Ein Shitstorm zieht über das Land. Bethesda Softworks rief: „Kostenpflichtige Mods für Skyrim und Fallout 4!“ – und Gamer auf der ganzen Welt surfen seitdem auf einer Hate-Welle gegen das Studio. Sogar die unschuldige Subreddit-Seite der Kleinstadt Bethesda in Maryland litt unter heftiger Kritik, obwohl der Ort Bethesda natürlich nur wenig mit dem Entwickler am Hut an.

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Mods für Geld?

Und wer ist der Übeltäter? Natürlich der Creations Club, den Bethesda zur E3 präsentiert hat. Ein Online-Shop, auf dem ab Sommer 2017 Mods für The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition und Fallout 4 zum kleinen (oder großen) Preis angeboten werden sollen. Mods für Geld, fragt ihr? Begeisterungsstürme bei den Fans sehen anders aus. Fakt ist, dass Spieler nur ungern für etwas bezahlen möchten, das sie bisher kostenlos nutzen durften. Aber nicht nur Bethesda will vom Creation Club profitieren – auch die Köpfe hinter den beliebten Erweiterungen zu Skyrim und Fallout 4 sollen unterstützt werden. Ein Konzept, das gerade bei größeren Projekten, die jede Menge Ressourcen verbraten, Anklang finden könnte. Vorausgesetzt, der Creation Club bietet hierfür ein geeignetes Modell.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir mit Nicolas Lietzau vom Enderal-Team SureAI gesprochen. Das deutsche Entwicklerstudio hat mit Enderal: Die Trümmer der Ordnung nicht nur eine Mod zum Open-World-Epos The Elder Scrolls 5: Skyrim geschaffen, sondern eine „Komplettumwandlung … die in ihrer eigenen Spielwelt angesiedelt ist, mit eigener Landschaft, Tradition und Story.“

Creation Club: Abzocke oder Chance? - Enderal - Im Interview mit einem der beiden Projektleiter der Skyrim-Mod

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Enderal spielt auf einem komplett neuen Landstrich
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Enderal: Die Trümmer der Ordnung

Enderal bringt Leben in das eisige Skyrim: Die Mod ist mehr ein eigenes Spiel, in dem ihr eine vollständig vertonte, düstere Story auf einem komplett neuen Landstrich erleben dürft. Die dazugehörigen Questreihen, Charaktere und sogar abgeänderten Spielmodi machen Enderal zu einer der umfangreichsten Erweiterungen zum Spiel - und natürlich müsst ihr für den Inhalt keinen Cent bezahlen. Was im Umkehrschluss jedoch auch heißt, dass eine gigantische Conversion-Mod mit einer Länge von etwa 30 bis 100 Stunden komplett unentgeltlich entwickelt wurde – von Hobby-Moddern, -Schreibern und -Synchronsprechern, die zum Großteil andere Berufe ausüben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren..

Ein Leben als Vollzeit-Modder

Nicolas Lietzau schrieb über fünf Jahre an Enderal: Die Trümmer der Ordnung, sieben Tage die Woche, und verdiente damit etwa 10 Cent die Stunde - kein Lohn, von dem er leben konnte. Spaß hat ihm das Projekt natürlich trotzdem gemacht und er ist Stolz, ein Teil von Enderal sein zu dürfen - aber jedes Hobby hat seine Grenzen und die sind spätestens dann erreicht, wenn die eigene Wohnung nicht mehr bezahlt werden kann. Zudem mussten die Modder etliche Aufgaben übernehmen, vom Schreiben über das Programmieren bis hin zum Testen der gigantischen Mod:

Johannes Scheer musste einmal zwei Tage nach einem einzelnen Busch suchen, der einen Komplettabsturz verursachte - ja, das ist wirklich passiert!

Creation Club: Abzocke oder Chance? - Enderal - Im Interview mit einem der beiden Projektleiter der Skyrim-Mod

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Enderal: Die Trümmer der Ordnung erschien am 1. - 3. Juli 2016
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Nicolas lacht, gibt aber zu, dass die Arbeitsstrukturen bei einem unbezahlten Großprojekt wie Enderal nicht mit denen in einem großen Entwicklerstudio vergleichbar sind. Jetzt hat er einen Job als Writer bei Grimlore Games und schreibt nur noch nebenbei für Enderal - ein himmelweiter Unterschied, wie er selbst bestätigt.

