"Ein Roboter darf einen Menschen nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass ein Mensch zu Schaden kommt." Diese grundlegende Regel der asimovschen Robotergesetze prägte weite Teile der Science-Fiction-Literatur seit Mitte der 40er Jahre. Der Gedanke dahinter: Wie gehen wir mit Maschinen in unserer zunehmend technologisch bestimmten Gesellschaft um? Genau dieses Thema steht auch im Mittelpunkt des 3rd-Person-Shooters Binary Domain.

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Wir schreiben das Jahr 2080 und die Welt hat sich rasant verändert. Umweltkatastrophen haben das Bild des Planeten drastisch beeinflusst, ohne Heerscharen von Robotern wäre ein Überleben und Wiederaufbau kaum zu bewerkstelligen. Doch der japanische Amada-Konzern geht noch einen Schritt weiter und erschafft illegal humanoide Maschinen, die von normalen Menschen nicht zu unterscheiden sind. Dieser Verstoß gegen "§ 21 der Genfer Konvention" provoziert das Eingreifen einer Spezialtruppe, deren Mitglied ein gewisser Dan Marshall ist.

Bin ich Mensch oder Maschine?

Das ist der Auftakt einer interessanten Handlung, die an Isaac Asimovs Geschichten in "I Robot" und ähnlichen Romanen erinnert. Die Kernfrage: Wie gehen wir mit erbauten Kreaturen um, die plötzlich ein Bewusstsein entwickeln? Spinnt man diesen Gedanken weiter, landet man schnell in metaphysischen Diskussionen, ob es sich dann um lebende Wesen handelt oder schlicht intelligente Maschinen.

Wer kennt nicht Star Treks "Lieutenant Commander Data", der sich in sieben Staffeln ST: TNG und einigen Kinofilmen mit dieser Krux beschäftigt? Binary Domain schneidet diese Fragen oft nur an, und doch wird der Zwiespalt der Figuren immer wieder deutlich, wenn die Grenzen zwischen Technik und Mensch verwischen und nicht mehr klar ist, welchen Prinzipien man folgen soll.

Binary Domain - Hier bin ich Mensch, hier schieß ich rein

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I‘ll be back!
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Diese Geschichte wird in den etwa zehn Stunden Spielzeit Genre-üblich überwiegend mithilfe von dramatischen Zwischensequenzen erzählt: Die oft schön inszenierten Abschnitte bringen uns die Protagonisten näher und erzählen von teils moralisch erstaunlichen Wendungen. Manches Mal übertreibt es Sega jedoch mit arg stereotypen Charakterdarstellungen.

Warum etwa sind alle Amis laute Draufgänger oder Engländer arrogante Snobs, weshalb muss eine unglaubwürdige Liebesgeschichte an den Haaren herbeigezogen werden? Solche platten Darstellungen und übermäßige Klischees trüben bisweilen die spannende Ausgangslage eines Spiels, das oftmals gar an stilprägende Titel wie Gears of War erinnert.

Packshot zu Binary DomainBinary DomainErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Der Vergleich ist schnell bei der Hand, denn auch Binary Domain vertraut auf ein allgegenwärtiges und überwiegend gut funktionierendes Deckungssystem als Grundstein der Ballermechanik. Ich verschanze mich auf dem Weg durch die Tokioter Slums, Abwasserkanäle, Bahnwaggons oder Oberwelten also hinter allen möglichen Hindernissen, um dem Beschuss der "Blechbüchsen" zu entgehen, feuere aus sicherer Deckung gezielt oder blind darüber hinweg und hechte oder sprinte so die engen und linear gestalteten Levels entlang.

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Die Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine fällt nicht immer so leicht.
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Das funktioniert trotz einiger hakeliger Passagen überwiegend problemlos, nur in zwei Punkten hat man das GoW-Prinzip schwach übernommen: Zum einen ist es nicht möglich, sich um eine Kiste oder Säule herum zu bewegen, ohne die Deckung zu verlassen. Zum anderen ist der Nahkampf eine große Pein, da die Attacke viel zu unpräzise und behäbig ausgeführt wird.

