Im Kinohit Matrix wurde Neo dereinst zu einer Art Superheld, einem Jedi-Ritter in der virtuellen Realität, dessen Stärke allein aus seinem Geist gespeist wurde. Ist dieser erst einmal befreit, so haben wir damals gelernt, ist alles möglich. Nur ein völlig abgedrehtes Sci-Fi-Märchen, so wie Star Wars, urteilten viele Kritiker vor 20 Jahren. Jetzt allerdings rückt die Matrix tatsächlich in greifbare Nähe und wir alle könnten bald zu Neo werden oder zu Jedi-Rittern.

Heute geht es um die Zukunft des Gamings. Die Zukunft der Rollenspiele liegt derweil wohl in einem kommenden Titell, Cyberpunk 2077:

Cyberpunk 2077 - Gameplay Reveal - 48 Minuten - Walkthrough-Trailer

Erinnert sich noch jemand, wie der kleine, grüne Yoda damals Luke Skywalkers riesigen X-Wing mittels Gedankenkraft aus dem Sumpf hob? Ich war damals ein kleiner Knirps und musste mir von meinem Vater eine Predigt darüber anhören, welch ausgemachten Schwachsinn sich George Lucas da ausgedacht hätte. Gedanken sind Gedanken, so die weise, väterliche Feststellung. Sie können gar nichts steuern, außer den eigenen Körper, der sie hervorgebracht hat. Und selbst das funktioniere nicht immer zuverlässig.

Das Spiel mit der Macht

Klar - Telekinese, wie sie von Yoda und Luke im Sumpf von Dagobah trainiert werden, wird die Menschheit wohl so bald nicht entwickeln, das widerspricht irgendwie unseren Möglichkeiten innerhalb geltender Naturgesetze. Auch der Jedi-Mind-Trick, mit dessen Hilfe ich während meiner Jugend die Mitschüler davon überzeugen wollte, ihr Sandwich mit mir zu teilen, wirkte nur ab und zu mal und längst nicht so beeindruckend wie damals bei Obi Wan Kenobi auf Tatooine. Aber vielleicht waren meine Mitschüler auch nicht so einfältig wie die imperialen Sturmtruppen.

Vielleicht fehlte mir aber auch einfach nur die richtige Ausrüstung und die passende Umgebung, um meine gedanklichen Gewaltakte Wunder wirken zu lassen. Denn tatsächlich arbeiten Forscher und Erfinder aktuell an Technologien, mit deren Hilfe auch jene zum Jedi-Ritter werden können, die nicht ganz so stark von der Macht durchströmt sind.

Verkoppeltes Gehirnschmalz
Eine davon heißt BrainNet und ist das erste “multi-person non-invasive direct brain-to-brain interface”. Übersetzt wäre das in etwa eine nicht eindringende direkte Schnittstelle zwischen mehreren Gehirnen. Dienen soll sie dem gemeinschaftlichen Lösen von Problemen. Man kann aber auch einfach nur Tetris damit zocken. Kein Witz: In dem Versuch lösten drei Teilnehmer, die nur über eine Art Hirnschnittstelle miteinander verbunden waren, im Zusammenspiel eine Aufgabe.

Dass unser Hirnstüberl irgendwie elektrisch aktiv ist, wissen wir ja schon seit rund 150 Jahren. Trotzdem steckt die Elektroenzephalografie (EEG), mit der die Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche gemessen werden, noch immer in den Kinderschuhen. Einen praktischen Nutzen jenseits der medizinischen Forschung hatten die Erkenntnisse bislang noch nicht.

Die Mutter aller Spiele

Dass nun drei Menschen mittels ihrer Gehirnströme gemeinsam Tetris zocken können, wobei zwei Spieler als Sender fungieren, die ihre Wahrnehmungen in Signale packen und die via magnetischer Stimulation ins Hirn des dritten senden, der das eigentliche Spielfeld nicht sieht und dann mit Gedankenkraft die Klötzchen dreht, ist schon irgendwie krass. Im Experiment streute man zudem gezielt falsche Informationen von einem der beiden Sender ein, die der Empfänger dann als glaubwürdig oder unglaubwürdig einzustufen lernte.

Für die Zukunft träumen die Wissenschaftler von Schnittstellen, die Menschen dabei helfen, in einem “sozialen Netzwerk aus verbundenen Gehirnen gemeinsam Probleme zu lösen. Zugegeben, ein wenig gruselig ist das schon und es birgt sicherlich allerlei Risiken. Doch mit moralischen, gesellschaftlichen, gesundheitlichen und datenschutzrechtlichen Problemen müssen sich andere Journalisten befassen. Wir sind schließlich zum Vergnügen da und dürfen träumen.

Denkst du, es ist Luft, die gerade atmest?

Davon zum Beispiel, dass die Matrix bald Wirklichkeit werden könnte, in der es wirklich nur der eigene Geist ist und die Fähigkeit, ihn zu befreien, der darüber entscheidet, ob man nun der Auswählte, der Avatar oder kurz Neo ist, der das Spiel meistert. Wer seine Gehirnströme kontrollieren kann, kontrolliert die Matrix.

Kombiniert man diese Idee nun noch mit gängigen VR- oder AR-Technologien, kann man sich selbst gut in einer wirklich immersiven Umgebung vorstellen, in der man nicht mehr den Umweg über Maus, Keyboard oder Controller gehen muss. Wenn man keinen Bildschirmrand mehr sieht, weil die virtuelle Welt auf die Netzhaut projiziert wird, wenn Sprachsteuerung und Mimikerkennung ordentlich funktionieren, könnte ein Spiel schon jetzt zum als echt erlebten Abenteuer werden. Kaum auszudenken, wie es sich erst anfühlt, wenn auch noch die Gedankenkontrolle richtig greift.

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