Die Frage ist, ob der Creations Club Vollzeit-Moddern unter die Arme greifen kann - oder will. Denn die Plattform ist nicht der erste Versuch seitens Bethesdas, Geld für Mods einzuheimsen. Schon 2015 ging das Entwicklerstudio eine Kooperation mit Valve ein und versuchte, über Steam bereits existierende Mods zu verkaufen. Mit 75% Beteiligung am Gewinn füllten sich die Portemonnaies der Entwickler, während den Moddern selbst nur eine magere Ausbeute zugestanden wurde. Nach kurzer Zeit wurde das Projekt dann aufgrund von heftiger Kritik mit einer Entschuldigung an die Fans eingestellt.

Könnte der Creations Club dasselbe Schicksal erleiden? Wahrscheinlich nicht, denn laut Bethesda bleiben die Mods auf Nexus & Co. kostenlos. Überhaupt dürfen derzeitige Inhalte nicht über den Shop laufen, sondern nur neue, ausgewählte Projekte, die von den Moddern gemeinsam mit Bethesda entwickelt werden. Dabei wird der Fokus auf kleineren Erweiterungen zu Waffen, Kleidung & Gameplay-Modi liegen, die untereinander ausnahmslos kompatibel sein sollen. Das Story-Mods á la Enderal Einzug in den Creation Club erhalten, ist nicht angedacht, wird aber auch nicht ausgeschlossen.

Was unterscheidet einen freien Menschen von einem Sklaven?
… und welche Nachteile könnten einen Pakt mit Bethesda begleiten? Grundsätzlich hält Nicolas sehr viel von der Plattform und dem Konzept dahinter. Die Frage ist jedoch, wie genau Bethesda seine Ideen umsetzen will:

Es ist auf jeden Fall ein spannendes Modell, doch die wichtigen Details wurden bis jetzt wage gehalten - es hängt von den Bedingungen ab. Ich finde es gut, dass die Modder am Gewinn beteiligt werden. Ein Risiko sehe ich aber auch im Pitch für die Mods - ungewöhnliche Inhalte könnten rausgepitcht werden.

Creation Club: Abzocke oder Chance? - Enderal - Im Interview mit einem der beiden Projektleiter der Skyrim-Mod

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Vorstellung der Mods für Fallout 4
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Von Fans – Für Fans: Diesem Motto wollen viele Mitglieder der Modder-Community treu bleiben; ein Ruf nach kostenlosen Inhalten, die eben nicht durch die große Industrie-Maschine gejagt werden. Kreativität und eine gewisse Freiheit würzen etliche Erweiterungen, die das eigene Lieblingsspiel aufbessern und durch ihre große Auswahl jedwede Geschmäcker befriedigen. Ob der Creation Club von Bethesda jedoch ungewöhnliche und individuelle Inhalte fördern und nicht nur im Einheitsbrei von neuen, noch besseren Waffen und Rüstungen rühren will, ist noch unklar.

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Auch für den Pip-Boy erscheinen Mods
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Schließlich müssen etliche weitere Fragen bezüglich des Creation Clubs geklärt werden: Welche Bezahlung erhalten die Modder der ausgewählten Projekte? Wird Bethesda Nexus-Mods rechtlich verfolgen, sobald diese den eigenen Kreationen ähneln? Was, wenn Inhalte des Creation Clubs ‚nachgemoddet‘ werden? Und schließlich: Reicht eine versprochene Qualität und Kompatibilität aus, damit überhaupt Geld für Mods ausgegeben wird?

Nicolas Lietzau will eine zukünftige Zusammenarbeit mit Bethesda keineswegs ausschließen, denn ja: Es nagt nicht nur am Portemonnaie, sondern auch am Selbstbewusstsein, wenn die eigene Arbeit für nichts und wieder nichts ins Land zieht. Ganz besonders, sobald dabei ein so imposantes Werk wie Enderal geschaffen wird. Trotzdem bedeutet die Eingliederung in ein großes Entwicklerstudio wie Bethesda zumeist Einschränkungen, die nicht jeder eingehen will. Und wer von uns möchte schon auf die fliegende Lok Thomas über Weißlauf verzichten, oder gar auf eine Katzenarmee in ganz Skyrim?