Schlechte Zeiten für die Intelligenz. Glaubt man den Forschungsergebnissen der letzten Jahre, wird die Jugend in Deutschland immer dümmer - Stichwort: Pisa-Studie. Doch glücklicherweise gibt es auch im Bereich der digitalen Unterhaltungsindustrie immer wieder Versuche, der allgemeinen Verblödung Einhalt zu gebieten.

Besonders Nintendo tut sich in dieser Hinsicht hervor und schenkt uns Titel, die sich aktiv an die grauen Zellen der Zocker wenden. »Big Brain Academy« ist so ein Beispiel. Nachdem das Programm zunächst auf dem DS einen großen Erfolg verbuchen konnte, haben die Entwickler mit der Wii-Version nachgelegt. Das war eine gute Idee. Eine wirklich gute Idee.

Kopfnuss
»Big Brain Academy« versteht sich selbst als sportlicher Wettkampf, bei dem die Teilnehmer ihre grauen Zellen zu Hochleistungen antreiben. Um dies zu erreichen, werden nacheinander auf Zeit diverse Gedächtnisaufgaben gelöst. Nach dem Start wird man zunächst vom Wii-üblichen Dudelterror und einer Menge unvertonter Sprechblasen durch Professor Lobo begrüßt. Der Akademie-Leiter begrüßt den Spieler und übernimmt die Einführung in die Übungen sowie deren spätere Auswertung.

Big Brain Academy - Die Pisa-Studie kann kommen: In dieser Akademie macht lernen Spaß.

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Gemein: abgerichtete Maulwürfe mit Sprengfallen.
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Außerdem führt der gute Mann Buch über die intellektuellen Fortschritte des Probanden. Der Professor sieht irgendwie ein bisschen aus wie ein Kondom mit Stummelarmen, dessen Gesicht entfernt an Kaiser Hirohito erinnert. Das aber nur am Rande; neben den Erklärungen gibt er nach jeder Runde launige Kommentare zu den Ergebnissen ab. Das nervt auf Dauer schon ein wenig, zumal sich die Sprüchlein des guten Mannes schnell wiederholen.

Wer sich zum ersten Mal in der Big Brain Academy aufhält, kann zunächst einmal die Aufgaben im Übungsbereich durchgehen. Dabei kann man alle 15 verschiedenen Übungen nacheinander trainieren, um eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Wer gerne zwischendurch die eigene Fitness testen möchte, unterzieht sich einer fünfteiligen Prüfung, in der die eigene Gehirnmasse ermittelt wird.

Packshot zu Big Brain AcademyBig Brain AcademyRelease: DS: 7.7.2006
Wii: 2. Quartal 2007
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Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen: Der Ausdruck steht hier für den spielerischen Fortschritt. Denn während Hardcore-Zocker nach einer 24-stündigen LAN-Party vermutlich über das Hirnvolumen einer Erbse verfügen, werden regelmäßige Konsumenten der Akademie wohl schon bald einen Hirndurchmesser haben, mit dem sie nicht mehr durch die Zimmertür passen.

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Liebe Kinder, jede Droge lässt den menschlichen Verstand anders reagieren.
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Das alles ist natürlich nicht sonderlich ernst zu nehmen, denn wirklich schlauer - oder dümmer - machen kann das Programm sicherlich nicht. Auch wenn Nintendo dies sicherlich gerne so verkünden würde. Und bevor uns die LAN- und eSport-Gemeinden an die Kehle gehen: Wir wissen, dass man auch nach ausgedehnten Mehrspielerturnieren nicht zum sabbernden Fruchtzwerg wird. Aber Übertreibung macht nun einmal anschaulich.

Gehirndauerlauf
Einer der größten Pluspunkte des Programms liegt zweifellos in seiner Zugänglichkeit. Selbst Neulinge an der Wii werden ohne Umschweife die ersten Übungen schon nach kurzer Zeit absolvieren können. Auch der Schwierigkeitsgrad sollte kein Hindernis darstellen. Von Erbsengehirn (einfach) bis zu Superbrain (schwierig) sind die Anforderungen einstellbar, so dass selbst die Dieter Bohlens dieser Welt schnell zu ansehnlichen Erfolgen gelangen können.

Die Übungen gliedern sich in fünf Teilbereiche: Vision, Piktura, Analyse, Algebra und Memoria. Während man für den ersten Bereich insbesondere ein schnelles Auge benötigt, trainiert man beim zweiten seine bildliche Auffassungsgabe. Analyse verlangt ein strukturiertes Denken, denn für die entsprechenden Minispiele sollte man gut Schlussfolgerungen ziehen können. Algebra fordert - wer hätte das gedacht - mathematisches Denken, und Memoria schult das Gedächtnis.

