Der anhaltende Erfolg von Epics Fortnite sorgt für jede Menge Wirbel in der Branche. Selbst in den großen, erfolgsverwöhnten Häusern wird man langsam nervös. Projekte in der Entwicklung werden auf Eis gelegt, nicht optimal laufende Online-Titel abgeschaltet. Die Studios geraten unter Druck. Sie sollen sparen, gleichzeitig etwas abliefern, das die Spieler wieder von Fortnite wegzieht. Wie das in etwa aussehen könnte, weiß anscheinend niemand außer unserem Kolumnisten.

Eigentlich sollte man sich als echter Gamer ja freuen, wenn ein Spiel besonders erfolgreich ist. Das sorgt für Wachstum in der Branche, begeistert neue Spieler für unser aller Hobby und sorgt generell für Staunen und Anerkennung bei jenen, die wenig bis gar nichts mit Computerspielen am Hut haben. Doch ein gesunder Erfolg hat Grenzen. Grenzen, die Fortnite längst überschritten hat.

Kulturphänomen Battle Royale

Epics Battle-Royale-Shooter dürfte mittlerweile eine Fangemeinde von 150 Millionen Spielern angelockt haben und wird entsprechend bisweilen schon als Kulturphänomen unserer Zeit bezeichnet. Ein Kulturphänomen, das seinen Schöpfern Hunderte Millionen Dollar Einnahmen pro Monat beschert. Einnahmen, die nicht mal eben so zusätzlich generiert werden, erzielt mit Spielern, die andernorts fehlen.

Besonders hart trifft das jene Publisher, die sich auf Multiplayer-Online-Games spezialisiert haben und denen ganz plötzlich ein großer Teil der Community weggebrochen ist. Verheerend sind die Auswirkungen vor allem deswegen, weil Multiplayer-Spiele, je nach Art des Spiels und seinen Mechaniken, eine ganz bestimmte Anzahl an aktiven Spielern benötigen.

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Wird der Spielerpool zu klein, werden die Wartezeiten zu lang und das Matchmaking-System funktioniert nicht mehr ordentlich. Bei den verbliebenen Spielern stellt sich zusätzlicher Frust ein. Ein Teufelskreis, der recht bald zum Zusammenbruch führt. Ein Effekt, dem schon Dutzende Spiele zum Opfer gefallen sind und der die Existenz Hunderter bedroht. Das vor kurzem noch blühende Genre der Arena-Games, es liegt am Boden, erstickt am eigenen Erfolg.

Ein Problem ist das nicht nur für laufende Projekte. Auch und gerade Spiele in der Entwicklung schaffen es nicht mehr, die nötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um Beta-Tests abzuwickeln und nach Release die Kosten einzuspielen oder gar die satten Gewinne zu erzielen, mit denen die erfolgsverwöhnte Publisher dahinter noch immer rechnen.

Activision macht Druck

Davon bleiben auch große Häuser wie Blizzard nicht verschont, wo sich die Anzeichen mehren, dass Activision immer größeren Druck auf die Studios und ihre Projekte ausübt. Nachdem man vor zweieinhalb Jahren mit Overwatch gezeigt hatte, wie viel Geld man in einem Jahr verdienen kann, wird weiterhin Wachstum verlangt.

Doch ohne neue Titel wächst es sich schlecht und gerade überhypte Titel wie Overwatch leiden extrem an dem neuen Hype um Fortnite. Bei Blizzard, so scheint es, herrscht Ratlosigkeit und man scheut sich nicht einmal mehr, es sich mit der Community gänzlich zu verscherzen, indem man den heiß ersehnten Diablo-Nachfolger auf den Handybildschirm quetschen will.

Alle sitzen in einem Boot, nur Epic sitzt im anderen

Und nicht nur Blizzard gerät aktuell unter Druck. Erst in der vergangenen Woche musste Wargaming mit seinem Total War: Arena kapitulieren und bekennen, dass man seine 4.000 Mann starke Mannschaft am Ende des Tages eben doch mit den Einnahmen aus den alternden Titeln World of Tanks und World of Warships finanzieren muss. Einen Plan B, der dringend nötig wäre, hat man offenbar nicht mehr.

Sogar das einstige Vorzeigeunternehmen Riot, das mit League of Legends vor nicht allzu langer Zeit noch die Liga angeführt hatte, musste sich schon gegenüber seinen chinesischen Eignern verantworten, die bislang wenig in das Tagesgeschäft eingegriffen hatten, sich indes jedoch wundern, was da im Westen eigentlich los ist, warum der einstige MOBA-Primus langsam ausblutet und Riot keine Alternativen im Portfolio hat. Doch wie, um Himmels Willen, könnten solche Alternativen aussehen?

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