satt.Ausblick lesen

Der optimale Greifpunkt, an dem sich der Arm verankern kann, wird ebenfalls angezeigt. Manchmal muss er sich über längere Strecken zu einem Ziel hin schwingen, wobei er mit Schwung, etwas Übung und richtigem Timing gefährliches Terrain wie abgrundtiefe Schluchten oder Flüsse überwindet. Schwimmen kann Spencer nämlich mit dem schweren Arm nicht, im Wasser ist er so hilflos wie seine Gegner, wenn er direkt vor ihrer Nase auftaucht.

Auf der Suche nach dem Terrorchef durchsucht „Rad“ nicht nur jeden Stein im ehemaligen Ascension City, sondern auch die Reste der hiesigen U-Bahn, zerklüftete Gebirgslandschaften und unbelassenes Naturgebiet. Ob sich die frische, unverbrauchte Luft dort auf den Kampfgeist auswirkt? Jedenfalls kann unsere Spielfigur sich auch dort prima durch eine Unzahl an Feinden prügeln, ballern und schwingen. Die Bosskämpfe laufen selbstverständlich nach klassischem Muster ab: Beeindruckt die Kinnlade herabsinken lassen, Schwachstelle suchen und immer feste ran an den Feind.

Legenden am Mikrophon

Die gezeigten Szenen boten nicht nur ein rasantes Gameplay, bei dem die Spieler kaum Zeit zum Nachdenken haben, sondern auch Next-Gen-Grafik, die dem Endzeit-Szenario von Fallout 3 in nichts nachsteht. Aber auch die Naturgebiete sind mit viel Liebe zum Detail auf die Spielmaschinen übertragen worden. So sieht der alte Achtziger-Hero also in einem zeitgemäßen Mantel der neu hinzugewonnen technischen Möglichkeiten aus: Herrliche Wasserreflexe, optisch reizvolle Kulissen und knallige Kampfeffekte führen weit weg von der Tatsache, dass die Frontschweine vom Bionic Commando bereits durch die Bauklötzchengrafik der 8-Bit-Ära stiefelten.

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Ganz schön Mondän: die Zentrale des Terrors.
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Wer diese Zeit noch mitbekommen hat und auch schon damals mit Super Joe und Rad seinen Arcade-Spaß hatte, könnte ein musikalisches Deja-Vu erleben. Der Soundtrack ist eine orchestrale Aufarbeitung des Originals von 1988, das sich wirklich hören lässt. Passend pompös untermalt er die dramatischen Kampfszenen, Bosskämpfe und auch die tragischen Momente, wenn das Ausmaß des Terroranschlags deutlich wird. Das Leitthema des Automatenklassikers begegnet den Spielerohren aber auch immer wieder in der modernen Fassung. Für Fans gediegener Film- und Spielmusik ein absoluter Hörgenuss.

Eine deutsche Synchronisation wurde von Capcom bereits im Vorfelde kategorisch abgelehnt. Deutsche Untertitel werden bei den Dialogen aber auch völlig ausreichen und wenn interessierte Zocker die Liste der Mitwirkenden durchgehen, könnten sie über den Namen Mike Patton stolpern. Das Gesangsgenie spricht Spencer und wird Rockfans durch sein umtriebiges Schaffen sicherlich ein Begriff sein: Als Sänger der jüngst reformierten Faith No More konnte er sich einen legendären Ruf erarbeiten und passt seine Stimme ebenso gut an den Charakter des Nathan Spencers an. Den Mann muss man im Original genießen!

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Im Multiplayer-Modus werden die Spieleserver zu „Schwingerclubs“.
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Auch ein Mehrspielerpart soll mit im Paket enthalten sein, bei dem Duelle gegeneinander ausgetragen werden können, sowie gemeinschaftlich die Terrorgefahr Kraft biologischer Technologie begegnet wird. Mit der Technik von heute und den Helden von gestern zeigt sich, dass die Welt der nahen Zukunft in einer kraftvollen Umgebung, die wahrscheinlich den Konsolenspielern den meisten Gewinn bringen wird. Mit dem Joypad werden es die Spieler doch etwas einfacher haben als mit Maus und Tastatur.