Bet on Solider (PC-Test)
von Jörg Pitschmann

Killen für den BoS - was hier wie der feuchte Wunschtraum eines jeden Chefs klingt, ist in Wahrheit der neue Shooterstern am Himmel der ausgehungerten Ballergemeinde. Zumindest, wenn es nach dem Willen der französischen

Programmierer aus dem Hause Kylotonn geht, die ihr Spiel gerne am liebsten an der Spitze der E-Sportsgemeinde sehen würden. Aus diesem Grunde drängten die Publisher bereits auf der Games Convention mit Macht in die heiligen Hallen der elektronischen Sportler.

Bet on Soldier - Alaska InGame Trailer6 weitere Videos

Als Anreiz diente der eigens für diesen Zweck zusammengecastete Girlsclan, der dem Titel neben dem sportlichen auch einen optischen Anreiz bieten sollte. Doch leider - erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Zwar konnten die Clangirls auf der GC erste Erfolge feiern und auch ihre optischen Reize sind zweifellos vorhanden, doch »Bet on Soldier« kommt als Shooter - zumindest im Singleplayer-Modus - kaum über Mittelmaß hinaus. Warum das so ist, zeigt unser nachfolgender Test.

Vom Überflieger zum Absturzkandidaten
Es sollte DER Überflieger werden. Mit einem neuen Spielkonzept, Spitzengrafik und rasanten Multiplayer-Shootouts. Soweit das wolkige Wollen der Damen und Herren von Hersteller Kylotonn. Als erstmals bewegte Bilder von »Bet on Soldier« auf der Games Convention 2004 zu sehen waren, schlugen die Begeisterungswellen auch relativ hoch, denn die gezeigten Szenen erweckten einen guten Eindruck. Ein Ballertitel mit einer

Hintergrundgeschichte sowie ein neuartiges Wettsystem, das es dem Spieler vor einer Auseinandersetzung ermöglicht, auf den Sieger zu setzen klangen in der Tat sehr vielversprechend.

Als das Spiel dann rechtzeitig zur diesjährigen Games Convention an den Start ging, kam allerdings recht schnell die Ernüchterung angesichts des wirklichen Wirkens der Entwickler.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: »Bet on Soldier« ist beileibe kein schlechtes Spiel. Doch die hochgesteckten Erwartungen hat der Titel leider nicht erfüllt. Und das hat Gründe. Aber der Reihe nach. Die Story bietet eine Mischung aus dem klassischen »Einsamer Kämpfer rächt den Tod seiner Frau«-Plot über Anleihen beim Film »Running Man« bis hin zum klassischen Gladiatorenspektakel. Die (Spiel-)Welt befindet sich in einem mittlerweile seit Jahrzehnten stattfindenden Krieg. Schon längst sind die eigentlichen Beweggründe für die Auseinandersetzungen

Bet on Soldier - Wetten, dass ich Dich kaltmache?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 95/991/99
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

vergessen, und große Medienkonzerne bedienen sich seither des blutigen Gemetzels, um ihre Einschaltquoten in die Höhe zu treiben. Besonders beliebt beim Publikum: die blutige Show »Bet on Soldier«, bei der die Zuschauer auf Sieg oder Niederlage einzelner Kämpfer setzen können, der sogenannten B.o.S-Champions.

Der Spieler gerät in der Rolle von Nolan Daneworth in den Strudel der Ereignisse, nachdem einige der besagten Champions Haus und Hof der Hauptfigur zerstört und der geliebten Ehefrau das Licht ausgeblasen haben. Von Rachedurst erfüllt, lässt sich der Held daraufhin zum B.o.S.-Champion ausbilden, um den miesen Mördern ein für alle Mal klarzumachen, warum ihr sinistres Tun ein Fehler war. Keine Frage, ein guter Zeitpunkt für den Spieler, in das Geschehen einzusteigen.

Packshot zu Bet on SoldierBet on SoldierErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Die Leiden eines Singles
So also beginnt die Singleplayer-Kampagne. Die erste Aufgabe des frisch auszubildenden B.o.S.-Champions besteht darin, bestimmte Papiere zu einem verbündeten General zu bringen. Logisch, dass die Gegenseite etwas gegen Nolans Mission einzuwenden hat, und so schießt sich der Held in bester Egoshooter-Manier durch eine von dekorativen Trümmern durchzogene Landschaft, in der nur eines zählt: schneller und besser zu sein als die Mitbewerber.

Bet on Soldier - Wetten, dass ich Dich kaltmache?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 95/991/99
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese in die Rahmenhandlung eingebundene Mission dient vornehmlich als Tutorial, das den Spieler in die Steuerung und Handhabung der Ballermänner einführt.

