„Wir sind Beowulfs Recken, jeder ein mächtiger Held, wir hauen euch den Hintern, eure Mädchen wir pimpern und nehmen dann noch euer Geld.“ - Wenn Euch dieser Gesang dazu inspiriert, eurem Hamster den Kopf abzubeißen, Krüge von Met hinunter zu schütten und Klingen schwingend unter Wikingergebrüll durch die Straßen zu rennen, dann könnte euch „Beowulf“ gefallen. Aber auch nur dann...

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„Asterix“-Leser wissen: Mit den wilden Mannen aus dem Norden ist nicht zu spaßen. Sie segeln durch die stürmische See, erobern sämtliche Landstriche, die ihnen vor den Bug kommen, und ihren Met genießen sie aus den Schädeln ihrer Feinde. Kurzum: In ihrer Mitte kommt man sich vor wie zu später Stunde auf dem Münchner Oktoberfest. Kein Wunder, dass es unzählige Hollywood-Streifen über die wagemutigen Matrosen aus den kalten Landen gibt.

Beowulf - Wenn das Kratos wüsste: Trotz Filmlizenz erreicht die dröge Klopperei nie die Qualität des Kriegsgottes.

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Als furchtloser Anführer Beowulf führt man seine Untergebenen durch die wilde See und ebensolche Gegnerhorden.
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Mit „Beowulf“ reiht sich derzeit eine weitere Sagengestalt aus dem Norden in die Riege der Leinwandhelden ein. Und da gerade das Weihnachtsgeschäft voll im Gange ist, darf das zugehörige Videospiel selbstredend nicht fehlen. Die Tatsache, dass Lizenzsammler Ubisoft für die Veröffentlichung des Titels verantwortlich zeichnet, lässt allerdings wenig Gutes erwarten. Denn Filmlizenzverwertungen durch große Publisher sind in aller Regel eben so erfolgreich wie Spiellizenzverwertungen durch Uwe Boll. Doch noch steht unser Daumen in der Mittelposition, und so hüpfen wir mit dem guten Beowulf ganz unvoreingenommen an den skandinavischen Strand.

Xtreme Beach Keilerei

Denn genau dort, zwischen steilen Klippen und der tosenden See, startet das Abenteuer der Sagenfigur. Dumm dabei: Hat man von der Geschichte überhaupt keine Ahnung, weiß man zu Beginn auch kaum, warum man sich dort befindet, wer man in der Rolle des Beowulf überhaupt ist und was das alles soll. Immerhin in die Spielmechanik versucht einen die Strandszene einzuführen.

Gegen einen Konkurrenten soll man sich als der Stärkste der Sippe beweisen. Die erste Disziplin dabei: das Laufen. Also sprintet man los, schließlich hat der Konkurrent bereits einen kleinen Vorsprung. Gesteuert wird der eigene Kämpfer ganz klassisch mit dem linken Analogstick. Da man sich hier aber nicht bei der nordischen Kombination der Leichtathletik befindet, sondern im wilden Zweikampf zwischen zwei Kriegern, steht rasch das erste Hindernis in Form einer Felswand vor Beowulf. Diese gilt es nun zu erklimmen.

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Die Kämpfe ändern sich während der kurzen Spielzeit kaum und werden mit der Zeit langweilig.
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Dabei kann man sich an bestimmen Stellen festklammern, andere Punkte sind wiederum so rutschig, dass der bärtige Muskelprotz dort gen Boden sinkt. Holt man Schwung, kann man zudem über größere Abstände hinweg springen. Das Problem bei dem ganzen Spielchen: Die Beschaffenheit des Mauerwerks ist kaum zu erkennen, so dass man immer wieder probieren muss, wo man sich denn festhalten kann und wo nicht. Das konnte „God of War“ - das „Die Legende von Beowulf“ zweifelsfrei als Vorbild diente – schon sehr viel besser.

Kratos, Beowulf und die Käufer dieses Titels weinen: Diese Filmumsetzung scheitert sowohl an der Technik, wie auch an der Spieltiefe.Fazit lesen

Eine Besonderheit der PC-Fassung: Hier werden einem statt der entsprechenden Controllertasten Symbole wie eine nach rechts geneigte Faust eingeblendet. Da scheinen die Entwickler entweder echte Wikingertastaturen benutzt oder sich aber einen Spaß mit den PC-Zockern erlaubt zu haben. Hat man die Kletterpartie überstanden, trifft man an einem weiteren Strandabschnitt wieder auf den Konkurrenten. Dieser schnetzelt sich bereits fleißig durch Unmengen an riesigen Krebsen.

Keine Frage: Da steigt man gerne mit ein – Hobbykoch oder nicht. Was für den gemeinen Nichtbiologen in dieser Sequenz überraschend sein dürfte: Krebse scheinen ausschließlich aus Blut zu bestehen. Denn was in diesem – und auch in allen weiteren – Kämpfen an rotem Saft spritzt, würde jedem Leiter von Blutbanken die Freudentränen in die Augen treiben.

