Das Remake-Fieber hält nicht nur Hollywood seit einigen Jahren im festen Griff. Auch die Spiele-Branche greift immer öfter auf "alte Schinken" zurück, wärmt "olle Kamellen" auf und beschreitet damit ausgetretene Pfade. So auch mit Bionic Commando, das in seiner Originalversion bereits 1988 (NES) erschienen ist. GRIN und Capcom haben das 3rd-Person-Actionspiel natürlich an moderne Verhältnisse angepasst. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass der Spieleklassiker deshalb unbedingt auch zu neuer Höchstform auflaufen muss.

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Aufbackbrötchen

Ein altes Erfolgsrezept aufzuwärmen war noch nie eine Garantie für Qualität. Dessen ist man sich im Hause Capcom wohl bewusst und daher lotst man den Spieler zu Beginn durch einige Tutorial-Missionen. Diese sind auch dringend notwendig, denn die Steuerung des Helden Nathan Spencer ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Trotz dieser Einführung benötigt man mitunter eine ganze Weile, bis man das Handling der Spielfigur wirklich meistert. Eine ganze Reihe von Bildschirmtoden wird euch bis dahin sicher sein.

Bionic Commando - Das Ding mit dem Schwing

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Den nächsten "Hangelpunkt" zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach und mündet in Trial & Error-Passagen.
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Spencer ist kein gewöhnlicher Mensch. Seine Hauptwaffe besteht aus einem millionenteuren bionischen Arm, der nicht nur extrem stark ist, sondern auch einen Greifhaken verschießen kann. An diesem ca. 20 Meter langen Kabel hangelt ihr euch in Spider-Man-Manier durch die Häuserschluchten einer in Ruinen liegenden Stadt. Bis ihr die Feinheiten der Steuerung bewältigt, werdet ihr jedoch diverse Male in den Abgrund stürzen.

Das allein sorgt jedoch nicht unbedingt für euer virtuelles Ableben. Dafür verantwortlich ist entweder die überall lauernde Radioaktivität, die gleichzeitig als Spielwelt-Begrenzer dient. Als ebenso tödlich entpuppen sich häufig bereits kleinere Wasserlachen. Der immens schwere Arm zieht euch binnen Sekunden in die "Tiefe", wenn man mit seinem Greifer nicht in letzter Sekunde Halt findet und sich aus dem Schlamassel zieht. Viel frustrierender sind jedoch überall lauernde radioaktive Wolken.

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Fliegende Mechs bieten eine spielerische Herausforderung, Schusswaffen allein bringen jedoch selten Erfolg.
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Nur wenige Sekunden genügen, um uns den Garaus zu machen - mitunter reicht dafür ein Schwung in die falsche Richtung. Das ist häufig nicht nur unfair, z. B. wenn man um eine uneinsehbare Ecke schwingt oder auf einem Dach verschnaufen will, sondern gleichzeitig höchst stressend und nervig. Immer wieder scheitert man an Trial & Error-Passagen, die für massenweise unnötige Tode verantwortlich sind - und den zweifelhaften "Genuss" von langen Ladezeiten und teilweise ungünstig gesetzten Speicherpunkten bescheren.

Der Held hat Gewicht

Solch unnötigen Ballast hätte Bionic Commando eigentlich gar nicht nötig. Von diesen negativen Aspekten abgesehen macht es nämlich schon Spaß, sich durch die wirklich hübsche Kulisse mit netten Lichteffekten zu schwingen, trotz überwiegender Level-Linearität den optimalen Weg zu suchen und Bonusgegenstände mit kniffligen Manövern einzusammeln. Dabei treten nicht nur die spielerischen Herausforderungen in Erscheinung, mit denen man neue Funktionen bzw. Fertigkeiten freischaltet. Das Handling des Alter Egos stellt auch deshalb eine besondere Aufgabe dar, weil sich der Schwingrhythmus deutlich von beispielsweise Spider-Man unterscheidet.

