Besieger (PC-Test)
(von Manfred Duy)

Ein Echtzeit-Strategiespiel, das heute noch was auf sich hält, sollte natürlich unbedingt in 3D aufmarschieren. Und dass dies nicht zwangsläufig zu Lasten der Spielbarkeit gehen muss, hat ja bereits Warcraft 3 eindrucksvoll bewiesen.

Der Erfolgstitel von Blizzard stand unverkennbar Pate bei diesem fulminant in Szene gesetzten Strategiehammer. Hier wie dort bekämpfen sich Polygonfiguren in stufenlos zoom- und drehbarer 3D-Optik. Abhängig vom aktuellem Auftrag dürfen Sie manchmal nach alter Väter Sitte Gebäude errichten und Truppen produzieren.

Oft müssen Sie aber auch mit den eingangs vorhandenen Einheiten auskommen und gebaut wird auch nicht in jeder Mission. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen hier wie dort Helden, mit denen Sie die insgesamt drei Kampagnen durchleben.

Besieger-Entwickler Primal Software hat tief in die Grafiktrickkiste gegriffen und dort die 3D-Engine ihres Erstlings "The I of the Dragon" herausgekramt. Leicht aufgemotzt präsentiert sie uns riesige, beliebig zoom- und drehbare 3D-Landschaften mit all ihren Höhenstufen, fließenden Gewässern, Lichtreflexionen und Schattenwürfen, Tag- und Nachtwechseln, Sonnenaufgängen, Explosionen und dergleichen Augenzuckerl mehr.

Ihre Einsätze führen Sie durch die üblichen Feld-, Wald und Wiesenlandschaften, dazu gesellen sich noch unterirdischen Tunnellabyrinthe, Schneelandschaften, Wüstengebiete und vulkanisches Gestein.

Fliegender Fahnenwechsel
Mächtig Wind machen auch die brachialen Polygon-Recken, die den bekannten Conan-Abenteuern entsprungen sein könnten.

Es treten an die Cimmerer und die Wikinger, jeweils bis an die Zähne bewaffnet mit dem üblichen frühmittelalterlichem Kriegsplunder vom leichten Speer bis hin zu schweren Belagerungsgeräten. Dazu kommt noch statt Magie eine Prise Technik in Gestalt von äußerst kampfstarken Luftschiffen.

Besieger - Wuchtige 3D-Echtzeistrategie mit fulminanten Lichteffekten!

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In der ersten Kampagne übernehmen Sie Barmalay, seines Zeichens hammerschwingender Wikingerboss - und das obwohl er mit seiner
gedrungenen Statur ebenso gut als der verschollene Zwilling von Zwerg Gimli durchgehen könnte. In der nächsten Kampagne wechseln Sie unversehens die Fronten und kämpfen mit dem Oberhaupt der Cimmerianer, einem gewissen Konin (Conan lässt erneut grüßen). Ganz ähnlich wie bei Warcraft 3 spinnt sich der Erzählfaden rund um diese beiden und noch ein paar weitere Helden, mit denen Sie die Missionen zu bewältigen haben. Diese werden durch zahlreiche Zwischensequenzen erzählerisch miteinander verknüpft, was sich letztlich zu einer dichten Geschichte von epischer Breite auswächst. Interessantes Detail am Rande: Getötete Helden tauchen in den nachfolgenden Zwischensequenzen nicht mehr auf.

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Aufträge - mal kurz, mal lang
Längst ist es Genre-Mode geworden und auch Besieger macht da keine Ausnahme: In punkto Szenarioziel geht es nur selten darum, eine komplette Stadt aufzubauen, um damit eine Armee aus dem Boden zu stampfen und den Feind zu

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plätten. Meistens sind es kleinere Teilaufgaben, die erledigt werden müssen. Und deren gibt es viele. Manchmal dirigieren Sie kleine Stoßtrupps heimlich durch unterirdische Labyrinthe, dann müssen Sie geschickt eine feindliche Stadt umschleichen, eine Talsperre gegen eine Übermacht halten, einen Gefangenen befreien, Patrouillen überfallen, eine Belagerung aufbrechen oder schlicht und einfach überleben. Von entsprechend unterschiedlicher Länge sind denn auch die einzelnen Einsätze: Einige lassen sich in einem Viertelstündchen abhaken, in andere werden Sie sich stundenlang verbeißen müssen.