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Der harten und brutalen Darstellung fehlt es durchweg an Highlights. So ähneln sich die meisten Gebiete doch sehr.
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Aus den Spieleraugen dürften hingegen Tränen der Wut und Enttäuschung tröpfeln. Denn während Kratos weiland die 3D-Fights in traumhafter Qualität bestreiten durfte, ist Beowulf nur ein weiterer müder Abklatsch. Technik, Stil und Komfort – in keinem dieser Punkte kann das Spiel die Ansprüche, die man an einen zeitgemäßen Actiontitel hat, befriedigen. So leiden die Technik und der Komfort unter einer schwachen Kamera, die immer wieder schlechte Positionen wählt und später bei Duellen in geschlossenen Räumen oftmals durch Objekte verdeckt wird.

Dazu gesellen sich eine nicht immer direkt ansprechende Steuerung, Animationen, die zwischen ordentlich und miserabel wechseln, und letztlich ein Mangel an Abwechslung. Gerade letztgenannter Punkt ist bedingt durch den schwachen Stil der Gefechte. Denn wo „God of War“ die Auseinandersetzungen bis in das letzte Frame grandios inszenierte und so für Schmerzen im Unterkiefer durch Dauerherabklappen sorgte, setzt Entwickler Shangri-La Entertainment einzig auf die übermäßige Gewalt.

Die gehörte zwar auch zum Sony-Titel, dennoch – und da wird jeder Comic-Fan zustimmen -, eine gelungene Darstellung eines brutalen Titels wird nicht durch den Grad der Gewalt bestimmt, sondern durch die Art und das Zusammenspiel aller Stilelemente. Die Auswahl der Angriffe per Gamepad funktioniert dafür sehr gut. Über die Standardtasten wählt man zwischen normalen und harten Attacken, Spezialaktionen werden über die Schulterbuttons aktiviert.

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Das Kreaturendesign ist zwar ordentlich, dafür sieht man immer wieder staksige Animationen. Dazu gesellen sich von Zeit zu Zeit Grafikfehler.
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Dazu gehören etwa der Blutrausch, den Beowulf nach dem ersten Abschnitt erhält und die Führung seiner Untergebenen. Im Blutrausch teilt man sehr viel mehr Schaden aus als sonst, ist praktisch unverwundbar und sieht die Welt durch einen roten Schleier. Die einzigen Mankos: Der Modus ist nach kurzer Zeit wieder vorbei und prügelt man sich so durch Gegnerhorden, erwischt man neben den Feinden auch seine eigenen Leute.

Möchte man hingegen die eigenen Mitstreiter stärken, wählt man per Schultertaste das entsprechende Minimenü aus und ruft den tapferen Jungs ein paar warme Worte zu oder gibt ihnen gleich direkte Befehle. In speziellen Abschnitten stimmt man gar ganze Lieder mit den Freunden an. Dabei schmettern diese das Lied, während man selbst in Form von Minispielen den Takt angibt. Auf einem kleinen Kreis wandern dann Tastensymbole, befinden sich diese inmitten eines Kreises, ist der entsprechende Knopf zu drücken. Aus einem dieser Liedchen stammt übrigens auch die ansprechende Strophe aus der Einführung dieses Artikels.

Ich sehe tote Seeschlangen

Hat man sich schließlich durch die Einführung am Strand gekämpft, steht mit einer gewaltigen Seeschlange der erste Bossgegner parat. Auf einer kleinen Felsfläche inmitten der wütenden See muss man dieses Monstrum mit bloßen Händen erlegen. Dabei kommt erstmals doch ein kleines bisschen „God of War“-Stimmung auf – leider jedoch drei Mal. Denn hat man das glitschige Viech einmal ein wenig bearbeitet, darf man durch Auslösen eines Quicktimeevents auf den Kopf der Kreatur hüpfen.

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Als Anführer kann man seine Mitkämpfer immer wieder durch Zurufe animieren.
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Hier reißt man ihr dann einen Stachel aus, rammt ihn in ihr Auge und rutscht dann mit dem Spieß an ihrem Wams herunter, wodurch man diesen aufschlitzt. Wirkt diese Sequenz beim ersten Mal noch überzeugend, wiederholt sich die gleiche Szene dann noch zwei Mal, da das Biest zwei weitere Köpfe dabei hat. Überhaupt merkt man „Die Legende von von Beowulf“ immer wieder die Lieblosigkeit in der Gestaltung an.

So sehen die meisten Abschnitte zwar ordentlich aus, dafür wiederholen sie sich aber auch ständig. Echte „Aha“-Erlebnisse gibt es zudem kaum. Die Charakterentwicklung in Form von neuen Fertigkeiten und von ständig neuen Waffen (die nach wenigen Kämpfen zu Bruch gehen und ersetzt werden müssen) kann da kaum mehr Motivation zum Weiterspielen wecken. Bei einer kurzen Spielzeit von nur etwa sechs Stunden scheint man sich dieser Schwächen beim Entwickler bewusst gewesen zu sein.