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Im Nahkampf sollte man schnell sein, sonst drohen Onehit-Kills.
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Den richtigen Moment zum Loslassen zu finden, ist anfangs gar nicht so einfach und erfordert gutes Timing und Geschick - was den Spielablauf interessant macht. Man erhält so tatsächlich das Gefühl für das Gewicht des Protagonisten. In Kombination mit den lauernden Gefahren entstehen teilweise verzwickte Situationen, aus denen man sich nur mit taktischer Raffinesse und Skill retten kann. So kombiniert man die Fertigkeiten des bionischen Arms mit Schusswaffengewalt und zieht Feinde zu sich heran, schleudert Objekte auf Gegner oder gibt ihnen mit der Pistole den Rest.

Leider kommen diese Momente zu selten vor. Häufig bahnt man sich seinen Weg, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Die Level bieten einen schönen, aber auf Dauer eintönigen Hintergrund für Kletterpartien, Feinde sind jedoch meist rar gesät. Nur um dann im Sechserpack oder gleich dutzendweise aufzutreten. Der Rhythmus des Spiels stimmt insgesamt einfach nicht und kann daher nicht durchgängig überzeugen. Trifft man auf die Widersacher, ähneln sie sich in der Regel wie ein Ei dem anderen. Abwechslung ist hier Mangelware. Zu allem Überfluss macht das Ballern auch nicht wirklich Spaß.

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Die Kombination der verschiedenen Fertigkeiten sorgt bisweilen für taktische Kämpfe.
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Das Waffenarsenal hinterlässt einen wenig durchschlagkräftigen Eindruck, wenn man mal vom Raketenwerfer und dem Scharfschützengewehr absieht. Die Schusswechsel mit den wenig cleveren KI-Feinden sind unbefriedigend, was auch an den armseligen Waffensounds und dem schlechten Trefferfeedback liegt. Nathan Spencer kann seinerseits nur sehr wenig einstecken, einige wenige Kugeln sorgen für ein schnelles Missionsende - im Nahkampf geht man sogar nach lediglich einem Volltreffer in die Knie.

Viel Leerlauf

Das ständige Auf und Ab zwischen minutenlangem "Herumgeschwinge", Abklappern von Wegpunkten, gelegentlichen Konfrontationen mit den kleinen und großen Feinden und Geschicklichkeits- übungen kann nicht wirklich lange faszinieren und vor den Bildschirm fesseln. Schnell wirkt Bionic Commando repetitiv, zumal die mal wieder wenig überzeugende Reißbrett-Story kaum überzeugen kann und wenig Spannung versprüht.

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Zum Abschluss: ein Bild zu Genießen.
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Der eher unsympathische Held sorgt darüber hinaus kaum für Identifikationspluspunkte. Trotz der herausfordernden Steuerung und des wenig Fehler verzeihenden Spielablaufs entsteht kaum einmal das Gefühl, eine hohe Spieltiefe geboten zu bekommen. Durch die vielen Begrenzungen will sich auch keine Illusion einer freien Spielwelt einstellen, zu schnell stößt man an ihre Grenzen und wird von ihrer Linearität eingeholt. Daran können auch die guten, aber seltenen Bosskämpfe kaum etwas ändern.

Den Klassiker-Status des Originals erreicht Bionic Commando nie, unterhält aber trotzdem für ein paar unkomplizierte Stunden.Fazit lesen

Von übermäßiger Inspiration ist beim Multiplayer-Modus wenig zu spüren. Nach ca. 8-10 Stunden Einzelspielerkampagne täte ein wenig Abwechslung gut, doch die Fights gegen andere Spieler wirken höchstens wie ein kleiner Snack, dessen man schnell überdrüssig wirkt. Man bekommt zwar die üblichen Deatmatch- und Capture the Flag-Modi geboten, spannende Gefechte entwickeln sich dabei jedoch nur selten.