Bereits von Beginn an kommt dabei eine der Stärken des Spiels zum Tragen: die freie Waffenwahl, die es dem Zocker ermöglicht, aus einer Vielzahl von Kanonen diejenigen seines Vertrauens auszusuchen, sofern er denn über die notwendige Kohle verfügt. Denn Knarren kann man ausschließlich auf käuflichem Wege erwerben. Als knifflig erweist sich dabei allerdings die Auswahl der richtigen Start-Kanonen, denn wenn man hier danebenhaut, gelingen selbst die einfachsten Missionen nur unter heftigsten Fluchanfällen. Wir empfehlen deshalb zu Beginn eine kräftige Handfeuerwaffe und das Standard-Schnellfeuergewehr, Granaten sollte man dagegen meiden. Unserer Erfahrung nach bringen die Knallbonbons nicht sonderlich viel, zumal überall in den Levels zerstörbare, hochexplosive Fässer herumstehen.

Die sorgen weitaus effizienter für Ruhe im Karton. Das derart eingesparte Geld sollte man stattdessen in möglichst viel Rüstung investieren. Da man sich in den Levelabschnitten nur an stationären Terminals reparieren kann, ist eine gute Panzerung dringend geboten,denn auch die Gegner wissen, wie man mit Waffen umgeht. Wer darauf spekuliert, über besiegte Gegner an geeignetes Tötungswerkzeug zu gelangen und deshalb nur billige Supermarkt-Bleispritzen einkauft, ist auf dem Holzweg. Denn umgenietete Gegner hinterlassen nichts.

Genau genommen liegen zwar deren Waffen und Ausrüstung auf dem Boden herum, doch können diese nicht aufgenommen werden. Das ist ärgerlich und unnötig, denn es würde dem Wett- und Kaufsystem nicht zuwiderlaufen, wenn Nolan ein wenig Beute machen und diese im Falle der Nichtverwertung veräußern könnte. Doch die Entwickler sahen das offenbar anders, und so steigt zwar das Guthabenkonto mit jedem erledigten Feind, dafür hat man extrem schlechte Karten, falls die Munition ausgeht. Drum merke: besser gute Ausrüstung und wenig Kohle in der virtuellen Tasche, als reich und ganz schnell tot.

Missions for the B.oS.
Hat man sich ausgerüstet, begibt man sich umgehend in die

Spur und löst für die eigene Kriegsfraktion diverse Aufgaben, die alle nur ein Ziel haben: der Spieler muss die heißen Kastanien aus dem Feuer holen. Die eigenen - computergesteuerten - Leute sind zwar irgendwie da, aber zumeist keine echte Hilfe.

Zwar darf man sich gelegentlich ein paar KI-Mitstreiter auswählen, die auch über einfache Befehle gesteuert werden können, doch sind sie in Punkto Haltbarkeit und Zielgenauigkeit den zahlreichen Gegnern meist unterlegen.

Man sollte sich also nicht zu sehr auf seine persönliche Truppe verlassen, sondern die Bots zu dem benutzen, was sie wirklich können: Kugeln fangen, damit Kollege Nolan einigermaßen lebendig vorankommt. Das klingt fies, ist aber angesichts der Tatsache, dass die Jungs eh irgendwann den Löffel abgeben, ein plausibles Kalkül, wie wir finden. Die Missionen in der Singleplayer-Kampagne unterscheiden sich leider nicht großartig voneinander. Der Weg zum jeweiligen Aufgabenziel ist

Bet on Soldier - Wetten, dass ich Dich kaltmache?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 95/991/99
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

gepflastert mit Heerscharen von feindlichen Söldnern. Immerhin agiert deren KI einigermaßen zufriedenstellend. Die Burschen gehen selbsttätig in Deckung, agieren in Gruppen und nehmen den Spieler auch schon mal ins Kreuzfeuer. Und da sie ebenfalls recht gut gepanzert und bewaffnet sind, eignen sie sich auch nicht unbedingt als Kanonenfutter. Generell ist der Schwierigkeitsgrad recht hoch angesetzt. Ballerprofis werden zwar weniger Probleme haben, sich ihr neues virtuelles Eigenheim zu erkämpfen, für Anfänger hingegen ist der Titel nur bedingt geeignet, da auch der niedrigste Schwierigkeitsgrad für happige Überraschungen sorgt. Sorgfältiges Zielen ist deshalb in jedem Falle Pflicht, damit man nicht ein ganzes Magazin in einen Gegner hineinpumpt, bevor sein digitales Lebenslichtlein erlischt. Und da wir es mit einem Titel zu tun haben, der von der USK nicht unter 18 Jahren freigegeben wurde und somit nur volljährige Zocker diesen Artikel lesen, empfehlen wir den guten, alten Headshot als sauberste Lösung. Ausserdem bringt der am meisten Kohle ein. Gegen Ende eines Levels wartet dann der jeweilige B.o.S.-Champion darauf, abserviert zu werden. Trifft Nolan auf den B.o.S.-Boss, wechselt das Spiel in einen Arena-Modus und die fiktive Fernsehshow präsentiert die beiden Kombattanten imScheinwerferlicht mit Teaserfilmchen und jeder Menge Brimborium. Die Bosskämpfe sind spannend und fordernd, denn jeder der Champs hat seine ganz speziellen Eigenschaften. Hat man einen Champion besiegt, gibt es Geld. Und nicht zu knapp. Ausserdem steigt man auf der Erfolgsleiter der B.o.S.-Riege eine Stufe auf. Das Fernziel verliert man dabei nie aus den Augen: die Mörder von Nolans Frau finden, sie töten, ihr Hab und Gut zerstören und sich am Wehklagen ihrer Weiber ergötzen.

