Profane Spiele kann jeder - die französischen Entwickler Quantic Dream spezialisieren sich lieber auf interaktive Abenteuer. Spiele, die eigentlich Filme sind, aber als Games geboren werden. Oder so ähnlich. Nach Heavy Rain folgt jetzt das noch ehrgeizigere Beyond: Two Souls. In den Hauptrollen: zwei Hollywood-Schauspieler.

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Willem Dafoe und Ellen Page schlüpfen in die Rollen von Nathan Dawkins und Judy Holmes. Von den Mimen ist im Motion-Capture-Raum nur noch die Aura zurückgeblieben - sie haben ihre Arbeit bereits vor Wochen beendet. Firmengründer David Cage präsentiert aber genau dort den neuen Hoffnungsträger, der laut seinen Angaben das ambitionierteste Projekt der Firmengeschichte ist. In der Pariser Firmenzentrale werkeln knapp 200 Mitarbeiter in kleinen Teams an dem Nachfolger von Heavy Rain, der aber keine Fortsetzung sein soll.

Das im Oktober erscheinende Spiel, so Cage, sei bei der Entwicklung auch von der PS4 gestreift worden. Einige Techniken würden demnach in etwas abgeschwächter Form für die PS3 genutzt. Quantic Dream hat schon länger Zugriff auf die Playstation 4, die nächste Sony-Konsole wird als Plattform für das kommende Werk der Franzosen dienen. Doch davon soll an anderer Stelle erzählt werden, jetzt geht es um das Abenteuer von Judy Holmes - und ihren gespenstischen "Beifahrer". Eine unsichtbare Entität, die sie "Aiden" nennt.

Geschenk und Fluch zugleich

Wir begleiten sie über 15 Jahre ihres Lebens - vom zarten Alter von acht Jahren bis sie mit 23 eine junge Frau wird. Die emotional geschilderte Geschichte erleben wir jedoch nicht linear, immer wieder soll die Handlung zwischen verschiedenen Stationen ihres bewegten Daseins springen. Stets an ihrer Seite: Aiden.

Beyond: Two Souls - Vom Traum zum Spiel: Das neue Meisterwerk der Heavy-Rain-Macher

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Wow, einfach nur Wow! Dabei geht es bei der Darstellung der Gesichter nicht nur um krasse Grafik, sondern glaubhaft modellierte Physiognomie. Ganz großes Kino!
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Er kennt keine Regeln, unsere Welt ist "ihm" unbekannt. Er ist Last und Geschenk zugleich, will sie beschützen, ist aber auch besitzergreifend und macht ihr das Leben zur Qual. Er kann Materie manipulieren, aber auch Gedanken und Erinnerungen aus Menschen extrahieren, sie gar töten. Ihr könnt jederzeit auf diese zweite Spielfigur umschalten und mit der Umwelt interagieren. Bisher scheinen diese Möglichkeiten aber künstlich limitiert zu sein.

Judys "Anderssein" wird früh erkannt, sie wird aussortiert, untersucht und schließlich flüchtet sie. So viel ist bekannt. Um Judys Entwicklung so authentisch wie möglich zu gestalten, hat Quantic Dream sehr viel Mühen in die Ausarbeitung der Figur gesteckt: "Wir haben etwa 40 unterschiedliche Versionen von Judy erstellt", sagt David Cage. Tatsächlich ist es frappierend, wie gut die sehr junge Variante von Ellen Page aka Judy aussieht. Dabei geht es nicht nur um das bildhübsche Gesicht mit unglaublichen Details und Feinheiten - auch das Verhalten, die Kleidung, Haarschnitte und Bewegungen werden bei jedem ihrer Entwicklungsschritte angepasst.

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Das Leben hat es mit Judy nicht immer gut gemeint - immer wieder gibt es emotional mitreißende Szenen. Nicht nur wegen der Tränen.
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Für die Schauspieler sei es deshalb nicht nur um Voice-Acting gegangen - vor allem wollte man ihnen so wenig Beschränkungen wie möglich auferlegen, um ihre Performance authentisch aufzuzeichnen. 18 Bezugspunkte auf ihren Körpern und 90 im Gesicht für 300 Charaktere hätten über 23.000 jeweils einzigartige Animationen verursacht. Laut Cage eine Leistung, die es bei Videospielen zuvor noch nie gegeben habe.

Wie frei bin ich?

Neben den technischen Hürden musste das Team auch jede Menge Gameplay-Herausforderungen überwinden. Wir steuern schließlich nicht nur Judy, sondern, quasi als zweiten Charakter, auch Aiden. Dabei probiere man ständig neue Lösungsmöglichkeiten aus und versuche, das Spiel zugänglicher zu machen. So wird es laut Cage für Anfänger einen "Easy"-Modus geben, aber auch alle anderen werden im normalen Schwierigkeitsgrad eine intuitivere Steuerung genießen können. Das Interface ist komplett kontextabhängig angelegt und die einzelnen Handlungsmöglichkeiten hängen unmittelbar von den Entschlüssen des Spielers ab. Auf Quicktime-Events will Quantic Dream dagegen dieses Mal vollständig verzichten.

Noch ist nicht alles perfekt und es gibt noch eine Reihe von Fragezeichen. Aber wenn es Spiele gibt, auf die die Bezeichnung Kunst angewendet werden kann, dann wohl dieses.Ausblick lesen

Letzteres ist für mich nicht entscheidend, da ich mit solchen Spielelementen kein Problem habe. Viel wichtiger ist, dass sich die Steuerung wirklich viel besser anfühlt, weniger hakelig - und auch wenn es sich albern anhört - Freundin-kompatibler ist. Und auch als gestandener Gamer muss man nicht drei Mal überlegen, ob es jetzt R1 oder R2 ist, um die Dame zum Mitmachen zu animieren - wie bei den meisten Spielen steuere ich die Figur mit dem linken Stick. Gefällt mir gut, aber leider konnte ich die neuen Action-Sequenzen noch nicht ausprobieren, die ohne Symbol-Anzeigen auskommen.

Im Gegensatz zu Heavy Rain, das eher kleine Räume und Umgebungen besaß, soll "Beyond" viel mehr den Erkundungstrieb unterstützen und große Landschaften anbieten. Wir werden beispielsweise herumfahren und auch reiten können. Davon bekomme ich in Paris jedoch kaum etwas zu sehen - stattdessen stehen zwei völlig konträre Szenen im Mittelpunkt. Während ich einen Level nur teilweise und sehr kurz selber zocken darf, wird "Homeless" live vorgespielt.

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Wie groß wird die Entscheidungsfreiheit wirklich sein? Was passiert, wenn ich einen anderen Charakter sterben lasse?
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Es ist offenbar die 19. Sequenz im Spiel, aber das muss über die Handlung nicht viel Aussagen, denn sie wird ja nicht chronologisch abgespult. Trotzdem will ich nicht zu viele Details über die gut 40 Minuten preisgeben - nur so viel: Die aus unbekannten Gründen auf der Straße lebende Judy schließt sich mehr oder weniger freiwillig einer Gruppe Obdachloser an. Menschen, die sonst in Videospielen eher selten in den Mittelpunkt rücken.