"Beyond will Film und Spiel zugleich sein, lässt aber die Möglichkeiten beider Medien weitestgehend ungenutzt." - Gregor Thomanek

Beyond: Two Souls ist unverkennbar das Kind von Fahrenheit und dem so wichtigen Heavy Rain. Quantic Dream macht auf rein mechanischer Ebene weniger falsch, als es noch beim PS3-Debüt der Fall war, gibt euch Werkzeuge an die Hand, die nicht geschliffen scharf, zumindest aber als das, was sie sein sollen, geeignet sind: als Arbeitsgeräte, als Mittel zum Zweck. Und ihre einzige Aufgabe ist es, die Geschichte von Jodie Holmes zu erzählen.

Doch es ist eine wirres Leben, an dem uns David Cage 15 Jahre lang immer wieder ausschnittsweise teilhaben lässt. Ein chronologischer Ablauf wäre ein erster wichtiger Schritt gewesen, das Beschränken auf weniger, dafür essenziellere Erlebnisse im Leben der grandios durch Ellen Page verkörperten jungen Frau ein weiterer. Stattdessen entwirft der Franzose Bilder wie durch ein Kaleidoskop: bunt, schön anzuschauen, aber oft ohne unmittelbaren Zusammenhang oder die Möglichkeit, diese zu beeinflussen.

Auf dem schmalen Grat zwischen Spiel und Film gerät Beyond bisweilen deutlich stärker ins Trudeln als sein Quasi-Vorgänger, immer eher dem letzteren Genre zugeneigt. Das Ziel der Franzosen ist heute wie damals ein hehres, doch führt die Verschmelzung beider Kunstformen auch dazu, sich an den Qualitäten beider Medien messen lassen zu müssen – und Beyond: Two Souls wird keinem gerecht.

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Beyond: Two Souls ist für PS3 und seit dem 26. Oktober 2016 für PS4 erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.

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Pro

  • Oft mitreißende Geschichte
  • Intuitivere Steuerung als noch bei Heavy Rain
  • Ellen Page (!), Willem Dafoe (!!)
  • Glaubwürdige, authentische Charaktere
  • Gelungene deutsche Synchronisation
  • Einige Gänsehautmomente
  • Mitreißender Soundtrack
  • Sehr überzeugende Schauspieler
  • Fantastische, enorm detaillierte Gesichter

Contra

  • Kaum noch als Spiel zu bezeichnen
  • QTEs häufig aufgesetzt, wenig intuitiv
  • Kleinere Logikfehler
  • Absolut schrecklicher Somalia-Abschnitt
  • Etwas zu viele Klischees
  • Entscheidungen häufig nur Makulatur
  • Lässt kaum Interaktionen zu
  • Handlung unnötig wirr und überladen
  • Technik mit z.T. krassen Ausreißern nach unten

Grafik

Beyond ist keine eierlegende Wollmilchsau wie etwa ein GTA 5 und will nur eines: Menschen charakterisieren. Insofern: Ziel erfüllt, Erwartungen übertroffen, Glückwunsch dazu. Was die Franzosen aus dem schwarzen Kasten herausholen, der angeblich noch eine PlayStation 3 sein sollen, ist nur schwer zu glauben. Nie gab es auch nur annähernd derart glaubwürdige menschliche Gesichter zu sehen und vermutlich wird es bis zum nächsten Quantic-Dream-Spiel dauern, bis diese Qualität auch nur erneut erreicht wird. Der Rest bewegt sich hingegen im technischen Mittelfeld, reißt aber bei Kleinigkeiten gelegentlich (zu) stark nach unten aus.

Sound

Heavy-Rain-Komponist Normand Corbeil starb noch während seiner Arbeiten an Beyond. Seine fantastische Arbeit und Vision wurde von Lorne Balfe, der Corbeil nach seinem Tod ersetzte, kompetent fortgeführt: Was beide Musiker geschaffen haben, zählt erneut zum Besten, was ihr plattformübergreifend finden werdet. Selbiges gilt für die grandiosen englischen Sprecher und auch die deutsche Synchronisation ist so gelungen, wie man es von einem Projekt dieser Größe erwarten darf.

Gameplay

Nur mit viel gutem Willen lässt sich das hier noch als Videospiel kategorisieren. Sowohl mit Jodie als auch mit Aiden lässt das Spiel nur wenige und stets fest vorgeschriebene Interaktionen mit der Umwelt zu. Vom aktiven Spieler bleibt nur noch ein passiver Rezipient übrig, dessen Entscheidungen deutlich weniger Einfluss auf die Geschichte haben als noch in Heavy Rain.