Mein Name ist Jack Bauer
Zu Beginn einer Mission wird die Handlung jeweils in kurzen Cutscenes vorangetrieben, wobei der gute Nolan die Geschichte mit der deutschen Synchronstimme von Jack Bauer alias Kiefer Sutherland vorträgt.

Das war's dann aber auch schon mit den akustischen Highlights, denn abgesehen von der passenden, professionell gesprochenen Stimme des Helden überwiegen bei den Sounds Eintönigkeit und wenig Abwechslung. Die Kommentare der anderen Figuren wiederholen sich

häufig, und Mr. Daneworth keucht und stöhnt beim Laufen wie unser kettenrauchender Chefredakteur auf dem zweiten Treppenabsatz.

Das Geächze soll wohl einer möglichst authentischen Stimmung zuträglich sein, nervt aber schon nach kurzer Zeit. Was jedoch weitaus schlimmer wiegt, sind die Soundeffekte, die in ihrer Putzigkeit eher an das Zuschlagen einer Tür erinnern, als an Granaten, die neben dem künftigen B.o.S-Champion Nolan explodieren. Selbst Fehlzündungen eines batteriebetriebenen Modellautos haben mehr Rumms als detonierende Benzinfässer im Spiel.

Falls jetzt jemand missbilligend die Stirn runzelt: wir wissen, das dieser Vergleich hinkt. Im Grunde genommen ist er sogar unmöglich. Aber uns fiel kein drastischeres Bild ein, um unserer Enttäuschung über die mangelhafte Sounduntermalung Ausdruck zu verleihen. Und um das auch noch klarzustellen: wir haben für unseren Test nicht den PC-Lautsprecher benutzt. Leider bietet auch die Grafik kein Überflieger-Niveau. Sie geht zwar

Bet on Soldier - Wetten, dass ich Dich kaltmache?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 95/991/99
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

soweit in Ordnung, als dass vom Krieg verwüstete Gebiete im allgemeinen nicht gerade von Farbreichtum gezeichnet sind. Dennoch überwiegen matschig-braune Töne, die die Abwechslungslosigkeit der aufgeklebten Texturen noch unterstreichen. Und wenn wir schon beim Meckern sind: auch die Ladezeiten haben es in sich und beanspruchen die Geduld des braven Durchschnittszockers über Gebühr.

Trotz des mit dem Spiel gelieferten Patches lief das Programm bei uns nicht absturzfrei. Doch Käufer der ersten Exemplare kommen um die Installation des Software-Flickens nicht herum, da die ungepatchte Version praktisch unspielbar ist. Warum die Entwickler eine derart verbugte Software ausliefern, ist wohl nur mit dem Termindruck angesichts der Games Convention und dem medienwirksamen Einsatz des zusammengecasteten Girls-Clans zu erklären.

Das ist schade, denn es hat dem ohnehin nicht vom Glück verfolgten Titel fast das Genick gebrochen. Doch glücklicherweise hat »Bet on Soldier« fraglos auch seine Qualitäten. Und die liegen nicht nur in der Optik der Clanmiezen begründet, so dass für die Zukunft noch Hoffnung besteht, dass aus den Nachfolgern des Spiels mal was ganz großes werden kann. Der Multiplayerpart, der ganz aufClankämpfe und ein umfassendes Wettsystem ausgelegt ist, gefiel uns jedenfalls schon jetzt um einiges besser. Besonders die Tatsache, dass man auch mit dem Ableben der eigenen Kollegen fett virtuelle Kohle scheffeln kann, ist spaßig und führt manchmal zu recht überraschenden Diskussionen innerhalb einer Kampftruppe.

Erwachsene Shooterfans können deshalb einen vorsichtigen Blick auf das Programm riskieren, sofern sie ihre Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Wer sich an den angesprochenen Schwächen des Spiels nicht stört und auf der Suche nach einem Ballertitel mit neuen Ansätzen ist, kommt zumindest eine zeitlang auf seine Kosten. Alle anderen warten auf »Quake 4«. Da geht es dann so richtig zur Sache. Wollen wir wetten?Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Wettsystem + Waffenupgrades + Synchronisation mit Jack-Bauer-Bonus

Contra:
- Exorbitante Ladezeiten - Dezent angestaubte Grafik und Texturen - Öde Sounds - AbstürzePro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Wettsystem + Waffenupgrades + Synchronisation mit Jack-Bauer-Bonus

Contra:
- Exorbitante Ladezeiten - Dezent angestaubte Grafik und Texturen - Öde Sounds - Abstürze