Aber egal wie befähigt Sie als Echtzeit-Stratege auch sind, dank des variablen Schwierigkeitsgrades und des vorbildlichen Tutorials gibt es kaum eine Aufgabe, die Ihnen zu leicht oder zu schwer vorkommen dürfte.Aufbauarbeit...
Der Aufbau der Basis unterscheidet sich ein wenig vom üblichen Vorge-hen. Sicherlich, auch hier müssen Ihre Arbeiter wieder Rohstoffe (Ei-sen, Stein und Holz) von umliegen-den Felsen und Wäldern rankarren, damit Sie die typischen Gebäude-typen wie etwa Wohnhäuser, Kasernen oder Waffenfabriken errichten und reparieren können. Ansonsten aber geht es hier fast zu wie im richtigen Leben, will sagen: Die Arbeiter müssen für alles ihre Rübe hinhalten.

Einige Gebäude wie etwa das Sägewerk muss stets mit einem Arbeiter besetzt sein um ordnungsgemäß zu funktionieren. Wenn Sie einen Soldaten brauchen, schicken Sie einen Arbeiter zur Ausbildung in die Kaserne und er wird nach einigen Sekunden als Soldat wieder herausmarschieren. Im Bedarfsfall können Sie auch bestimmte Soldatentypen wieder in Arbeiter zurückverwandeln. Wenn Sie einen Verteidigungsturm einsetzen wollen, wer muss wieder ran?

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Richtig, ein Arbeiter. Und wer bedient die Belagerungsgeräte vom Katapult bis zum Rammbock? Auch wieder ein oder gar mehrere Arbeiter. Und nun raten Sie mal, wer die zehn Mann Besatzung stellt, die vonnöten sind, um so einen schweren Zeppelin in die Luft zu bekommen? Natürlich die Arbeiterschaft. Warum ich Ihnen das alles so ausführlich erzähle? Weil die Sache einen Haken hat.

...mit Pferdefuß
Sie dürfen nur eine sehr limitierte Anzahl von Wohnhäusern bauen, und jede dieser Behausungen beherbergt nur eine Handvoll Männer, die sich übrigens nach und nach von selbst einstellen sobald das Haus steht.

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Falls einer Ihrer Leute stirbt, egal ob als Krieger oder als Arbeiter, spaziert nach einem Weilchen ein neuer Arbeiter aus dem Haus heraus. Da Sie nur einige wenige Häuser bauen dürfen, liegt die Größe Ihrer Gesamtbevölkerung fast immer im zweistelligen Bereich. Und da wie eben erwähnt bereits zahlreiche Bürger für Rohstofftransporte und Verteidigungsaufgaben abgestellt werden müssen, ist Ihre Armee auch zahlenmäßig entsprechend klein.

Gut dass Ihre Jungs mit zunehmender Erfahrung wenigstens an Kampfkraft zulegen, und in nachfolgende Missionen übernommen werden können. Vor allem aber profitieren Ihre Truppenvon mehreren Helden, die sich im Laufe der Kampagne einfinden. Einige von denen sind unglaublich stark. Ich bekam zum Beispiel ziemlich schnell einen wieselflinken Zentauren namens Ghazimm, der sich quasi im Alleingang durch die Reihen der Gegner schnetzeln konnte. Zudem wirkt sich die Nähe dieser Recken auch positiv auf die Kampfkraft Ihrer Mannen aus, steigert etwa deren Angriffsstärke oder ihre Wundheilkraft. Denn nach guter alter Barbarentradition heilen deren Verletzungen selbst ohne jegliches ärztliches Zutun von ganz alleine.

My home is my castle
Besieger würde nicht Besieger (deutsch=Belagerer) heißen, wenn esnicht auch noch um die Belagerung und Erstürmung von Burgen gehen würde. Sie können daher ruckzuck und weitaus schneller als etwa bei Age of Empires Befestigungsein-richtungen wie Holz- und Stein-mauern, Tore und Schießtürme errichten, dort ihre Leute postieren und denanstürmenden Feind von oben unter Feuer nehmen, während dieser versucht, die Tore aufzurammen. Allerdings sind die Tore zwar schnell erbaut, aber fast ebenso schnell vom Gegner wieder durchbrochen. Falls er mal ausnahmsweise weder Rammbock noch Sturmleiter zur Hand hat, tun´s ärgerlicherweise sogar ein paar Schwerter, um das Tor einzuschlagen.

Ähnliches gilt für Gebäude, die wohl aus Pappmache sind, denn einige Hiebe genügen und schon fallen die Häuser um wie die Holzkegel - und klingen dabei auch noch so. Da zudem die Luftschiffe die stärksten Einheiten bei Besieger sind, ist hier selbst die beste Verteidigungs-stellung nicht allzu viel wert.