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Auffällig, aber natürlich nicht gedopt: Bluttestwerte bei Radprofis.
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Zu jeder dieser fünf Kategorien gibt es drei verschiedene Übungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsabstufungen. So muss man sich beispielsweise beim Gedächtnisspiel »Käfigdreh« merken, in welchen Drahtverhauen Vögel versteckt sind. Die werden zu Beginn kurz gezeigt, danach abgedeckt und dann fleißig hin und her getauscht. Dann gilt es, blitzschnell mit der Wii-Mote die entsprechenden Käfige anzuklicken. Das erinnert sehr an die beliebten Hütchenspiele, die man - leider - immer noch auf der Straße antrifft. Nur ist die Angelegenheit auf der Wii harmlos. Also ohne Betrug, und ausgeraubt wird man auch nicht. Das senkt zwar die Spannung, ist aber entschieden besser für die Gesundheit.

Wer es mehr mit dem bildlichen Denken hat, der wird sicherlich bei Spielchen wie »Fehlerbild« größere Erfolge erzielen. Dabei werden vier kleine Abbildungen gleichzeitig auf dem Bildschirm eingeblendet. Eine von ihnen weist gegenüber den anderen einen Fehler auf. Je schneller man ihn findet und das entsprechende Bild anklickt, desto mehr Punkte sackt man ein.

Wer es lieber ein wenig brutal mag, der zückt den Hammer und haut kleinen grinsenden Maulwürfen auf den Kopf, über denen das gleiche Symbol eingeblendet wird wie am oberen Bildschirmrand. Ist man dabei zu langsam, verschwindet der Grinsegeselle wieder, und man geht leer aus.

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Die Tricks der Hütchenspieler werden auch immer fieser.
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Über Erfolg oder Misserfolg führt der Professor übrigens penibel Buch. Die eigenen Fortschritte - oder auch Rückschritte, je nachdem - kann man jederzeit in seinem persönlichen Studienbuch nachlesen. Angeber verschicken die Dinger über WiiConnect24 in alle Welt und zeigen so der Wii-Gemeinde, wo der Hammer hängt.

Mehr Hirn!
Besonders spaßig sind natürlich auch bei »Big Brain Academy« die Mehrspielermodi. Bis zu acht willige Hirnsportler können sich miteinander in den verschiedenen Disziplinen messen. So müssen beim »Gehirnsprint« zwei Teams versuchen, eine festgelegte Anzahl von Minigames in so kurzer Zeit wie möglich zu lösen. Das verursacht nicht nur eine Menge Lärm, sondern geht auch gewaltig auf's Tempo.

Ganz anders geht's beim »Gehirnmarathon« zur Sache. Da ist nämlich Gemeinschaftsarbeit angesagt. Bis zu acht Probanden müssen so viele Aufgaben wie möglich fehlerfrei hintereinander lösen. Der Clou: Die Wii-Mote wird von einem zum nächsten Spieler weitergereicht.

Derjenige, der versagt, beendet den Marathon. Das kann je nach Gruppe natürlich unterschiedlich schmerzhafte Auswirkungen auf den Pechvogel haben. Wir empfehlen Nachsicht und einen Neustart. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

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Neues Verkehrsschild eingeweiht: Testparcours für Vati nach der Betriebsfeier.
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Wer es ruhiger mag, versucht sich im Quizzen. Dabei treten zwei Teams oder Einzelpersonen gegeneinander an. Aus einer Reihe von Quizfeldern wählt man ein Kategoriesymbol aus. Welche Aufgabe und welcher Schwierigkeitsgrad sich dahinter verbergen, wird erst danach aufgedeckt. Innerhalb einer vorgegebenen Zeit muss das entsprechende Minispiel so oft wie möglich wiederholt werden, um eine hohe Punktzahl zu erreichen. Nach Ablauf der Zeit wandert die Wii-Mote zum nächsten Spieler.

Egal wofür man sich entscheidet, mit den richtigen Teilnehmern macht jedes der Spiele echt Laune. Die Konzepte sind gut durchdacht, und infolge der relativ einfach gehaltenen Präsentation reagiert die Fernbedienung stets extrem schnell und ohne Aussetzer.

Das ist natürlich angesichts der Tatsache, dass man bis auf gezieltes Klicken nicht viel mit der Wii-Mote zu tun hat, wohl eher eine Selbstverständlichkeit. Aber gerade bei hektischen Spielsituationen wird der weiße Knüppel schon mal heftig hin und her geschwungen. Trotzdem zieht der Bildschirmzeiger nicht nach und reagiert präzise.

Technisch sollte man natürlich nicht allzu hohe Ansprüche an die Gehirnschinderei stellen. Wie für Spiele dieser Art üblich, ist die Grafik denkbar einfach gehalten, und der Sound äußert sich in dem für Nintendo typischen Gedudel. Das macht aber nichts. Viel wichtiger als technischer Overkill ist und bleibt nun einmal die Idee, und die ist bei »Big Brain Academy« mehr als gelungen. Für Besitzer von Nintendos Herumfuchtel-Konsole ist das Programm definitiv ein Pflichttitel. Unbedingt mal anschauen!