Dass die Ballerei gegen die Roboter trotz der zu wenig abwechslungsreichen Modelle auch nach Stunden nicht öde wird, liegt an mehreren Faktoren. So etwa an der hervorragenden Darstellung der Feind-Maschinen, denen unter Beschuss die Blechteile wunderschön in Fetzen um die Ohren fliegen. Es ist sogar möglich, einzelne Teile - etwa die Beine - gezielt wegzuschießen und die metallenen Kämpfer so teilweise außer Gefecht zu setzen.

Spaßiges Robo-Geballer mit metaphysischer Daseinsfrage.Fazit lesen

Sehr cool: Auf diese Art derangierte Blechdosen ziehen sich wie "Terminator" mit ihren Armen voran auf mich zu - Furcht einflößend! Ein weiterer Vorteil: Ihr kassiert mehr Credits, wenn ihr Bots feinsäuberlich auseinandernehmt, anstatt sie gleich wegzupusten. Die Umgebung ist dagegen leider fast gar nicht zerstörbar.

Titanische Bosskämpfe

Ein weiteres Plus stellen die üppigen Bosskämpfe dar. Hier ein paar mechanische Arme und Beine wegballern, dort Räder funktionsuntüchtig machen, der Ritt auf einem Super-Roboter und noch einiges mehr. Um das Ganze aufzulockern, streut Sega zudem eine Reihe von Fahr- und Railshooter-Passagen ein, von denen manche aber zu lang ausgewalzt werden.

Zwar ist dem Spiel sein redliches Bemühen um Abwechslung deutlich anzumerken, doch wirken die hierfür erdachten Spielmechaniken oftmals aufgesetzt. So beispielsweise das Beziehungssystem zu euren Squad-Kameraden. Ja, wir wurschteln uns nicht allein durch den Techno-Krieg, sondern werden von militärischen Gefährten begleitet, denen wir sogar Anweisungen geben können. Je nachdem, wie wir uns im Gefecht und einigen Dialogen verhalten, folgen die Begleiter den Befehlen mehr oder weniger trotzig.

Es ist übrigens möglich, diese Kommandos via Sprachsteuerung zu kommunizieren. Eine hundertprozentige Erkennung der Stimme ist jedoch nicht gelungen, sodass viele Instruktionen im Daten-Nirwana landen und man doch lieber auf die alternative Pad-Steuerung zurückgreift.

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Das Schadenssystem erlaubt herrliche Zerstörungen.
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Ob ich den solide vertonten Gefolgsleuten aber nun Befehle zurufe oder mich mit ihnen gut stelle, scheint am Ende ohne große Wirkung für den Spielablauf zu bleiben. Würde sich die unglaubwürdige Romanze auch ereignen, wenn ich die Figur in den Dialogen vollkommen missachte? Am Ende folgen mir wohl ohnehin alle Begleiter in den nächsten Level. Es bleibt zudem ohne spürbare Konsequenzen, ob ich meine Wumme (und die meiner Kameraden) im Shopsystem aufrüste und sie in Bereichen wie Reichweite, Schussrate oder Feuerkraft aufwerte.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Binary Domain einen Mehrspieler-Modus besitzt, dem meiner Meinung nach eine entscheidende Komponente fehlt: der Koop-Modus für die Kampagne. Gewiss, nicht jedes Spiel benötigt dieses Feature, hier hätte es aber sicher sehr gut gepasst. Während der Versus-Mode eine Reihe kompetitiver Standard-Gefechte ermöglicht, gefällt mir dagegen der Invasion-Modus besser. Gemeinsam mit drei weiteren Spielern wehren wir online anstürmende Wellen feindlicher Roboter ab, wofür sogar ein gut funktionierendes Klassensystem zur Verfügung steht.