Das nächste Fallout steht vor der Tür und wenn es nach den Entwicklern geht, wird daraus kein kurzes Vergnügen sondern ein Spiel für die Ewigkeit. Damit verabschiedet man sich von einer alten Tradition, geht weg von limitierten Abenteuern, hin zu - ja zu was denn eigentlich? Hat Bethesda ein wasserdichtes Konzept oder wird das neue Fallout zum Ausfall?

Freut ihr euch schon?

Fallout 76 - Vault Tecpräsentiert: Atomkraft fur den Frieden (Atomraketen)

Die Zeiten haben sich gewandelt in der Games-Branche. Waren es früher noch die kleinen, unabhängigen Studios, die neidisch auf die großen Häuser und deren berühmten Titel schauten, so ist es heute bisweilen umgekehrt. Kaum ein Indie-Entwickler träumt noch davon, ein eigenes Elder Scrolls auf die Beine zu stellen, ein Grand Theft Auto oder einen Witcher, egal wie viele Exemplare man davon an den Spieler bringen würde.

Früher war ich auch mal Abenteurer

Projekte von diesem Kaliber sind, obwohl sicher noch ein paar davon folgen werden, Relikte vergangener Tage. Aktuell sind sie selbst für die stärksten Investoren und Publisher nicht mehr interessant. Zu sperrig, zu umfangreich, zu anfällig für Bugs und Probleme, zu abhängig davon, ob die Story funktioniert und den Nerv der Zeit trifft. Und ohnehin sind sie viel zu teuer in der Entwicklung.

Die Sparte der Solo-Abenteuer durchläuft gerade eine Krise. Nicht etwa, weil sich dort kein Geld mehr verdienen ließe, angesichts einer wachsenden Spielerschaft verkauft man mehr denn je, jedoch weil man mit einem Bruchteil des Geldes einen potentieller Dauerbrenner entwickeln kann, ein Instanzen-Gebolze, einen MOBA-Abklatsch oder ein Battle-Royale-Gemetzel.

Erfolg lässt sich nicht kopieren

Längst sind einige Indie-Studios mit ihren einstigen Nischentiteln zu ernsthaften Konkurrenten herangewachsen, die so schnell auch nicht vom Markt verschwinden werden, weil sie ihre Spiele von Anfang an um die Idee der Endlosigkeit herum gebaut haben. Path of Exile und Warframe sind zwei solche Titel, die im Laufe der Jahre nicht gealtert sind sondern zu etwas herangereift, auf das nun manch großer Publisher neidisch blickt, weil man auch gern einen solchen Selbstläufer im Portfolio hätte, statt immer wieder dreistellige Millionenbeträge in neue Spiele investieren zu müssen.

Doch einen solchen Erfolg nachzumachen, ist nicht ganz einfach. Die meisten nun erfolgreichen Nischentitel wurden eben nicht nach einem bestimmten Muster gestrickt. Vielmehr wurden genau die Systeme, die für Langzeitspaß sorgen, aus einer finanziellen und zeitlichen Not heraus geboren, die den Machern in ihren Garagen oder Gründerzentren ein Höchstmaß an Erfindergeist abverlangte.

Ein kurzes Vergnügen

Gerade weil man auf keinen Abverkauf hoffen konnte, um die Entwicklungskosten einzuspielen, musste man kreativ sein. Wenn man seine Community nur langfristig halten könnte, wenn ab und zu ein Fan ein paar Freunde mit ins Spiel holen würde, dann wäre ein nachhaltiges Wachstum nach Release sicher, so die Überlegungen der Gründer.

Und genau dieses Wachstum ist es, mit dem die Großen bislang nie gerechnet haben, nie rechnen mussten. Für sie musste ein Spiel binnen weniger Tage nach Release die Entwicklungskosten eingespielt haben, ein etwas länger anhaltender Erfolg brachte dann einen möglichen Gewinn, bevor die Verkäufe unweigerlich in den Keller gingen und das Spiel billiger gehandelt wurde, fast so wie bei einem Hollywood-Blockbuster. So war das bislang auch bei den Bethesda-Titeln, mit Ausnahme von The Elder Scrolls Online und -Legends.

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Bei denen ist jedoch schon eine gewisse Tendenz zu erkennen, die Anlass zur Sorge gibt. Denn wenngleich man beiden Spielen einen leidlichen Erfolg zugestehen muss, so sind sie keinesfalls Beispiele für herausragendes Design, eher noch dafür, dass man mit halbwegs soliden Kopien fremder Ideen durchaus noch am Markt bestehen kann.

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