Die umfangreichsten Burgenbe-lagerungen erleben Sie in den acht Einzelszenarien, die aber eher für den Mehrspielerbetrieb mit bis zu neun Kombattanten geeignet scheinen. Sie können zwar auch von Solisten unter Zuschaltung beliebig vieler CPU-Gegner betrieben werden, aber leider ohne Save-

Option. Hier bekämpft sich zudem leider ausschließlich Menschenvolk, während in den Kampagnen einige Fantasygestalten wie Werbären, Trolle oder Skelette ihren Auftritt haben. Im Mehrspielermodus sind übrigens die bei Warcraft & Co so gefürchteten Rusher klar im Nachteil, denn durch die Wohnraumlimitierungen und die Ausbildungszeiten der Kämpfer führt hier in aller erster Linie geduldiges Aufbauen und sorgfältiges Planen zum Erfolg.

Ja wo laufen sie denn - hin?
Die kombinierte Maus/Tastatursteuerung geht recht flott von der Hand, schwierig ist es dagegen oftmals, den Gesamtüberblick zu behalten. Wenn der Feind von allen Seiten die eigene Burg angreift, während Sie selber eine Attacke an anderer Stelle führen, dann hilft nur noch der hemmungslose Einsatz der Pausetaste, um den Durchblick nicht völlig zu verlieren. Vor allem die Kameraführung hat so ihre Tücken. Zwar stehen drei Kameragrundpo-sitionen zur Wahl, aber jede davon

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hat wieder andere Schwächen und bis man mal den Dreh mit den ständig erforderlichen Schwenks und Rein/Rausgezoome auch nur halbwegs raushat, vergehen schon einige Übungseinheiten. Stets scheint der Blickwinkel zu weit entfernt, zu schräg, zu nah, zu weit links, in den Wolken oder gleich völlig daneben. Erschwerend hinzu kommt, dass die Kamera automatisch auf jeden naheliegenden Hügel hochspringt. Und dies geschieht schlimmstenfalls alle paar Sekunden, etwa wenn Sie mit Ihrer Truppe durch einen Canyon oder am Rande eines Berges entlang marschieren. Und es gibt noch einen weiteren ärgerlichen Zeitfresser: Zwar können Sie ihre Armee in Formationen wie Dreieck oder Kreis antreten lassen, sobald aber der Feind kommt, springt der undisziplinierte Haufen umher wie ein... wie ein... tja, halt wie ein Barbarenhaufen - typisch so was.

Und nervig, wenn Sie etwa einen konzentrierten Sturmangriff in Keilformation auf ein Tor starten und die Hälfte Ihre Truppe in alle Himmelsrichtungen auseinanderspritzt. Auch ist die automatische Gliederung zusammengefasster Truppen alles andere als ideal: Oftmals stellen sich etwa die Bogenschützen von selbst in die erste Reihe und die Nahkämpfer dahinter, während diekampfstarken Helden die Nachhut bilden. Erschwerend hinzu in diesem Zusammenhang kommt noch eine mangelhafte Wegfindungsroutine. Insbesondere an engen Stellen ist oftmals ein Durchkommen in geschlossener Formation schier unmöglich: Ein Teil der Krieger verläuft sich dann mit schöner Regelmäßigkeit, bleibt vielleicht am Tor hängen und verstopft es so für die nachfolgenden Krieger oder gönnt sich gar eine kleine Auszeit in Form einer ausgedehnten Wanderung durch die umliegenden Bergketten.

Kein schönes Gefühl, wenn man gerade das Tor geöffnet hat, um einen überraschenden Ausfall zu machen und dann erst mal seine Leute einsammeln muss wie ein Schäferhund seine verirrten Lämmchen.kampfstarken Helden die Nachhut bilden. Erschwerend hinzu in diesem Zusammenhang kommt noch eine mangelhafte Wegfindungsroutine. Insbesondere an engen Stellen ist oftmals ein Durchkommen in geschlossener Formation schier unmöglich: Ein Teil der Krieger verläuft sich dann mit schöner Regelmäßigkeit, bleibt vielleicht am Tor hängen und verstopft es so für die nachfolgenden Krieger oder gönnt sich gar eine kleine Auszeit in Form einer ausgedehnten Wanderung durch die umliegenden Bergketten.

Kein schönes Gefühl, wenn man gerade das Tor geöffnet hat, um einen überraschenden Ausfall zu machen und dann erst mal seine Leute einsammeln muss wie ein Schäferhund seine verirrten Lämmchen.